mini|Bonnie Greer
Bonnie Greer, OBE (* 16. November 1948 in Chicago; † 15. September 2026) war eine US-amerikanisch-britische Schriftstellerin, Dramatikerin und Kritikerin. Sie war zudem Kanzlerin der Kingston University.
Leben und Wirken
Bonnie Greer wuchs als ältestes von sieben Kindern in Chicago auf. Ihr Vater Ben stammte aus einer Familie von Landpächtern in Mississippi und war während des Zweiten Weltkriegs als Soldat im Vereinigten Königreich stationiert. Greer studierte Theater in Chicago, unter anderem bei David Mamet, und ging anschließend nach New York, um dort am Theater zu arbeiten. Am Actors Studio studierte sie Schauspiel bei Elia Kazan. 1985 brachte sie ein Theaterstück beim Edinburgh Festival Fringe auf die Bühne. Im folgenden Jahr zog sie ins Vereinigte Königreich, dessen Staatsbürgerschaft sie 1997 zusätzlich zu ihrer US-amerikanischen erhielt.
Greers literarisches und dramatisches Schaffen beschäftigte sich typischerweise mit den Lebenswelten von Frauen und ethnischen Minderheiten. Ihr erster Roman Hanging by Her Teeth (1994) erzählt von einer schwarzen US-Amerikanerin, die auf der Suche nach ihrem Vater durch die Vereinigten Staaten und Europa reist. Für ihr Theaterstück Munda Negra (1993), das sich mit psychischen Problemen schwarzer Frauen auseinandersetzt, erhielt sie den Verity Bargate Award für das beste Theaterstück. In Dancing on Blackwater behandelte sie Mutter-Tochter-Beziehungen, während Jitterbug aus sieben kurzen Stücken über kulturelle Unterschiede und Konflikte besteht.
Im Jahr 2005 sendete die BBC ihr Hörspiel Marilyn and Ella Backstage at the Mocambo, welches die Beziehung zwischen Marilyn Monroe und Ella Fitzgerald sowie die rassistischen Vorbehalte behandelt, mit denen Fitzgerald in der Unterhaltungsbranche konfrontiert war. Greer entwickelte daraus das musikalische Bühnenstück Marilyn and Ella, das beim Edinburgh Festival Fringe und am Londoner Apollo Theatre aufgeführt wurde. Zu ihren weiteren Hörspielarbeiten für die BBC gehörten Rosa Parks über die gleichnamige Bürgerrechtlerin und Ferguson, das vor dem Hintergrund der Proteste nach der Tötung von Michael Brown spielt. Überdies übersetzte und dramatisierte sie Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry für eine Hörspielproduktion der BBC.
In ihrem 2009 erschienenen Buch Obama Music baute Greer eine Brücke zwischen ihren persönlichen Erinnerungen an ihre Herkunft aus Chicago, der Musikgeschichte der dortigen schwarzen Bevölkerung und der Biografie Barack Obamas. 2014 veröffentlichte sie ihre Autobiografie A Parallel Life. 2019 wurde sie in die von Margaret Busby herausgegebene Anthologie New Daughters of Africa aufgenommen.
Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit engagierte sich Greer für die Öffnung des kulturellen Lebens für Minderheiten. Sie schrieb regelmäßig Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften wie The Guardian, The Independent und New Statesman. Zudem trat sie häufig als Diskussionsteilnehmerin in den BBC-Sendungen Newsnight Review und Question Time auf. Bei einer Ausgabe von Question Time im Jahr 2009 diskutierte sie mit Nick Griffin, dem damaligen Vorsitzenden der rechtsextremen British National Party. Diese Erfahrung verarbeitete sie in der Oper Yes, die 2011 am Royal Opera House uraufgeführt wurde. Greer engagierte sich außerdem gegen den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union.
Sie wurde 2005 in das Kuratorium des British Museums berufen, dessen stellvertretende Vorsitzende sie von 2009 bis 2013 war. Darüber hinaus gehörte sie den Leitungsgremien des Royal Opera House und der London Film School an. 2010 wurde sie für ihre Verdienste um die Kunst zum Officer des Order of the British Empire ernannt. Von 2011 bis 2015 war sie außerdem Präsidentin der Brontë Society.Bonnie Greer resigns as Bronte Society president, Artikel vom 8. Juni 2015 auf telegraph.co.uk. 2013 wurde sie zur Kanzlerin der Kingston University in London ernannt. 2021 verlieh ihr die School of Advanced Study der University of London die Ehrendoktorwürde für ihre literarischen Leistungen und ihren Beitrag zur öffentlichen Debatte. 2022 wurde sie zum Mitglied der Royal Society of Literature gewählt.
Greer heiratete 1993 David Hutchins. Sie starb am 15. September 2026 im Alter von 77 Jahren nach kurzer Krankheit.
Werke (Auswahl)
Bücher Hanging by Her Teeth, Serpent’s Tail 1994. ISBN 1-85242-185-1. Entropy, Picnic Publishing 2009. ISBN 978-0-9560370-3-9. Obama Music, Legend Press 2009. ISBN 978-1-906558-24-6. Langston Hughes: the Value of Contradiction, BlackAmber Books 2011. ISBN 978-1-906413-76-7. A Parallel Life, Arcadia Books 2014.
Theaterstücke Munda Negra, 1993. Dancing on Blackwater, 1994. Jitterbug, 2001.
Musicals Solid. Marilyn and Ella.
Film White Men Are Cracking Up, 1996.
Oper Yes, Royal Opera House, Covent Garden, November 2011.
Weblinks auf https://www.kingston.ac.uk/ vom 5. März 2013
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Drama Kategorie:Kritiker Kategorie:Kanzler einer Hochschule Kategorie:Officer des Order of the British Empire Kategorie:US-amerikanischer Emigrant im Vereinigten Königreich Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1948 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Frau