mini|hochkant|St. Pankratius St. Pankratius ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im Stadtteil Glehn in der Stadt Korschenbroich. Pfarrpatron ist der heilige Pankratius, ein römischer Märtyrer der frühen christlichen Kirche. Die Pfarrgemeinde von St. Pankratius ist Teil des Erzbistums Köln. Die Pfarrei gehört zur Pfarreiengemeinschaft Neuss-West/Korschenbroich im Stadtdekanat Neuss.

Geschichte Eine Kirche in Glehn („ecclesia de Glene“) wird erstmals in einer Urkunde erwähnt, die Papst Innozenz IV. am 14. November 1246 in Lyon erlassen hat.Original im Historischen Archiv der Stadt Köln, Domstift, Urk. 3/182. Lateinischer Text und deutsche Übersetzung zitiert nach Hans Georg Kirchhoff: Glehn – ein geschichtliches Lesebuch. Korschenbroich 1979. Aus dem Text dieses Dokumentes geht hervor, dass es sich in Glehn um eine Eigenkirche handelte – also um eine Kirche, die von einem Grundherren auf eigenem Grundstück errichtet und deren wirtschaftliche Existenz langfristig durch die Vergabe von Pfründen gesichert wurde. Hieraus leiteten die Grundherren das Recht ab, den kirchlichen Behörden einen Priester vorzuschlagen.

Die erwähnte päpstliche Urkunde aus dem Jahr 1246 klärte eine Streitfrage zwischen den adligen Familien Helpenstein und Randerath um dieses Recht, den Rektor der Glehner Kirche zu präsentieren. Der Text belegt, dass die Glehner Kirche noch älteren Ursprungs sein muss. Er erwähnt, dass es vor dem Jahr 1246 zwei weitere Geistliche gegeben habe („ultimi duo rectores ipsius ecclesie ante vacantionem istam fuerant ab dominis de Helpinsthein presentati“ ≈ „Die letzten beiden Pfarrer dieser Kirche vor der jetzigen Vakanz sind durch die Herren von Helpenstein eingesetzt worden.“), vor diesen einen weiteren namens Rether, den ältesten namentlich bekannten Priester in Glehn.

Bekräftigt wird dieses Alter durch den im Urkundentext belegten Umstand, dass bereits die Vorfahren des damaligen Herrn von Helpenstein das Patronatsrecht über die Glehner Kirche ausgeübt hatten („pater, avus et attavus“ ≈ „Vater, Großvater und Urgroßvater“). Ein Zeugnis aus dieser Zeit ist das erhaltene Taufbecken. Auf ein hohes Alter deutet auch die üppige Ausstattung der Pfarrstelle hin. Im Liber valoris sind im Jahr 1308 für den Glehner Pfarrer 40 Mark ausgewiesen, die höchste Dotation aller Pfarrer im alten Dekanat Neuss.Matthias Ahrweiler: Sankt Pankratius Glehn, Festschrift zur Fertigstellung der Innenrenovierung der Pfarrkirche im April 2009. Bergheim 2009, S. 11.

Der Streit zwischen den Geschlechtern Randerath und Helpenstein um die Glehner Kirche wurde 30 Jahre später beendet, als Wilhelm, Graf von Jülich, Nachfolger der Randeraths, seinen Anteil am Kirchengrundstück auf Dauer an die Herren von Helpenstein übertrug.Theodor Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Bd. 2, Nr. 695, Düsseldorf 1846. Diese gerieten 1329 in eine schwere Fehde mit den Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg. Nach ihrer Niederlage mussten sie die Glehner Kirche an das Kölner Domkapitel abtreten.

mini|Erste Glehner Kirche

Über die Bauzeit der ersten Glehner Kirche liegen keine Dokumente vor. Eine Fotografie aus dem Jahr 1868 erweist sie als romanische Kirche mit niedrigen Seitenschiffen. Die mit sehr kleinen Fenstern versehenen, aus Tuffstein errichteten Wände des Hauptschiffs waren außen durch Lisenen und Bogenfriese gegliedert. An der Ostseite war ein rechteckiger Chorraum angefügt. Im Westen der Kirche befand sich der als sehr repräsentativ beschriebene,Vgl. hierzu Matthias Ahrweiler: Die Pfarrkirche St. Pankratius zu Glehn – Festschrift zur 100-Jahr-Feier der Konsekration. o. O. 1976, S. 10. massive und mit einem Satteldach gedeckte Turm.

Auch über ihre Ausstattung ist nur wenig bekannt. Beim Abriss wurden im Chorraum in einer Gruft acht Särge gefunden, die Gebeine von Erwachsenen und Kindern bargen. In ihnen fanden sich gut erhaltene Rosenkränze und Kreuze.Vermutlich handelte es sich hierbei um die sterblichen Überreste der Besitzer des Fleckenhauses Glehn, die ein Erbbegräbnisrecht in der Kirche hatten. Vgl. hierzu Jakob Bremer: Die reichsunmittelbare Herrschaft Dyck. Grevenbroich/Mönchengladbach 1959, S. 411. Neben dem Hauptaltar im Chorraum standen weitere Altäre in den Seitenschiffen. Einer der ältesten war dem Heiligen Sebastian gewidmet, dessen Existenz schon um 1444 nachgewiesen ist.Vgl. Jakob Bremer: Das kurkölnische Amt Liedberg, Mönchengladbach 1930. Bis auf den heutigen Tag existiert in Glehn die 1440 gegründete Sebastianusbruderschaft. (Website der Bruderschaft) Weitere Altäre waren den Heiligen Katharina, Matthias und Antonius sowie zu Ehren der Mutter Gottes geweiht.Die Belege hierzu finden sich im Archiv der Pfarrgemeinde III/1. Andere Ausstattungsstücke der alten Kirche, wie der bereits erwähnte Taufstein sowie die Statue der Glehner Madonna, sind heute noch in der aktuellen Kirche zu finden. Erhalten hat sich ferner eine Glocke, die im Dachreiter der heutigen Kirche hängt.

mini|Grundriss der alten Glehner Kirche unter dem Neubau

Die alte Kirche war im Laufe der Jahrhunderte einige Male erweitert worden, erwies sich dennoch bereits Anfang des 19. Jahrhunderts als zu klein. So wurden erste Überlegungen zu einem Neubau bereits 1846 angestellt. Meinungsverschiedenheiten über die Finanzierung verzögerten jedoch die Planung um fast 20 Jahre. Erst 1865 fasste der Kirchenvorstand den endgültigen Beschluss. Die heutige Pankratius-Kirche wurde 1868–1872 durch den Architekten und Kirchenbaumeister Heinrich Nagelschmidt (Köln) errichtet. Da die alte Kirche zunächst weiter genutzt werden musste, wurden zunächst der neue Turm und die westlichen Joche vor dem bisherigen Turm errichtet und mit einer provisorischen Trennwand nach Osten verschlossen. Nach ihrer Fertigstellung wurde der Gottesdienst hierhin verlegt. Im Anschluss (1870/71) wurde die alte Kirche abgerissen; an ihrer Stelle fand im zweiten Bauabschnitt der neue Chorraum seinen Platz. Nachdem die Trennwand zwischen dem westlichen und östlichen Teil niedergelegt worden war, konnte am 21. Januar 1873 der erste Gottesdienst im Gesamtbau gefeiert werden. Die Konsekration erfolgte jedoch erst am 17. Mai 1876 durch den Kölner Weihbischof und Generalvikar Baudri.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Ausstattung der Kirche nach und nach vervollständigt (s. u.). Die Schäden im Zweiten Weltkrieg betrafen vor allem die Fenster, die nahezu vollständig zerstört wurden. Die bauliche Substanz und das Inventar wurden hingegen kaum in Mitleidenschaft gezogen.

Wesentlicher gravierender waren die Veränderungen in den Nachkriegsjahrzehnten. Bereits 1949/50 wurde das Schnitzwerk an den Kirchenbänken entfernt. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil mit seinen weitreichenden Beschlüssen im Bereich der Liturgie wurde die Kirche Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre umfassend umgestaltet: die Kommunionbänke, alle Nebenaltäre, die Kanzel und der Hochaltar (dieser nur vorübergehend) wurden entfernt, die Kreuzwegstationen weiß übermalt, Blendarkaden verdeckt und zahlreiche Figuren ausgelagert oder zerstört.

Ihr heutiges Aussehen verdankt die Kirche einer weitgreifenden Renovierung in den Jahren 2008/2009, bei der manche Veränderung der siebziger Jahre rückgängig gemacht wurde. So wurden nicht nur die Seitenaltäre teilweise rekonstruiert und wieder aufgestellt, auch die Blendarkaden an den oberen Seitenwänden wurden wieder sichtbar gemacht. Die Heizungsanlage wurde erneuert, ein neuer Fußboden verlegt und Wände und Gewölbe neu gestrichen. Am 4. April 2009 wurde der erste Gottesdienst in der renovierten Kirche vom Kölner Erzbischof Kardinal Meisner gefeiert.

Architektur mini|Kirchenraum

Bei der Kirche handelt es sich um eine neugotische, dreischiffige Backstein-Basilika mit Querhaus und langgestrecktem Chor, einem hohen, im Obergeschoss reich gegliederten Westturm und Vierungs-Dachreiter.Website St. Pankratius Glehn im Erzbistum Köln

Der Hauptturm wird flankiert durch zwei Eingangshallen, die den Zugang zu den Seitenschiffen ermöglichen. Die nördliche dieser Hallen ist als Totengedächtniskapelle zu Ehren der in den beiden Weltkriegen getöteten Einwohner gestaltet.

Ausstattung Einrichtungen und Kunstwerke Missionskreuz in der nördlichen Eingangshalle (1700) Kreuzwegstationen (1884) Kanzel aus Eichenholz mit den Symbolen der vier Evangelisten Tafel aller Pfarrer von Glehn, beginnend mit Fr. von Helpenstein (tätig um 1293) Skulpturen der Kölner Dombauhütte von Nikolaus Steinbach: „Tod des hl. Josef“ und „Pietà“ (1907) Statue des hl. Pankratius von Bildhauer Euch aus Neuss (1921) Ständer der Osterkerze; dieser wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von einem ortsansässigen Handwerker aus einer Kartusche gefertigt

Taufstein mini|hochkant|Kopf am Taufstein

Der romanische Taufstein aus Namurer Blaustein stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist damit das älteste religiöse Zeugnis in Glehn (der messingfarbene Deckel ist eine spätere Zutat). Er ist in rustikaler Tiegelform ausgeführt, ruht auf einer kräftigen Mittelstütze und wird durch ein Rundbogenfries am oberen Rand verziert.

Auffälligster Schmuck sind vier Köpfe am oberen Rand. Taufsteine mit solchen Verzierungen sind in der näheren und weiteren Umgebung nicht selten. Sie finden sich u. a. in St. Remigius in Düsseldorf-Wittlaer, St. Johannes der Täufer in Erkrath (Kreis Mettmann), St. Antonius Abbas in Herkenrath (Bergisch Gladbach) oder der Antoniterkirche in Köln. Sie alle stammen aus dem 12. Jahrhundert.

Trotz dieser Häufigkeit ist die Deutung dieser Köpfe umstritten.Vgl. die Diskussion bei Matthias Ahrweiler: Die Pfarrkirche St. Pankratius zu Glehn – Festschrift zur 100-Jahr-Feier der Konsekration. o. O. 1976, S. 23. Die Zahl vier ist in der christlichen Überlieferung nicht selten. Denkbar ist, dass die vier Köpfe die vier Himmelsrichtungen oder die vier Paradiesflüsse symbolisieren sollen. Andere Interpretationsmöglichkeiten sind die vier Evangelisten, die vier Kardinaltugenden oder die vier großen Propheten (Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel).

Glehner Madonna und Hochaltar mini|hochkant|Hochaltar

Das Alter der im Altarraum aufgestellten „Glehner Madonna“Vgl. hierzu den Artikel von Peter Mabé, Die Madonna von Glehn, Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 28. Januar 1971. lässt sich nicht exakt bestimmen. Erstmals wird sie 1651 als beliebtes Pilgerziel in der Pfarrchronik erwähnt. Die silbernen Kronen und das Zepter sind im Jahr 1700 angefertigt worden, da die ursprünglichen ein Jahr zuvor bei einem Einbruch entwendet worden waren.

Beim Abbruch der alten Kirche wurde die Madonna ausgelagert und geriet in Vergessenheit. Erst 1929 wurde sie in die Kirche zurückgebracht, wo sie für viele Jahrzehnte in der Turmhalle aufgestellt und somit für Pilger frei zugänglich war.

Der neugotische Hochaltar aus Eichenholz wurde 1887 von dem Kölner Bildhauer August Kägers gefertigt. Zwei Bildfelder flankieren den von einem kleinen Kreuz überragten Tabernakel: das linke zeigt die Kreuztragung, das rechte die Grablegung Jesu. Damit entsprachen sie dem liturgisch-theologischen Verständnis der damaligen Zeit, das weniger die Erlösung durch die Auferstehung, sondern mehr Kreuz und Leid in den Mittelpunkt stellte. Dieser Aspekt wird durch die darüber liegenden Chorfenster aufgegriffen, auch wenn diese aus einer späteren Zeit stammen.

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