Der Weissenburgerkrieg war eine Folge bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und Republik Bern und der Freiherrschaft Weissenburg, im engeren Sinn in den Jahren 1334 bis 1337, die im Jahr 1334 ihren Höhepunkt erreichte, im weiteren Sinn mit Unterbrechungen in den Jahren 1286 bis 1337. In diesen 51 Jahren wurde Wimmis insgesamt neun Mal belagert. Der Konflikt resultierte aus den Expansionsbestrebungen der Stadt Bern und dem wachsenden Einfluss der Weissenburger im Berner Oberland.

Vorgeschichte Die Freiherren von Weissenburg («Wisinburc») werden 1175 im Gefolge des Herzogs Berchtold IV. von Zähringen (ca. 1125–1186) erstmals erwähnt. Sie entstammten dem Lokaladel des Berner Oberlands. Vermutlich waren sie die Erben und Nachfolger der Herren von Erlenbach («de Arlunbach»), die über bedeutenden Einfluss im Niedersimmental verfügten, was nach den dürftigen Urkundenspuren jedoch nicht als gesichert gilt. Gesicherte verwandtschaftliche Verbindungen bestanden zu den Freiherren von Wädenswil («Wadinswilere»), den von Turn und von Brandis sowie den Grafen von Greyerz, von Thierstein und von Nellenburg. Als die Zähringer 1218 mit dem Tode von Herzog Berchtold V., des letzten Erben des Geschlechts, ausstarben, versuchten die Freiherren, ihre Position rasch zu verbessern.

Ab 1250 stellte sich für die Freiherren von Weissenburg durch Heirat, Erbschaft, Krieg und andere geschickte Manipulationen ein Machtzuwachs ein, der mit der Ausdehnung ihres Herrschaftsgebietes einherging. Unter Rudolf III. von Weissenburg († ca. 1307), der ab 1258 in Erscheinung trat, intensivierten sich diese Bemühungen. Er baute sein wichtigstes Bollwerk, das Städtchen Wimmis, das um 1200 von den Freiherren von Strättligen erbaut wurde, samt der dazugehörigen Burg massiv aus. Durch seine Heirat mit einer Tochter Konrads von Wädenswil brachte er sich in den Besitz der Herrschaft Rothenfluh, die durch die ehemaligen Reichsburg Weissenau befestigt war, und der Herrschaft Balm. 1268 erwarben die Herren von Weissenburg Wimmis als Lehen, um 1260 gehörten die zugehörige Burg und Vogtei noch den Freiherren von Strättligen. Die namensgleiche Weissenburg, die grösste Befestigung im Niedersimmental, wird 1278 in den Quellen erstmals ausdrücklich erwähnt.

1286–1288: Erste Phase Rudolf III. suchte die Nähe zu den Habsburgern und machte sich dadurch die aufstrebende, seit 1218 reichsfreie Stadt Bern, die den wachsenden Einfluss der Weissenburger im Berner Oberland mit Argwohn betrachtete, zum Feind. Die ersten Feindseligkeiten begannen 1286, als Bern unter Schultheiss Ulrich I. von Bubenberg einen ersten Feldzug nach Wimmis unternahm. Das Städtchen konnte erobert werden, nicht jedoch die Burg. Aufgrund dessen zerstörten die Berner das Burgstädtchen, und die Truppen zogen nach der Überwindung der Talsperre plündernd und raubend ins Niedersimmental.

1288, im Jahr der ersten Auseinandersetzungen der Berner mit Rudolf I. – der als Rudolf IV. Graf von Habsburg und zugleich als erster Habsburger König des Heiligen Römischen Reiches war – in der Schlacht bei Bern, zogen die Berner zum zweiten Mal aus. Vor dem Städtchen Wimmis fand ein für Bern siegreiches Gefecht statt («Gefecht am Hag (in der Lochmatte)»). Wimmis erhielt in diesem Jahr von König Rudolf das Stadtrecht und wurde erstmals mit einer Ringmauer gesichert, was die Bedeutung des Ortes als eigentliches Machtzentrum der Weissenburger erhöhte.

Am 27. April 1289 unterlag Bern in der Schlacht bei der Schosshalde den Habsburgern, was zu einer mehrjährigen Krisenzeit und Neuorientierung der noch jungen, 100-jährigen Stadt Bern führte. Wohl aufgrund dessen fanden in den zehn Jahren von 1288 bis 1298 keine (belegten) Feindseligkeiten zwischen Bern und den Weissenburgern statt, doch der Konflikt blieb ungelöst. Bern erholte sich nach seiner inneren Krise rasch, kämpfte 1294 sehr wahrscheinlich in Mülenen in der Fehde zwischen den von Wädenswil und der Stadt, schloss 1295 ein erstes Bündnis mit Solothurn und kämpfte 1296 in der Schlacht bei Leuk siegreich an der Seite von Boniface de Challant, des Bischofs von Sitten gegen die Oberwalliser und den Freiherrn Peter IV. von Turn († 1308), dessen Herrschaftsbereich im Frutigland und im oberen Lötschental lag.

1298–1308: Zweite Phase Diese Phase des Konfliktes stand im Zusammenhang mit Berns Auseinandersetzungen mit Habsburg, dem umliegenden Adel und der Stadt Freiburg und diese zog sich ganze zehn Jahre hin. Dieser Krieg war eine Folge der raschen territorialen Expansion Berns, die die umliegenden Herrschaften beunruhigte. 1298 beteiligten sich die Weissenburger militärisch am Aufmarsch der Koalition, die in der Schlacht am Dornbühl eine blutige Niederlage erfuhr. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen unternahm Bern noch 1298 mit dem Vorwand der Parteinahme der Weissenburger für seine Gegner einen dritten, wiederum erfolglosen Auszug gegen Wimmis. Dessen ungeachtet gelang Bern auf Kosten der Freiherren von Belp-Montenach mit der Eroberung der Herrschaft Gerenstein die erste territoriale Expansion der Stadt, die den Grundstein zur Ausformung der Stadt und Republik Bern bildete. Die Herrschaft Gerenstein beinhaltete die sogenannten «Vier Kirchspiele» Bolligen, Muri, Stettlen und Vechigen (ohne Utzigen). 1301 ging Bern ein Bündnis mit dem Städtchen Laupen ein.

1303 fiel Rudolf III. von Weissenburg im selben Jahr wegen Landfriedensbruch auch bei den Habsburgern und den Grafen von Neu-Kyburg in Ungnade – in dieser Fehde verlor er die Herrschaft Rothenfluh mit den Burgen Rothenfluh und Weissenau. Dies lieferte Bern – seit 1302 unter Schultheiss Lorenz Münzer († 1319) – einen erneuten Grund, gegen die Weissenburger vorzugehen und Wimmis zum vierten Mal zu belagern. Das Städtchen wurde hierbei zum zweiten Mal durch die Berner erobert und geschleift, die Steinwehr als Riegel zum Simmental gebrochen, doch gelang es den Bernern wie 1286 nicht, die Burg einzunehmen. Freiherr Rudolf III. konnte durch eine Kriegslist den Fall der Burg verhindern.

1307 starb Rudolf III. unter Hinterlassung dreier Kinder und beträchtlicher Schulden, die aus den unglücklichen Kriegszügen und Bauvorhaben wie der (wiederholten) Wiederherstellung von Wimmis herrührte. Auch seinen beiden Söhnen, Johann I. († 1341) und Peter von Weissenburg († 1314), gelang es nicht, die Schulden durch kluge Verwaltung und gute Wirtschaft zu tilgen, da sie mehr Geld verbrauchten, als ihre Stammesherrschaften abwarfen. Ihre Schwester Katharina wurde mit Graf Peter III. von Greyerz († 1342) verheiratet.

1308, nach zehnjährigem Konflikt, folgten endlich erste Friedensverhandlungen zwischen der Stadt Bern, Johann I. von Weissenburg und Graf Hartmann II. von Neu-Kyburg (1299–1322). Der Waffenstillstand mit den Weissenburgern sollte nur einige Jahre halten.

Am 7. Juni 1311 erhielten die Weissenburger die Pfandschaft über das Reichsland Hasli, da König Heinrich VII. ihnen 184 Mark Silber schuldete. Bereits 1310 begleiteten 8 Ritter und 2 Armbrustschützen der Weissenburger den Römerzug des Königs. 1311 versicherte dieser ihnen noch 160 Mark Silber auf diese Pfandschaft. Nach Conrad Justingers Berner Chronik ebenfalls 1311 wurden die Grafen von Neu-Kyburg Bürger von Bern. Seit 1314 führten diese aufgrund eines Lehens der Habsburger den Titel eines Landgrafen von Burgund.

1315–1318: Dritte Phase Bereits sechs Jahre nach Abschluss des Waffenstillstandes geriet der nach dem Tod des Bruders Peter 1314 mittlerweile alleine Regierende Johann I. von Weissenburg erneut in einen Konflikt mit Bern, der allerdings indirekt war. Im Zuge des Morgartenkriegs, bei dem sich Bern zunächst neutral verhielt, zogen die Weissenburger am 15. November 1315, dem Tag der Schlacht am Morgarten, beim erfolglosen Feldzug der Habsburger mit Otto von Strassberg, der zu diesem Zweck die Pfandschaft über das Reichsland Hasli und UnterseenUnterseen, Geschichte erhielt, um den Angriff auf Obwalden zu erleichtern, über den Brünigpass und teilten dessen Niederlage gegen die Unterwaldner.

1316 erhielten die Weissenburger die Burg Unspunnen pfandweise, ebenso kamen sie in den Besitz von Oberhofen.

mini|links|Die Belagerung von Solothurn 1318 Der neuerliche Konflikt mit Bern ergab sich 1318, als Herzog Leopold I. von Österreich, der mit Johann I. in gutem Einvernehmen stand, im Herbst 1318 bei der Belagerung der Stadt Solothurn, die seit 1295 mit Bern verbündet war, anwesend war. Johann versprach Leopold I. am 22. September 1318 vor Solothurn, nach dem Fall der Stadt ihn mit 300 Mann mit einem Angriff von Westen her gegen die Waldstätte zu unterstützen. Die Belagerung verlief mit Hilfe von 400 Mann aus Bern für die Angreifer erfolglos, sie wurde nach sechs Wochen abgebrochen. Angeblich sollen die Habsburger oberhalb der Stadt eine Holzbrücke gebaut haben, die nach Regenfällen von der Aare mitsamt der Mannschaft mitgerissen worden war, wobei viele ums Leben gekommen sein sollen. Die Solothurner hätten eine Menge Leute aus der Aare gerettet, wodurch ein Friedensschluss mit Leopold zustande gekommen sein soll. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Kompromisslösung.

Noch im selben Jahr gab Leopold die Burg Weissenau, die die Weissenburger 20 Jahre zuvor an die Habsburger verloren hatten, per Pfand wieder an diese zurück. Dies steht klar im Zusammenhang mit der Mitwirkung der Weissenburger im Morgartenkrieg bei der Belagerung von Solothurn. Ebenfalls 1318 gelangte das strategisch wichtige Städtchen Unterseen mitsamt Herrschaft von den Herren von Strassberg an die Freiherren von Weissenburg.

Auch Bern blieb indes nicht untätig. Auseinandersetzungen um die Herrschaft im Hause Neu-Kyburg führten 1322 zum Brudermord im Schloss Thun. Graf Eberhard II. von Neu-Kyburg (1299–1357), der seinen Bruder Hartmann II. ermordete, musste Hilfe bei Bern suchen und die Stadt Thun 1323 an Bern verkaufen. Er erhielt die Stadt als Lehen zurück, musste sie aber 1384 zusammen mit Burgdorf nach dem für ihn finanziell desaströsen Burgdorferkrieg endgültig an Bern abtreten. Anfang August 1323 schloss Bern ein erstes befristetes Bündnis mit den Waldstätten.

1324 wurde das seit 1301 mit Bern verbündete Laupen an Bern verpfändet. Bern baute nach 1324 unterhalb von Laupen die erste Saanebrücke und errichtete einen Zoll.

1327–1329: Vierte Phase Die finanziellen Schwierigkeiten der Weissenburger verbesserten sich trotz des Umfangs ihres Gebietes und ihres Ansehens indes nicht. 1325 verkauften sie die Alpe Niederhorn, die Hälfte der Zehnten in der Gemeinde Zweisimmen, 1327 den Kirchensatz von Bärswil (Oberwil) und Erlenbach und 1330 der Kirchensatz von Interlaken sowie Güter und Zehnten in Erlenbach. Die Verlegung auf Beteiligungen an kriegerischen Unternehmungen grosser Fürsten verschlimmerten die finanzielle Situation der Weissenburger weiter. Sie liehen sich daher bei den lombardischen Wechslern und anderen Geldverleiher in Bern und Freiburg große Geldsummen. Um diese und deren hohen Zinsen abzutragen, legten die Freiherren ihren Untertanen harte Steuern auf. Viele Simmentaler hatten seit der Zeit der ersten Feindseligkeiten das Berner Bürgerrecht angenommen und beklagten sich in der Stadt über die Bedrückungen der Freiherren.

Dies lieferte Bern einen weiteren willkommenen Grund, um 1327 und 1329 zwei weitere Feldzüge gegen die Weissenburger zu unternehmen. Diese beiden weiteren Eroberungsversuche des ab 1303 neu aufgebauten Städtchens Wimmis blieben erfolglos.

1331–1333: Fünfte Phase Die fünfte Phase des bernisch-weissenburgischen Konfliktes lässt sich in zwei Kategorien einordnen. Einerseits der Konflikt der Freiherren mit der Talschaft Hasli und der Beteiligung der Weissenburger im Gümmenenkrieg.

mini|200px|Gefecht an der Hasleregg und Treueschwur der Haslitaler gegenüber Bern, Darstellung in der Spiezer Chronik von Diebold Schilling