Mercedes-Benz 1.6 V6 Turbo Hybrid PU (2014–2025) bezeichnet einen Rennmotor (PU abgekürzt für engl.: Power Unit) des Automobilherstellers Mercedes-Benz, der für die erste Hybrid-Ära der Formel 1 von 2014–2025 entwickelt und produziert wurde. Der Artikel behandelt die Gesamtheit der verschiedenen Ausbaustufen, die jede Saison neu bezeichnet wurden, jedoch alle auf dem gleichen Grundkonzept und Motorenlayout beruhten. Die Entwicklung und Produktion erfolgten während des gesamten Zeitraums bei Mercedes AMG High Performance Powertrains in Brixworth.
Die Bezeichnung der ersten Ausbaustufe des Rennmotors lautete Mercedes-Benz PU106A Hybrid. Das Triebwerk wurde unter der Leitung des Geschäftsführers von Mercedes AMG HPP, Andy Cowell, sowie des damaligen Technischen Direktors des Mercedes-Werksteams, Bob Bell, konstruiert. Die Entwicklung hatte bereits mit Bekanntgabe der neuen Regeln Mitte 2011 begonnen und soll noch vor dem ersten Einsatz auf der Rennstrecke geschätzte 100 Millionen £ an Entwicklungskosten verschlungen haben.racecar-engineering.com Mercedes W05 (abgerufen am 8. April 2014)
Die Power Unit wurde in den zwölf Saisons vom Werksteam selbst sowie von verschiedenen Kundenteams eingesetzt. In der Debütsaison 2014 wurden mit dem Motor im Mercedes F1 W05 Hybrid überlegen sowohl die Fahrerweltmeisterschaft (Lewis Hamilton) als auch die Konstrukteursweltmeisterschaft (Mercedes) gewonnen. In der Folge entwickelte sich die Power Unit mit ihren verschiedenen Ausbaustufen zu einem der erfolgreichsten Triebwerke in der Formel-1-Geschichte. Bis Ende 2025 konnten durch das Mercedes-Werksteam sowie Kunde McLaren acht Fahrer-WM-Titel und zehn Konstrukteurs-WM-Titel eingefahren werden – in nur zwölf Jahren. Auch weitere Kundenteams wie Williams oder Racing Point konnten mit der Power Unit vereinzelte Erfolge erzielen.
Technik und Entwicklung mini|2016er Ausbaustufe der 1.6 V6 Turbo Hybrid PU (Mercedes-Benz PU106C) mini|Am rechten Bildrand ist das Batteriepaket zu sehen Große Teile der Motorenkonstruktion wurden durch das Formel-1-Reglement festgelegt. So durften ab der Saison 2014 nur noch V6-Ottomotoren mit 1,6 Liter Hubraum, vier Ventilen pro Zylinder und einem Zylinderbankwinkel von 90° eingesetzt werden. Die Aufladung musste durch nur einen Turbolader erfolgen, der Ladedruck durfte maximal 3,5 bar betragen. Die Drehzahl war auf 15.000 Umdrehungen pro Minute limitiert, ebenso der maximale Kraftstoffdurchlauf mit 100 kg pro Stunde.
Im Gegensatz zu den Motoren der Konkurrenten von Renault und Ferrari hatte Mercedes zwar die Turbine an der üblichen Position hinter dem Verbrennungsmotor, den Kompressor jedoch unmittelbar vor den Motor platziert. Dieser lag damit in der Nähe der Airbox, des Lufteinlasses über dem Cockpit. Hierdurch wurde eine direkte Luftkühlung des Kompressors erreicht und der Platzbedarf für Wasserkühler in den Seitenkästen wurde reduziert. Dadurch konnten die Seitenkästen bei den Fahrzeugen mit Mercedes-Motoren kleiner und deutlich aerodynamischer gestaltet werden.
Die Leistung des Verbrennungsmotors lag laut des Aufsichtsratsvorsitzenden des Mercedes-Teams, Niki Lauda, bei rund 426 kW (580 PS).Laut Niki Lauda. Vgl. Diese Angabe erscheint jedoch sehr zurückhaltend in Anbetracht späterer Leistungen und der Angabe der Konkurrenten. Zusätzlich zum Verbrennungsmotor gehörte auch ein Energierückgewinnungssystem (ERS-H) mit zur Hybrid-Motoreneinheit, das Abwärme vom Motor über den Turbolader zur Energiegewinnung nutzte und genau wie die elektromotorische Bremse an der Hinterachse die Batterien lud. Die Abgabe der Leistung erfolgte an einen 120 kW (163 PS) starken Elektromotor. Die Leistung des Verbrenners wurde bei späteren Ausbaustufen deutlich übertroffen. Anfang 2018 sprach Andy Cowell von annähernd 1000 PS Systemleistung, also inklusive der Batterien.
Die Power Unit wurde unter dem Projektleiter Geoff Willis bei Mercedes seit 2011 von vornherein zusammen mit dem Rennwagen, in dem sie 2014 eingesetzt werden sollte, dem Mercedes F1 W05 Hybrid entwickelt. Dadurch gab es in der Premierensaison gegenüber vielen Konkurrenten kaum Probleme bei der Integration des Motors in das Auto.
Technische Details (2014)Datenbezeichnung Beschreibung Gewicht Motor: min. 145 kg inkl. Batterie (20–25 kg) Turbolader Einzel-Turbolader mit 3,5 bar Ladedruck Ventile 4 pro Zylinder Zylinder 90° V6 Bohrung Kolbenhub Hubraum 1,6 Liter Drehzahl max. 15.000/min Kraftstoffdurchlauf max. 100 kg/Stunde über 10.500/min Auspuff ein Austrittsrohr Energierückgewinnung Energy Recovery SystemLeistung 120 kW (163 PS) Leistung Leistung: ≥ 426 kW (580 PS)
Ausbaustufen
Mercedes-Benz PU106A Hybrid war in der Premierensaison 2014 der offizielle Name des Triebwerks. In den nachfolgenden Saisons bekamen die weiteren Ausbaustufen des Motors jeweils neue Bezeichnungen. Formal bauten jedoch alle Ausbauformen auf der seit 2014 bestehenden Grundstruktur auf. Auch wurde nicht jedes Jahr ein neuer Motor entwickelt, vielmehr war die Entwicklung noch während der Saison ein fortlaufender Prozess.
Seit 2017 werden die Triebwerke eines Jahrgangs analog dem Einsatzfahrzeug des Werksteams mit fortlaufender M-Nummerierung (M für Motor) bezeichnet (bei den Fahrzeugen W für Wagen). In der unten stehenden Saisonübersicht sind Statistik sowie Einsatzteams des Mercedes-Motors je Saison angegeben. Gelb hervorgehobene Saisons bedeuten den Gewinn der Fahrer- und Konstrukteurs-WM, orange hervorgehobene den Gewinn des Konstrukteurstitels durch die unterstrichenen Teams.
Datenstand: Saisonende 2025 Saison Rennen Bezeichnung Siege Poles belieferte Teams 2014 19 Mercedes-Benz PU106A Hybrid 16 19 Mercedes, Williams, Force India, McLaren, 2015 19 Mercedes-Benz PU106B Hybrid 16 18 Mercedes, Williams, Force India, Lotus 2016 21 Mercedes-Benz PU106C Hybrid 19 20 Mercedes, Williams, Force India, Manor 2017 20 Mercedes-AMG M08 EQ Power+ 12 15 Mercedes, Williams, Force India 2018 21 Mercedes-AMG M09 EQ Power+ 11 13 Mercedes, Williams, Force India 2019 21 Mercedes-AMG M10 EQ Power+ 15 10 Mercedes, Williams, Racing Point 2020 17 Mercedes-AMG M11 EQ Performance 14 16 Mercedes, Williams, Racing Point 2021 22 Mercedes-AMG M12 E Performance 10 10 Mercedes, Williams, Aston Martin, McLaren 2022 22 Mercedes-AMG M13 E Performance 1 1 Mercedes, Williams, Aston Martin, McLaren 2023 22 Mercedes-AMG M14 E Performance − 1 Mercedes, Williams, Aston Martin, McLaren 2024 24 Mercedes-AMG M15 E Performance 10 12 Mercedes, Williams, Aston Martin, McLaren 2025 24 Mercedes-AMG M16 E Performance 16 15 Mercedes, Williams, Aston Martin, McLaren
Einordnung Das Triebwerk galt 2014 und in den folgenden Saisons, mindestens jedoch bis 2019, als die unangefochten stärkste Antriebseinheit in der Formel 1.Mercedes soll, im Gegensatz zu Renault, die komplette Einheit auf dem Prüfstand und damit „das Zusammenspiel von Motor und Energierückgewinnungs-Systemen sowie die Software getestet haben.“ Vgl. RP-OnlineLaut Niki Lauda liegt der technische Vorsprung in der elektrischen Einheit. Vgl. .
In den Jahren 2014 bis 2020 konnten mit den jeweiligen Ausbaustufen des PU106A Hybrid sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteursweltmeisterschaft gewonnen werden. In diesem Zeitraum gewannen Teams mit Mercedes-Motoren 103 der 138 gestarteten Grand Prix und starteten in 111 Rennen von der Pole-Position. 2021 konnte das Mercedes-Werksteam zum achten Mal in Folge die Konstrukteurs-WM gewinnen.
Seit der Saison 2021 traten neben dem Mercedes-Werksteam noch Williams, Aston Martin und McLaren mit den 1,6-Liter-Turbomotoren von Mercedes AMG HPP an. Infolge der Dominanz von Red Bull unter dem neuen Ground-Effect-Reglement seit 2022 gelangen in den ersten beiden Jahren zunächst nur ein Rennsieg und zwei Pole-Positions durch das Werksteam. Mit dem Erstarken des Kundenteams McLaren sowie dem Werksteam selbst ab der Saison 2024 folgten jedoch weitere Erfolge.
Siehe auch
Mercedes AMG High Performance Powertrains, Mercedes-Benz als Motorenlieferant in der Formel 1 Mercedes AMG F1 Team, Mercedes-Benz als Werksteam in der Formel 1
Weblinks Homepage Mercedes AMG HPP (Motorenwerk) Homepage Mercedes AMG F1 Team (Werksteam) Statistikseite statsf1.com
Einzelnachweise
Kategorie:Formel-1-Motor