Roadster [] ist ein im Rahmen einer Retrowelle wiederentdeckter Werbebegriff für Straßenmotorräder. Ähnlich wie sein „Retro“-Vorläuferbegriff Naked Bike ist Roadster ein marketingtechnischer Fachbegriff für Motorräder, bei denen sowohl der Antrieb als auch das Fahrwerk unverkleidet sind. Mit Retrowellen-Roadstern wird, mehr oder weniger erfolgreich, versucht, sich in Erscheinungsbild und Fahrverhalten der Maschinen vor allem an den britischen Motorradbau der späten 1960er Jahre anzulehnen, was häufig bereits an überhöhtem Gewicht und überladenem Design der Epigonen bzw. Nachbildungen scheitert. mini|Norton Commando 750 Roadster (1967–1972)

Klassifikation Roadster vereinen die Fahrwerksgeometrie klassischer Motorräder mit drehmomentstarken Ein- bis Zwei-, bei den Retro-Roadstern sogar Vierzylindermotoren, wobei Letztere mit der ursprünglichen Begriffsbedeutung selten noch viel gemein haben und eher der Gattung klassischer Superbikes zuzurechnen wären. Auf eine Verkleidung von Motor, Rahmen und Fahrwerk sowie einen Windschild wird meistens zugunsten eines geringen Leergewichts und „ursprünglichen Fahrgefühls“ verzichtet. Da durch die fehlende Verkleidung dauerhafte Geschwindigkeiten von über 160 km/h unkomfortabel sind, werden Roadster vorwiegend auf hohe Elastizität, dynamische Kraftentfaltung und Durchzugskraft aus niedrigen Motordrehzahlen anstatt auf Höchstleistung und Endgeschwindigkeit ausgelegt.

Die Fahrzeuggeometrie mit steilem Lenkkopfwinkel und daraus resultierendem kurzen Nachlauf und Radstand ist auf eine hohe Kurvenwendigkeit ausgelegt. Sitzhöhen von unter 65 cm ermöglichen ein entspanntes Aufsteigen und aufrechtes Sitzen. Eine niedrige, breite und weiche Sitzbank steigert den Sitzkomfort bei ausdauernder Fahrt. Eine niedrige Schwerpunktlage mit entsprechender Gewichtsverteilung verbessert die Handlichkeit. Eine Haltevorrichtung für Gepäckträgersysteme, an denen Seitenkoffer und ein Topcase befestigt werden können, ist meist nicht vorgesehen. Die Fahrerassistenzsysteme wie Antiblockiersystem und Traktionskontrolle sind, sofern vorhanden, zumeist nur in einer Basisversion ausgeführt. Ein straßentaugliches Reifenprofil verbessert die Straßenlage und Kurvenfahrt. Nennleistungen von bis bei einem Hubraum zwischen 600 und 1200 cm³ sind marktüblich. mini|links|Zum hybriden Café Racer umgerüsteter zweisitziger Roadster (Triumph Bonneville T120, Bj. 1965)

Abgrenzung Im Vergleich zu Roadstern sind klassische Scrambler mehr oder weniger geländesporttauglich und dazu überwiegend mit hochgeführten Auspuffanlagen ausgerüstet. Cruiser haben einen längeren Radstand, breitere Bereifung und mehr Hubraum. Chopper haben tiefgelegte Fahrersitze, extrem großen Nachlauf und extrem langen Radstand. Cafe Racer sind mit kurzen, nach unten abgewinkelten Rennsportlenkern ausgestattet. Eine eindeutige Abgrenzung zwischen Clubman-rennsporttauglichen zweisitzigen Roadstern und Café Racern ist kaum möglich. mini|Extrem-Superbike-Roadster (Münch-4, 1966–1978)

Verkaufsbezeichnung Motorräder wie die Norton Commando 750 Roadster (1967–72) oder die BSA B44 Victor Roadster (1968–70) führten diese Klassifizierung in ihrer Verkaufsbezeichnung. Im Rahmen der Retrowellen zogen viele Motorradhersteller auch diesem Retro-Trend erneut hinterher, wobei viele eher der Kategorie klassischer Superbikes bis hin zu historischen Extremen wie einer Münch Mammut zuzurechnen sein sollten. Beispiele wären: Honda VRX 400 Roadster (1995–96), Cagiva Roadster 125 (1994–2000), Sachs Roadster 800 (2000–2004), Voxan Roadster 1000 und Horex VR6 Roadster.

Retro-Roadster Unterschiede und Unterscheidung links|mini|Früher Retro-Roadster MZ 500 R Silver Star (1993) Frühe Retro-Roadster der 1990er Jahre, die heute rein historisch gesehen nicht nur als Youngtimer, sondern chronologisch betrachtet auch bereits zu den Oldtimern gerechnet werden können, werden damit auch schon wieder im historischen Motorradrennsport zu Clubman- und Typencup-Rennern für motorradbreitensportliche Amateurwettbewerbe wie beispielsweise dem MZ-Cup umgebaut.

Zweiradhersteller kategorisieren ihre unverkleideten, straßenorientierten Motorräder unterschiedlich. Triumph Motorcycles bezeichnen die Speed Triple und Street Triple-Baureihen als Roadster, während die Bonneville mit ihren Derivaten als Classic angeboten werden. BMW vermarktet inzwischen alle unverkleideten Motorräder der F-, R-, K- und S-Baureihen als Roadster, obwohl nicht einmal die BMW R nineT dem Erscheinungsbild eines klassischen Roadsters wirklich nahe kommt. Yamaha kategorisiert alle Naked Bikes als Roadster. Der italienische Zweiradhersteller MV Agusta bezeichnet die MV Agusta Brutale 800 als . Die japanischen Motorradhersteller Honda, Suzuki und Kawasaki vermarkten keine Naked Bikes als Roadster.

Erscheinungsbild Laut Andreas Bildl haben die Hersteller bei der Gestaltung unterschiedliche Herangehensweisen:

Foto Hersteller Modell Antrieb Verkaufsbeginn 100px Triumph Bonneville 790 2 Zylinder, ReihenmotorHubraum: 790 cm³Leistung: 2001 50px Harley-Davidson XLH883R Roadster 2 Zylinder, V-MotorHubraum: 883 cm³Leistung: 2002 100px Moto Guzzi 1000 S 2 Zylinder, V-MotorHubraum: 949 cm³Leistung: 1990 100px Moto Guzzi V7 2 Zylinder, V-MotorHubraum: 744 cm³Leistung: 2008 100px Kawasaki W650 2 Zylinder, Parallel-TwinHubraum: 676 cm³Leistung: 1999 100px Kawasaki W800 2 Zylinder, Parallel-TwinHubraum: 773 cm³Leistung: 2011 100px Honda CB1100 4 Zylinder, ReihenmotorHubraum: 1140 cm³Leistung: 2013 100px BMW R nineT 2 Zylinder, BoxermotorHubraum: 1170 cm³Leistung: 2014 100px Royal Enfield Interceptor 650 2 Zylinder, ReihenmotorHubraum: 648 cm³Leistung: 2018

Rezension

Weblinks Peter Fahrenholz: Retro-Bikes: Pures Vergnügen. In: Süddeutsche Zeitung. 24. April 2015.

Einzelnachweise MV Agusta: . Abgerufen am 17. März 2014.

Kategorie:Kraftradbauart