Wilhelm I. Graf von Neuenahr (Nuenar, a Nvenar, Novaquila,Lateinisch nova bedeutet „neu“, aquila ist der „Aar“ (Adler). van Nievenaar), (ab 1484) Herr von Bedburg (Bedbur), Rösberg und (nur 1484 übergangsweise) Limburg (* um 1447; † 12. Mai 1497) war ein deutscher Adeliger. Zwischen 1486 und 1495 nahm er regelmäßig als Mitglied der Kurkölner Delegation an Hof- und Reichstagen teil.
Herkunft Wilhelm I. von Neuenahr war der Sohn von Graf Gumprecht II. von Neuenahr (* um 1400; † 1484), Erbvogt zu Köln, Herr zu Alpen, und (⚭ 1425) Margareta Gräfin von Limburg (1406–um 1459), Herrin zu Bedburg und Hackenbroich.
→ Zu weiteren Vorfahren siehe den Artikel zu seinem Sohn Hermann von Neuenahr der Ältere (1492–1530).
Noch zu Lebzeiten von Wilhelms Bruder Friedrich von Neuenahr-Alpen, der 1468 fiel, verfügte ihr Vater Gumprecht II., der als Witwer in den geistlichen Stand eingetreten war, um 1461 eine Herrschafts- und Güterteilung zwischen diesen beiden Söhnen.Vgl. Urkunde vom 24. Februar 1484; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Franziskaner-Augustinerkloster Frauweiler, Urkunde 15). Junggraf Wilhelm nahm 1481 in Köln an der Hochzeit von Herzog Wilhelm von Jülich-Berg (1455–1511) mit Markgräfin Sibylle von Brandenburg (1467–1524) teil.Vgl. Otto R. Redlich: Die Hochzeit des Herzogs Wilhelm IV. von Jülich-Berg mit Markgräfin Sibilla von Brandenburg am 8. Juli 1481 in Köln. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 37 (1904), S. 270–301, bes. S. 280, 284, 290 und 293 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). 1482 trat er in den Dienst des Herzogs, der dafür dessen Herrschaft Bedbur unter seinen Schutz stellte.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Jülich-Berg I Nr. 634), Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg - Rheinische Urkunden, Nr. 76).
Leben Nach dem Tod seines Vaters Gumprecht II. wurde Wilhelm I. von Neuenahr im Erzstift Köln mit Bedburg, Garsdorf, Hof Morken, Rösberg und dem Erbhofmeisteramt des Kurfürstentums belehnt. 1484 nannte er sich in einer Urkunde, die er zusammen mit seinem Neffen Gumprecht I. von Neuenahr-Alpen (1465–1504), Erbvogt von Köln, für das Stift Mariengraden in Köln ausstellte, „Graf zu Neuenahr und Limburg, Herr zu Bedburg“.Vgl. Urkunden vom 8. und 9. August 1484; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg - Rheinische Urkunden, Nr. 80 und 80a); Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 250 Mariengarten, U 3/101); auch . Wilhelm I. von Neuenahr war von seinem Vater testamentarisch als Nachfolger im Amt des Erbvogts benannt worden war, hatte aber zugunsten seines Neffen auf die Erbvogtei verzichtete,Urkunde vom 17. März 1484; Regest bei Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 755, S. 215. dem er auch Ansprüche auf die Grafschaft Limburg abtrat (nicht jedoch Bedburg und Hackenbroich aus dem Limburger bzw. Reifferscheider Erbe). Auf den Hof zu Auenheim verschrieb er 1100 Gulden an Dreys von Büsdorf (Boysdorp).Vgl. Eheberedung von dessen Stieftochter Magdalena von dem Broegh vom 4. Oktober 1490; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1042 Groote, Familie von).
1485 heiratete Wilhelm I. die reiche Erbin Gräfin Walburga von Manderscheid (* 1468; † 1530/35), Herrin zu Schleiden. Erzherzog Maximilian I. von Österreich (1459–1519) und sein Sohn Herzog Philipp von Brabant (1478–1506) verschrieben den Eheleuten zur Hochzeit 1200 Gulden aus dem Zöllen auf der Maas (Schleidener Zoll), mit denen insgesamt ansonsten Kuno I. von Manderscheid belehnt wurde.Regest einer Urkunde vom 12. April 1484 (=1485); Fürstliches Archiv Burgsteinfurt (Inventar des Moerser Archivs von 1600); Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, S. 215, Nr. 756; vgl. Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 1342 (; 1,56 MB). Das Hofgut der Familie in Köln, der „Neuenahrer Hof“, stand an der Ecke Langgasse (heute: Neven-DuMont-Straße) / Schwalbengasse-Kupfergasse. Es wurde in den 1640er Jahren niedergelegt, der Treppenturm ist in der Kirche St. Maria in der Kupfergasse erhalten.
1486 nahm Wilhelm I. von Neuenahr in Frankfurt am Main im Gefolge des Kölner Erzbischofs Hermann IV. von Hessen († 1508) an der Wahl von Maximilian I. zum römisch-deutschen König teil;Marquard Freher, Burkhard Gotthelf Struve: Rerum Germanicarum scriptores, Bd. III. Johann Reinhold Dulßecker, Straßburg 1717, S. 26. er und sein Neffe Gumprecht I. von Neuenahr-Alpen nahmen Quartier im Gasthaus Zu der Weinreben in der Töngesgasse / Ecke Liebfrauenberg.Vgl. Johannes Janssen (Bearb.): Frankfurts Reichscorrespondenz, Bd. II/1. Herder, Freiburg im Breisgau 1872, S. 421 (Google-Books). Anlässlich seiner anschließenden Krönungsfahrt nach Köln beauftragte der König nach altem Herkommen den Kölner Erbvogt, die Amnestie von neun namentlich genannten verbannten Übeltätern durchzuführen.Urkunde vom 27. April 1486; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 3) (Haupturkundenarchiv - Nachträge, U 2/277). 1487 war Wilhelm I. von Neuenahr auf dem Reichstag Kaiser Friedrichs III. (1415–1493) in Nürnberg.Johann Jakob Fugger: Spiegel der Ehren Des Hochlöblichsten Keyserlichen Erzhauses OESTERREICH, Bd. V. Michael und Johann Friderich Endtern, o. O. [Nürnberg] 1668, S. 964 (Google-Books). 1488 war er Drost von ErkelenzGottfried Eckertz (Bearb.): Die Chronik der Stadt Erkelenz. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 5 (1858), S. 1–89, bes. S. 36. und nahm als „geordneter Rat zum Fechten und Rechten“ im Auftrag von Kaiser Friedrich III. am Zug des Markgrafen Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach (1460–1536) in die Niederlande zur Befreiung des von den flandrischen Ständen in Brügge gefangengenommenen Königs Maximilian I. teil.Vgl. Joseph Baader: Kriegs- und Marschordnungen des Markgrafen Friedrich von Brandenburg . In: Jahresbericht des Historischen Vereins für Mittelfranken 35 (1867), S. 1–24, bes. S. 7.
Wilhelm I. war im Pfandbesitz eines Turnosen am Kurkölner Bonner Rheinzoll.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Kurköln, Urkunden Nr. 3303 und 3223). 1489 stellte er einen Teil der Einnahmen aus dem Zoll als Sicherheit für die Mitgift seiner Nichte Margarete von Sombreffe († 1518) – einer Tochter seiner Schwester Elisabeth von Neuenahr († 1484) – bei ihrer Heirat mit Heinrich II. von Reichenstein († 1506), Herr zu Kerpen und Reckheim.Urkunde vom 28. August 1489; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Kurköln, Urkunden Nr. 3303); Johann Schultze: Die Walpoden von der Neuerburg und Herren von Reichenstein. In: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 38 (1908), S. 104–197, bes. S. 167f (Digitalisat bei OpenLibrary).
1490 verpfändeten Wilhelms I. von Neuenahr und seine Frau Walburgis mit Genehmigung des Kurkölner Lehnsherrn Hermann IV. von Hessen den Hof Morken im Amt Kaster an den Jülicher Erbkämmerer und Amtmann von Nörvenich Johann van dem Bongart (* um 1446; † 1520) und seine Frau Elisabeth von Argenteau († nach 1520).Urkunden vom 30. September 1490; 14. März 1491 und 27. Januar 1502; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg - Rheinische Urkunden, Nr. 83 und 90); Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Paffendorf, Urkunden Nr. 482). Erzbischof Hermann IV. von Hessen verpfändete 1490 das Amt Hülchrath für 6000 Gulden an Wilhelm I. von Neuenahr.Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 210 Domstift, U 2/1882 und U S/1887), auch Urkunde vom 28. April 1491; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg - Rheinische Urkunden, Nr. 87). 1491 besiegelte der Kurkölner „Rhait und … Erff-Hoffmeister“ Wilhelm I. von Neuenahr den Vertrag von Erzbischof Hermann IV. mit der Stadt Köln unter anderem über das Hohe Gericht, Münzfragen, Rentenzahlungen aus der Mühlentafel (gemeinsame Verwaltung der Rheinmühlen) und das Grutrecht beim Bierbrauen mit.Urkunde vom 20. August 1491; Des Teutschen Reichs-Archivs Spicilegii ecclesiastici, Bd. XVI Fortsetzung des I. Theils von Ertz-Stifftern, Auch Teutschem und Johanniter-Orden. Lanckisch, Leipzig o. J. , S. 613–616 (Google-Books); Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln, Bd. III, L. Schwann, Köln / Neuss 1869, S. 644. 1493 verkaufte Wilhelm I. von Neuenahr für 700 Oberländische Rheinische Goldgulden eine Erbrente von 42 Gulden aus dem Zehnten von Holzheim in der Herrschaft Helpenstein an Heinrich von Salm-Reifferscheid.Urkunde vom 8. Februar 1493; Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr (Bestand 1010 Herrschaft Broich / Amt Broich-Styrum, Nr. 246). 1494 erhielt Wilhelm I. für 5000 Goldgulden von den Grafen Everwin II. von Bentheim-Steinfurt (1461–1530) und Johann IV. von Holstein-Schaumburg-Gemen (1449–1527) die Pfandschaft über die benachbarte Herrschaft Wevelinghoven.Urkunde vom 12. November 1494; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg - Rheinische Urkunden, Nr. 87; Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Gemen - Urkunden, Nr. 355). Zur Bezahlung von Schloss und Herrlichkeiten Wevelinghoven und Lievendahl verschrieb Wilhelm I. von Neuenahr seinem „Schwager“ Johann IV. von Holstein-Schaumburg bzw. dessen Frau Kordula von Gemen († 1528) eine Rente.Urkunde vom 6. Oktober 1496; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Gemen - Urkunden, Nr. 355).
Als es zu einem Streit kam zwischen Jakob II. von Horn († 1500) und seinem Bruder Johann IX. von Hoorn († 1506), Bischof von Lüttich, als Lehnsherr auf der einen Seite, Wilhelm III. von Wied und Moers († 1526) auf der anderen Seite über die Grafschaft Hoorn und besonders die Herrschaft Weert,Vgl. zum folgenden Werner Paravicini: Moers, Croy, Burgund. Eine Studie über den Niedergang des Hauses Moers in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In: Annalen des Historischer Verein für den Niederrhein 179 (1978), S. 7–109. bes. S. 60–63. die 1486 an Wilhelms III. Schwiegergroßvater Vincenz von Moers-Saarwerden († 1499) verpfändetRegest einer Urkunde vom 11. November 1486; Fürstliches Archiv Burgsteinfurt (Inventar des Moerser Archivs von 1600). und von diesem 1492 an Wilhelm III. übertragen worden waren,Vgl. Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 2815. 1498 widerrief Vincenz von Moers die Verfügung testamentarisch zugunsten seines Enkels Charles I. de Croÿ (1455–1527), Fürst von Chimay; vgl. ebenda, Nr. 2889. wurde Wilhelm I. von Neuenahr – später seine Witwe Walburga von Manderscheid – mit der Sequestration (Zwangsverwaltung) der strittigen Gebiete beauftragt.Vgl. Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 2698, 2760, 2817, 2834, 2842, 2851 und 2882.