mini|Sachsenpfennige mit den Bezeichnungen: Balkenkreuz-, Holzkirchen-, Kleeblattkreuz- und Krummstabpfennig
Der im östlichen Stammesherzogtum Sachsen geprägte, unter dem Namen Wendenpfennig, richtiger Sachsenpfennig oder unter dem unanfechtbaren Namen HochrandpfennigWalther Haupt: Sächsische Münzkunde, Berlin 1974, S. 12. bekannte Pfennigtyp des 10. und 11. Jahrhunderts mit angestauchtem Rand ist neben dem Otto-Adelheid-Pfennig der häufigste Pfennigtyp dieser Zeit.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde, Berlin 1974, S. 12/13. Sachsenpfennige sind die ältesten in Sachsen geprägten Münzen. Die verschiedenen Münznamen deuten auf eine noch ungeklärte Stellung innerhalb der Mittelalternumismatik hin.
Namen des Pfennigtyps Julius Menadier nannte den Pfennigtyp des 10. und 11. Jahrhunderts mit angestauchtem Rand Sachsenpfennig, weil er im östlichen Sachsen geprägt wurde.Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976, S. 334.
mini|Typische Zusammensetzung eines wikingerzeitlichen Hortfundes
Der ältere Name Wendenpfennig ist als Pfennig der Wenden im Sinne einer eigenen Prägung nicht zutreffend, da die Wenden die Münzen noch als Barren- oder sogenanntes Hacksilber betrachteten und selbst keine Münzen prägten. Laut Menadier schließen sich der Gebrauch von Hacksilber und Münzen gegenseitig aus. Östlich der Elbe bei den Slawen (Wenden) und Skandinaviern (Wikingern) hatten die Kaufleute die sogenannte Gewichtsgeldwirtschaft entwickelt. Bei Bezahlung wurde Silber in Form von Barren, Schmuckstücken und Münzen zurechtgeschnitten und mit Waage und Gewichten abgewogen.Heiko Steuer: Münzprägung, Silberströme und Bergbau um das Jahr 1000 in Europa – wirtschaftlicher Aufbruch und technische Innovation, Jan Thorbecke-Verlag 2003(?) (Mittelalter-Forschungen Band 16), S. 122. Im gesamten Slawenland haben sich mitunter kilogrammschwere Silberschätze aus deutschen und westeuropäischen Denaren, morgenländischen Dirhems und skandinavischem Schmuck erhalten. Die Stücke waren meist zerhackt, zerbrochen und zerschnitten.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde, Berlin 1974, S. 17.
In polnischen und englischen Texten erscheinen die Bezeichnungen Kreuzdenare (polnisch denary krzyzowe, englisch cross-deniers). Ein heutiger unanfechtbarer Pfennigname ist HochrandpfennigWalther Haupt: Sächsische Münzkunde, Berlin 1974, S. 13. oder Randpfennig.
Die unterschiedlichen Pfennignamen deuten auf eine unklare Stellung in der Mittelalternumismatik hin. Ihre Anonymität und ihre primitiv erscheinende Prägung führte dazu, sie als gesonderte Münzgruppe außerhalb der regulären Reichsprägungen zu betrachten.Heinrich Beck, Bonn, Dieter Geuenich, Duisburg, Heiko Steuer, Freiburg (Hrsg.); begründet von Johannes Hoops: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 26, Berlin 2004, S. 62.
Münzfuß Die ältesten Sachsenpfennige beruhen auf dem Münzfuß der karolingischen Münzreform. Aus dem karolingischen Pfund Silber zu 367 g wurden 240 Pfennige geprägt. Zwölf Pfennige ergaben einen Schilling.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde, Berlin 1974, S. 12. Der Schilling war keine Münze, sondern die Bezeichnung für ein Dutzend, also nur eine Rechnungseinheit. Theoretisch sollte der Pfennig 1,5 g wiegen. Bei Wägungen von Münzfunden lagen die leichtesten bei 0,95 g, die schwersten bei 1,90 g.Hermann Dannenberg: Die deutschen Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiserzeit, Band II, Berlin 1894, S. 512/513. Von der römischen Antike übernahm man „talentum“ für das Pfund, „solidus“ für den Schilling und „denarius“ für den Pfennig. Als Münzmetall verwendeten die Münzmeister grubenreines Silber. Außerdem wurden noch umlaufende römische Denare eingeschmolzen. Geprägt wurden nur Pfennige und halbe Pfennige. Die halben Pfennige nannte man Obole (Hälblinge). Viertelpfennige (fertones) wurden zwar erwähnt, sind jedoch nur Rechnungsmünzen oder wurden durch Teilung, nicht durch Prägung hergestellt.Hermann Dannenberg: Die deutschen Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiserzeit, Band I, Berlin 1876, S. 11.
Die Echtheit der Münzen prüfte der Zahlungsempfänger gern durch die Beißprobe, wie zahlreiche verformte Münzen aus dieser Zeit beweisen: Gab das Metall nach, war die Münze echt, gab der Zahn nach, hatte man auf Eisen gebissen.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde, Berlin 1974 (in „Pfund, Schilling, Pfennig“, S. 12).
Münzgestaltung Anders als der Karolinger Pfennig war der Sachsenpfennig schriftlos und anonym. Seine Bildmotive folgten in stilisierter Form aber dem karolingischen Vorbild und zeigten auf dem Avers eine Kirche und dem Revers ein Kreuz. Eine Umschrift wird mit einer sogenannten Trugschrift angedeutet, besteht aber nur aus balkenähnlichen Strichen und Ringen. Eine weitere Gruppe ahmt die Otto-Adelheid-Pfennige nach.Ulf Dräger, Münzen für den Fernhandel, in: Rüdiger Fikentscher (Hrsg.), Tausch- und Geldkulturen in Europa, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2019, ISBN 978-3-96311-197-6, Seite 125–139
Münzrand Der spezielle Rand der Denare erleichterte nach Carl-Friedrich von Posern-Klett das Tragen von Münzen zwischen den Zähnen, wie es bei den Slawen Sitte gewesen sein soll. Hermann Dannenberg vermutete, dass der Rand nach der Prägung in einer „Art Rändelungsverfahren“ erzeugt wurde. Nach Vera Jammer ist möglicherweise der durch Aufklopfen entstandene Rand dadurch begründet, dass auf diese Weise das Münzmetall geprüft wurde. Falschmünzen aus plattierten Schrötlingen würden eine solche Behandlung nicht vertragen. Nach Christoph Kilger diente der angestauchte Rand als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Pfennigwährungen. Laut Ulrich Zwicker wurden die Schrötlinge „mit einem Finnhammer oder mit einem scharfen Messer am Münzrand vorbearbeitet. Durch senkrecht vorgenommene Schläge wurde eine geriffelte Aufwölbung erzielt. Der typische Rand entstand durch das Aufklopfen der Riffelung mit einem Flachhammer“.Heinrich Beck, Bonn, Dieter Geuenich, Duisburg, Heiko Steuer, Freiburg (Hrsg.); begründet von Johannes Hoops: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 26, Berlin 2004, S. 62.
Randherstellung – Randbildung mini|Sachsenpfennig etwa 1070–1100, mit hoher Randwölbung, sehr ähnlich einer Gratbildung an einem Meißelschaft, Gewicht 1,01 g, Durchmesser 15 mm. (Dbg. 1341)
Zur vorher beschriebenen Randherstellung nach Ulrich Zwicker folgende Anmerkung: Noch sichtbare Randeinkerbungen wie beschrieben, kommen wahrscheinlich nicht häufig vor. Die etwa 60 Bilder von Sachsenpfennigenmcsearch: Sachsenpfennige, ca. 60 Fotos belegen solche Kerben nicht. In Anbetracht der großen Menge der Fundmünzen muss das aber nicht viel bedeuten. Der hohe Zeitaufwand der Vorarbeit durch das Einkerben mit einem scharfen Messer, welches ständig nachzuschleifen wäre oder das Riffeln mit einem Finnhammer, ist für die laufende Herstellung großer Mengen kleiner Münzen nicht recht nachvollziehbar. Da offenbar dennoch eine Art „geriffelter“ Rand oder zumindest noch Spuren einer Art Riffelung bei Denaren vorkommen, ist es denkbar, dass speziell bei diesen Denaren die Riefen ggf. mit einem Werkzeug wie einer Raspel oder grober Feile entstanden sind und der so entstandene Abrieb zur illegalen Silbergewinnung diente. Für den Handel nur mit den Slawen wäre die Randbearbeitung zur Silbergewinnung allerdings nicht zu begründen, da sie die Münzen noch als Hacksilber betrachteten. Auch sollte das Münzbild bei befeiltem Rand dementsprechende Fehlstellen aufweisen.
Die Herstellung des angestauchten Randes durch das Aufhämmern, ohne dass vorher eingekerbt wird, als einen Arbeitsgang zur Pfennigherstellung in einer Münzstätte zu betrachten, will angesichts der riesigen Fundmengen auch nicht recht gelingen. Der hohe Rand wird wohl im späteren Gebrauch und nicht in einer Münzstätte erzeugt worden sein, wie das in der vorher genannten Variante von Vera Jammer der Fall ist.
Die erste Randgestaltung am äußeren Münzrand von Silbermünzen erfolgte sehr viel später, zum Beispiel in Sachsen erst in der Talerzeit 1763. Die Schrötlinge für die Herstellung der Taler und der silbernen Gulden (⅔ Taler) hatten vor dem Prägen in den Münzstätten Dresden und Leipzig einen sogenannten „Laubrand“. Auch dieser Umstand legt nahe, dass der hohe Rand der Sachsenpfennige nicht in einer Münzstätte, sondern im Gebrauch erzeugt wurde.
Münz- und Forschungsgeschichte Bereits durch Hermann Dannenberg und Julius Menadier ist ihr Prägebeginn in Sachsen nachgewiesen worden.Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge / Symposion zur Ausstellung „Otto der Große, Magdeburg und Europa“, Mainz am Rhein, 2001. Darin: Bernd Kluge: OTTO REX / OTTO IMP. Zur Bestandsaufnahme der Ottonischen Münzprägung, S. 101, Beleg 31. Nach Arthur Suhle und Julius Menadier wurden die ersten Sachsenpfennige möglicherweise bereits unter Heinrich I. (919–936), seit 912 Herzog von Sachsen geschlagen. Heinrich I. hat nach der Rückgewinnung von Oberlothringen in Metz, Verdun und in Straßburg gemünzt. Im Osten, vielleicht in Merseburg, sind von ihm wahrscheinlich die ersten sogenannten Sachsenpfennige, geprägt worden.Arthur Suhle: Die Münze. Von den Anfängen bis zur europäischen Neuzeit, Leipzig 1969, S. 90. Heute wird dagegen meistens davon ausgegangen, dass sie nach dem Regierungsantritt Ottos I. (936–973) ab Mitte des 10. Jahrhunderts wahrscheinlich in Magdeburg eingeführt worden sind:Denar, Otto I. (936–973). Kirchengebäude, darin OTTO. Das Ganze umgeben von Strichen/Balken. // Kreuz mit Kugeln in den Winkeln umgeben von Strichen/Balken, die von einem Kreuz und zwei Ringen unterbrochen sind. Gewicht 1,41 g; Durchmesser 22 mm; Münzstätte Magdeburg. (Dannenberg 1327; Kluge 49). – Vorhanden im interaktiven Katalog – Münzkabinett der Staatlichen Museen Berlin, unter Karte/Europa/Deutschland/Münzstätte – Magdeburg.
Bernd Kluge fasst den Forschungsstand zu den Sachsenpfennigen in seiner „Bestandsaufnahme der ottonischen Münzprägung“ zusammen:
mini|Sachsenpfennig 985–1000, nach karolingischem Vorbild, Gewicht 1,50 g, Durchmesser 21 mm. Vorderseite Tempel, Rückseite Kreuz, in den Winkeln je eine Kugel. (Dbg. 1325)
In der Massenhaftigkeit den Otto-Adelheid-Pfennigen vergleichbar, wegen ihrer Schriftlosigkeit aber noch rätselhafter sind die Sachsenpfennige. Sie enthalten fast keine für die chronologische Einreihung oder für die Zuordnung zu einzelnen Münzstätten verwertbare Information. Lediglich auf den ältesten Stücken erscheint noch der Name OTTO bzw. ODDO, die Umschrift wird durch eine reine Ornamentik (Striche bzw. Balken, Ringel) ersetzt. Man unterscheidet eine ältere Gruppe mit größerem Durchmesser (um 22 mm) und eine jüngeren Gruppe mit geringerem Durchmesser (um 17 mm). Der Wechsel von der älteren zur jüngeren Gruppe hat einige Übergangsformen im Gefolge und beginnt im ersten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts. Damit ist nur die ältere Gruppe […] ottonisch. […] Die Entstehung der Sachsenpfennige und die Einrichtung der Münzstätte Magdeburg stehen in engem zeitlichen Zusammenhang. Da 942 diese Münzstätte bereits existierte, müssen auch die Sachsenpfennige vor 942 beginnen. Es ist anzunehmen, dass sie mit oder bald nach dem Regierungsantritt Ottos I. eingeführt worden sind.Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge / Symposion zur Ausstellung „Otto der Große, Magdeburg und Europa“, Mainz am Rhein, 2001. Darin: Bernd Kluge: OTTO REX / OTTO IMP. Zur Bestandsaufnahme der ottonischen Münzprägung, S. 101/102.