mini|Steg im Biosphärenreservat Žuvintas Das Biosphärenreservat Žuvintas ist ein Biosphärenreservat um die Seen Žuvintas und Amalva und deren Feuchtland im südlichen Litauen, im südlichen Teil der mittleren litauischen Tiefebene, etwa 30 km östlich von Alytus. Das Reservat befindet sich am mittleren Flusslauf des Nemunas (Memel) und dem oberen Flusslauf der Neris. Es umfasst 18.490 Hektar Seen, Feuchtgebiete, Moore, Torfmoore und Wälder. Diese Vielfalt an Lebensräumen begünstigt eine hohe Biodiversität. Als größtes Feuchtgebiet mit einem See in Litauen ist das Biosphärenreservat Žuvintas ein wichtiger Ort für Wasservögel zum Nisten und als Zwischenstation während des Vogelzugs.{ "type": "FeatureCollection", "features": [

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] }Der Naturschutzstatus des Biosphärenreservats geht bis in das Jahr 1937 zurück, womit es das älteste Naturschutzgebiet Litauens ist. Es wurde 2011 als UNESCO-Biosphärenreservat nominiert und ist somit das erste und einzige Gebiet in Litauen, das im Rahmen des UNESCO - Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ anerkannt und in das Weltnetz der Biosphärenreservate aufgenommen wurde. Im Gebiet leben etwa 11.000 Menschen.

Geographie und Klima Das Biosphärenreservat Žuvintas liegt in den Bezirksgemeinden Alytus und Lazdijai im Landkreis Alytus sowie in der Gemeinde Marijampolė im gleichnamigen Landkreis.

Das Gebiet befindet sich im südlichen Teil der Mittellitauischen Tiefebene und umfasst die Feuchtgebiet-Komplexe Žuvintas und Amalvas, die sich in einer Senke der limnoglazialen Ebene inmitten von Moränenhügelketten bildeten, sowie den Bukta-Wald auf einer Moränenebene. Žuvintas, das größte Feuchtgebiet in Litauen (6.847 ha), beinhaltet eine sumpfige Ebene mit dem flachen See Žuvintas und die umliegenden Auen. Der See Žuvintas ist mit 971 ha nur noch ein kleiner Überrest des ehemaligen postglazialen Sees. mini|Der Fluss Dovinė ist der Hauptabfluss des Žuvintas-Sees Seine wichtigsten Zuflüsse sind Bambena und Kiaulycia und der Fluss Dovinė dient als Hauptabfluss. Das Einzugsgebiet des Žuvintas-Sees (345 km²) umfasst mehr als die Hälfte des Einzugsgebiets des Flusses Dovinė (589 km²). Neben dem See Žuvintas gehört auch der Amalvas-See zum Einzugsgebiet der Dovinė. Dieser See sowie das Amalva-Moor liegen nördlich des Žuvintas-Gebiets und sind diesem ähnlich, jedoch ist das Moor kleiner (3,414 ha). Ein dritter großer See im Reservat ist der See Žaltytis.

Das Biosphärenreservat liegt im Nemunas-Delta. Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 7,1–7,4 °C entspricht die Temperatur in dieser Region dem litauischen Durchschnitt. Verglichen mit dem zuletzt genutzten Klimanormalwert (SCN) von 1981–2010 ist die erwartete durchschnittliche Jahrestemperatur in Litauen um 0,5 °C, nämlich von 6,9 °C im Jahr 2020 (basierend auf der SCN 1981–2010) auf 7,4 °C im Jahr 2021 (basierend auf dem SCN von 1991–2020), angestiegen. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 18,0–18,1 °C und die kälstesten Monate sind Januar und Februar mit Durchschnittstemperaturen von −3,6 °C bis −3,1 °C. Die absoluten Tiefsttemperaturen liegen bei −31,2 °C, die absoluten Höchsttemperaturen bei 35,1 °C. Aufgrund dieser deutlichen saisonalen Temperaturschwankungen wird die Region gemäß der Köppen-Geiger-Klimaklassifikation der Dfb-Zone zugeordnet. Der jährliche Niederschlag beträgt 600–640 mm. An etwa 65 bis 80 Tagen im Jahr liegt Schnee. Die Sonnenscheindauer beträgt 1870 Stunden pro Jahr. Durch den Zustrom trockener kontinentaler Luftmassen ist das Klima kontinental geprägt und weniger vom Meer beeinflusst. Daher ist es trockener, die Sommer sind heißer und die Winter kälter als an der Küste. Allerdings sind die Entwässerungsbedingungen im Biosphärenreservat schlecht, wodurch Sümpfe und Feuchtgebiete entstanden sind. Dies führt dazu, dass das lokale Klima feuchter ist als sonst für die Region typisch. Infolgedessen ist es im Frühling und Herbst häufig neblig. Im Sommer sind die Temperaturen niedriger, da sich der feuchte Boden langsamer erwärmt.

Zonen mini|Die drei Zonen des UNESCO-Biosphärenreservats Das Biosphärenreservat hat eine zusammenhängende Fläche und besteht, wie jedes UNESCO-Biosphärenreservat, aus drei Zonen:

Die streng geschützte Zone wird als Kernzone bezeichnet. Eine Kernzone trägt zum Erhalt von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt bei. Daher sind Siedlungen in diesem Gebiet nicht zulässig. Die Kernzone des Biosphärenreservats besteht aus strengen Naturschutzgebieten (IUCN-Kategorie I – Žuvintas, Buktbale und Liuliškyne) und Naturschutzgebieten (IUCN-Kategorie IV – Amalvas, Kiaulycia, Žaltytis, Želsva, Paželsviai und Liepakojai).

Die Kernzone ist von der Pufferzone umgeben. In dieser Zone leben etwa 1.100 Einwohner. Forst- und Landwirtschaft sind erlaubt, sofern sie mit nachhaltig ökologisch sind. Darüber hinaus wird diese Zone insbesondere für die Wiederherstellung von Ökosystemen, wissenschaftliche Forschung, Monitoring und Bildung genutzt.

Die größte Zone ist die Übergangszone, in der nachhaltige soziokulturelle und ökologische Aktivitäten besonders stark unterstützt werden.

Natur

Flora Der Žuvintas-See ist ein typischer verlandeter See. Sein Grund ist mit Chara- und Potamogeton-Arten bedeckt, und große Flächen werden von Wasserpflanzen (Nymphaea candida, Potamogeton natans, Nuphar lutea) dominiert. Charakteristisch für den See sind die schwimmenden Inseln bestehend aus Typha angustifolia. mini|Moorkiefernwald Schilfsümpfe, Übergangsmoore, Seggenmoore und Hochmoore umgeben den See. Vor allem im Südosten bedecken Schilfsümpfe und Seggenmoore (mit vorherrschenden Arten wie Carex omskiana, C. diandra, C. disticha) große Flächen. An den Hängen der Hochmoore kommen Moorkiefernwälder vor, während in offenen Gebieten Calluna vulgaris, Eriophorum vaginatum und Sphagnum-Arten (Sph. magellanicum, Sph. fuscum, Sph. rubellum) vorherrschen. Die Feuchtwälder rund um den See bestehen hauptsächlich aus Schwarzerle und Birke. mini|Bukta-Wald Darüber hinaus ist der Bukta-Wald im Naturschutzgebiet ein Referenzgebiet für Mischwälder in der litauischen Zentralebene. Er beherbergt wertvolle Habitate für Hainbuchen, die typische Pflanzen- und Pilzarten mitteleuropäischer Hainbuchen- und Buchenwälder beherbergen.

Insgesamt wurden im Biosphärenreservat 987 Pflanzenarten identifiziert, von denen zwei von der Europäischen Union geschützt sind und 30 in der Roten Liste Litauens aufgeführt sind. Darüber hinaus wurden hier 105 Algen und 292 Pilze gefunden, von denen sechs auf der Roten Liste Litauens stehen. Diese Vielfalt an Lebensräumen und Vegetation trägt zu hervorragenden Bedingungen für zahlreiche Wasservögel bei.

Fauna mini|Seggenrohrsänger im Biosphärenreservat Žuvintas Mit mittlerweile 255 Arten auf der Liste der Vögel ist die Anzahl der Vogelarten in Žuvintas auf dem litauischen Festland unübertroffen. 153 dieser Arten haben im Biosphärenreservat gebrütet oder brüten dort derzeit. 42 der Vögel stehen unter Schutz durch die Europäische Union und 58 sind in der Roten Liste Litauens verzeichnet. Eine der größten Populationen von Rohrdommeln, Rohrweihen und Kleinsumpfhühnern in Litauen nistet am Žuvintas-See. Tausende von Kranichen und Gänsen sowie andere Wasser- und Feuchtgebietsvögel halten sich im Biosphärenreservat auf. Der Seggenrohrsänger, eine der seltensten Singvogelarten Europas, bewohnt die Feuchtwiesen von Žuvintas. Der Seggenrohrsänger ist weltweit vom Aussterben bedroht und brütet lediglich noch in vier Ländern, darunter Litauen. In der Nähe des Sumpfes und des Bukta-Waldes liegt der See Žaltytis, der ebenfalls ein wichtiger Ort für Zugvögel ist.

Im Biosphärenreservat gibt es 45 Säugetierarten. Drei davon stehen unter dem Schutz der EU und sechs sind in der Roten Liste Litauens erfasst. Außerdem wurden 23 Fischarten entdeckt, von denen eine ebenfalls unter EU-Schutz steht. Die Zahl der im Biosphärenreservat vorkommenden Amphibien und Reptilien beträgt 15, von denen zwei Arten unter Schutz der Europäischen Union stehen. Darüber hinaus sind 2020 wirbellose Tiere in dem Naturschutzgebiet beheimatet. Vier davon stehen unter dem Schutz der EU und 21 sind auf der Roten Liste Litauens aufgeführt.

Geschichte des Schutzes mini|Professor T. Ivanauskas und Jonas Simanynas im Jahr 1938 auf dem Žuvintas-See Am 28. Januar 1928 wurde eine Verordnung des Innenministers der Republik Litauen veröffentlicht, die Beschränkungen für den Žuvintas-See und seine Umgebung einführte. Die Jagd auf Vögel und Säugetiere wurde in einem Umkreis von 1 km um den See verboten. Während der gesamten Zeit der Unabhängigkeit Litauens blieben diese Jagdbeschränkungen, die den rechtlichen Schutz des Naturschutzgebiets gewährleisten, unverändert in Kraft.

Der erste Umweltschützer Teofilis Zubavičius kam am 5. April 1937 auf Einladung von Tadas Ivanauskas nach Žuvintas, was den Beginn des eigentlichen Schutzes darstellt. Laut schriftlichen Quellen wurde das Naturschutzgebiet Žuvintas 1937 gegründet, aber da kein offizielles Dokument mit dem genauen Gründungsdatum erhalten geblieben ist, bleibt dies unbekannt.

Im selben Jahr enteignete das Landwirtschaftsministerium der Republik Litauen den Žuvintas-See von Privatpersonen, um gefährdete Wasservögel zu schützen. Er wurde an die Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften der Universität Kaunas übergeben. Im Rahmen dieser Schutzmaßnahmen wurde ein Verwalter ernannt.

Mit Beginn der sowjetischen Besatzung verlor Žuvintas seinen Status als Naturschutzgebiet und wurde am 1. Oktober 1940 dem Volkskommissariat für die Lebensmittelindustrie der Litauischen SSR unterstellt. Am 5. Februar 1946 beauftragte der Rat der Volkskommissare der Litauischen SSR die Akademie der Wissenschaften mit der Einrichtung eines Naturschutzgebietes im Bezirk Žuvintas. Dieses sollte den Žuvintas-See, das umliegende Sumpfgebiet sowie einen Wald im westlichen Teil des Bezirks umfassen. In diesem Zusammenhang wurde das erste Naturschutzbüro eingerichtet. Die Gesamtfläche des Naturschutzgebiets Žuvintas betrug 3167,2 Hektar. Von 1947 bis 1963 gehörte das Naturschutzgebiet zu den Instituten für Botanik, Zoologie und Parasitologie der Litauischen SSR.

Der Status als Naturschutzgebiet schützte Vögel und Säugetiere jedoch nicht vor der Jagd, da Žuvintas in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg ein beliebter Jagdort der sowjetischen Regierung und der Parteiführer war.

Von 1960 bis 1962 fand im Naturschutzgebiet Žuvintas eine komplexe wissenschaftliche Forschungsexpedition statt, die vom Institut für Zoologie und Parasitologie geleitet wurde.

1963 wurde die Fläche des Naturschutzgebiets auf 5428 ha erweitert und die Verwaltung an das Naturschutzkomitee übertragen.

Um die landwirtschaftlich genutzten Flächen zu vergrößern und das fruchtbare Land im Flussgebiet der Dovinė optimal zu nutzen, wurden seit dem 19. Jahrhundert Landgewinnungs- und Feuchtgebietsentwässerungsprojekte durchgeführt. Trotz des Status als Naturschutzgebiet wurde das hydrologische System des Žuvintas-Sumpfes weiterhin künstlich beeinflusst. Durch die Regulierung des Wasserstandes mithilfe der Schleuse des Dovinė-Flusses wurden die Verlandung des Sees und der Rückgang der Vogelpopulationen erheblich beschleunigt. In den Jahren 1965–1975 wurden das Übergangsmoor und das Niedermoor im nördlichen Teil des Žuvintas-Sumpfes geschädigt und das hydrologische System des Hochmoores gestört. Mehr als die Hälfte des nahe gelegenen Amalva-Sumpfes wurde ebenfalls trockengelegt. Nach und nach wurde die Nutzung der Vegetation des Sees und das Mähen der meisten Wiesen am Seeufer eingestellt.

Zwischen 1979 und 1985 wurde die zweite komplexe wissenschaftliche Forschungsexpedition im Žuvintas-Reservats durchgeführt.