mini|Der Reliquienschrein mini|Partikel des Kleides wurden zur Reliquie Rosa von Viterbo (* 1233 in Viterbo; † nach Dezember 1250 und vor dem 25. November 1252, ebenda) war eine Büßerin und Mystikerin, die wegen ihres Streites mit Katharern und Ghibellinen zeitweise Viterbo verlassen musste. In der katholischen Kirche wird sie als Heilige verehrt, auch wenn der Heiligsprechungsprozess nie abgeschlossen wurde.

Leben mini|Eine Tafel am Geburtshaus Rosas erinnert daran, dass ‚die ruhmreiche Jungfrau‘ („la gloriosa vergine“) dort geboren worden, gelebt habe und gestorben sei. Erst spät, im Jahr 1457, werden die Namen ihrer Eltern genannt. Diese besaßen ein Haus, das sich heute innerhalb des Klosters, das der als heilig Verehrten geweiht ist, befindet, nämlich im Quartier San Matteo in Sonza der Gemeinde Santa Maria in Poggio. Außerdem besaßen sie demnach einen Esel und vielleicht ein Grundstück außerhalb der Stadtmauern.

Das Hauptereignis ihres Lebens, mit dem auch die Vita I ihre Erzählung eröffnet (s. u.), war eine schwere Krankheit, die sie zwang, das Bett zu hüten. Den Kulminationspunkt fand diese zwischen dem 21. und 22. Juni 1250, wobei die Quelle sogar die Wochentage angibt. Tatsächlich litt Rosa, wie sich anhand ihrer Reliquien nachweisen ließ, nicht an Tuberkulose, wie bis 1999 angenommen wurde,Ruggero D'Anastasio, Gianpaolo Di Silvestro, Paolo Versacci, Luigi Capasso, Bruno Marino: The Heart of Santa Rosa, in: The Lancet 375 (2010), S. 2168 (online). sondern an einer schweren, angeborenen Krankheit, dem Cantrell-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Herzkrankheit in Verbindung mit Brustbeindeformationen, die zum frühen Tod führt.Ernesto Piacentini, in: Luigi Capasso (Hrsg.): La mummia di Santa Rosa. Antropologia, restauro e conservazione, Viterbo 2000, S. 13–27. Die Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes mündete in eine Agonie mit Totenvisionen. In Gegenwart ihrer Mutter und vieler anderer Frauen begann sie die Jungfrau zu loben, sowie deren Mutter, die hl. Anna, und sie erinnerte an die Predigt zum Kreuzzug Ludwigs IX., ein zu dieser Zeit gängiges Thema der Minoritenpredigt. Auf dem Boden ausgestreckt, eine Form, in der man auf weltlichen Besitz verzichtete, bat sie die Mutter um die Tonsur, den Gürtel und die „tunica de cilicio“. Im Gegensatz zu diesem Verlauf in der Vita I berichtet die Vita II, dies habe nicht in der Nacht, sondern am Tage stattgefunden, vor dem Klerus und in der Gemeindekirche. Aus diesen Ritualverläufen wurde geschlossen, Rosa sei eine Büßerin gewesen. Auch wenn später gefolgert wurde, sie habe sich den franziskanischen Büßern (Dritter Orden des hl. Franziskus zur Buße) zugewandt, so gibt es doch keinerlei Hinweise, dass diese in Viterbo Mitte des 13. Jahrhunderts vertreten waren.

In jedem Falle blieb das Ereignis kein privates, denn viele „mulieres“ (Ehefrauen) der Gemeinde, die in ihrem Haus zusammenkamen, begannen bereits am nächsten Tag eine feierliche Prozession. Diese verband die Kirchen S. Giovanni in Zoccoli, S. Francesco (damit die Verbindung zu den Franziskanern) und die Gemeindekirche S. Maria in Poggio. Rosa erhielt den Segen ihrer Eltern, der Anwesenden und eines Priesters, was ihre Erfahrung noch mehr legitimierte. Die besagten Frauen lebten keineswegs in „domibus propriis“, in ihren eigenen Häusern, sondern wohl eher in einer religiösen Gemeinschaft. Möglicherweise stammt die Erzählung ursprünglich von jenem Pietro Capotosto, Priester von S. Maria in Poggio, der die frühe Verehrung Rosas und ihre schnelle Kanonisierung betrieb. Eine weitere institutionelle Folge brachte der Verlauf ihrer mystischen Erfahrung. Als sie nämlich, wie es üblich war, bei Herzproblemen einen Zweig Minze auf die Brust legte, um den Schmerz zu lindern, gab sie diesen an ihre Mutter mit den Worten zurück, der Minzzweig sei „unum ex lateribus huius domus quae permanebit in monasterio meo“. Daraus wurde geschlussfolgert, dass über ihrem Haus ein Kloster entstehen sollte, wogegen sich die Franziskaner der nahe gelegenen Kirche S. Maria und die römische Kurie jedoch verwahrten. Auch dies wird dementsprechend nur in der Vita I erwähnt, während dieser Vorgang in der Vita II fehlt. Erst 1661 wurde ihr Haus in das Kloster, wenn auch in Randlage, integriert. Ein weiterer öffentlicher Aspekt ergab sich mit Blick auf ihre Rechtgläubigkeit. Rosa begann nämlich, „assidue, cum cruce in manibus“, unausgesetzt, mit dem Kreuz in den Händen, sechs Monate lang ein Apostolat, bis der Podestà des Kaisers, Mainetto di Bovolo, aufgefordert „a quibusdam haereticis, qui in eadem civitate publice tunc temporis morebantur“, sie zu vertreiben. Damit wurde sie zur Bekämpferin von Häretikern, hier wohl der ortsansässigen Katharer, die den Podestà zur Vertreibung aufgefordert haben soll.

Gegen den Widerstand ihrer Familie, einschließlich ihres Vaters, wurde Rosa zunächst in das Kastell von Soriano in den Monti Cimini verbannt. Dieses gehörte den Ghibellinen, den kaiserlichen Anhängern, den Guastapani. Dort kam sie am 5. Dezember 1250 an, um sogleich ein großes Ereignis anzukündigen. Tatsächlich erreichte die Nachricht vom Tod des Kaisers wenig später das Kastell. Zehn Tage später ging Rosa mit den Ihren nach Vitorchiano, wenige Kilometer von Viterbo entfernt. Dort blieb sie drei Tage, und wirkte, wie die Quelle von 1457 und die Vita II berichten, bereits Wunder, wie etwa die Heilung der blinden Delicata.

Im Unklaren lassen uns die Quellen, wann und unter welchen Umständen Rosa nach Viterbo zurückkehrte. Die Damianitinnen von S. Maria lehnten ihr Gesuch ab, bei ihnen leben zu dürfen, entweder mangels Platz oder mangels Ausstattung. Laut der Vita II prophezeite sie nun die Translation ihres eigenen Körpers ins Innere des Klosters. Ihre letzte Erfahrung machte sie mit der selbstgewählten Einsperrung, wie sie zu dieser Zeit häufiger praktiziert wurde.

Rosa starb wohl im Frühjahr 1251. Sicher ist, dass sie zum Zeitpunkt des Todes Friedrichs II. noch lebte, gestorben ist sie in jedem Falle vor dem Mandat Sic in Sanctis suis vom 25. November 1252, das nur noch in päpstlichen Registern überliefert ist. Da Friedrich am 13. Dezember 1250 verschied, und noch einige Tage hinzugezählt werden müssen, bis die Nachricht Rosa erreichte, ist sie wohl frühestens um die Jahreswende 1250/51 gestorben. mini|Santa Maria in Poggio, 2017 Begraben wurde sie in S. Maria in Poggio, wo ihr Körper 18 Monate verblieb. Dies entsprach der Frist bis zur inspectio corporis im Vorfeld der Heiligsprechung. Die Bulle von 1252 weist bereits auf einen einsetzenden Kult hin. Rosas Erscheinungen kamen Papst Alexander IV. zu Ohren, der 1257 bis 1258 mitsamt der Kurie in Viterbo weilte. Dieser veranlasste die Translation zu den Damianitinnen. An dieses Ereignis des Jahres 1258 erinnert die ab dem 17. Jahrhundert ununterbrochen dokumentierte Prozession.

Hauptquellen Neben den Litterae Sicut in sanctis suis, dem Mandat zur Untersuchung der Angelegenheit an den Dominikanerprior von Viterbo und den Archipresbyter von San Sisto in Viterbo, und der Forma interrogatorii, den Anweisungen für die Durchführung der Befragung, im Vatikan (Archivio Vaticano, Regesto, Inn. IV, A X, Ep. 240, c. 219r; Ep. 241), sind die beiden Hauptquellen erzählender Natur, von denen die erste verhältnismäßig zeitnah, nämlich kurz nach der Mitte des 13. Jahrhunderts entstand. Die erzählende Darstellung entstand im Vorfeld der Kanonisierung, die Papst Innozenz IV. 1252 betrieb, deren Akten allerdings nicht überliefert sind (Vita I, Viterbo, Archivio del monastero di S. Rosa, Diplomatico, s.n., und Fondo Antico, ms. 2 palch. 7, n. 163, c. 57–74). Zu Anfang des 14. Jahrhunderts entstand ebenfalls durch einen Anonymus eine weitere Vita (Vita II), die die Einzelheiten der ersten Vita durch weitere Details aus schriftlicher und mündlicher Überlieferung ergänzte. Vielleicht zusammen mit den verlorenen Akten verbrannte diese Darstellung im Brand von 1357.

Eine vierte Quelle stellen die Akten des nicht abgeschlossenen Verfahrens von 1457 unter Calixt III. dar. Eher diplomatischer Natur reihen sich darin 264 Zeugenaussagen aneinander (Acta Sanctorum, Antwerpen 1748, S. 477–479). Die Akten sind bereits Ausdruck einer weit fortgeschrittenen oralen Tradition von dementsprechend geringer Verlässlichkeit.

Verehrung mini|Die Macchina di Santa Rosa, 2013 mini|links|Altar in der St Rose Chapel des St. Rose of Viterbo Convent Rosa starb mit etwa 17 Jahren vielleicht am 6. März 1252. Wenige Jahre später wurde ihr unverwester Leichnam in die Kirche des Klosters überführt, wo er in einem Reliquienschrein aus Glas ruht und von zahlreichen Pilgern verehrt wird. Rosa von Viterbo wurde ins Martyrologium Romanum aufgenommen, obwohl der Heiligsprechungsprozess formal nie abgeschlossen wurde.

Rosa ist Schutzpatronin der katholischen Mädchen Italiens. Viterbo gedenkt seiner Patronin jedes Jahr mit einem Stadtfest am 4. September, bei dem in einer Prozession eine Statue der als Heilige Verehrten durch die Straßen getragen wird. In und um Viterbo gibt es zahlreiche Abbildungen der hl. Rosa, meistens im Habit des dritten Ordens mit einem Kranz aus Rosen auf dem Haupt.

In Viterbo wird daher zu Ehren der Stadtheiligen Santa Rosa jedes Jahr in den Monaten Juli und August die Macchina di Santa Rosa aufgebaut, ein dreißig Meter hoher Turm. Dieser beleuchtete Turm, ein gehender Glockenturm, wird in einer feierlichen Prozession am Vorabend des 4. September von mehr als 100 Männern, facchini genannt, durch die Stadt getragen. Die facchini sind seit 1978 im Sodalizio dei Facchini di Santa Rosa verbunden und organisieren die Feierlichkeiten. 2005 stellte Viterbo den Antrag, als immaterielles Welterbe anerkannt zu werden. Bis 1946 erfolgten die Prozession und der Transport der Macchina gleichzeitig, bis 1974 am selben Tag. Seither wird, um der öffentlichen Sicherheit Willen, die Prozession um einen Tag vorgezogen, also am 2. September begangen. Dabei wurde der Corteo storico, der Vollzug einer der religiösen Prozession vorangehenden Prozession in historischer Kleidung, erst 1976 von den Klarissen eingeführt. Dies sollte an eine Entscheidung der obersten Autoritäten Viterbos von 1512 erinnern, dass alle Adligen, Notabeln und gehobenen Militärs sich an der Verehrung Rosas beteiligen sollten. Dabei handelt es sich heute um etwa 300 der führenden Personen Viterbos.Gabriella Santini: La festa di Santa Rosa a Viterbo. Uno sguardo antropologico, Rom 2012, S. 11, 13.

Anlässlich der 750-Jahr-Feier hielt Papst Johannes Paul II. 1984 eine Ansprache, in der er hervorhob, wie Rosa bedingungslos Gottes Ruf gefolgt sei, ebenso wie ihre heldenhafte Überzeugung in einem kurzen Leben, ein Leben, das die Intensität ihres Glaubens bewusst mache.„In santa Rosa vediamo l’esempio di questa generosa e totale adesione alla chiamata divina. Nella sua pur breve esistenza, l’eroica convinzione con la quale essa seppe accogliere nella sua vita la parola di Dio ci rende consapevoli del grado e dell’intensità con cui visse la sua fedeltà incondizionata a Dio.“ (Visita pastorale a Viterbo. Discorso di Giovanni Paolo II alle suore raccolte nel Santuario di Santa Rosa. Domenica, 27 maggio 1984).

Nach ihr ist das Santa Rosa County in Florida benannt, ebenso wie eine Reihe von Kirchen in Italien, Mexiko und Brasilien. Das St. Rose of Viterbo Convent in Wisconsin ist das Mutterhaus der Franciscan Sisters of Perpetual Adoration. Diese gründeten die Viterbo University, eine private bis 1890 zurückreichende, im Jahr 2000 gegründete Universität in La Crosse (Wisconsin).

Rezeption mini|Darstellung von „s. rosa“ im Dom von Ivrea, 15. Jahrhundert mini|Rosa in einem Gemälde von Alonso del Arco (1635–1704), 223 mal 139 cm, Museo Nacional del Prado, Madrid mini|Giovanni Quinci: Die Heilige Rosa von Viterbo entkommt unverletzt den Flammen, um 1715, Ognissanti, Florenz mini|Die Apotheose der Rosa von Viterbo in der Apsis des dortigen Domes, Francesco Podesti zugeschrieben