mini|St. Nikolaus von Südwest St. Nikolaus ist eine evangelische Pfarrkirche im Schwäbisch Gmünder Stadtteil Lindach im Ostalbkreis von Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte Die Kirche wird 1356 erstmals als, zur Pfarrei Iggingen gehörende, Kapelle St. Nikolaus erwähnt. Zwei Steine des abgegangenen romanischen Langhauses, die heute im Chor verbaut sind, lassen jedoch auf eine deutlich frühere Erbauung schließen. Es ist von einer Bauzeit um 1200 auszugehen. Der Turm stammt Holzanalysen zufolge aus den 1480er Jahren. Ein Grundstein mit Bleiplatte von 1524 bezieht sich auf den Bau des gotischen Chores, dessen Schlussstein das Wappen der Ortsadligen Diemar zeigt. In Zeiten wechselnder Konfessionszugehörigkeit im 16. und 17. Jahrhundert ging die Kapellenverzierung teilweise verloren. Seit 1579 bekennt sich Lindach – mit kurzen Unterbrechungen – zum Protestantismus.
Nachdem 1560 bereits die Kirche als baufällig beschrieben wurde, kam es unter anderem 1622 zu Ausbesserungen. An Plänen für einen Neubau der zu klein gewordenen Kirche wurde ab 1861 geplant. 1885 erhielt zunächst Robert Reinhardt, 1894 Conradin Walther und dann, auf Grund seiner Pläne von 1887, Heinrich Dolmetsch 1902 den Auftrag zur Umsetzung mit Fertigstellung 1903. Das romanische Langhaus wurde abgebrochen, der Turm aufgestockt, der geostete und erhaltene gotische Chor zur Sakristei umgewandelt und rechtwinklig dazu, in Süd-Nord-Richtung, das neue Kirchenschiff mit westlich einem Seitenschiff, zwei Treppentürmen und einer geräumigen West- und Südempore errichtet. Unter dem Langhausdach schließt der Kirchenraum optisch reizvoll mit einer kleeblattförmig gebrochenen Gewölbetonne. Dieses originelle Erweiterungsprojekt mit der homogenen Verbindung zu etwas Neuem gilt als eines der eigenwilligsten und künstlerisch überzeugendsten des erfahrenen und prägenden württembergischen Kirchbauarchitekten der Jahrhundertwende. 1970/71 wurde eine Außenrenovierung vorgenommen und 1982 der Innenraum unter Beibehalt und Instandsetzung der bauzeitlichen Ausstattung renoviert. Dabei wurde die Sakristei unter die Empore verlegt und der Chor neu sichtbar gemacht.
Ausstattung Die von Heinrich Dolmetsch bis ins Detail entworfene Ausstattung der Kirche ist überwiegend original erhalten.Ellen Pietrus: Kirchenausstattungen von Heinrich Dolmetsch - Vom Umgang mit Raumfassungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Heft 2/2005, S. 88–99. Zu nennen sind der farblich und ornamental gestaltete Fliesenboden im Chor, die beschnitzten und bemalten Holzteile der Empore und Decke, die Schwingflügeltüren mit Flachschnitzereien und Buntgläsern, die hölzerne Abschlusswand (einst für die Sakristei im gotischen Chor, jetzt unter der Empore), in feiner Kunstschmiedearbeit die Schlaudern (Zuganker der Deckenbalken) und das „Chorleiternest“ an der Orgelempore mit Brüstung und Standleuchtern, das Gestühl mit den ausziehbaren Notsitzen und die ornamentale Schablonenmalerei in den Deckenfeldern.
Prinzipalien: Der Altar, die Kanzel und ein Taufstein stammen von 1904. Ein weiterer, durch eine Inschrift verzierter Taufstein stammt aus dem 16. Jahrhundert, aus dem 15. Jahrhundert ein Kruzifix, welches über schwenkbare Arme verfügt.
Glasmalerei: Der Stuttgarter Künstler Theodor Bauerle (1865–1914) hatte 1897 für die Stadtkirche Schramberg ein großes Chorfenster mit dem Bergpredigt-Motiv entworfen. Dieser Entwurf wurde von Gustav van Treeck in Bleiverglasung umgesetzt und mit geringfügigen Veränderungen auch hier 1903 in Lindach sowie bereits 1900 in Möckmühl erneut verwendet.Kommissionsbuch Fa. van Treeck, Nummern C 225, 308 und 404.
Orgel: Die Orgel stammt aus der Werkstatt von Friedrich Weigle. Sie trägt die Opus-Nummer 264 und wurde zum Erweiterungsbau 1903 geliefert. Das Instrument hat 12 Register auf zwei Manualwerken und Pedal.Informationen zur Orgel
I Hauptwerk C–f3 1. Dulciana 8′ 2. Gedeckt 8′ 3. Viola di Gamba 8′ 4. Principal 8′ 5. Mixtur ′ 6. Oktav 4′ II Nebenwerk C–f3 7. Geigenprinzipal 8′ 8. Salicional 8′ 9. Flöte 8′ 10. Flauto amabile 4′ Pedal C–f1 11. Subbass 16′ 12. Oktavbass 8′ Koppeln: II/I (auch als Suboktavkoppel), I/P, II/P
Literatur Richard Strobel, Landesdenkmalamt Baden Württemberg: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd. Band 4: Kirchen und Profanbauten außerhalb der Altstadt, Ortsteile. Deutscher Kunstverlag, München 2003; ISBN 3-422-06381-1, S. 357–367. Richard Strobel: Landkirchen in den Ortteilen von Schwäbisch Gmünd um 1900 – Kirchenbau und –erweiterungen zwischen Historismus und „Moderne“. Materialien aus einem Band „Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg“. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege. 2/2005, 34. Jahrgang, S. 73–87. Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters. Stuttgart 2008, Seite 314–318.
Einzelnachweise
Weblinks
Website der Evangelischen Kirchengemeinde Lindach-Mutlangen
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