mini|Ludwig Eisenberg Ludwig Julius Anton Eisenberg (* 5. März 1858 in Berlin, Königreich Preußen; † 25. Jänner 1910 in Wien, Österreich-Ungarn) war ein österreichischer Schriftsteller. Er gab Biographienlexika über Wiener Künstler und deutschsprachige Schauspieler heraus.
Leben Herkunft und erste berufliche Tätigkeiten Ludwig Eisenberg stammte aus einer jüdischen Familie. Der Vater war der Fabrikant Eugen Eisenberg, die Mutter dessen Ehefrau Emilie, geborene Wiener. Die Familie lebte ab 1860 in Prag. Ludwigs Bruder James Eisenberg (* 15. Juni 1861 in Prag; † 22. Mai 1910 in Wien) wurde ein bekannter Gynäkologe, dessen Tochter war die Bergsteigerin Emmy Eisenberg.
Ludwig Eisenberg studierte Naturwissenschaften an den Universitäten Prag, Wien, Heidelberg, Jena und Göttingen. Nach seiner Promotion in Göttingen zum Dr. phil. arbeitete er als Chemiker. Am 7. März 1882 heiratete er Amalie Kirsch (1862–1939) im jüdischen Stadttempel Wien.Trauungsbuch Österreich, Niederösterreich, Wien: Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde 1784-1911, Bezirk: Innere Stadt Danach war er von 1886 bis 1891 als Mitarbeiter der Österreichisch-Ungarischen Staatsbahnen tätig.
Literarische Publikationen Bereits ab 1886 war Ludwig Eisenberg Redakteur bei der Allgemeinen Kunstchronik,Allgemeine Kunstchronik. Illustrierte Zeitschrift für Kunst, Kunstgewerbe, Musik, Theater und Litteratur. . später auch bei weiteren in- und ausländischen Zeitungen. Ab 1891 lebte er ganz als freier Schriftsteller.
Ab 1889 gab er Das geistige Wien. Künstler- und Schriftsteller-Lexikon heraus, anfänglich mit Richard Groner. 1903 publizierte er das Große Biographische Lexikon der Deutschen Bühnen im XIX. Jahrhundert.
Ludwig Eisenberg starb am 25. Jänner 1910 im Alter von 51 Jahren und wurde zwei Tage später auf dem Hietzinger Friedhof (Gruppe 22, Nummer 23) beerdigt.Gruppe 22, Nr. 23. Dort ist ihm ein Ehrengrab gewidmet.Ludwig Eisenberg Ehrengrab auf dem Hietzinger Friedhof bei viennatouristguide.at
Nachruf
Ehrungen Ludwig Eisenberg war Träger des K.u.k. Österreichischen Ehrenzeichens für Kunst und Wissenschaft.
Der Komponist Johann Strauss, dessen erste erschienene Biografie Eisenberg (allerdings fehlerbehaftet und durch dessen dritte Ehefrau Adele beeinflusst) schrieb, dankte ihm für diese mit einem Brief vom 10. Oktober 1894, der als Nachsatz enthält: „Der Himmel kröne Ihre Arbeit mit Erfolg.“Johann-Strauss-Gesellschaft (Hrsg.): Johann Strauss (Sohn) – Leben und Werk in Dokumenten. Band VII, 1894. Schneider, Tutzing 1998, ISBN 3-7952-0928-5, S. 221/222. Aufforderungen, die Eisenberg-Biografie zu kommentieren, die er im Übrigen niemals gelesen hatte, tat Strauss ab u. a. mit den Worten: „Was geh’ ich mich an“, was wiederum der Titel einer weiteren Biografie in den 1990er Jahren von ihm wurde.
Die Eisenberggasse in Wien im 23. Bezirk ist seit 1960 nach ihm benannt. auf wien.gv.at.
Veröffentlichungen „Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne“ mini|Ludwig Eisenbergs Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne. Frontispiz mit Conrad Ekhof, Friederike Caroline Neuber, August Wilhelm Iffland, Friedrich Ludwig Schröder und Ludwig Devrient Sein bedeutendstes Werk ist das Große Biographische Lexikon der Deutschen Bühne von 1903. Darin sind etwa 3000 Schauspieler mit ihren Biographien dargestellt. Dieses gilt als das wichtigste Nachschlagewerk über Bühnenkünstler des 19. Jahrhunderts. Interessant sind detaillierte Schilderungen aus ihrem Bühnenleben. Einzelne biographische Daten sind aber fehlerhaft.Beispiel: Everhard Theodor L’Arronge wurde bei Ludwig Eisenberg als Theodor Everhart L’Arronge angegeben, sein Todesdatum mit 15. Oktober statt 15. Juni, die ersten Bühnenengagements wurden übergangen, stattdessen ein späteres als solches bezeichnet, auch das genaue Geburtsdatum weicht von einer anderen Informationsquelle ab. Bei O. G. Flüggen, Biographisches Lexikon, 1893, S. 190, sind diese Angaben korrekt wiedergegeben, dieses erschien 10 Jahre vorher. (Diese wurden dann mitunter trotzdem in neueren Publikationen übernommen.)
Das Biographische Bühnen-Lexikon der deutschen Theater von Othmar G. Flüggen von 1893 enthält exaktere Angaben.Digitalisat, aber nur Daten Ansonsten gibt es das neuere Deutsche Theater-Lexikon und die Deutsche Biographische Enzyklopädie, die aber in Einzelfällen auch fehlerhaft sein können.
Werke Das geistige Wien. (mit Richard Groner) 1. Jahrgang, 1889: Das geistige Wien. Mittheilungen über die in Wien lebenden Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller. (mit Richard Groner) 2. Jahrgang, 1890: Das geistige Wien. Mittheilungen über die in Wien lebenden Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller. Künstler- und Schriftsteller Lexikon. 3. Jahrgang, 1891: Künstler- und Schriftsteller-Lexikon Das geistige Wien. Mittheilungen über Wiener Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller. 4. Jahrgang, 1892: „Supplementband“ Künstler- und Schriftsteller-Lexikon Das geistige Wien. Mittheilungen über Wiener Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller. (Digitalisat) 5. Jahrgang, 1893: Das geistige Wien Bd. 1: Belletristisch-künstlerischer Theil. Mittheilungen über die in Wien lebenden Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller. Bd. 2: Medicinisch-naturwissenschaftlicher Theil. Mittheilungen über Wiener Fachschriftsteller und Gelehrte auf dem Gebiete der Medicin (nebst Thierheilkunde und Pharmacie) und Naturwissenschaften. (Digitalisat) Von der Strecke. Ernste und heitere Geschichten aus dem Eisenbahnleben. Brockhausen, Wien u. a. 1891. Johann Strauss. Ein Lebensbild. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1894 (Digitalisat) Adolf Sonnenthal. Eine Künstlerlaufbahn als Beitrag zur modernen Burgtheater-Geschichte. Mit einem Vorwort von Ludwig Speidel. Pierson, Dresden 1896 (2., vermehrte Auflage als: Adolf Sonnenthal. Eine Künstlerlaufbahn. Als Beitrag zur Geschichte des modernen Burgtheaters. ebenda 1900) (Digitalisat) Ludwig Eisenbergs Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag Paul List, Leipzig 1903 ()
Literatur (chronologisch) Hermann Clemens Kosel (Hrsg.): Biographien der Wiener Künstler und Schriftsteller Wien 1902.
Deutsches Literatur-Lexikon
Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 1. K. G. Saur, München 2002. S. 262
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