Silberberg ist ein Wohnplatz des Thermalsole- und Moorheilbads Bad Saarow im Brandenburger Landkreis Oder-Spree. Der ehemalige Gutsbezirk liegt in einer Hügellandschaft rund 1,5 Kilometer westlich des Scharmützelsees.
Wahrscheinlich um 1400 im Zuge der späten Deutschen Ostsiedlung aus dem Meißnischen heraus besiedelt, fiel der Ort für Jahrhunderte wüst. Lange Teil der Herrschaft Beeskow-Storkow in der Niederlausitz, kam die wüste Feldmark erst 1575 endgültig zu Brandenburg. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Feldmark als Rittersitz mit einer Schäferei wiederbesetzt und entwickelte sich zu einem ausgedehnten Gutsbezirk.
Der Aufschwung der Region durch den Bau der Bad Saarower Landhaussiedlung ab 1906 und den aufkommenden Tourismus am Scharmützelsee kam im bis dahin abgeschiedenen Silberberg 1921 mit der Eröffnung von drei Bahnhöfen der Scharmützelseebahn zum Tragen. Zunehmend im Blickpunkt von Investoren, wurden 1911 Uferstreifen und 1927 weitere seeseitige Flächen aus dem Gut herausgekauft. Daraus entstand die Kolonie Saarow-Strand, der heutige Bad Saarower Wohnplatz Bad Saarow-Strand. Im Jahr 1928 wurde der Gutsbezirk mit seinen rund 150 Einwohnern aufgelöst und Silberberg wurde als Wohnplatz nach Bad Saarow eingemeindet. In der Kolonie Saarow-Strand wurden 1930 auf dem ehemaligen Silberberger Ziegeleigelände eine 9-Loch-Golfanlage mit Klubhaus und ein Strandbad am See angelegt. Nach der Stilllegung der Bahnhöfe 1945 war Silberberg in der DDR-Zeit mit einer LPG wieder weitgehend landwirtschaftlich orientiert. Nach der Deutschen Wiedervereinigung stellte die Gemeindeverwaltung die Silberberger Flächen für den Bau einer der größten touristischen Sportanlagen in Europa bereit. Das daraus hervorgegangene „A-ROSA Resort Scharmützelsee“ und mehrere Einrichtungen des Pferdesports und der Pferdezucht wie die „Klinik für Pferde“ der FU Berlin prägen den Ort in den 2010er Jahren.
mini|hochkant=1.5|Ehemaliges Gutsverwaltungshaus in Silberberg
Naturraum, Lage und Verkehrsanbindung Silberberg befindet sich auf der Storkower PlatteOlaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe, S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins. online Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95, ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003 zwischen dem Großen Storkower See und dem Scharmützelsee, einem typischen Rinnensee, der als subglaziale Rinne während des Brandenburger Stadiums der Weichsel-Kaltzeit entstanden ist.Brigitte Nixdorf, Mike Hemm u. a.: Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands, Teil 5, Brandenburg, Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Abschlussbericht F&E Vorhaben FKZ 299 24 274, im Auftrag des Umweltbundesamtes am Lehrstuhl Gewässerschutz der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, 2004. Kapitel 1.26 Scharmützelsee S. 107 (Online, PDF; 1,92 MB). Das Hügelland zählt in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands zum Ostbrandenburgischen Heide- und Seengebiet (Nr. 82).
mini|Dorfstraße am südöstlichen Eingang Silberbergs mit dem ehemaligen Gutsverwaltungshaus
Nordwestlich von Silberberg liegt das Dorf Reichenwalde. Südöstlich am Ufer des Scharmützelsees folgt der Bad Saarower Wohnplatz Bad Saarow-Strand und im Süden Wendisch Rietz. Die Entfernung von Silberberg zum heutigen Zentrum Bad Saarows, Bad Saarow-Mitte am Nordufer des zehn Kilometer langen Sees, beträgt rund fünf Kilometer.
An das Straßennetz ist der Ort über die Landesstraße L 412 (Silberberger Chaussee) angeschlossen, die den Ort im Süden in Wendisch Rietz an die Bundesstraße 246 und im Norden über Bad Saarow-Mitte und den Ortsteil Petersdorf an die Anschlussstelle Fürstenwalde-West der Bundesautobahn 12 anbindet. Von der Landesstraße zweigt in einem Kreisverkehr unterhalb des Ortskerns eine nicht nummerierte Gemeindestraße ab, die den Ort mit dem Namen Silberberg quasi als Dorfstraße nach Nordwesten durchquert und in Reichenwalde in die Kreisstraße K 6749 mündet, die weiter nach Storkow führt; allerdings ist die Strecke zwischen Silberberg und Reichenwalde für den öffentlichen Straßenverkehr gesperrt.Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.) Im Öffentlichen Nahverkehr vernetzt die Linie 431 des Busverkehrs Oder-Spree (BOS) Silberberg über Bad Saarow-Mitte (Bahnanschluss) mit Fürstenwalde sowie in südlicher Richtung mit Wendisch Rietz (Bahnanschluss).Busverkehr Oder-Spree GmbH: Linie 431.
Geschichte mini|Dörfer am Scharmützelsee im Preußischen Urmesstischblatt von 1844
Während der Kern des heutigen Bad Saarows, Bad Saarow-Mitte, von Ludwig Lesser im Auftrag der Landbank AG Berlin auf dem Reißbrett entworfen und ab 1906 als elegante Landhaussiedlung am bislang unbesiedelten Nordufer des Scharmützelsees angelegt wurde, handelt es sich bei den Wohnplätzen Silberberg, Dorf Saarow und Pieskow um spätmittelalterliche Gründungen im Zuge der späten Deutschen Ostsiedlung. Die Orte, die wahrscheinlich auf slawische Siedlungen folgten, gehörten über Jahrhunderte zu den ausgedehnten Gütern derer von Löschebrand (oft auch: Löschebrandt, Loeschebrand) am Scharmützelsee in der Herrschaft Beeskow-Storkow (westlich des Sees Herrschaft Storkow, östlich des Sees Herrschaft Beeskow).
Diese Herrschaft fiel nach dem Teltow-Krieg 1245 nicht an die askanische Mark Brandenburg, sondern blieb bei den konkurrierenden Wettinern und wurde unter Einfluss der Meißener Markgrafen als Teil der Niederlausitz wesentlich von den Adelshäusern Strele und Bieberstein geprägt. Seit 1518 war die Herrschaft im Besitz des Bistums Lebus, dessen Bischofssitz seit 1373 im nahegelegenen Fürstenwalde lag. Erst 1556 kam der Landstrich inklusive Silberberg mit der Reformation in den Besitz des Markgrafen Johann von Küstrin aus dem Geschlecht der Hohenzollern und damit der Markgrafschaft Brandenburg-Küstrin beziehungsweise vier Jahre nach deren Auflösung 1575 zur Mark Brandenburg unter Kurfürst Johann Georg.Rudolf Hermsdorf: Zwischen Dolgen und Scharmützel. … . … S. 33–38, 60–63.Andreas Heising: Die Burg Storkow in der Mark. Ihre Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Band 3 von: Beiträge zur Geschichte der Stadt Storkow (Mark) und Umgebung. Hrsg. Stadt Storkow (Mark), Storkow 2004 (hier nach 3. ergänzter Auflage 2010), S. 26–31.
Frühgeschichte und slawische Besiedlung Am Scharmützelsee konnte angeblich Tierhaltung und Ackerbau mit landwirtschaftlicher Produktion bis 4600 v. Chr. nachgewiesen werden. Von etwa 1300 bis 500 v. Chr. stand das Gebiet unter dem Einfluss der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur, die von der eisenzeitlichen Billendorfer Kultur abgelöst wurde. Um 150 n. Chr. zogen ostgermanische Stämme wie Burgunden nach, denen um 700 der westslawische Stamm der Lusitzi folgte. Slawen bewohnten mit Sicherheit die Halbinsel Dorf Saarow; die Grundform des Namens Zarow stammt aus dem Altsorbischen. Wie Funde nahelegen, bestand sehr wahrscheinlich auch in Silberberg eine frühe slawische Siedlung.Die Ortschronisten Amt Scharmützelsee: Chronik der Gemeinde Bad Saarow … . … 1. Kapitel Erstbesiedlung, S. 5. (PDF).Rudolf Hermsdorf: Zwischen Dolgen und Scharmützel. … . … S. 7–19. Ein wendischer Flurname in Silberberg lautete nach Angabe von Rudolf Hermsdorf „Seltz, v. wend. sedlc = die kleine Ansiedlung, wahrsch. die alte urspr Wohnstätte der Silberberger Dorfmark“.Rudolf Hermsdorf: Zwischen Dolgen und Scharmützel. … . … S. 16.
Gründungsgeschichte Ersterwähnung und deutsche Besiedlung In der GeschichtsschreibungJoachim Schölzel (Bearb.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IX: … . Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 12. Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow … . S. 107. und auch in sonstigen Publikationen zu Bad Saarow gilt das Jahr 1463 als urkundliches Ersterwähnungsjahr Silberbergs. Diese Angabe geht auf die Chronik von Rudolf Hermsdorf aus dem Jahr 1934 Zwischen Dolgen und Scharmützel (Seite 38) zurück. Dort (Seite 38) gibt Hermsdorf einen Lehnsbrief des „Wenczlaw von Biberstein, Herr zu Soraw, Beskow und Storgkow“ für die „irbarn und woltüchtigen Jürgen, Conrad und Hannese von Leschebrand Gebrüdere tzu Gerssdorff“ wieder, nach dem die Löschebrand unter anderem erhielten:
mini|hochkant|Wappen derer von Löschebrand
Beide Dörfer bestanden also bereits und wurden 1463 von den Löschebrand übernommen. An anderer Stelle betont Hermsdorf, „daß die Löschebrand auf Silberberg […] seit 1400 urkundlich nachweisbar sind“ (S. 33), gibt die Urkunde allerdings nicht wieder. Hermsdorf vermutet, wobei er erneut als Ersterwähnung das Jahr 1400 nennt:
Möglicherweise meint Hermsdorf mit „Ausgang des 13. Jahrhunderts“ den Ausgang des 14. Jahrhunderts, denn die Herrschaft Beeskow-Storkow fiel erst 1384 an die Bibersteins. Für eine ehemalige Silberberger Kirche sprechen unter anderem Steinfunde im Klosterformat bei der Aushebung des Golfplatzes und ein ausgepflügter großer Kirchschlüssel östlich des Herrenhauses. Zudem habe im Silberberger Volksmund eine Flur „wüste Kirche“ geheißen.Rudolf Hermsdorf: Zwischen Dolgen und Scharmützel. … . … S. 32. Allerdings führt Hermsdorf auf Seite 17 unter „Deutsche Flurnamen von Silberberg“ aus: „Wüste Kirche – Lage d. sagenberühmten Wendentempels auf dem Silberberge 150 m ostnordöstlich v. Herrenhaus Silberberg, 100 m v. Chaussee, 30 m v. Tongrube.“ Ruinen wurden allerdings nicht gefunden. Falls es diese Kirche tatsächlich gab, wäre es die einzige Kirche in Silberberg gewesen – eine neue Kirche wurde nie errichtet.
Namensgebung, Silberabbau Der Name geht laut Brandenburgischem Namenbuch auf die mittelniederdeutsche Grundform „Silverberch“ zurück. Er beziehe sich nicht auf Silberfunde, sondern bezeichne eine „Siedlung an einem Berg […] mit glänzende[m] helle[m], silbrig schimmernde[m] Bewuchs, vielleicht mit Silberpappeln o.ä.“ Nach der Farbtönung seien ähnlich der Schwarzberg (über dem Wohnplatz Annenhof) und der Braunberg (ein 101 Meter hoher Berg nordöstlich von Diensdorf-Radlow) benannt.
Eine Quelle für diese Namendeutung nennt das Brandenburgische Namenbuch nicht.Am Ende des Abschnitts nennt es „(Lippert FIN 193)“. Diese Quelle (Werner Lippert: Die Flurnamen der Uckermark. Bearb. Von Joachim Göschel. Beiträge zur deutschen Philologie 8. Verlag W. Schmitz, Gießen 1970) zitiert aber lediglich den Schlusssatz im Namenbuch, der Flurname Silberberg komme häufig vor, so allein in der Uckermark zehnmal als Beleg. Sie belegt nicht die Kernaussage des Abschnitts, Silberberg sei nach der Farbtönung eines Bergs benannt worden und nicht nach Silberfunden. Nach Darstellung der Ortschronik Bad Saarows von 2013 (Entwurf) wird hingegen vermutet, dass in Silberberg tatsächlich Silber abgebaut wurde. Falls es derartige Versuche gegeben habe, seien sie sicher bald eingestellt worden. Sonst wäre mehr darüber berichtet worden. Einen Nachweis gebe es allerdings bislang nicht.Die Ortschronisten Amt Scharmützelsee: Chronik der Gemeinde Bad Saarow … . … Kapitel Wirtschaftliche Erschließung, S. 7–10.(PDF).