mini|hochkant|Wappen derer von Böddenstedt (Bodenstede) Böddenstedt (auch Bodenstedt, Bodenstede) ist der Name eines lüneburgisch-mecklenburgischen Uradelsgeschlechts. Die Herren von Böddenstedt gelangten im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, im Mecklenburgischen sowie in der Mark Brandenburg zu Besitz und Ansehen und sind spätestens im Verlaufe des 17. Jahrhunderts im Mannesstamm erloschen.
Geschichte Herkunft Die im Mittelalter im norddeutschen Raum verbreitete ministerialadlige (Knappen-)Familie derer von Böddenstedt tritt um 1217 erstmals urkundlich in Erscheinung. Die Schreibweise des Namens variiert zwischen Bodensted(e), Bodenstide, Bod(d)enstedt, Boddenstede, Budenstede oder Budenstide. Das Geschlecht war im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, im Mecklenburgischen sowie in der Mark Brandenburg ansässig.
Die verwandtschaftlichen Beziehungen der unterschiedlichen Namensträger aus den verschiedenen Orten sind größtenteils unklar.
Besitzungen im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg mini|Modifiziertes Wappen derer von Böddenstedt auf einem Findling in Böddenstedt Bereits um 1217 werden Georg von Bodenstede sowie seine Kinder Dietrich, Georg und Adelheid im Urkundenbuch der Bischöfe und des Domkapitels von Verden im Zuge eines bezeugten Tauschgeschäfts des Bischoffs Iso von Verden mit der früheren Herzogin Helena und ihrem Sohn Otto von Lüneburg erwähnt.Arend Mindermann (2001): Urkundenbuch der Bischöfe und des Domkapitels von Verden, Verdener Urkundenbuch, 1. Abteilung, Band 205, Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, S. 834
Um 1226 wird außerdem Eccehardus de Bodenstide im Lehnsregister des Luthard von Meinersen mit drei Höfen und einer Mühle in Sickte genannt. Weiterhin erscheint Burchardus de Bodenstede 1233 in einer Urkunde Herzogs Otto von Braunschweig-Lüneburg für die Johanniskirche in Osterode als Zeuge.Rolf Hillmer (1986): Geschichte der Gemeinde Suderburg. Uelzen: Becker Verlag In einer ebenfalls 1233 in Hildesheim ausgestellten Urkunde der Pfalzgräfin Agnes wird außerdem Sigebode de Bodenstede als Zeuge genannt. In Urkundenbuch der Stadt Braunschweig wird wiederum Hans von Bodenstede aufgrund des Mordes an seinem Stiefkind im Jahre 1376 als Verfesteter der Altstadt erwähnt. Daneben erscheint mit einem weiteren Hans (Ioannis) von Boddenstede, Ratsherr von 1378 bis 1385, vermutlich sein Sohn.Josef Dolle (2003): Urkundenbuch der Stadt Braunschweig. Band 7: 1375–1387.
Bis ins 15. Jahrhundert hatten Mitglieder des kleinadligen Geschlechts außerdem Besitzungen im gleichnamigen Dorf Böddenstedt im Landkreis Uelzen. Urkundlich belegt ist, dass die Brüder und Knappen Johann und Heinrich von Böddenstedt (Johannes et Hinricus de Bodenstede) dem Kloster Oldenstadt im Jahre 1321 das Recht verkaufen, Schweine in den Wald bei Böddenstedt zu treiben.Dieter Brosius (2022): Urkundenbuch des Klosters Oldenstadt: Lüneburger Urkundenbuch. 11. Abteilung, S. 55. Ferner ist belegt, dass die Brüder und Ritter Otto, Werner und Gebhard Grote im Jahre 1322 von dem genannten Knappen Heinrich einen Hof nebst Lehnsrecht in Böddenstedt erwerben, während die von Meltzing im Jahre 1358 einen Wüsthof mit Waldanteil und eine Tonne Bier an Dietrich und Heinrich von Böddenstedt verkaufen.Thomas Vogtherr: Wirtschaftlicher und sozialer Wandel im Lüneburger Landadel während des Spätmittelalters, in: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen: XXIV Untersuchungen zur Standesgeschichte Niedersachsens. Hildesheim 1983, S. 103.
Laut Urkundenbuch der Stadt Uelzen verkauft Juries von Böddenstedt aus Dahlenburg im Jahre 1362 einen Garten in Böddenstedt. Ein Jahr später erfolgt außerdem ein Vergleich Dietrichs von Böddenstedt (Heinrichs Sohn) mit Tideke von Böddenstedt (Sohn des Johann) über seinen dortigen Hof.
Die Familie war auch in Uelzen anzutreffen. 1392 wird beispielsweise Ludeke van Bodenstede als Ratsherr oder Bürger der Stadt Uelzen genannt.Wilhelm Friedrich Volger (1877): Urkundenbuch der Stadt Lüneburg. Herold & Wahlstab. Kurz darauf (1403) bestätigt der Generalvikar des Verdener Bischofs Conrad, Burchard von dem Berge, „die Stiftung einer Vikarie am Altar der Apostel Peter und Paul sowie der Maria Magdalena in der St.-Marien-Kirche in Uelzen durch Angehörige der Familie Bodenstede mit Gütern in der Uelzener Feldmark, in Hambrock, Böddenstedt, Groß Liedern, Teyendorf und Emmendorf“.Thomas Vogtherr: Urkundenbuch der Stadt Uelzen (= Lüneburger Urkundenbuch. 14. Abteilung), 1988, S. 268. Zu dieser Zeit lebten hier die Brüder Johannes, Ludolf, Meinard und Helmold von Bodenstede. Johannes war von 1416 bis 1430 Vikar von Uelzen. In Lüneburg wird im Jahre 1412 nahezu parallel Heinrich von Bodenstedt (* um 1360; † 1433) zum Propst des Klosters Lüne gewählt. Er wird als Mitglied einer Uelzener Ratsherrenfamilie und Vetter seines Vorgängers Johannes Weygergang bezeichnet und war offenbar zuvor bereits Propst in Dannenberg.Ulrich Faust (1984): Die Frauenklöster in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen, EOS-Verlag, S. 381 Schließlich wird noch 1557 ein Jochim Boddenstede als Bräutigam in Uelzen erwähnt.Hermann Oestmann (1953): Geschichte des Dorfes und der Schule Böddenstedt, Selbstverlag.
Die meisten der erwähnten Urkunden belegen einen permanenten Verkauf der Familiengüter, womit offenkundig ein kontinuierlicher Niedergang der Familie einherging.Tilman Grottian: Geschichte der Gemeinde Suderburg. Suderburg 2004, 212 Seiten, ISBN 3-931824-33-0 Etwa seit Mitte des 15. Jahrhunderts kommen vor Ort keine Namensträger mehr vor. Auch der Böddenstedter Adelshof, der laut Nachforschung des Geographen Prof. Wolfgang Meibeyer auf dem gesamten westlichen Areal der heutigen Mühlenstraße gelegen haben soll, hat die Zeit nicht überdauert.Wolfgang Meibeyer, Wilhelm Westermann (2021): Flurgenese und Agrarreformen in der Lüneburger Heide am Beispiel des Dorfes Böddenstedt im Landkreis Uelzen, Beiträge zur Kulturgeschichte der Lüneburger Heide 11, PD-Verlag GmbH & Co. KG, ISBN 3-86707-849-1 Damit verliert sich die Spur derer von Böddenstedt, ehe im Jahre 2021 in der Böddenstedter Feldflur der Siegelstempel des erwähnten Uelzener Vikars Johannes (Hans) von Bodenstede gefunden wird, der im Uelzener Urkundenbuch zwischen 1398 und 1443 bezeugt ist.Böddenstedter Adelshof entdeckt Abgerufen am 10. November 2022
Besitzungen in Mecklenburg Eine weitere Linie derer von Böddenstedt gehörte zur Vasallität der Grafen von Schwerin.Hans K. Schulze (1963): Adelsherrschaft und Landesherrschaft Studien zur Verfassungs- und Besitzgeschichte der Altmark, des ostsächsischen Raumes und des hannoverschen Wendlandes im hohen Mittelalter, Böhlau, S. 173 1251 tauscht der aus dem Lüneburgischen stammende gräflich Schwerinsche Vasall und Ritter Burchard von Böddenstedt (* um 1220) seine Besitzungen in Kölzin und Wokendorf gegen Besitzungen des Klosters Zarrentin. Er erhält dafür die Dörfer Lüblow, Wöbbelin und Kalvestert vom Grafen Gunzelin von Schwerin zu Lehen. Burchard hatte die drei Söhne Dietrich, Jordan und Heinrich.
Dietrich von Böddenstedt war, wie sein Vater, ebenfalls gräflich Schwerinscher Vasall in Lüneburg, während seine jüngeren Brüder, der Ritter Jordan von Böddenstedt (⚭ Christine N.N.) und der Knappe Heinrich von Böddenstedt als Vasallen des Klosters in Lüneburg bezeichnet werden.Verein für Meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde (Hrsg., 1867): Mecklenburgisches Urkundenbuch, Band 4 Jordan und Heinrich werden 1256 vom Michaeliskloster zu Lüneburg mit der Hälfte des Dorfes Michelsdorf (nicht mehr existierende Ortschaft in der heutigen Gemeinde Gehlsbach) in der Herrschaft Werle belehnt. Die andere Hälfte ging an Hartwig und Heinrich von Wittenlog. Vermutlich zwischen 1256 und 1265 errichten die Herren von Böddenstedt und von Wittenlog dort eine Kirche. Da die Gebrüder von Böddenstedt keine Erben hinterlassen hatten, zog das Kloster im Jahre 1265 jedoch die Hälfte des Gutes wieder ein, ließ sie allerdings bis 1271 der Witwe des Ritters Jordan von Böddenstedt, Christine, auf Lebenszeit „zum Geniessbrauche“.Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (1864): Mecklenburgisches Urkundenbuch, 1251–1280, Band 2, 668
1296 wird Bertoldus de Bodenstede in Rostock neben weiteren Personen als Mörder eines Burchard von Braunschweig verfestet.Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde (Hrsg., 1865): Mecklenburgisches Urkundenbuch, Bd. 1-25, Teil A; 786/1250-1400, Band 3, Schwerin: F. W. Bärensprung
Im Jahre 1650 wird Burchard von Böddenstedt als Ratsherr in Schwerin erwähnt.Verein für Meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde (Hrsg., 1867): Mecklenburgisches Urkundenbuch, Band 4, S. 128
Besitzungen in der Mark Brandenburg mini|Der Burgturm von Salzwedel wurde wohl gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtet Im Landbuch der Mark Brandenburg werden die Böddenstedt als Besitzer der Neustädter Mühle (bei Salzwedel) genannt. Ob die Familie auch in Böddenstedt bei Salzwedel oder in Hohenböddenstedt ansässig war, ist nicht bekannt, aber naheliegend. 1242 und 1243 wird in dieser Gegend der Ritter Arnold von Bodenstede erwähnt, der 1248 das Stift zum Hl. Geist vor Salzwedel beschenkt.
Sein Sohn Arnold stattet 1289 seine Tochter Mechthild für den Eintritt in das Kloster Arendsee aus. Die hierüber ausgestellte Urkunde lässt er unter anderem mit dem Siegel eines Werner von der Schulenburg (Wernerus de Schulenborch) versehen, da er selbst kein Siegel hat.Wolfgang Podehl (1975): Burg und Herrschaft in der Mark Brandenburg. Unters. zur mittelalterl. Verfassungsgeschichte unter bes. Berücks. von Altmark, Neumark u. Havelland. Böhlau Er verkauft 1295 außerdem einen Hof zu Vissum, was wiederum von Werner von der Schulenburg und Heinrich von Böddenstedt (Bruder Arnolds des Jüngeren) beurkundet wird.Adolf Friedrich Riedel (1857): Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Teil 1, Band 14. Berlin: Reimer. S. 40 Da der Ritter Werner von der Schulenburg (* vor 1250; † 1304) übrigens auch als Vormund des Arnold von Böddenstedt in Erscheinung, wird eine enge verwandtschaftliche Beziehung der beiden Geschlechter angenommen.Johann Friedrich Danneil (1847): Das Geschlecht der von der Schulenburg, Zweiter Band, Salzwedel: Schmidt
Die Salzwedeler Burgmannen Cord (Conradus) und Geverd (Gebhard) von Böddenstedt schenken dem Stift zum Hl. Geist vor Salzwedel im Jahre 1246 außerdem 1 Wispel Roggenpacht aus dem Schulzenhof in Zierau.Adolf Friedrich Riedel (1867): Codex diplomaticus brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Band 40Karl-Friedrich von Kloeden (1845): Diplomatische Geschichte des Markgrafen Waldemar von Brandenburg vom Jahre 1345–1356. 3 Sie waren mutmaßlich Söhne eines Hinricus de BodenstedePhilipp Wilhelm Gercken (1765): DIPLOMATARIA VETERIS MARCHIAE BRANDENBVRGENSIS. Band 1, S. 312 f und Brüder des Ritters Arnold des Älteren. 1341 genehmigen ihre Nachkommen über ihre Vormünder überdies den Verkauf eines Hofes in Zierau an das Stift zum Hl. Geist.Verein für Geschichte der Mark Brandenburg (Hrsg., 1847): Märkische Forschungen, hrsg. von dem Vereine für Geschichte der Mark Brandenburg Band 3 Als Vetter wird Gherke von Wallstawe genannt. Ob zur Nachkommenschaft auch Heinrich von Bodenstede zählt, der 1316 ebenfalls als Burgmann von Salzwedel genannt wird, ist unbekannt.