mini|Kletterzentrum der DAV-Sektion Berlin in Berlin-Mitte mini|Titelblatt des Jahresberichtes 1876 mini|Julius Scholz um 1894
Der Deutsche Alpenverein, Sektion Berlin e. V. ist mit Mitgliedern (Stand: ) hinter Union Berlin und Hertha BSC der drittgrößte Sportverein Berlins und die größte Sektion des DAV in Ostdeutschland. Gegründet wurde die Sektion am 3. November 1869 und ist damit die dreizehntälteste Sektion des Deutschen Alpenvereins.Deutscher Alpenverein, Sektion Berlin: Der Bergbote, Jubiläumsausgabe 1969 (= 100 Jahre Sektion Berlin des Deutschen Alpenvereins 1869–1969), S. 10–11. Der ursprüngliche Zweck war die wissenschaftliche Erforschung und touristische Erschließung der Alpen. Heute liegt das Schwergewicht auf dem Klettersport, Bergsport und dem Naturschutz. Der Verein veröffentlicht jährlich sechs Ausgaben seiner Mitgliederzeitschrift Berliner Bergsteiger und betreibt neben Outdoor-Kletteranlagen in den Berliner Stadtteilen Grunewald, Schöneberg und Wedding in Berlin-Moabit eine Kletterhalle für seine Mitglieder.
Geschichte bis 1918 Nach dem Gründungsaufruf zu einem Allgemeinen Deutschen Alpenverein im Juni 1869 durch bekannte Alpinisten aus Baden, Bayern und Österreich sollten sich nach München in vielen weiteren deutschen Städten sogenannte Sectionen gründen. Für Berlin waren der Stadtgerichtsrat H. Deegen, Gymnasialprofessor Wilhelm Hirschfelder, Wilhelm Koner und Julius Scholz Gründungsmitglieder. Scholz war der erste gewählte Vorsitzende der Sektion und amtierte bis Januar 1898.Aufruf zur Gründung 1875 beschloss die Versammlung der 47 Mitglieder den Bau einer Schutzhütte. 1877 einigte man sich nach einer Exkursion der Vorstandsmitglieder, dem Buchhändler Enno Schumann und einem Polizeirat Lange, auf einen Standort in den Zillertaler Alpen. Schumann kaufte an der Schwarzensteinalpe ein 1200 m² großes Grundstück, die Bauarbeiten an der Berliner Hütte begannen im August 1878 und endeten im Juli 1879. Unter den ersten Gästen waren die Brüder Emil und Otto Zsigmondy, die von dort aus mit August von Böhm und Alexander Ritter von Worafka neue Routen in der Umgebung erkunden wollten.Eduard Richter (Red.): Die Erschliessung der Ostalpen, Band III, Berlin 1894
Die Sektion verfügte bereits von Anfang an in Berlin über eine umfangreiche Alpinbibliothek, die von einem Bibliothekar verwaltet wurde. Die Mitgliederzahl stieg stetig, sodass im Jahre 1880 bereits über 140 Mitglieder verzeichnet waren.Jahres-Bericht der Sektion Berlin des D.u.Ö. Alpenvereins, 1880 Neben der alpinistischen Betätigung wurden auch durch damals berühmte Alpinisten und Naturwissenschaftler Vorträge gehalten und kulturelle Veranstaltungen, wie Kunst- und Fotoausstellungen, aber auch Feste und Bälle durchgeführt. Die Mitgliederzahl stieg Ende der 1880er Jahre auf über 500. Bankiers, Wissenschaftler und Beamte stellten die Mehrheit der Mitglieder, die der Sektion große Einnahmen garantierten, so dass im Jahre 1888 der Bau einer neuen Hütte, dem Furtschaglhaus begonnen werden konnte. Ein Fabrikbesitzer F. Bast aus Berlin N. 24 stiftete für die Berliner Hütte ein Wandrelief, das Kaiser Wilhelm I. darstellte und für die neu zu bauende Hütte eins mit der der Abbildung Kaiser Friedrichs III.Jahres-Bericht der Sektion Berlin des D.u.Ö. Alpenvereins, 1888 Durch den Bau der Hütten verstärkte sich der Tourismus der Gegend, der die Anlage neuer Wege nötig machte. Das Furtschaglhaus war im August 1889 fertig gestellt worden, auch hier flossen stetig steigende Einnahmen in die Kasse der Sektion, die nun über 600 Mitglieder zählte.
Die 1889 vergrößerte Bibliothek in den Räumen der Schlaraffia am Anhalter Bahnhof hielt Abonnements der periodischen Veröffentlichungen aller europäischer Alpenvereine und -clubs. Im Jahr 1893 wurde das 1000. Mitglied aufgenommen.Jahres-Bericht der Sektion Berlin des D.u.Ö. Alpenvereins, 1893 Arbeiter waren nicht in der Sektion vertreten. Nur mit zwei Paten und einem aufwendigen Prüfverfahren war eine Aufnahme möglich, wobei auf durchgeführte alpine Unternehmungen, dokumentiert in einem Tourenbuch, Bildung und Umgangsformen und natürlich finanzielle Verhältnisse geachtet wurde. In manchen Jahren lehnte der Vorstand bis zu 20 % der Bewerber um eine Mitgliedschaft ab. Weiterhin stellten vor allem gut betuchte Fabrikanten, Bankiers, Hoflieferanten, Ärzte und Höhere Beamte die Mitglieder. Frauen waren in der Sektion Berlin als Mitglieder ebenfalls nicht zugelassen, durften aber die Hütten besuchen. Nur die österreichische Sektion Zillertal hatte in ihrer Satzung keine ausdrückliche Regelung, dass nur Männer aufgenommen werden durften. Daher traten Berliner Bergsteigerinnen Ende des 19. Jahrhunderts in die Sektion Zillertal ein und ließen 1898 einen eigenen großen Saal an die Berliner Hütte anbauen.Dem Sturme Trutz, dem Wanderer Schutz 125 Jahre Berliner Hütte 1879–2004 1895 kaufte die Sektion Berlin für 6500 Gulden die gesamte Schwarzensteinalpe im oberen Zemmgrund und wurde dadurch Großgrundbesitzer im Hochgebirge. Durch Naturereignisse geschädigten Gemeinden im Alpengebiet wurde finanzielle Unterstützung gewährt. So erhielt das Dorf Windischmatrei, das von einem Hochwasser überflutet wurde, 50 Fl. zur Unterstützung seiner Bergführer und das italienische Caprile im Piemont, das durch ein Feuer zerstört wurde, 150 Lire.Jahres-Bericht der Sektion Berlin des D.u.Ö. Alpenvereins, 1895 Den Bau einer dritten Hütte begann die Sektion 1897 im Habachtal, die Habachhütte. Dieser Bau wurde Ende 1914 durch eine Lawine zerstört, heute steht an der Stelle die neue Thüringer Hütte.
Berlin entwickelt sich im späten 19. Jahrhundert sehr schnell zu einer europäischen Großstadt, was sich auch in der Sektion bemerkbar machte, sie expandierte auf allen Ebenen. Das alljährlich in der Krolloper stattfindende Winterkostümfest wurde 1898 von über 2800 Gästen besucht, ein Jahr später waren es über 3000, die Habachhütte war pünktlich zum Saisonbeginn am 30. Juni 1898 fertiggestellt und die Mitgliederzahl überstieg die 2000er Grenze. Die wirtschaftliche Entwicklung konnte, wie die Kassenberichte jener Zeit zeigen, nicht besser sein, besonders die zahlreichen Feste brachten viel Geld ein. Doch auf der Hauptversammlung von 1898 mussten Zweifel an der Haltung der Sektion Berlin zum Gesamtverein DOeAV ausgeräumt werden.Jahresbericht der Sektion Berlin des D.u.Oe. Alpenvereins, 1898 Die Berliner wurden in jenen Jahren von anderen Sektionen offenbar skeptisch betrachtet.
Der Mitgliederversammlung im Herbst 1898 fasste den Beschluss, auf der Einsattelung zwischen dem Monte Zebrù und dem Ortler eine weitere Schutzhütte zu errichten, die Hochjochhütte auf Höhe, die 1901 fertiggestellt und im Gebirgskrieg 1915 durch Brandstiftung zerstört wurde. Für 11.000 Mark kaufte die Sektion Berlin im Jahre 1900 die Olpererhütte und die Rifflerhütte von der Sektion Prag und verfügte damit über vier Schutzhütten in den Zillertaler Alpen und eine den Hohen Tauern. Durch die Eröffnung der Zillertalbahn, 1901, erfuhr der Tourismus eine weitere Steigerung, was sich in den Übernachtungszahlen in den Hütten niederschlug, so hatte 1901 die Berliner Hütte 4575 Übernachtungsgäste. Die Vorträge in Berlin umfassten nun auch vermehrt Berichte über Bergfahrten und Reisen in Südamerika, Ostafrika und Asien. Der Versammlungsraum der Schlaraffia am Anhalter Bahnhof konnte die wachsende Besucherzahl oft nicht mehr fassen, doch es war unmöglich im Stadtzentrum einen angemessenen verkehrsgünstig gelegenen Saal zu finden. Ärger hatte die Sektion 1904 mit angeblich falscher Berichterstattung über ihr Winterfest bei Kroll in der Berliner Presse, die den Ball als zu ausschweifend und daher bedenklich bezeichnete.Jahresbericht der Sektion Berlin des D.u.Oe. Alpenvereins, 1904
Wegen des seit 1899 geplanten und 1904 begonnenen Baues einer weiteren Hütte auf dem Tuckett-Pass in der Brenta, benannt nach Francis Fox Tuckett, gab es Streit mit der Società degli Alpinisti Tridentini, die ältere Rechte für den Hüttenbau geltend machte und den Berlinern vorwarf nicht den Alpinismus zu fördern, sondern eine alldeutsche Propaganda zu verbreiten. Vordergründig waren Unklarheiten über die Besitzverhältnisse des Baugrunds die Ursache der Fehde. Im Endeffekt standen ab 1905 zwei konkurrierende Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Pass, eine Tuckettpasshütte der Sektion Berlin und das Rifugio Q. Sella, benannt nach Quintino Sella, erbaut von der S.A.T. Im Jahresbericht 1907 der Sektion schrieb der Realschuldirektor und Vorstandsmitglied Hermann Krollick leicht schadenfroh, dass die Tuckettpass-Hütte schon jetzt einen ungemein starken Besuch aufweist (über 1000 Gäste) [...], und das trotz der Missgunst der Irredentisten, deren Hütte mangels Besuch in diesem Sommer geschlossen war. Immerhin lobte er die Enthüllung eines Bronzereliefs am Rifugio, das den Alpinisten Quintino Sella zeigt. Diese Vorboten einer Rivalität, die auch zum Ersten Weltkrieg führten, waren bereits zu fühlen. 1907 waren über 3000 Mitglieder in der Sektion Berlin, die Sektion vergab an junge Studenten Stipendien in Höhe von 300 Mark für wissenschaftliche Reisen.Jahresbericht der Sektion Berlin des D.u.Oe. Alpenvereins, 1907
1910 war auf dem Tuckettjoch das Verhältnis zwischen Berlinern und Italienern wieder in Ordnung, denn die Sektion finanzierte eine 800 Meter lange verzinkte Wasserleitung aus Mannesmannröhren vom Gletscher zu den beiden Hütten. Zuvor musste das Wasser über eine Strecke von einem Kilometer von Trägern transportiert werden. 1911 hatte die Berliner Hütte ihren maximalen Ausbauzustand erreicht und war damit die größte Schutzhütte der Alpen. Die Sektion Berlin befand sich auf dem Höhepunkt ihres Selbstbewusstseins. Den Winterball 1911 besuchten über 4000 Gäste. 1912 wurde ein Überschuss von 16.000 Mk erzielt. Doch fortan sollten diese Feste nicht mehr in der damals abrissbedrohten Krolloper stattfinden, sondern im moderneren Neuen Westen Berlins. Am Bahnhof Zoologischer Garten fand man passende Säle und schloss einen mehrjährigen Vertrag ab.
Im November 1914 gab es in der Jahresversammlung der Sektion eine große Debatte über die Aufnahme von Frauen als vollwertige Mitglieder. Doch der Beginn des Ersten Weltkrieges verlagerte die Schwergewichte. Nach ausführlichen begeisterten patriotischen Bekundungen im Jahresbericht 1914 beklagte der Vorstand 16 im Felde gefallene Mitglieder. Es sollten noch viel mehr werden. Bereits im August 1914 stellte die Sektion 10.000 Mk für Kriegswohlfahrtszwecke bereit. Finanziell machte die Sektion zum ersten Mal in ihrer Geschichte Verlust, da die Besucherzahlen auf den Hütten aufgrund des Krieges einbrachen und kein lukrativer Winterball mehr stattfand.
Schon 1915 war die patriotische Begeisterung für den Krieg vorbei. Der Vorsitzende, der Geheime Oberregierungsrat Leo Holtz, schrieb in seinem ambivalent bemerkenswerten Bericht von einem furchtbaren Weltkrieg, der Europa in ein loderndes Flammenmeer verwandelt habe. Auch die Hoffnung auf einen baldigen Frieden sei vorbei, unsere Feinde sehen ein, daß sie ihr Ziel, Deutschland und seinen ihnen so verhaßten Militarismus zu zerschmettern, im ehrlichen Kampfe niemals erreichen werden. Und hoffen durch einen Erschöpfungskrieg uns finanziell und wirtschaftlich so zu schwächen, daß wir einem Frieden zustimmen müssen, der nicht nach dem Geschmack der Mittelmächte war. Die Mitgliederzahl stagnierte und 1915 fielen 25 Berliner Bergsteiger auf dem Felde der Ehre. Die Hochjochhütte am Ortler war durch Kriegshandlungen zerstört und die Berliner Hütte wurde durch das Militär belegt. Bereits ein Jahr vorher, zerstörte eine Lawine die Habachhütte, die Vereinstätigkeit beschränkte sich auf die Verwaltung. 1916 litt die regelmäßige Vereinspublikation Mitteilungen der Sektion Berlin unter Zensurschwierigkeiten, Papiermangel und gestiegenen Druckkosten. Das Sektionsbüro musste das Haus Schlaraffia am Enckeplatz auf Grund einer militärischen Inanspruchnahme verlassen und zog in die Potsdamer Straße.