Auguste Léo (eigentlich August Leo; * 12. November 1793 in Strelitz, Mecklenburg; † 7. Juni 1859 in Versailles)Lebensdaten nach Giacomo Meyerbeer, Briefwechsel und Tagebücher, Band 7, hrsg. von Sabine Henze-Döhring, Berlin 2004, S. 590 (Digitalisat) war ein deutsch-jüdischer Bankier und Förderer zahlreicher Künstler.

Leben Léo ließ sich 1817 in Paris nieder, wurde dort Prokurist des Bankhauses Mendelssohn & Co. und trat zum Protestantismus über. Am 7. Oktober 1824 heiratete er in der Kirche Les Billettes die Schriftstellerin Sophie Augustine Dellevie (* 14. September 1796 in Hamburg; † 3. Juli 1864 in Versailles).Vgl. Marie de Flavigny, comtesse d’Agoult, Correspondence générale, hrsg. von Charles Dupêchez, Band 3, Paris 2005, S. 269 Durch sie kam er mit bedeutenden Künstlern in Kontakt: Ihre Schwester Serena Dellevie (1782–1818), verheiratet mit Adolph Embden, war die Mutter von Charlotte Moscheles geb. Embden, der Frau des Pianisten und Komponisten Ignaz Moscheles. Adolph Embdens Bruder Moritz war wiederum der Schwager von Heinrich Heine. 1824 gründete er in Paris eine eigene Bank, 1848 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück.

Für Ignaz Moscheles, der Auguste Léo erstmals 1821 begegnete, war dieser „ein Freund und Beschützer vieler Künstler“,Aus Moscheles’ Leben. Nach Briefen und Tagebüchern, hrsg. von Charlotte Moscheles, Leipzig 1872, S. 41 (Digitalisat) dem er zugleich ein wahres „musikalisches Verständniss und ein anmuthiges Compositionstalent“ nachrühmt.Aus Moscheles’ Leben. Nach Briefen und Tagebüchern, hrsg. von Charlotte Moscheles, Leipzig 1872, S. 63 Im Frühjahr 1825 besuchte erstmals der junge Felix Mendelssohn Bartholdy die Familie Léo. Als Mendelssohn sich vom 9. Dezember 1831 bis zum 20. April längere Zeit in Paris aufhielt, wohnte er in den ersten Tagen sogar bei Léo, 11 rue Louis-le-Grand, und besuchte ihn danach fast jeden Tag. Am 28. Dezember schrieb er seiner Schwester Fanny Hensel:

Clara Wieck besuchte die Familie Léo erstmals am 16. Februar 1832. Während ihres Pariser Gastspiels im Jahre 1839 notierte die 19-jährige in ihrem Tagebuch erneut fünf Besuche bei den Léos: am 10. März, 17. März, 1. April, 28. April und 11. Mai. Höhepunkt war eine konzertante Aufführung von Carl Maria von Webers Oper Oberon, bei der auch Giacomo Meyerbeer zugegen war.Clara Schumann, Jugendtagebücher 1827–1840, hg. von Gerd Nauhaus und Nancy B. Reich, Hildesheim/Zürich/New York 2019, S. 109, 323–328

Freundschaft mit Chopin

Ab 1832 verkehrte insbesondere Frédéric Chopin regelmäßig bei Léo und wurde ein enger Freund der Familie. Am 20. Juni 1833 teilte Chopin Ferdinand Hiller mit, er hätte „diesen Winter und in diesem Frühling oft die Familie Léo und ihren Anhang gesehen“.Fryderyk Chopin, Briefe, hrsg. von Krystyna Kobylańska, Berlin 1983, S. 145f. 1838 gewährte Léo dem Komponisten ein zinsloses Darlehen. Im Herbst 1839 traf Moscheles dort erstmals mit Chopin zusammen. Er schreibt in einem Brief:

Äußeres Zeichen der langjährigen Freundschaft ist Chopins 1842/43 entstandene Polonaise As-Dur op. 53, eines seiner bedeutendsten Klavierwerke, die er Léo widmete. 1843 bis 1845 war er Chopin auch mehrfach bei den Verhandlungen mit Verlegern behilflich. Über seine häufigen Besuche im Salon der Familie Léo in der Rue de la Chaussée d’Antin schreibt Sophie Léo in ihren Erinnerungen:

Heinrich Heine und andere Künstler

Léo investierte erheblich in den Eisenbahnviadukt von Meudon, bei dessen Grundsteinlegung am 1. Oktober 1838 „Auguste Léo, administrateur-général, directeur banquier“ persönlich anwesend war.Louis Eugène Robert, Histoire et description naturelle de la commune de Meudon, Paris 1843, S. 70 (Digitalisat) Die Brücke stellt einen Teil der Eisenbahnstrecke von Paris nach Versailles dar, die 1840 in Betrieb genommen wurde. Wie Heinrich Heine festhielt, geriet Léo dann vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten, „seitdem er bei der Versailler Eisenbahn de rive gauche eine so klägliche Schlappe erlitten“. Zugleich sprach er – am 5. Mai 1843 in einem Brief seiner Lutezia – den Wunsch aus, Léo möge der Pariser Gesellschaft erhalten bleiben:

In den Jahren 1844/45 verkehrte der Berliner Musiker Julius Stern bei der Familie Léo. „Er traf bei Leo’s Chopin, den Dichter Georg Herwegh, und Leo’s Neffen, den bekannten Maler Heinrich Lehmann, einen Schüler des berühmten Ingres. Chopin’s Bekanntschaft machte ihm große Freude.“Richard Stern, Erinnerungsblätter an Julius Stern. Seinen Freunden und Kunstgenossen gewidmet, Leipzig 1886, S. 43 Am 2. März 1844 fand dort unter Sterns Leitung die Pariser Erstaufführung von Mendelssohns Musik zum Drama Antigone op. 55 „vor einer geladenen, glänzenden Gesellschaft statt und wurde vom schönsten Erfolge gekrönt und für Sterns Ruf in Paris entscheidend.“Richard Stern, Erinnerungsblätter an Julius Stern. Seinen Freunden und Kunstgenossen gewidmet, Leipzig 1886, S. 60

Weitere Gäste im Hause Léos waren Charles Hallé, Ferdinand Hiller, Franz Liszt, und Anton Schindler. Auch Heinrich Heine profitierte erheblich von der Großzügigkeit Léos: Am 22. April 1845 quittierte er dem Dichter die Rückzahlung eines Darlehens von 14.000 Francs.Quittung in der Heine-Datenbank (online)

Léo war der Onkel des Malers Henri Lehmann, der um 1835 das von Heine erwähnte Porträt Alexander von Humboldts schuf, das viele Jahre im Salon der Familie Léo hing. 1842 porträtierte Lehmann Léos Tochter Faustina Léo (1832–1865).Abbildung

Werke von Sophie Léo

Selbstopfer, Leipzig: Brockhaus 1829 (unter dem Pseudonym „Leontine Romainville“) Die beiden Liberalen. Aus den Memoiren eines jungen Parisers, Roman, Leipzig: Brockhaus 1831 (unter dem Pseudonym „Leontine Romainville“) Erinnerungen aus Paris. 1817–1848, Berlin: Wilhelm Hertz 1851 (anonym erschienen) (Digitalisat) Personen und Zustände aus der Restauration und dem Julikönigthum, Berlin: Wilhelm Hertz 1853 (Digitalisat)

Literatur

Aus Moscheles’ Leben. Nach Briefen und Tagebüchern, hrsg. von Charlotte Moscheles, Leipzig 1872 Richard Stern, Erinnerungsblätter an Julius Stern. Seinen Freunden und Kunstgenossen gewidmet, Leipzig 1886 Anton Schindler, der Freund Beethovens. Sein Tagebuch aus den Jahren 1841–43, hrsg. von Marta Becker, Frankfurt am Main 1939, S. 78, 82 Fryderyk Chopin, Briefe, hrsg. von Krystyna Kobylańska, Berlin 1983 Fanny Hensel, Briefe aus Paris an ihre Familie in Berlin, hrsg. von Hans-Günter Klein, 2007 Ewig die deine. Briefe von Lea Mendelssohn Bartholdy an Henriette Arnstein, hrsg. von Wolfgang Dinglinger und Rudolf Elvers, 2 Bände, Hannover 2010 Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit der Familie Wieck, hrsg. von Eberhard Möller (= Schumann-Briefedition, Serie I, Band 2), Köln 2011

Einzelnachweise

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