mini|Die Burg Beeskow, Zentrum der ehemaligen Herrschaft Beeskow, und späterer Sitz des Amtes Beeskow mini|Wappen der Stadt Beeskow. Links die drei Sensen der Herren von Strele, rechts das rote, fünfendige Hirschhorn der Herren von Bieberstein Die Herrschaft Beeskow war eine ursprünglich zur Niederlausitz (bzw. genauer Markgrafschaft Lausitz) gehörende Adelsherrschaft um die Stadt Beeskow, die 1272 erstmals urkundlich fassbar wird. Die Herrschaft wurde 1518 zusammen mit der westlich anschließenden Herrschaft Storkow von dem in Geldnöten steckenden Adelsgeschlecht der Biebersteiner an den Bischof von Lebus verpfändet. Die hochverschuldeten Biebersteiner konnten das Pfand aber nicht mehr auslösen. Nach deren Aussterben 1551 fiel das Lehen nominell an die böhmische Krone. 1555/56 wurde das Pfand weitergereicht an den brandenburgischen Markgrafen Johann von Küstrin, der die Herrschaft bis zu seinem Tod 1571 innehatte. Gegen hohe Geldzahlungen an den böhmischen König und deutschen Kaiser Ferdinand I. wurde die Pfandherrschaft zunächst verlängert. Erst 1575 erlangte der brandenburgische Kurfürst Johann Georg die erbliche Belehnung; die Herrschaft Beeskow (und die damit verbundene Herrschaft Storkow) war nun faktisch ein Teil der Kurmark geworden. Nominell blieb die böhmische Oberlehensherrschaft aber bis 1742 bestehen. Aus den beiden Herrschaften bildete sich im Verlauf des 18. Jahrhunderts der Beeskow-Storkowische Kreis heraus, der 1815 aufgelöst, 1836 jedoch wiederhergestellt wurde und bis 1950 Bestand hatte. Das Gebiet der ehemaligen Herrschaft Beeskow gehört heute zum Landkreis Oder-Spree (Brandenburg).
Grenzen Die Westgrenze (= Grenze zur Herrschaft Storkow) verläuft von Fürstenwalde/Spree über die Seenkette Petersdorfer See, Scharmützelsee, Großer Glubigsee, Springsee, Melangsee, Grubensee und Godnasee nach Alt-Schadow weiter nach Südosten nach Plattkow, und der Spree entlang (Werder, Kossenblatt, Briesen, Rocher, Trebatsch und Sawall). Von Sawall entlang der Spree nach Norden durch den Schwielochsee, Glower See und Leißnitzsee bis Kummerow. Weiter unter Einschluss der Gemarkungen von Kummerow, Krügersdorf, Schneeberg, Merz, Ragow und Neuhaus wieder zur Spree.
Ursprünglich könnte auch die Herrschaft Friedland und vielleicht auch die Herrschaft Lieberose zur Herrschaft Beeskow gehört haben. Die Herrschaft Friedland gehörte um 1300 den v. Strehla. Ob die Stadt Lieberose in ihrer Frühzeit einmal den Herren von Strele oder Strehla gehörte, weil das Wappen von Lieberose eine Sense enthält, das Wappen der Herren von Strele zeigt drei waagrechte silberne Sensenklingen auf rotem Grund, ist urkundlich aber nicht belegt. Ein weiterer Hinweis ist, dass Lieberose und auch Friedland im Mittelalter zur Propstei in Beeskow gehörten. Die „natürliche“ Ostgrenze verläuft über das Schlaubetal nach Süden bis Reicherskreuz/Henzendorf und von dort nach Westen zum Schwansee über Trebitz nach Möllen und Niewisch.
Zugehörige Orte Der Umfang der Herrschaft Beeskow wird allerdings erst in späterer Zeit deutlich. Das Historische Ortslexikon fixiert sozusagen die Grenzen der Herrschaft Beeskow, wie sie ca. Mitte/Ende des 16. Jahrhunderts bestanden, als die Herrschaft an die Kurmark überging. Ahrensdorf (heute Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Alt Golm (heute Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Bahrensdorf (heute ein Wohnplatz der Stadt Beeskow) Behrensdorf (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Birkholz (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Bornow (heute ein Ortsteil der Stadt Beeskow) Briescht (heute ein Ortsteil der Gem. Tauche) Buckow (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Diensdorf (heute ein Ortsteil der Gem. Diensdorf-Radlow) Drahendorf (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Falkenberg (heute ein Ortsteil der Gem. Tauche) Giesensdorf (heute ein Ortsteil der Gem. Tauche) Glienicke (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Glowe (heute Wohnplatz der Stadt Friedland (Niederlausitz)) Görsdorf (heute ein Ortsteil der Gem. Tauche) Görzig (Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Groß Briesen (Exklave; heute Ortsteil der Stadt Friedland (Niederlausitz)) Groß Rietz (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Hartensdorf (heute ein Gemeindeteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Herzberg (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) (Ketschendorf) (heute Fürstenwalde-Süd, Ortsteil der Stadt Fürstenwalde) Klein Rietz (heute ein Wohnplatz der Gem. Rietz-Neuendorf) Kohlsdorf (Ortsteil der Stadt Beeskow) Kossenblatt (Ortsteil der Gem. Tauche) Kummerow (Ortsteil der Stadt Friedland) Krügersdorf (Ortsteil der Stadt Beeskow) Kunersdorf (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Lamitsch (heute ein Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Langewahl Limsdorf (Ortsteil der Stadt Storkow (Mark)) Lindenberg (Ortsteil der Gem. Tauche) Merz (Ortsteil der Gem. Ragow-Merz) Möllendorf (Gemeindeteil der Stadt Storkow (Mark)) Neuendorf (Ortsteil der Stadt Beeskow) Neu Golm (Ortsteil der Gem. Bad Saarow) Oegeln (Ortsteil der Stadt Beeskow) Pfaffendorf (Gemeindeteil von Rietz-Neuendorf) Pieskow (Wohnplatz der Gem. Bad Saarow) Premsdorf (Gemeindeteil der Gem. Tauche) Radinkendorf (Ortsteil der Stadt Beeskow) Radlow (heute ein Ortsteil der Gem. Diensdorf-Radlow) Ragow (Ortsteil der Gem. Ragow-Merz) Ranzig (Ortsteil der Gem. Tauche) Rietz-Neuendorf (Gemeinde und ein Wohnplatz in der gleichnamigen Gemeinde) Rocher (Wohnplatz in der Gem. Tauche) Sabrodt (Wohnplatz in der Gem. Tauche) Sauen (Ortsteil der Gem. Rietz-Neuendorf) Sawall (Wohnplatz in der Gem. Tauche) Schneeberg (einen Ortsteil der Stadt Beeskow) Schwenow (Gemeindeteil von Storkow (Mark) am Schwenowsee) Streitberg (Wohnplatz in der Gem. Langewahl) Stremmen (Ortsteil der Gem. Tauche) Tauche Trebatsch (Ortsteil der Gem. Tauche) Werder (Ortsteil der Gem. Tauche) Wilmersdorf (Gemeindeteil von Rietz-Neuendorf) Wulfersdorf (Ortsteil der Gem. Tauche)
Geschichte Beeskow wird 1272 vergleichsweise spät erstmals urkundlich genannt (vgl. Storkow: Erstnennung 1209). Damals gab es die städtische Siedlung auf dem linken Spreeufer bereits. 1318 wird dann auch die im nördlichen Teil einer Spreeinsel, gegenüber der Stadt gelegene Burg erstmals genannt, auf der damals die Herren von Strehla saßen. Auf dem südlichen Teil der Burginsel entwickelte sich eine Kietzsiedlung.
Bereits zu slawischer Zeit bestand die auf der Spreeinsel liegende Burg; sie deckte hier einen Spreeübergang der damals schon wichtigen Fernhandels- und Heerstraße von Leipzig nach Frankfurt (Oder). Die Burg wurde unter deutscher Herrschaft vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts ausgebaut bzw. neu gebaut. Auf annähernd quadratischem Grundriss entstand eine neue Befestigung, die anscheinend im 15. Jahrhundert verfiel. 1519 bis 1524 wurde sie durch den damaligen Pfandinhaber der Herrschaft Beeskow den Lebuser Bischof Dietrich v. Bülow zu einem repräsentativen Renaissanceschloss umgebaut.
Die Herrschaft Beeskow als Teil der Markgrafschaft Lausitz Der Umfang der Herrschaft Beeskow lässt sich erst in späterer Zeit festmachen. Sie war aber damals fester Bestandteil der Mark Lausitz, auch Markgrafschaft Lausitz genannt, ein Gebiet, das erst wesentlich später (ab etwa 15. Jahrhundert) Niederlausitz genannt wurde.
Im 13. Jahrhundert wurde die Mark Lausitz vom Hause Wettin verwaltet. 1303/4 verkaufte Markgraf Dietrich IV. die Markgrafschaft Lausitz an die Markgrafen von Brandenburg. Nach dem Tode von Waldemar dem Großen (1319) und dem letzten brandenburgischen Askanier Heinrich II. „das Kind“ (1320), gelang es dem sächsischen Kurfürsten Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg sich großer Teile der Mark Brandenburg und auch der Mark Lausitz zu bemächtigen. Markgraf von Brandenburg wurde aber nicht Rudolf I. (als Askanier der sächsischen Linie), sondern 1323 der kindliche Wittelsbacher Ludwig („der Brandenburger“). 1328 verpfändete Ludwig jedoch die gesamte Mark Lausitz an Rudolf. Sie wurde 1339 wieder eingelöst. 1353 wurde die Mark Lausitz erneut verpfändet, diesmal an die meißnischen Markgrafen aus dem Geschlecht der Wettiner. 1363/4 löste Kaiser Karl IV. die Mark Lausitz aus, verpfändete sie aber sofort wieder an Bolko II. von Schweidnitz. 1367 verkaufte der brandenburgische Markgraf Otto V. („der Faule“) die Mark Lausitz an König Wenzel von Böhmen. Die Pfandherrschaft des Bolko blieb zunächst davon unberührt. 1367 schließlich machte Kaiser Karl IV. die Mark Lausitz zu einem Teil des böhmischen Königreiches. Die Herrschaft Beeskow blieb daher bis 1742 formell ein Lehen der böhmischen Krone.
Frühzeit bis 13. Jahrhundert Aus der Frühzeit der Herrschaft Beeskow ist nur wenig bekannt. Zwar wird vermutet, dass die bereits genannten Herren v. Strehla schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Burg (und Herrschaft) besaßen, urkundlich gesichert ist das nicht. In einer auf den November 1272 datierten Urkunde schenkten Bernhard und Reinhard v. Strehla der Stadt und den Bürgern von Beeskow eine Spreeinsel und das umliegende Land. Diese Schenkung belegt, dass sie die Herren der Burg, der Stadt und des Umlandes waren. Es wäre daher möglich, dass sie auch die Gründer der Stadt waren, da sie auf ihrem Grund und Boden lag und zur Burg Beeskow gehörte.
Beeskow unter den Herren von Bieberstein im Streit mit den Herzögen von Pommern-Stettin 1394 bis 1462 1394 verkaufte Johann von Bieberstein die Herrschaft Beeskow für 16.000 Schock Groschen an Herzog Swantibor III. von Pommern-Stettin. An diesen Verkauf waren eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft, die letztendlich in einen fast 90 Jahre dauernden Streit zwischen den Biebersteinern und den Herzögen von Pommern-Stettin mündete, und in dessen Folge 1428 15 Dörfer und weitere namentlich nicht genannte Güter in der Herrschaft Beeskow durch den damaligen Pommernherzog Kasimir niedergebrannt wurden. In dem Vertrag war festgelegt, dass sich die Kaufsumme auf 19.000 Schock Groschen erhöhen könnte, wenn die Vermögenswerte genauer festgestellt worden sind. Johann III. von Bieberstein befreite seine Mannen und Städte von der Huldigung und verwies sie zur erneuten Huldigung an Herzog Swantibor. Die Herrschaft sollte bis zur Bezahlung der vollen Kaufsumme an Vertrauensleute beider Seiten übergeben werden. Johann und Swantibor wollten gemeinsam nach Prag reisen, um die Zustimmung von Johann von Görlitz und des böhmischen Königs Wenzels zu bekommen. Im Fall der Zustimmung sollte Swantibor die volle Summe bezahlen. Sollte König Wenzel die Lehensübertragung nicht genehmigen, sollte die Huldigung der Mannen und Städte für Herzog Swantibor nichtig sein, und Johann III. von Bieberstein im Besitz der Herrschaft bleiben.
Am 23. Januar 1394 bestätigte Herzog Swantibor der Stadt Beeskow ihre Rechte, er erhielt wohl auch um diese Zeit die Huldigung der Stadt. Er bezeichnete sich in der Folge in mehreren Urkunden als „Herr zu Beeskow“. Allerdings konnte er offensichtlich die Zahlungsfrist von einem Jahr nicht einhalten. Auch die königliche Bestätigung blieb aus, zumindest gibt es keine Urkunde darüber, aus welchen Gründen auch immer ist unbekannt. Das Ergebnis war, dass Herzog Swantibor dem Johann III. von Bieberstein 16.000 Schock Groschen geliehen hatte, im Grunde ohne Sicherheit in Form eines Pfandes, denn Johann III. v. Bieberstein blieb im Besitz der Herrschaft Beeskow. Der hochverschuldete Johann konnte die geliehene Summe natürlich auch nicht zurückbezahlen, sodass die Schuldsumme durch Zinsen immer weiter anstieg.