Tarık Kutver (* 7. Februar 193822. September 1963, Tercüman, S. 6.12. September 1973, Milliyet Spor, S. 2: "Tarık" in Istanbul bzw. Ezine7. August 1962, Milliyet, S. 8; † 20. April 2011 in Ezine) war ein türkischer Fußballspieler. Durch seine langjährige Tätigkeit für Galatasaray Istanbul und Karagümrük SK und als Eigengewächs von Karagümrük SK wird er stark mit diesen Vereinen assoziiert. Auf Fan- und Vereinsseiten wird er als einer der bedeutendsten Spieler der Klubgeschichte angesehen.sabah.com.tr: „G.Saray'ın efsanesi vefat etti“ (abgerufen am 11. April 2014) (abgerufen am 11. April 2014) Er war ein wichtiger Bestandteil jener Mannschaft, die mit Spielern wie Metin Oktay, Kadri Aytaç, Suat Mamat, Uğur Köken und Turgay Şeren den türkischen Fußball Mitte der 1960er Jahre stark beeinflusste. Wegen der Ähnlichkeit seiner Spielweise und der gleichen Position wurde er in Anlehnung an Lefter Küçükandonyadis als Çanakkale'nin Lefter'i (dt. Çanakkales Lefter) bezeichnet. Mit 99 Erstligaeinsätzen für Karagümrük ist er nach Nihat Çapalar (113 Einsätze) und Kadri Kartal (109 Einsätze) der Spieler mit den dritthäufigsten Süper-Lig-Einsätzen der Vereinsgeschichte.
Spielerkarriere Jugend und Karagümrük SK Die Anfänge Kutvers Fußballkarriere sind widersprüchlich dokumentiert. Nach einigen Quellen kam er 1938 im Istanbuler Bezirk Karagümrük auf die Welt und nach anderen 1940 in Ezine. Mit dem Vereinsfußball begann er bei Çanakkale Türkgücü und wechselte später in die Nachwuchsabteilung des türkischen Traditionsklubs Fenerbahçe Istanbul. Nachdem er hier den Sprung in die 1. Mannschaft nicht erreicht hatte, wechselte Kutver zum Stadt- und Ligarivalen Karagümrük SK. Für diesen spielte Kutver erst in der Nachwuchsmannschaft, wurde aber schnell in die 1. Mannschaft aufgenommen. Zum Zeitpunkt seines Eintritts in den Profikader existierte in der Türkei keine landesübergreifende Profiliga. Stattdessen existierten in den Ballungszentren wie Istanbul, Ankara und Izmir regionale Ligen, von denen die İstanbul Profesyonel Ligi (dt.: Istanbuler Profiliga) als die renommierteste galt. In dieser Liga spielten u. a. die drei großen Istanbuler Vereine Galatasaray, Fenerbahçe und Beşiktaş. Karagümrük, welches auch zu den angestammten Istanbuler Vereinen gehörte, spielte in der 2. İstanbul Profesyonel Ligi (dt.: 2. Istanbuler Profiliga), der 2. Division dieser Liga. Nach seinem Wechsel zu Karagümrük spielte Kutver mit seiner Mannschaft erst im vorsaisonalen Federasyon Kupası (dt. Verbandspokal) und anschließend in der 2. Istanbuler Liga. Bei diesem Verein hatten sich mehrere Mäzen in den Vorstand wählen lassen und versuchten den Verein neben den drei großen Istanbuler Klubs Beşiktaş, Fenerbahçe und Galatasaray zum vierten großen Klub aufzubauen. Zu diesem Zweck sorgten sie durch Investitionen dafür, dass der Verein im Sommer 1958 von İstanbul İkinci Küme (dt.: Zweite Istanbuler Liga) in die İstanbul Profesyonel Ligi aufstieg. Nach dem Aufstieg wurde erneut in die Mannschaft investiert, so wurde mit Kadri Aytaç der damals gefragteste Offensiv-Allraounder im türkischen Fußball verpflichtet und für diesen Spieler die damalige türkische Rekordablösesumme an Galatasaray gezahlt.31. Juli 1958, Milliyet, S. 6.11. Juni 1985, Milliyet, S. 14. Um Aytaç und die weiteren Nationalspieler wie Fahrettin Cansever und Aydın Yelken herum verpflichtete die Vereinsführung auch junge Spieler wie Tamer Kaptan und ein Jahr zuvor bereits Kutver. In der neuen Saison behielt Kutver seinen Stammplatz und bildete zusammen Aytaç und Turhan Bayraktutan ein erfolgreiches Sturmdreigespann. Dank dieser gut aufgestellten Truppe gelang es dem Aufsteiger, sich im oberen Tabellendrittel festzusetzen und lange Zeit um die Meisterschaft mitzuspielen. Zum Saisonende verlor das Team den Anschluss und beendete die Saison auf dem dritten Tabellenplatz.
Ab Frühjahr 1959 nahm Kutver mit Karamgümrük an der neugegründeten und landesweit ausgelegten Millî Lig (der heutigen Süper Lig) teil. Diese neue Liga löste die bisher vorhandenen regionalen Ligen in den größeren Ballungszentren, wie die İstanbul Profesyonel Ligi, ab. Die erste Spielzeit der Millî Lig wurde von Februar 1959 bis Juni 1959 ausgespielt und endete mit einem Sieg von Fenerbahçe Istanbul. Karagümrük belegte weit abgeschlagen einen mittleren Tabellenplatz. In der zweiten Milli-Lig-Saison belegte die Mannschaft lediglich einen mittleren Tabellenplatz. Zum Saisonende verließ mit Aytaç ein wichtiger Leistungsträger die Mannschaft. Nach diesem Weggang bildete Kutver zusammen mit Ali Soydan, Tuncay Becedek und Aydın Yelken die Offensivabteilung seiner Mannschaft und erzielte selbst neun Ligatore. Nachdem Karamgümrük in der Saison 1960/61 noch einen wichtigen mittleren Tabellenplatz belegt hatte, spielte die Mannschaft in der Saison 1961/62 gegen den Abstieg. Dieser Umstand führte dazu, dass der Mäzen seine finanzielle Unterstützung zurückzog. So wurden viele Spieler zum Verkauf angeboten. Für Kutver, der in der letzten Saison elf Ligatoren erzielte, der erfolgreichste Torschütze seiner Mannschaft war und zum Nationaltrainer aufstieg, interessierten sich mehrere Klubs.
Galatasaray Istanbul Galatasaray interessierte sich recht früh für Kutver und einigte sich mit Karagümrük auf eine Ablösesumme von 50.000 Türkische Lira.6. Juni 1962, Milliyet, S. 8 Nach dieser Einigung bemühte sich auch Beşiktaş um Kutver und unterschrieb mit diesem sogar Vorvertrag.6. Juli 1962, Milliyet, S. 8 Der Wechsel zu Beşiktaş scheiterte, nachdem Karagümrüks Präsident İbrahim Sevin auf die Übereinkunft mit Galatasaray verwies und deswegen eine Abgabe Kutvers an Beşiktaş ausschloss.7. Juli 1962, Milliyet, S. 8: "Durum tekrar değişti: Târık G.Saray'a girecek" So unterschrieben alle Beteiligten im 7. Juli 1962 die Verträge die den Wechsel Kutvers zu Galatasaray rechtskräftig machten. Galatasaray zahlte eine Ablösesumme von 50.000 Lira und für Kutver für zwei Jahre ein Gesamtgehalt von 50.000 Lira.8. Juli 1962, Milliyet, S. 8: "Nihayet Târık G.Saray'da" Bei Galatasaray wurde am Anfang der letzten Saison die ehemalige Spielerlegende Gündüz Kılıç als Cheftrainer eingestellt. Kılıç, der bereits Mitte der 1950er Jahre als Trainer mit Galatasaray große Erfolge gefeiert hatte, führte den zuletzt titellosen mit der Meisterschaft der Milli-Lig-Saison 1961/62 zur ersten Türkischen Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Nach diesem Erfolg versuchte Kılıç die wichtigsten Spieler aus seiner ersten Trainerperiode bei Galatasaray wieder zu verpflichten. Am Ende der abgelaufenen Saison bahnte sich bereits eine Rückholaktion des zum US Palermo gewechselten Stürmerstars Metin Oktay an.23. Februar 1962, Milliyet, Seite 624. Februar 1962, Milliyet, S. 6 Nach monatelangen Verhandlungen wurde der Transfer von Oktay Ende Juli 1962 abgewickelt.22. Juli 1962, Milliyet, S. 8 Zudem wurde vom Erzrivalen Fenerbahçe der Offensiv-Allrounder Kadri Aytaç zurückgeholt. Ergänzend zu diesen beiden ehemaligen Spielern wurde auch Kutver verpflichtet. Bei seinem Neuen Verein etablierte er sich auf Anhieb zum Stammspieler und bildete mit Metin Oktay, Kadri Aytaç, Uğur Köken, Suat Mamat und Ayhan Elmastaşoğlu ein sehr erfolgreiches Offensivgespann, das einen Großteil der 105 Ligatore erzielte. Kutver erzielte 17 Ligatore, war hinter Oktay, der mit 38 Toren Torschützenkönig wurde, der zweiterfolgreichste Torschütze seines Vereins, Vierter der Torschützenliste und einer der wichtigsten Vorlagengeber von Oktay. Während Oktay auf der Position des Mittelstürmers spielte, agierte Köken als Linksaußen und Kutver als Rechtsaußen. In der Saison 1962/63 gelang dem Klub die türkische Meisterschaft und damit die Titelverteidigung. Kutvers Mannschaft gewann in dieser Saison auch den neu eingeführten Türkischen Fußballpokal und wurde damit sowohl erster türkischer Pokalsieger als auch erster türkischer Double-Sieger. Zudem schaffte es Kutvers Team im Europapokal der Landesmeister 1962/63 bis ins Viertelfinale zu kommen und erreichte so die bis dato beste Platzierung einer türkischen Mannschaft in diesem Wettbewerb im Speziellen und in allen europäischen Vereinswettbewerben im Allgemeinen. Im Viertelfinale scheiterte die Mannschaft an AC Mailand.
In die nächste Saison startete Kutvers Mannschaft mit dem Gewinn des vorsaisonalen Pokalwettbewerbs des TSYD-Istanbul-Pokals. Kutver verletzte sich in dieser Saison in der Ligapartie vom 23. Oktober 1963 gegen den Hauptstadtvertreter Hacettepe GK. In der 56. Minute dieser Partie prallte Kutver während einer Galatasaray-Attacke mit dem gegnerischen Torhüter Sürhat Güngör zusammen und musste verletzt ausgewechselt werden. Eine ärztliche Untersuchung ergab, dass sich Kutver eine Meniskusverletzung zugezogen hatte und deswegen eine verletzungsbedingt Spielpause von fünf bis sechs Monaten einlegen musste.25. Oktober 1963, Milliyet, S. 8 Da mit Uğur Köken ein weiterer wichtiger Spieler dem Verein ab dem Winter 1963 nicht mehr zur Verfügung stand, kehrte Kutver schon im Januar 1964 wieder in den Mannschaftskader zurück. In der Ligapartie vom 22. März 1964 gegen den Erzrivalen Beşiktaş kam es zu Ausschreitungen unter den Spielern beider Teams. Der türkische Fußballverband entschied nach einer Untersuchung zwei Spieler von Beşiktaş und fünf Spieler von Galatasaray, u. a. Kutver vor sein sportliches Strafgericht zu stellen.25. März 1964, Milliyet, S. 8: "Beş Galatasaray'lı ve iki Besiktaş'lı suçlu görüldü" Dieses verhängt Kutver eine Spielsperre von vier Monaten, wodurch er den Rest der Saison nicht mehr zur Verfügung stand.17. April 1964, Milliyet, S. : "Tarık'a 4 ay, Bahri 2 ay ve Suat 1 ay ceza aldı." Diese Ausfälle führten mit dazu, dass die Mannschaft in der Liga den Anschluss an die Tabellenspitze verpasste und die Liga auf dem 3. Tabellenplatz beendete. Auch in der nächsten Saison wurde die Meisterschaft verspielt. In beiden Spielzeiten holte die Mannschaft aber zum zweiten und dritten Mal den Türkischen Fußballpokal. Dadurch war Kutver auch Teil jener Mannschaft, die zum ersten Mal den Türkischen Fußballpokal drei Mal in Folge gewinnen konnte.
Kutver fiel in der Saison 1964/65 durch verschiedene Vorfälle auf. So erschien er mehrere Male nicht zum Training und wurde deswegen vorübergehend aus dem Kader suspendiert.30. Dezember 1964, Milliyet, S. 8 Nachdem er seine Gehaltszahlungen von Galatasaray über längere Zeit nicht erhalten hatte, weigerte er sich im Frühjahr 1965 am Training teilzunehmen.13. Januar 1965, Milliyet, S. 8 Nachdem die zwischenzeitlich Zahlungen erfolgt waren, kehrte er zur Rückrunde wieder zur Mannschaft zurück. Im August 1965 fehlte Kutver erneut das Training.27. August 1965, Milliyet, S. 8 Bedingt durch sein angespanntes Verhältnis mit der Vereinsführung und einiger Verletzung fiel Kutver bis Ende November 1965 in nahezu allen Pflichtspielen seiner Mannschaft aus. Anschließend spielte er bis zur Winterpause und fiel zur Rückrunde erneut aus. Erst im März 1966 kehrte er wieder in den Mannschaftskader zurück und absolvierte bis zum Saisonende alle Ligaspiele. Auch in der Saison 1965/66 blieb die Mannschaft in der Meisterschaft chancenlos und vergab sie mit sechs Punkten unterschied deutlich an den Erzrivalen Beşiktaş, konnte aber zum vierten Mal in Folge den Türkischen Fußballpokal gewinnen und damit einen bis heute gültigen Rekord in diesem Wettbewerb aufstellen. Kutver verpasste auch die ersten Spieltage der Saison 1966/67, kam auf insgesamt 16 Ligaeinsätze und erzielte dabei sieben Tore. Seine Mannschaft spielte in dieser Saison zwar lange Zeit um die Meisterschaft mit, jedoch wurde die Liga auf dem 3. Tabellenplatz beendet. Darüber hinaus schied die Mannschaft im sonst sicheren Türkischen Fußballpokal bereits im Viertelfinale gegen Altay Izmir aus und beendete die Saison titellos.