Das ehemalige Garnisonsschützenhaus in Stuttgart-Degerloch beherbergte die Kantine und in einem Anbau die Scheibenwerkstatt des Schießplatzes Dornhalde der Königlichen Garnison Stuttgart. Das Haus Auf der Dornhalde 1a wurde 1893 von dem Königlichen Garnisonsbauinspektor Schneider am Nordrand des Schießplatzes, der wird heute als Dornhaldenfriedhof genutzt, im Schweizerstil erbaut. Das benachbarte Haus Auf der Dornhalde 1 wurde 1880 nach den Plänen des Königlichen Garnisonbaumeisters Julius Holch errichtet und diente als Wache und Wohnhaus für den Schießplatzaufseher. Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Außer diesen Gebäuden haben sich ein Geräteschuppen und ein Gerätemagazin auf dem Gelände erhalten. Auf einem Lageplan von 1912 sind neun neben einander liegende Schießbahnen zu sehen.Bertram Maurer: Geschichte der Dornhalde. Stuttgart 2018. ISBN 978-3-00-061036-3. Diese wurden von verschiedenen Organisationen bis 1969 als solche genutzt.Bertram Maurer: Stuttgart Dornhalde: Vom Schießplatz zum Friedhof. In: Schwäbisch. Heimat, 1981, S. 48–51. Hier S. 48 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schützenhaus separat als Gaststätte genutzt. Die Stadt Stuttgart übernahm die Gebäude um 1970 und vermietete sie für fast 40 Jahre zu Wohnzwecken.
Den beiden äußerlich noch halbwegs ansehnlichen Gebäuden, die seit mehreren Jahren leerstehen (Stand 2014), droht der langsame Verfall, wenn sie keiner Nutzung zugeführt werden. Eine 2014 gegründete Bürgerinitiative hat es sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit über die Gebäude zu informieren und die Entscheidungsträger der Stadt Stuttgart als Gebäudeeigentümer zum Handeln zu bewegen.
Lage mini | hochkant | Abluftkamin des Heslacher Tunnels.
mini | hochkant=1.25 | links | Lageplan.
Das Garnisonsschützenhaus liegt in Stuttgart-Degerloch am Nordrand des Dornhaldenfriedhofs, der 1974 auf dem Gelände des ehemaligen Schießplatzes der Königlichen Garnison Stuttgart angelegt wurde, der über neun 400-Meter-Schießbahnen verfügte.Link zum Lageplan: Siehe #Baugeschichte. Auf den früheren Schießplatzbetrieb weisen noch einige Zeugnisse hin: Das Garnisonsschützenhaus liegt in der Waldparzelle „Schießbahn 10/4“, die beim Schützenhaus an die Parzelle „Lerchenrain 10/3“ grenzt. In der Nähe des Zahnradbahnhofs beginnt der Waldweg Schießbahnweg, der in den zum Dornhaldenfriedhof führenden Dornhaldenweg übergeht. Auf dem Friedhof sind noch zwei Längswälle der ehemaligen Schießplatzanlage erkennbar, die früher zur Trennung der Schießbahnen dienten. Der verkürzte Rest eines Walls liegt neben den Friedhofshallen, der andere noch in Originallänge erhaltene Wall beginnt nahe beim Schützenhaus und verläuft bis zum Ende des Friedhofs.
Links vom Schützenhaus führt ein kurzer Weg zu dem Abluftkamin des Heslacher Tunnels, der 50 Meter weiter nördlich verläuft. Die Spitze des mit Holzschindeln gedeckten Turms ragt hinter dem Schützenhaus weithin sichtbar in die Höhe.
Zugang mini | hochkant=0.5 | Wegzeichen.
Weg 1. Seilbahn, 1 Kilometer Fußweg. Ein Teilstück des Rundwanderwegs Blaustrümpflerweg beginnt mit der Seilbahn. Mit der Stadtbahn U1 oder U14 fährt man bis zur Haltestelle Südheimer Platz, folgt dem Wegweiser bis zur Seilbahn und fährt mit dieser zum Waldfriedhof hinauf. Dort biegt man nach einem kurzen Fußweg links in die Eugen-Dolmetsch-Straße ein oder folgt dem Hauptweg des Waldfriedhof-Viereichenhau (östlicher Teil des Waldfriedhofs). Am Ende des Friedhofs überquert man die Heinestraße und folgt dem asphaltierten Weg, der rechts parallel zur Heinestraße verläuft, bis man das Garnisonsschützenhaus erreicht.
Weg 2. Zahnradbahn, 1,9 Kilometer Fußweg. Ein anderes Teilstück des Blaustrümpflerwegs beginnt mit der Zahnradbahn. Mit der Stadtbahn U1 oder U14 oder dem Bus 41 oder 43 fährt man bis zur Haltestelle Marienplatz und von dort mit der Zahnradbahn bis zur Endhaltestelle Degerloch (Ziffer 1 in der Karte). Von hier aus begibt man sich durch die Unterführung (U-Bahn-Haltestelle Degerloch) auf die andere Seite der Löffelstraße zur Josefstraße, biegt links in die Helene-Pfleiderer-Straße und rechts in den Schießbahnweg (2), der in den Dornhaldenweg (3) einmündet. Dieser führt direkt zum Garnisonsschützenhaus (4).
Weg 3. Lerchenrainschule, 1 Kilometer Fußweg. Man fährt mit dem Bus 41 bis zur Endhaltestelle Lerchenrainschule. An der Haltestelle folgt man der Kelterstraße und dann dem Waldweg bis zum Garnisonsschützenhaus. Wer Steigungen vermeiden möchte, kann diesen Weg auch als Rückweg wählen und sich zum Abschluss gegenüber der Bushaltestelle in dem Vereinsheim Gartenfreunde Stuttgart Heslach erholen.
Weg 4. Auto. Man fährt von Stuttgart-Heslach über die Karl-Kloß-Straße oder von Stuttgart-Degerloch über die Heinestraße bis zur Einmündung der Eugen-Dolmetsch-Straße und biegt dort in Richtung Dornhaldenfriedhof ab. Am Haupteingang zum Friedhof (Friedhofshallen) beginnt ein langer Parkstreifen, der vor der Schranke zum Garnisonsschützenhaus endet.
Beschreibung mini | hochkant=1.25 | Bauteile am Fachwerk. 1 Ständer2 Riegel3 Strebe4 Andreaskreuz5 Deckenbalken-Kopf6 Rähm7 Schwelle8 Zahnfries9 Fase10 Gefach mini | hochkant=1.25 | Schemagrundriss des Garnisonsschützenhauses (unmaßstäblich).
Das Garnisonsschützenhaus (Auf der Dornhalde 1a) besteht aus dem Hauptgebäude auf der linken Seite, das als Kantine für den ehemaligen Schießplatz diente, und einem giebelseitigen Anbau, in dem eine Scheibenwerkstatt untergebracht war.In einer Scheibenwerkstatt wurden Zielscheiben für den Schießbetrieb hergestellt und repariert. Fundament und Sockel bestehen aus weißem Sandstein, die Fassaden aus braunem Riegelfachwerk, das mit unverputzten, roten Ziegelsteinen ausgemauert ist. Die Dächer haben eine geringe Neigung und ragen weit über den Dachrand hinaus.
Zu den erhaltenen Nebengebäuden des Schützenhauses gehört das Haus Auf der Dornhalde 1, das als Wache (Erdgeschoss) und Wohnung für den Schießplatzaufseher (erster Stock) diente, sowie der Geräteschuppen und das Gerätemagazin.Siehe #Lage.
Fachwerk Bei Steinbauten werden die Fassaden meist durch vortretende Bauteile (Risalite, Säulen, Lisenen und Gesimse) gegliedert. Auch das Garnisonsschützenhaus ist mit Risaliten ausgestattet, an der Vorder- und Seitenfront im Erdgeschoss mit kaum vortretenden und im ersten Stock etwas weiter vortretenden Mittelrisaliten und einem Standerker an der Rückfront. Hinzu kommt ein erkerartiger Eckturm. Im Übrigen übernimmt das RiegelfachwerkZum Begriff Riegelfachwerk bzw. Riegelbau siehe: #Wietersheim 2004, Seite 24–25. mit seinen senkrechten und waagerechten Balken (Ständer und Riegel), die Gliederungsfunktion. Die von den Balken gebildeten viereckigen Felder (Gefache), sind mit Ziegelsteinen ausgemauert (ausgefacht). Außer den gefachbildenden Balken wurden auch Schrägbalken (Streben) und x-förmig gekreuzte Balken (Andreaskreuze) zur seitlichen Stabilisierung eingesetzt. Die Balken sind teilweise zur Verzierung an den Kanten abgeschrägt (gefast).
Der linke Seitentrakt und der Standerker schließen mit einem Schwebegiebel ab, der an der Mauerseite mit senkrechten, weiß angestrichenen und unten gekerbt zugespitzten Brettern verkleidet ist.Früher trug auch an der Vorderfront der Giebel des Mitteltrakts einen Schwebegiebel, der dem Schwebegiebel an der Seitenfront ähnlich war. Heute ist das Giebelstück notdürftig repariert. Die Balkenstruktur zwischen zwei Stockwerken ist an den Fassaden ablesbar und tritt an die Stelle der Gesimse beim Steinbau. Die Deckenbalken liegen quer zwischen dem Schlussbalken des einen Stocks (Rähm), und dem Bodenbalken des darüberliegenden Stocks (Schwelle). Zwischen Rähm und Schwelle zieht sich ein Band von übereck gestellten Ziegelsteinen (Zahnfries), das in regelmäßigen Abständen durch die profilierten Köpfe der vorkragenden Deckenbalken unterbrochen wird.
Hauptgebäude Grundrisse und Querschnitte des Garnisonsschützenhauses und des Wacht- und WohngebäudesNovember 1910Quelle: Landesarchiv Baden-WürttembergM 17/1 Bü 1295→ Link zum Plan
Übersicht Das zweieinhalb- bis dreistöckige Hauptgebäude ist 9,58 Meter breit, 8,12 Meter tief und 8,50 Meter hoch.Breite und Tiefe: laut Grundriss des Erdgeschosses (#Landesarchiv, M17/1 1295). Höhe: laut Querschnitt (#Plankopien). Die Grundfläche des Hauptgebäudes bildet annähernd ein Quadrat, das senkrecht und waagerecht in drei Streifen unterteilt ist, wobei der rechte Nord-Süd-Streifen (Treppenhaus) schmäler als die beiden anderen ist. Die Mittelstreifen springen an der Vorder- und Seitenfront leicht vor (Risalite), der Mittelstreifen der Rückfront endet in einem Standerker. Die beiden Seitentrakte des Gebäudes sind zweieinhalbstöckig (zwei normalhohe Stockwerke und ein Kniestock), während der dreistöckige, zwerchhausartige Mitteltrakt sich turmartig über sie erhebt.
Fenster und Türen mini | hochkant=1 | Uhrenturm.
Die freistehenden Fassaden sind in drei Achsen mit Einzelfenstern gegliedert, außer im ersten Stock der Vorder- und Rückfront, wo die mittleren Fenster als Zwillingsfenster ausgelegt sind. Die Mittelfenster des ersten Stocks werden durch ein balkonhaftes Brüstungsgefach hervorgehoben, das mit senkrechten, im Braun des Fachwerks angestrichenen und unten gekerbt zugespitzten Brettern verkleidet ist und bei Vorder- und Seitenfront von zwei Andreaskreuzen flankiert wird.
Der Standerker ist im Erdgeschoss mit zwei breiten Fenstern, die die ganze Breite des Erkers ausfüllen, ausgestattet. Sie werden von dicken Ständerbalken und Stichbogenstürzen gerahmt. Der Kniestock der Seitentrakte öffnet sich zum Anbau hin an der Giebelseite mit zwei schmalen Fenstern, an der Gegenseite mit einem Fenster. Lamellenklappläden,Lamellenklappläden: Fensterläden, die sich zur Seite hin öffnen, mit Querlamellen zur Belüftung. deren Grün in anregendem Kontrast zu dem Rot der Ziegelsteinfassade steht, dienen zum Verschließen der inzwischen modernisierten Fenster.
Das Haus besitzt drei Eingänge: einen Haupteingang an der Seite, der durch eine Gartentür und dann in den Standerker hineinführt, einen Mitteleingang an der Seitenfront und einen Eingang zum Treppenhaus an der rechten Seite der Vorderfront.
Dächer Das Gebäude schließt an der Langseite mit einem traufständigen Satteldach ab (der Dachfirst verläuft parallel zur Dachtraufe), das durch das quer dazu verlaufende, giebelständige Satteldach des Mittelrisalits kreuzförmig durchdrungen wird. An der Vorderfront wird der Mittelrisalit von einem viereckigen Dachreiter gekrönt. Er erfüllte die Funktion eines Uhrturms und endet wie das Gebäudedach in zwei sich kreuzförmig durchdringenden Satteldächern, die in der Mitte auf einem schmiedeeisernen Ständer eine Sturmglocke tragen. An zwei Seiten des Uhrturms kann man noch die Zifferblätter erahnen und die stillstehenden Zeiger der nicht mehr gangfähigen Uhr erkennen.
mini | hochkant=1.25 | Schutzdach des Anbaus von hinten.
An der Ecke zwischen der Rückfront und der freistehenden Seitenfront erhebt sich ab dem ersten Stock ein erkerartiger, viereckiger und um 45 Grad aus der Bauflucht gedrehter Eckturm, der von einem schlanken, schiefergedeckten und am Trauf weit überstehenden Pyramidendach bekrönt wird. Der Turm schließt ab mit einer Turmkugel und einer Wetterfahne mit der Jahreszahl des Baujahres 1893.
Anbau