mini|Blick vom Aussichtsturm Siblinger Randen über den Klettgau Richtung Westen. Im Vordergrund liegt Siblingen, dahinter Gächlingen und Hallau. mini|Blick zum Randen mit Siblinger Randenturm mini|Ein Ammonit aus dem oberen Callovium des Klettgaus mini|Blick aus Pilotensicht über Raßbach beim Landeanflug auf den Flughafen Kloten, im Hintergrund die Glarner Alpen, im Vordergrund rechts der Sender Wannenberg, links davon der Kalte Wangen
Klettgau ist eine Landschaft und Region im südbadischen Landkreis Waldshut und in den Schweizer Kantonen Aargau, Schaffhausen und Zürich.
Geographie Der Klettgau ist das Gebiet zwischen Hochrhein im Süden, Randen im Nordosten sowie dem Hotzenwald und dem Schwarzwald im Nordwesten.
Gebiet in der Schweiz Kanton Schaffhausen mini|Der Obere Klettgau, Blick über die Weinberge bei Hallau in Richtung Enge vor Schaffhausen und Neunkirch (rechts), umgeben vom Randengebirge Im schweizerischen Teil des Klettgaus liegen die Bezirke Oberklettgau und Unterklettgau des Kantons Schaffhausen. Die folgenden Dörfer werden zum Klettgau gezählt: Beringen, Gächlingen, Guntmadingen, Hallau, Löhningen, Neunkirch, Oberhallau, Siblingen, Trasadingen und Wilchingen. 2005 wurden die Gemeinden Osterfingen und Wilchingen zur neuen Gemeinde Wilchingen fusioniert, auf Jahresbeginn 2013 hat Guntmadingen mit Beringen fusioniert und ist nun Ortsteil der Gemeinde Beringen. Schleitheim und Beggingen waren einst Teil der Landgrafschaft Stühlingen. Merishausen liegt unweit der Stadt Schaffhausen im Tal der Durach.
Gebiet in Deutschland Die gesamte südöstliche Fläche des Landkreises Waldshut, von Tiengen im Westen über die Gemeinden Lauchringen, Küssaberg, Hohentengen, Klettgau, Dettighofen und Lottstetten bis nach Jestetten im Osten, ist geographischer und physischer Teil des Klettgaus. Eine kleine Rheininsel liegt bei Ettikon.
Klima Durch den Regenschatten von Schwarzwald und Randen gilt der Klettgau als trocken. Es fallen nur rund 900 Millimeter Regen pro Jahr.
Staatsgrenze Auch nach dem Beitritt der Schweiz zum Schengen-Raum wird die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz überwacht. Kontrolliert wird dabei der Warenverkehr zwischen dem Schweizer Zollgebiet und dem Zollgebiet der Union. Dies geschieht durch die Eidgenössische Zollverwaltung und die Bundeszollverwaltung Deutschlands.
Für den Klettgau relevant sind bei der Zollan- und -abgabe die Grenzübergänge Waldshut-Tiengen – Koblenz, Rheinheim – Bad Zurzach, Erzingen – Trasadingen, Jestetten – Neuhausen am Rheinfall, Lottstetten – Rafz und Stühlingen – Schleitheim. Bedeutung für den Transitverkehr hat der Grenzübergang bei Bargen, der über Neuhaus am Randen nach Blumberg führt und die A4 mit der B 314 verbindet. Eine detaillierte Auflistung steht bei Liste der Grenzorte in Deutschland#Schweiz. Zur Geschichte der Grenze siehe in Grenzbefestigungen der Schweiz. mini|Der Klettgau von Rechberg nach Grießen (rechts) und in das Tal bei Bühl, im Hintergrund die Alpen
Geologie Bei Detzeln und Krenkingen am Randgebiet des Klettgaus zum Schwarzwald ist das Grundgebirge, im Steinbruch Detzeln der Porphyr des Schwarzwalds erschlossen. Das Grundgebirge des Schwarzwalds entstand durch magmatische Aufwölbung, hauptsächlich im Karbon als Teil der Variszischen Orogenese. Der Bonndorfer Graben und der Lenzkircher Graben entstanden durch Krustenbewegungen. In Perm, Trias und Jura wurden Sedimentschichten aufgelagert, das sogenannte Deckgebirge. Durch die Aufwölbung im Eozän erfolgte die Gebirgsbildung von Vogesen und Schwarzwald mit der höchsten Erhebung, dem Feldberg. Der Rheingraben entstand erst danach durch Zerrung, die ein Absinken zur Folge hatte. Das Deckgebirge wurde durch die Hebung im Tertiär großteils abgetragen und die dadurch freiliegenden Gneise und Granite des Grundgebirges konnten zu einem großen Teil ebenfalls erodieren, etwa durch den Feldberg-Gletscher.
Durch weitere Krustenbewegungen entstand der Faltenjura. Das Molassemeer bildete den Molassetrog, der im voralpinen Bereich ebenfalls aufgeschoben wurde, so kamen unter anderem die Zähne von Haifischen auf des Kätzlers bei Riedern am Sand und wurden aufgeschlossen in der Sandgrube Riedern am Sand. Beschrieben wurde 1914 der Fund eines Backenzahnes eines Mastodons am Kalten Wangen, der jedoch offenbar wieder verloren ging. Seit der Hebung der Schwäbischen Alb im Burdigal entstanden auch die Alpen durch tektonische Aufschiebung. Diese waren im Miozän erst ein Mittelgebirge, sind also erdgeschichtlich eine sehr junge Bildung; die Hebung zu einem Gebirge dauert heute noch an.
Der Klettgau erstreckt sich westlich der Jura-Schichtstufen vom Randen und Klettgaujura bis zur Wutach und Steina. Die zutage tretenden Erdzeitformationen sind hier vielfältig und kundige Fossiliensammler finden zahlreiche Fossilien. Der Klettgau ist geologisch das Bindeglied der Jurakette zwischen dem Schwäbischen Jura und dem Aargauer Jura als Teil des Schweizer Juras, der in den Französischen Jura übergeht. 2016 wurde im Rahmen der Endlagersuche der Schweiz in den Opalinustonen des Klettgaus eine Schichtstufe des Rhaetium nach dem Klettgau als Klettgau-Formation neu benannt. Älter als die Mandacher Störung ist die Mettauer Überschiebung. Durch die Urdonau bildete sich im Pliozän die Wutachablenkung die Julius Schill erstmals beschrieb.
Bis zum Ende der Riß-Kaltzeit vor rund 200.000 Jahren floss der Ur-Rhein von Schaffhausen westlich durch den Klettgau (Klettgaumulde). Das frühere Flussbett wurde mit Alpenschotter bzw. Alpenkies (Molasse) aufgefüllt. Ein weiteres Relikt davon ist die „Klettgaurinne“, ein großes Grundwasservorkommen, ein Grundwasserleiter ähnlich dem des Oberrhein-Aquifer, aus dem unter anderem die Kommunen Klettgau, Wutöschingen, Lauchringen und Waldshut-Tiengen ihr Trinkwasser beziehen. 2001 erfolgte die aufschlussreiche Geothermiebohrung Waldshut-Tiengen, bei der die Gesteinsschichten genauer erforscht werden konnten. Der Klettgau zählt nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands zum Alb-Wutach-Gebiet, welches dort vom Hochrheingebiet abgegrenzt wird. Das Hochrheintal ist von Schaffhausen bis Rheinheim auch Bestandteil des Klettgaus.
Mit dem Entstehen des Bodensees während der Würm-Kaltzeit durch den Rheingletscher als würmglazialer Zungenbeckensee oder Gletscherrandsee wurde der Rhein in weitem Bogen gegen Süden abgedrängt. Beim Übergang von den harten Weißjurakalken zur leicht abtragbaren rißzeitlichen Schotterrinne entstand vor rund 14.000 bis 17.000 Jahren der Rheinfall.
Fossilien- und Saurierfunde mini|Fossile Zahnfunde aus dem Oberen Miozän: Graupensande des Molassebeckens der Sandgrube Riedern mini|Ein Seeigel aus dem Weißen Jura des Klettgau (ohne Stacheln, diese fielen ab und sind oft separat zu finden) mini|Schaukasten mit Fossilien im Paläontologischen Museum Zürich Um 1700 erschien eine Druckschrift von Johann Muralt, in der er Versteinerungen vom Randen beschreibt: De quibusdam lapidibus figuratis Helvetiae; auf Deutsch: Einige Steinfiguren in der Schweiz. Der Schweizer Geologe Peter Merian schreibt 1849 in den Verhandlungen der Basler Naturforschenden Gesellschaft, Band 8: Über eine marine Tertiärformation im Randen.
Die Schriftstellerin Elisabeth Walter beschreibt in ihrem 1930 erschienenen Kinderbuch, wie der kleine Schmiedledick Versteinerungen auf den Jurahöhen des Klettgaus findet. Heimatforscher waren und sind bis heute an der Geologie des Klettgaus interessiert. So etwa Ferdinand Hasenfratz, die Gebrüder Franz Joseph Würtenberger und Leopold Würtenberger, die FachliteraturDer weisse Jura im Klettgau und angrenzenden Randengebirg erschienen in: Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Karlsruhe, Band 2, 1866. schrieben und Albert Oppel erwähnen (S. 56), der 1863 bei Bechtersbohl Ammoniten fand und beschrieb, auch nennen sie den Fund eines gut erhaltenen Unterkiefers, eines Gyrodus umbilicus Agas. (S. 53; benannt von Louis Agassiz), eines Fisches des Weißen Juras sowie eines nicht genau bezeichneten Stücks eines Teleosauridae.
Der Arzt Max Werner Intlekofer beschreibt auf seinen Botanischen Wanderungen die Geologie und erwähnt Fossilien aus Grimmelshofen, die beim Bahnbau gemacht wurden und den vorgeblichen Fund eines Schädelfragments Schädel, Oberkiefer und Zähne eines Nothosaurus mirabilis der an das Naturhistorische Museum in Basel gekommen sein soll.http://www.freidok.uni-freiburg.de/schriftenreihen_ebene2.php?sr_id=30&la=de Blatt 115 der Mitteilungen des Badischen Botanischen Vereins, 1894, S. 134. Zu nennen sind der Geologe und Sammler Ferdinand Schalch, dessen Fossiliensammlung im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ausgestellt ist, und der Sammler Franz Falkenstein.Franz Falkenstein, Saurier beim Waldhaus – Über die ältesten Fossilien im Landkreis. In: Heimat am Hochrhein Band XVI., 1991, ISBN 3-87799-097-5, S. 70 ff. Einige Skelettreste eines noch nicht näher bestimmten Tanystropheus fand man bei Bauarbeiten zwischen 1988 und 1990 im benachbarten Hotzenwald bei Waldhaus die Funde wurden vom Paläontologen Rupert Wild geborgen und in das Naturkundemuseum Stuttgart verbracht.
Fossilien aus dem Klettgau finden sich außer in Privatsammlungen noch in der Fürstenbergischen Sammlung in Donaueschingen und im Rosgartenmuseum in Konstanz, im Paläontologischen Museum in Zürich, im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe, in der Paläontologischen Sammlung der Universität Tübingen und im Naturmuseum Freiburg.
mini|Fossilien aus Küssaberg
Im Klettgau fand Bernhard Peyer einige Zähne von Morganucodon und Knochen des Gresslyosaurus (benannt nach dem Paläontologen Amanz Gressly), des Termatosaurus, von Megalosaurus und Plateosaurus. Ein vollständiges Exemplar aus dem oberen Trias, dem Rhaetium, entdeckte man im benachbarten Frickgau in der Tongrube Frick, wo 2006 zudem noch ein kleiner Raubsaurier der Art Notatesseraeraptor frickensis gefunden wurde der möglicherweise der Familie Coelophysidae zugeordnet werden kann.Sauriermuseum Frick mini|Rekonstruktionszeichnung eines Notatesseraeraptor
Ernst Stitzenberger nennt Fossilien von Mastodon angustidens Mey. (heutige Bezeichnung: Gomphotherium) und Dinotherium giganteum vom Buchberg am Randen sowie Hippotherium gracile Kaup. (heute Equidae) aus Beggingen.Ernst Stitzenberger, Übersicht über die Versteinerungen Badens, 1851, S. 105.
In Beggingen entdeckte 1962 ein Schüler einen Wirbelknochen eines Ichthyosauriers aus dem Schwarzjura mit zwölf Zentimetern Durchmesser. Die folgenden Grabungen ergaben ein Schwanzstück von ca. 1,20 m länge. Beim Bau der A 98 fand man 1991 ein kleines Kieferstück mit drei Placoduszähnen.Franz Falkenstein: Die Placodushöhle bei Lauchringen. In: Heimat am Hochrhein. Band XVII, 1992, ISBN 3-87799-103-3, S. 92 ff. Gefunden werden jedoch vor allem häufig vorkommende Fossilien, angefangen von Seelilien des Muschelkalks, Ammoniten, Muscheln, Schnecken und Brachiopoden des Jura, Belemniten aus dem Schwarzjura bis hin zu Haifischzähnen des Miozän.
Auf der Suche nach einem Atommüll-Endlager in der Schweiz wurden die Schichten der Opalinustone eingehend erforscht und es erfolgte eine neue Klassifizierung in der Abfolge der regionalen Erdformationen, der Klettgau-Formation.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte mini|Der Langenstein oder „Chindlistein“ beim Langensteinstadion mini|Faustkeil aus Feuerstein, gefunden beim Bau des Hochbehälters auf dem Semberg in Schwerzen