Altlußheim (kurpfälzisch: Altlosse []) ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Rhein-Neckar-Kreis.
Geografie Lage Altlußheim gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, direkt am rechten Ufer einer Schleife des Flusses. Die Wohnbebauung liegt auf einem Sporn der Niederterrasse. Westlich schließen sich Rheinauen an. Südöstlich hat Altlußheim Anteil am Hardtwald. Durch die Gemarkung fließt der Kriegbach, der in den Rhein mündet.
Nachbargemeinden Westlich der Gemeinde auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegt die rheinland-pfälzische Stadt Speyer, mit der Altlußheim durch die Salierbrücke im Verlauf der Bundesstraße 39 auf eigener Gemarkung verbunden ist. Im Nordosten befindet sich Hockenheim. Weniger als einen Kilometer östlich des Stadtgebietes schließt sich die Gemeinde Neulußheim an, die halbkreisförmig von Altlußheimer Gemarkung umschlossen wird. Im Osten liegt Reilingen und im Süden Oberhausen-Rheinhausen.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Altlußheim gehören außerhalb der Kernbebauung Gehöft und Haus Lußhof sowie die Häuser An der St. Leonerstraße, An der Waghäuselerstraße, Gemeindewald und Rheintalbahn.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 371.
Geschichte
Bis zum 18. Jahrhundert Im Verlauf der Jahrhunderte sind zahlreiche Bezeichnungen für das Dorf bekannt. So ist von Lossa, Locze, Loszem, Lossem, Lozsheim, Lohsheim, Lussem, Luzheim und später Lußheim zu lesen.
Lußheim war ursprünglich eine vorgeschichtliche Fischersiedlung an der Römerstraße. Die Bewohner lebten vom Fischfang aus den Gewässern der vielen Rheinschlingen. Im Dorf selbst, an der höchsten Stelle, stand damals ein heidnischer Tempel. Es fanden sich über 100 Brandgräber, die von der vespasianischen Zeit bis zum Ende des 2. oder an den Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. datiert werden.G. Dreisbusch: Das römische Brandgräberfeld von Altlußheim-Hubwald, Rhein-Neckar-Kreis. In: Archäologische Nachrichten aus Baden Band 40/41 (1988). Link zum Online-Zugriff Später wurde an dessen Stelle eine Kirche gebaut.
Altlußheimer Fürstengrab mini|Inschrifttafel am Fundort 1932 wurde am westlichen Ortsrand im Gewann Zwerchgraben bei Kiesarbeiten des Arbeitsdienstes die Grabstätte eines germanischen oder alemannischen "Fürsten" entdeckt, das in die Völkerwanderungszeit um 420 bis 450 datiert wird.Geschichte der Gemeinde Altlußheim Gefunden wurden neben den sterblichen Überresten eines Mannes und einer Frau mehrere Grabbeigaben. Der bedeutendste Fund war ein zweischneidiges eisernes Langschwert, das heute im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe aufbewahrt wird. Digitaler Katalog des Landesmuseums Der Griff des Schwertes hat ein vergoldetes und mit geschliffenen Almandinen besetztes Querstück. Die Form des Schwertes verweist auf eine südrussische Herkunft. Es ist vermutlich mit den Hunnenzügen ins heutige Nordbaden gelangt. 1982 wurde am Fundort ein Gedenkstein mit Bronzetafel errichtet.
Völkerwanderungszeit und Mittelalter mini|Fränkisches Gehöft mini|Evangelische Kirche Altlußheim mini|Altarraum, Evangelische Kirche Altlußheim mini|Der Rhein bei Altlußheim Im Jahre 496/97 griffen die Franken die im hiesigen Raum herrschenden Alemannen an und drängten sie bis zur Murg zurück. Lußheim ist unzweifelhaft auf eine fränkische Niederlassung zurückzuführen. Die Namensendung -heim ist hierzu ebenso ein Hinweis wie die auch heute noch im Ort vorhandenen rein fränkischen Gehöfte wie z. B. das Anwesen Rheinhäuser Straße 8 und das Anwesen Hauptstraße 74. Auch die gefundenen Reihengräber sprechen für den rheinfränkischen Ursprung. Räumlich gesehen liegt Altlußheim mitten in Rheinfranken, einem Teilgebiet der mittelalterlichen Großregion Franken. Staatsrechtlich gehörte das damalige Loszem zum Herzogtum Rheinfranken. Die urkundliche Ersterwähnung Lußheims im Jahre 946 erfolgte als Luzheim in einer Urkunde, in der der Ort vom rheinfränkischen Herzog Konrad an Bischof Reginald I. von Speyer geschenkt wurde. Bischof Günther schenkte Lußheim 1148 dem neugegründeten Zisterzienserkloster Maulbronn. Das Kloster Maulbronn übte alle Rechte über Schultheiß, Bürger und Leibeigene aus und erhielt aus Pfarreinkünften und Ortserträgnissen den großen Zehnten. Die Schirmherrschaft über den Ort beanspruchte 1156 Kaiser Barbarossa, die vermutlich während des Interregnums wieder an das Hochstift Speyer überging.
Im 14. Jahrhundert kam das Kloster unter pfälzische Hoheit. Durch große Gegensätze, die zwischen Pfalzgraf Friedrich und Herzog Ulrich von Württemberg bestanden, mussten die Bewohner von Lußheim sehr leiden. Als es zum offenen Krieg beider Fürsten kam, wurde das Dorf völlig zerstört. Lußheim war den jahrelangen Reibereien zwischen den Schutzherren und den Bischöfen von Speyer ausgesetzt. Erst nach dem Jahre 1504 traten wieder normale Zeiten in der Gegend ein, als der Herzog von Württemberg die Pfälzer vernichtend geschlagen hatte. Das Kloster Maulbronn fiel an Württemberg, das die Ortsrechte in Lußheim in der Folge übernahm.
Frühe Neuzeit
Im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 wurde Lußheim zerstört. 1692 zählte das Dorf noch 18 Bürger, 13 Witwen, 28 Waisen. Zwei Drittel der Einwohner und der Schultheiß Johann Konrad Zeitern wurden von feindlichen Soldaten ermordet. Kirche, Pfarrhaus, Rathaus und die meisten Häuser und Scheunen waren verbrannt.
In dieser Zeit war ein großer Teil der Bevölkerung noch Leibeigene des Klosters Maulbronn. Dieser Zustand dauerte bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts an. Zur Zeit des Wiederaufbaus des Westteils des Speyerer Doms 1774 musste die Ziegelei Altlußheim 200.000 Backsteine graben, brennen und liefern.
Schon in früher Zeit wurde auf der Altlußheimer Flur Tabak angebaut. Auch begann man in diesen Jahren mit der Rodung der dichtbewaldeten Gemarkung, auf deren Fläche auch Neulußheim entstanden ist. Die Größe der vorhandenen Huben wurde verkleinert, nachdem diese im Jahre 1550 güterrechtlich eingetragen wurden.
19. Jahrhundert Als von 1804 bis 1822 der Rheindamm bis Speyer gebaut und die Grün-Entwässerung durchgeführt wurde, konnte viel Land der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden und es entstanden hier viele große Bauernhöfe. Auf dem Rheindamm wurde gleichzeitig die neue Landstraße Heilbronn–Speyer angelegt. Mit dem Aufleben der Industrie entwickelte sich auch hier der Arbeiterstand und brachte für manche Familien bessere Lebensbedingungen. Auch das Handwerk fand allmählich festen Boden.
Im Jahre 1803, nachdem die Gemarkung Neulußheim abgetrennt war, hatte die Gemarkung Altlußheim eine Größe von 2133 Morgen; 903 Morgen Acker (etwa drei Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche, ein Viertel waren Wiesen), Gemeindewald 205 Morgen, Rheinwald 100 Morgen und 925 Morgen privater Hubwald. Durch den Tausch- und Epurationsvertrag von 1806 wurden Alt- und Neulußheim dem Großherzogtum Baden zugesprochen. 1821 wurde die Siedlung Neulußheim selbständig. Um Verwechslungen zu vermeiden, benannte sich der alte Ort Lußheim in Altlußheim um.
20. Jahrhundert Politisch waren vor dem Ersten Weltkrieg die Nationalliberalen am stärksten, ehe sie 1903 von den Sozialdemokraten überflügelt wurden. Während der Weimarer Republik hatten die linken Parteien bis 1930 regelmäßig eine Zweidrittelmehrheit. 1933 erhielt die NSDAP 43,8 Prozent der Stimmen. Nachdem die Gemeinde bis dahin dem Amt Schwetzingen angehört hatte, wurde sie 1924 dem Amtsbezirk Mannheim, dem späteren Landkreis Mannheim, angegliedert.
Die ursprüngliche Fischersiedlung Lußheim war mit ihrem Fährbetrieb über den Rhein bedeutsam und hatte auch das Recht, den Fährmann, seinerzeit Fergenmeister genannt, für Lußheim und auch Ketsch zu stellen. Der Rheinübergang bzw. dieser Fährbetrieb hatte in jener Zeit eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung für die Menschen in Altlußheim. Im Jahre 1840 war eine Schiffsbrücke errichtet worden, die 1938 einer festen Eisenbahn- und Straßenbrücke Platz machte. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Brücke von sich zurückziehenden deutschen Truppen gesprengt. 1955 entstand dann an gleicher Stelle die heutige Salierbrücke als reine Straßenbrücke nach Speyer und in den 1970er Jahren nördlich der Domstadt eine Pylonenbrücke für die Bundesautobahn 61. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für die Vertriebenen die Donauschwabensiedlung erschlossen. Später kamen unter anderem die Neubaugebiete Kirchfeldflur, Altreut 2 und 3 dazu. Geschichte Altlußheims
Im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform wurden 1973 der Landkreis Mannheim aufgelöst und die Gemeinde Altlußheim dem neugebildeten Rhein-Neckar-Kreis angegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr 1598 1777 1834 1875 1905 1939 1961 1967 1970 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 EinwohnerKreisbeschreibung Band 3, S. 423: Ohne Neulußheim, das bis 1818 zur Gemeinde gehörte. 390 492 868 1340 2079 2611 4151 4641 4764 5297 5346 5092 5317 5239 5708 6202
Religionen Seit dem Westfälischen Frieden waren die Einwohner fast ausschließlich evangelisch. Noch 1925 lag der Anteil bei 96,4 Prozent. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Anzahl der Katholiken durch die Aufnahme von Vertriebenen auf rund 30 Prozent im Jahr 1967.
In Altlußheim befindet sich mit dem Wat Sibounheuang ein buddhistisches Kloster. Dieses ist das einzige buddhistische Kloster in Deutschland, das von laotischen Einwanderern geführt wird und damit das einzige, das den Theravada-Buddhismus in seiner laotischen Ausprägung vertritt.Olaf Beuchling: Sozialisation und Erziehung in der buddhistischen Diaspora – eine ethnografische Perspektive. In: Carola Roloff, Wolfram Weiße, Michael Zimmermann (Hrsg.): Buddhismus im Westen: Ein Dialog zwischen Religion und Wissenschaft, S. 155–176. Waxmann, 2011, ISBN 3-8309-2555-7. S. 155.
Politik mini|Das Rathaus in Altlußheim
Verwaltungsgemeinschaft Die Gemeinde ist Mitglied der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Hockenheim.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Altlußheim hat 18 Mitglieder, die Aufstockung von 14 ausgehend wurde 2022 mit Wirkung ab der Kommunalwahl 2024 beschlossen. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2019, Altlußheim; Gemeinde Altlußheim: Gemeinderatswahlen 2024, Altlußheim Abgerufen am 13. Juni 2024. Gemeinderat 2024ParteiStimmenSitzeGrüne 22,6 % (−7,0) 4 (±0)FWV 36,3 % (+8,0) 4 (+2)CDU 25,9 % (+1,5) 3 (+2)SPD 15,2 % (−2,5) 3 (±0) Wahlbeteiligung: 65,35 % (+4,8)
Bürgermeister Der Bürgermeister wird alle acht Jahre direkt gewählt. Seit 2018 ist Uwe Grempels (SPD) Bürgermeister von Altlußheim. Zuvor amtierte von 2002 bis 2018 Hartmut Beck.Bürgermeisterwahl Altlußheim: Wechselwille und Emotionen, Rhein-Neckar-Zeitung
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: In Schwarz aus grünem Dreiberg wachsend ein rot bewehrter und rot bezungter goldener Löwe mit einem goldenen Krummstab (Krümme nach links) in den Vorderpranken.
Das Wappen beruht auf einen Irrtum, denn Altlußheim gehörte nie zur Kurpfalz, die durch den Löwen symbolisiert wird. Ab 1513 ist ein Siegel nachweisbar, das einen Maultierrumpf zeigt. Damit spielte es auf die Zugehörigkeit zum Kloster Maulbronn und damit ab 1557 zum Herzogtum Württemberg an. Der Irrtum wurde begünstigt durch einen qualitativ schlechten Farbstempel, den die Gemeinde im 19. Jahrhundert benutzte. Daher nahm Altlußheim im Jahr 1900 auf Empfehlung des Generallandesarchivs das heutige Wappen an.
Die Flagge ist Gelb-Schwarz und wurde vom Innenministerium am 16. Mai 1959 verliehen.Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 37.
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