Die Spitzmausmaulwürfe (Uropsilus), manchmal auch Ohrenspitzmaus-Maulwürfe, sind eine Säugetiergattung aus der Familie der Maulwürfe (Talpidae). Sie bilden gleichzeitig die monotypische Unterfamilie der Uropsilinae, die allen anderen Maulwürfen im Stammbaum gegenübersteht. In ihrem äußeren Erscheinungsbild ähneln die Tiere eher den Spitzmäusen als den anderen Mitgliedern der Familie. Dadurch zeichnet sie ein langer Körper, ein ebensolcher Schwanz und eine spitze Schnauze aus. Die Augen sind analog zu den anderen Maulwürfen verkleinert, allerdings ragen die Ohren sichtbar aus dem Fell. Im Skelettbau bestehen deutliche Unterschiede zu den Maulwürfen, was unter anderem am Schultergürtel und den langen, schlanken Knochen der Vordergliedmaßen ersichtlich ist. Die Tiere zeigen dadurch keine Anpassungen an eine grabende Lebensweise. Bevorzugt bewegen sie sich am Erdboden fort, Informationen über ihr Verhalten sind aber rar. Das hauptsächliche Verbreitungsgebiet der Spitzmausmaulwürfe umfasst das zentrale und südwestliche Ostasien sowie das nördliche Südostasien, wo sie bewaldete gebirgige Regionen bewohnen. In ihrer stammesgeschichtlichen Vergangenheit waren sie aber weit über Eurasien verbreitet und kamen auch in Nordamerika vor. Fossilfunde reichen bis in das ausgehende Oligozän zurück, umfassen in der Regel aber lediglich Schädel- und Gebissteile sowie einzelne Elemente der Extremitäten. Die Gattung wurde im Jahr 1871 wissenschaftlich eingeführt, zwölf Jahre später folgte die Benennung der Unterfamilie. Heute nicht mehr anerkannt, wurden die Spitzmausmaulwürfe forschungsgeschichtlich teilweise in drei Gattungen aufgespalten. Gegenwärtig sind 17 Arten anerkannt, genetische Untersuchungen verweisen jedoch auf die Existenz von weiteren kryptischen Arten. Über die Bestandsgefährdungen der meisten Vertreter ist kaum etwas bekannt.

Merkmale Habitus Die Spitzmausmaulwürfe gehören zu den kleinsten bekannten Maulwürfen. Die Größe zwischen den einzelnen Arten ist nur wenig variabel. In der Regel beträgt die Kopf-Rumpf-Länge 6,5 bis 8,3 cm, hinzu kommt ein 5,0 bis 7,2 cm langer Schwanz. Die Schwanzlänge entspricht somit gut 75 bis 95 % der Länge des restlichen Körpers. Das Gewicht variiert von 5,9 bis 11,2 g, Angaben liegen aber nicht zu allen Arten vor. Der Körperbau der Spitzmausmaulwürfe ist untypisch für Maulwürfe und weist Ähnlichkeiten zu dem der Spitzmäuse auf. Markante Kennzeichen finden sich daher in dem gestreckten Körper, den Kopf mit spitzer, beweglicher Nase und mit äußerlich sichtbaren Ohrmuscheln sowie in dem langen Schwanz. Entsprechend der anderen Maulwürfe ist der Hals sehr kurz, zudem sind die Augen stark zurückgebildet. Die Vorder- und Hinterfüße sind schmal und eignen sich mit ihren schlanken Krallen nicht zum Graben. Das Fell ist am Rücken häufig graubraun bis schwärzlich gefärbt, die Unterseite erscheint bei einigen Arten heller. Die Füße und der Schwanz sind kaum behaart, sondern mit Schuppen versehen, bei letzterem zumeist in ringförmiger Anordnung.

Schädel- und Gebissmerkmale mini|Schädel und Unterkiefer von drei Arten der Spitzmausmaulwürfe: A: Uropsilus huanggangensis, B. Chinesischer Spitzmausmaulwurf, C: Dabieshan-Spitzmausmaulwurf Im Schädelbau ähneln die Spitzmausmaulwürfe weitgehend den Japanischen Spitzmullen (Urotrichini). Der Jochbogen ist vollständig entwickelt, aber sehr schlank. Er wölbt sich hoch nach oben auf, zum Oberkiefer hin verläuft er dadurch abwärts steigend und weniger horizontal wie bei den anderen Maulwürfen. Am vorderen Bogenansatz ragt ein zusätzlicher Fortsatz auf, der als Ankerstelle des Massetermuskels fungiert. Das Foramen lacrimale wird ähnlich groß wie das Foramen infraorbitale, beide sitzen direkt übereinander. An der Schädelbasis sind die Paukenblasen geöffnet. Die Gehörknöchelchen des Mittelohrs zeigen sich normal entwickelt und weisen keine Vergrößerungen auf. Dies wird in der Regel mit einem Hören im höheren Frequenzbereich verbunden.

+ Zahnformeln der SpitzmausmaulwürfeGattungZahnformelZahnanzahlU. andersoni38U. atronates, U. cinereonates, U. dabieshanensis, U. fansipanensis, U. funiushanensis, U. gracilis, U. huanggangensis, U. investigator, U. leptocranium, U. maximus, U. nivatus, U. parvoniger, U. wulingshanensis38U. aequodonenia36U. ningshanensis, U. soricipes34 Das Gebiss ist sehr variabel aufgebaut, was dazu führte, dass die Spitzmausmaulwürfe in der Vergangenheit auf verschiedene Gattungen aufgeteilt wurden. Die Zahnanzahl reicht von 34 bis 38. Gegenüber dem standardisierten vollständigen Gebiss der Höheren Säugetiere ist jenes der Spitzmausmaulwürfe reduziert, wobei der Verlust an Zähnen überwiegend den Bereich der Schneidezähne und Prämolaren betrifft. In der Regel sind in der oberen Zahnreihe sechs bis sieben, in der unteren fünf bis sechs Zähne vor den Molaren ausgebildet. Der zurückgebildete Zahn im hinteren Gebissabschnitt entspricht vermutlich in der Position dem ursprünglich dritten Prämolaren, im vorderen Gebiss ist jeweils der dritte Schneidezahn nicht mehr erhalten, unter Umständen fehlt auch der erste. Die Mahlzähne ähneln weitgehend denen der anderen Maulwürfe. Die Kauflächen werden durch mehrere spitze Höckerchen charakterisiert, die an den oberen Mahlzähnen dilambdodont (W-förmig) angeordnet sind. Abweichend von anderen Maulwürfen tritt am letzten Höckerchen ein Wulst auf, der dem hinteren Zahnrand einen eingedellten und nicht geraden Verlauf verleiht. Als Besonderheit kommt es bei den Spitzmausmaulwürfen zu einem Wechsel vom Milchgebiss zum dauerhaften Gebiss, was ansonsten nur bei den Neuweltmaulwürfen (Scalopiniu) und den Japanischen Spitzmullen (Urotrichini) bekannt ist.

Skelettmerkmale Im Skelettbau weichen die Spitzmausmaulwürfe am deutlichsten von allen anderen Maulwürfen ab. Auffallend ist dies vor allem am Schultergürtel, der unterhalb des siebenten Halswirbels ansetzt, während er bei den restlichen Formen mit Ausnahme der Desmane (Desmanini) deutlich höher liegt. Die Flügel des Brustbeinkopfes laden weit aus und sind nicht so eng wie bei den übrigen Maulwürfen. Das Schlüsselbein lässt noch den typischen S-förmigen Verlauf erkennen, wie er bei den Spitzmäusen vorkommt, zeigt sich aber etwas verkürzt. Allerdings ist es nicht so stark gestaucht wie bei anderen Maulwürfen, bei denen es im Extremfall würfelförmig sein kann. Im Gegensatz zu diesen gelenkt das Schlüsselbein sowohl mit dem Schulterblatt als auch mit dem Oberarmknochen, während es bei den restlichen Mitgliedern der Familie nur mit letzterem in Verbindung steht. Am Schulterblatt tritt ein deutliches Metacromion auf (ein Fortsatz am Acromion), der sonst reduziert ist. Der Oberarmknochen, aufgrund der Grabetätigkeit der massivste Langknochen bei den Maulwürfen, ist bei den Spitzmausmaulwürfen lang und schlank. Es fehlen die zumeist wuchtigen Gelenkenden ebenso wie die ausladende Pectoralleiste am oberen Ende als markante Muskelansatzstellen. Gleiches gilt für die Elle, deren oberer Gelenkfortsatz, das Olecranon eher kurz gestaltet und nicht so lang ausgezogen ist wie bei den meisten Maulwürfen. Die Hand der Spitzmausmaulwürfe verfügt über fünf Strahlen. Ein sogenannter Präpollex („Vordaumen“), auch Os falciforme, der bei den grabenden Maulwürfen als verknöchertes Sesambein die Handfläche seitlich verbreitert, ist bei den Spitzmausmaulwürfen nicht ausgebildet. die Endphanlangen, an denen die Krallen ansetzen, sind glatt und nicht eingekerbt. Am Becken artikulieren die beiden Schambeine nicht über die Schambeinfuge. Außerdem besteht kein Kontakt zwischen dem Darmbein und dem Kreuzbein. Generell besteht die Wirbelsäule aus 7 Hals-, 13 Brust-, 6 Lenden-, 6 Kreuzbein- und bis zu 20 Schwanzwirbeln.

Genetische Merkmale + Cytogenetische Merkmale der SpitzmausmaulwürfeGattungChromosomensatzFundamentale AnzahlX-ChromosomY-ChromosomU. andersoni2n = 34FNa = 52metazentrischfleckenförmigU. nivatus2n = 34FNa = 46metazentrischfleckenförmigU. soricipes2n = 36FNa = 54metazentrischfleckenförmigandere Arten???? mini|links|Karyotyp des Sichuan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus soricipes) Cytogenetische Studien fanden bisher nur bei wenigen Vertretern der Spitzmausmaulwürfe Anwendung. Bei den untersuchten Formen wurde ein diploider Chromosomensatz von 2n = 34 bis 36 und eine fundamentale Anzahl, also die Anzahl der Arme der Autosomenpaare, von 46 bis 54 festgestellt. Der Chromosomensatz der Spitzmausmaulwürfe entspricht weitgehend dem der meisten anderen analysierten Maulwürfe, die gesamte Bandbreite reicht aber hier von 2n = 32 bis 48. Es wird angenommen, dass der Wert von 2n = 34 dem der ursprünglichen Maulwürfe entspricht. Das X-Chromosom ist metazentrisch und groß, das Y-Chromosom hingegen fleckenförmig und klein. Letzteres spiegelt einen generellen Trend der Maulwürfe wider, bei dem das männliche Geschlechtschromosom zu einer Miniaturisierung neigt. Bei den Spitzmausmaulwürfen ist das Y-Chromosom allerdings durchschnittlich größer, was möglicherweise auf den ursprünglichen Entwicklungsstand der Gruppe hindeutet. Das Mitogenom konnte für einige Arten erfasst werden. Es besteht aus 16.519 bis 16.575 Basenpaaren.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitung der Spitzmausmaulwürfe in Ostasien und angrenzenden Gebieten Die Spitzmausmaulwürfe sind in Ost- und Südostasien verbreitet. Das hauptsächliche Vorkommen findet sich im zentralen und südwestlichen China mit den Provinzen Sichuan und Yunnan sowie angrenzend auch Hubei, Anhui und Jiangxi. Des Weiteren wurde ein Angehöriger auch im nördlichen Vietnam dokumentiert. Einzelne Nachweise liegen aus dem nördlichen Myanmar vor, doch ist hier unklar, welchem Vertreter sie zuzuweisen sind. Die meisten Arten haben nur ein kleines, fleckenhaftes Auftreten. Lediglich der Chinesische (Uropsilus gracilis) und der Sichuan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus soricipes) bewohnen ausgedehntere Regionen. Der Lebensraum der Tiere besteht überwiegend aus Wäldern in mittleren und höheren Gebirgsregionen von 1250 bis 4500 m Seehöhe.

Lebensweise Über die Lebensweise der Spitzmausmaulwürfe ist wenig bekannt. Ihr Körperbau eignet sich nicht zum Graben unterirdischer Gänge. Sie leben daher hauptsächlich am Boden und suchen im Laubabfall nach Nahrung. Diese dürfte aus Wirbellosen bestehen. Zur Orientierung in ihrer zumeist nächtlichen Umgebung nutzen die Tiere Echolokationslaute, die mit der Zunge erzeugt werden. Die dabei entstehenden Klicks dauern rund 0,8 ms an und liegen in einem Frequenzbereich von 26 bis 107 kHz.

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