mini|Germaringen vor den Alpen Germaringen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Ostallgäu. Die Gemeindeverwaltung hat ihren Sitz in Obergermaringen. mini|Obergermaringen von Süden mit Georgiberg Geografie Die Gemeinde liegt am Rand des Allgäus im Landkreis Ostallgäu.

Es gibt die Gemarkungen Ketterschwang, Obergermaringen, Untergermaringen und Schwäbishofen.

Die Gemeinde hat 5 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben und der Einwohnerstand vom 31. März 2015): Georgenberg (Einöde) Ketterschwang (Pfarrdorf, 404 E.) Obergermaringen (Pfarrdorf, 2590 E.) Riederloh (Siedlung, kein amtlich benannter Gemeindeteil, 57 E.) Schwäbishofen (Weiler, 19 E.) Untergermaringen (Pfarrdorf, 786 E.)

Zwischen Untergermaringen und Ketterschwang erinnert ein Kreuz (neben einem Brunnen) an den um 1400 abgegangenen Ort Hunoldshofen.

Nach Kaufbeuren sind es 7 km, nach Bad Wörishofen 15 km, der nächstgelegene Autobahnanschluss zur A 96 Lindau – München bei Buchloe ist 14 km und die Stadt Buchloe selbst ist 18 km entfernt. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Kaufbeuren mit Anschlüssen nach München, Lindau und Oberstdorf.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Obergermaringen entstand nach der alemannischen Landnahme als Ausbau des älteren „unteren Germaringen“. Obergermaringen wird erstmals 1295 erwähnt. Germaringen gehörte zur Freien Reichsstadt Kaufbeuren. Zu Germaringen gehörten die Gemeindeteile Ober- und Untergermaringen sowie das Riederloh. Ketterschwang kam im Jahr 1803 durch die Säkularisation der Reichsabtei Irsee (der der gesamte Ort bis auf den Weiler Schwäbishof gehörte) an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinden. Untergermaringen gehört zu den ältesten Orten im Landkreis Ostallgäu. Er wurde um 500 von der alemannischen Sippe eines Germar gegründet. Die erste Erwähnung geht auf das Jahr 1183 zurück.

Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurden die Gemeinden Obergermaringen und Untergermaringen am 1. Juli 1972 zur neuen Gemeinde Germaringen zusammengeschlossen. Ketterschwang kam am 1. Mai 1978 hinzu.

Einwohnerentwicklung Von 1988 bis 2008 wuchs die Gemeinde um 916 Einwohner bzw. ca. 32 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2900 auf 3865 um 965 Einwohner bzw. um 33,3 %.

Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden gezählt: Jahr Einwohner 1840 875 1895 1168 1910 1235 1933 1275 1946 1966 1961 2042 1970 2388 1980 2515 1990 2978 1995 3329 Jahr Einwohner 2000 3668 2005 3818 2006 3777 2007 3800 2008 3816 2009 3767 2010 3759 2011 3739 2012 3772 2013 3777 Jahr Einwohner 2014 3818 2015 3801 2016 3805 2018 3921 2019 39082020389720213912202240022023390720243860

vor 1961 ohne Schwäbishofen und Riederloh; Quelle: Gemeinde Germaringen

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 16 Mitglieder. Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmanteile bzw. Sitzverteilungen: +Partei/Liste202620202014%Sitze%SitzeSitze Bürgerblock Obergermaringen38,7633,4659 Freie Wählergemeinschaft Untergermaringen20,3321,9845 Freie Wählergemeinschaft Ketterschwang12,1212,1122 Wir für Germaringen28,9532,465–Gesamt100161001616Wahlbeteiligung65,8 %60,1 %

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Juli 2016 Helmut Bucher (Freie Wählergemeinschaft Untergermaringen). Sein Vorgänger war Kaspar Rager (Freie Wählergemeinschaft Untergermaringen).

Steuereinnahmen Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2023 6.438.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 2.942.000 €. Seit Februar 2014 ist die Gemeinde schuldenfrei. Noch im Jahr 2011 lag die Pro-Kopf Verschuldung bei nur 35 Euro/Einwohner. Wappen

Partnerschaften Germaringen hat mit der französischen Ortschaft La Verrie (heutige Gemeinde Chanverrie) im Département Vendée 1992 bzw. 1994 einen Partnerschaftsvertrag geschlossen. Doch schon seit 1976 finden regelmäßige Besuche im 4-Jahres-Rhythmus der Gemeinden statt. Im Jahre 2000 wurde das Partnerschaftsdenkmal in Germaringen offiziell eingeweiht. 2001 wurde die 25-jährige Freundschaft gefeiert. Beim Besuch im Jahr 2008 wurde am Gemeindeamt die Skulptur der Partnerschaft (Titel: Freundschaft überwindet Grenzen) feierlich eingeweiht. Die Skulptur besteht aus zwei geschwungenen Stelen, welche für die gemeinsame Geschichte der beiden Länder Deutschland und Frankreich stehen. Die französische Säule ist blau und die deutsche golden, beides Farben der Landesflaggen. Beide Staaten schufen durch ihre Aussöhnung das Fundament für die europäische Einigung und haben jeweils drei entscheidende Begriffe als Wahlspruch formuliert, die immer Gültigkeit haben werden. Für Frankreich steht: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. In Deutschland heißt es: Einigkeit, Recht, Freiheit. Diese fundamentalen Worte stehen als Grundlage des Miteinander auf der dreiseitigen Granitplatte, welche die Skulptur der Partnerschaft trägt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Das Landschafts- und Ortsbild ist wesentlich von den Kirchen mitgeprägt. Nennenswert sind der romanische Bau der Pfarrkirche St. Georg auf dem Georgiberg in Untergermaringen, die barocke Wallfahrtskirche St. Wendelin in Obergermaringen, sowie die Rokoko-Kirche St. Jakobus in Ketterschwang.

St. Georg Zur St.-Georgs-Kirche pilgerten früher Gläubige am Georgifest (23. April) aus der näheren und weiteren Umgebung. Der Fußweg auf den Berg ist gesäumt von alten Linden und fünf barocken gemauerten Wegstationen aus den Jahren um 1700.

Der geostete Tuffquaderbau stammt aus der Romanik um 1180. Der Satteldachturm in Ziegelmauerwerk wurde erst im 15. Jahrhundert errichtet. Der Bau wurde von 1966 bis 1970 umfassend renoviert und weitgehend in den ursprünglichen romanischen Baustil zurückgeführt; dabei auch barocke Anbauten abgebrochen. Im Inneren konnten ein romanisches Apsisfresko und Fragmente späterer Ausmalungen (neutestamentliche Szenen, Georgslegende und überlebensgroßer St. Christophorus) freigelegt werden. In der Apsis ist Christus als Pantokrator in einer Mandorla dargestellt, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten thronend über dem himmlischen Jerusalem. Begleitet wird Christus beidseits von je einem Engel und einem Heiligen (auf der nördlichen Seite der Kirchenpatron Georg in mittelalterlicher Rüstung, auf der südlichen Seite ein nicht klar benennbarer Heiliger, der Engel in liturgischer Gewandung mit Dalmatik und Manipel). Unterhalb der Mandorla sind nach Mt. 25, 1–13 als Halbfiguren die fünf klugen (nördlich) und fünf törichten (südlich) Jungfrauen dargestellt. Unterhalb der Gleichnis-Jungfrauen sind zwölf Männer dargestellt, eine Deutung als die zwölf Apostel liegt somit nahe. Allerdings ungewöhnlich ist das Fehlen der üblichen Attribute der Apostel wie z. B. Schlüssel oder Andreaskreuz. Einheitlich hält jeder der Dargestellten ein Buch in den Händen. Bei sonst gutem Erhaltungszustand sind leider die unteren Bereiche nicht erhalten. Es wird zwar immer von Freskomalerei gesprochen und geschrieben, doch wird man auch von ergänzender Malerei "al secco" ausgehen dürfen, die weitgehend verlorenging. Die Bedeutung der Apsisausmalung von St. Georg beruht auf ihrer Qualität mit reichlicher Verwendung des kostbaren Lapislazuli-Blaus und ihrer Einzigartigkeit in Bayerisch-Schwaben. mini|Romanische Apsisausmalung in St. Georg, Untergermaringen

An der Südseite des Langhauses ist die Kopie des romanischen Kruzifixus, das Original (jetzt im Bayerischen Nationalmuseum) war ursprünglich auf einem horizontalen Balken inmitten des Chorbogens angebracht (Befund Balkenlöcher im Chorbogen bei der genannten Renovierung).

Von einer Erneuerung gegen Ende des 17. Jahrhunderts haben sich die barocke Kassettendecke im Langhaus (datiert 1690) und Statuen und Gemälde erhalten.

St. Wendelin St. Wendelin in Obergermaringen wird bereits im 16. Jahrhundert als Wallfahrtskirche zum hl. Wendelin schriftlich erwähnt. An Stelle der ursprünglichen Kapelle wurde 1697 mit dem Bau einer Barockkirche begonnen. Der Bauplan stammt wahrscheinlich von dem Wessobrunner Baumeister und Stuckateur Johann Schmuzer. 1727 wurde der Bau mit zwei Kuppeltürmen fertiggestellt.

Im Inneren der Kirche sind eine Fülle von Wand- und Deckengemälden sowie reichhaltige Stuckaturen von Wessobrunner Meistern erhalten. An den Wänden sind zahlreiche Fresken mit Darstellungen aus dem Leben und der Legende des hl. Wendelin. Die Gewölbefelder schmücken Gemälde mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, umrahmt von üppigen Stuckornamenten.

In der Kirche bewahrt wird eine Reliquie des hl. Wendelin, gefasst in eine prächtige Rokoko-Reliquienmonstranz. Noch heute kommen Pilger zu Wallfahrten. Der traditionelle Wendelinsritt wurde wieder ins Leben gerufen und findet alle drei Jahre statt. Der erste große nachweisbare Umritt mit Pferden und Gespannen fand am 12. Juni 1924 zum 1300. Todestag des Viehpatrons statt. Jedes Jahr zum Wendelinsfest im Oktober (Dienstag nach Kirchweih) finden auch Viehsegnungen statt. Der heilige Wendelin wird nach wie vor von der Obergermaringer Kirchengemeinde sehr verehrt. Dazu finden Wallfahrten und Hirtenfeste statt. Immer am Ostermontag findet zu Ehren des heiligen Wendelin ein Festgottesdienst mit Reliquienverehrung statt.

In den Jahren 2016–2017 fanden umfassende Renovierungsarbeiten statt. Dachstuhl und Dachbalken erhielten neue Hölzer, die zwei Türme mussten zusammengespannt werden und der Westgiebel musste stabilisiert werden. Auch die Auflage der Empore wurde verstärkt. Zudem wurde im Innenraum die komplette Raumschale gereinigt, die Stuckarbeiten restauriert und die Altarbilder und Votivtafeln aufgefrischt. Im Außenbereich wurden am Sockel noch Ausbesserungsarbeiten durchgeführt.

Am 22. Juli 2017 nach über einem Jahr Renovierungszeit zelebrierte Weihbischof Florian Wörner zusammen mit den örtlichen Geistlichen und der Kirchengemeinde einen Festgottesdienst.

St. Jakob der Ältere Die Kirche St. Jakobus maj. im Gemeindeteil Ketterschwang ist ein Rokoko-Saalbau mit Satteldach, besitzt einen Nordturm mit Zwiebelhaube (erbaut 1716) sowie zentralisierenden Kapellenanbauten und Wandgliederungen. 1757/58 erfolgte der Neubau der Kirche unter der Leitung von Pfarrer Johann Joseph Greill, der Planentwurf ist eventuell von Nikolaus Schütz (ehemals Palier bei Dominikus Zimmermann). Die Fresken schuf 1758 Johann Baptist Enderle, unter anderem mit Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons St. Jakobus. Das Deckenfresko im Langhaus zeigt die Erscheinung des Jakobus in der Schlacht von Clavijo 844, bei der er einer Legende zufolge König Ramiro I. von Asturien zum Sieg gegen die Mauren verhalf.Zeittafel zu St. Jakobus auf schwabenmedia.de, abgerufen am 12. August 2018

2016 bis 2018 wurde die Kirche mit einem Kostenaufwand von 1,1 Millionen Euro renoviert. Unter anderem wurde die statische Sicherheit der Kirche (Dachstuhl, Decke des Hauptraumes) wiederhergestellt sowie die Fresken gereinigt und ausgebessert. In früheren Epochen teilweise übermalte Bildstellen wurden freigelegt und im ursprünglichen Stil wiederhergestellt.

Baudenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft 2023 gab es 794 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort, 1776 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort und 46 Arbeitslose. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei, im Bauhauptgewerbe sechs Betriebe. 2020 bestanden 48 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1996 ha.

Bedeutende ansässige Unternehmen: Otto Nocker GmbH, Fleisch- und Wurstwaren (Ende 2020 geschlossen) Gruma Nutzfahrzeuge, Landmaschinentechnik Internationale Spedition Karl-Heinz Dietrich GmbH&Co. KG, Fracht- und Transportwesen

Verkehr Der Gemeindeteil Obergermaringen ist direkt an die Bundesstraße 12 angebunden.

Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2025): zwei Kindergärten: St. Michael in Obergermaringen mit einer Ganztags- und drei Halbtagsgruppen, sowie einer Krippe und St. Georg in Untergermaringen mit einer Ganztagsgruppe