Skat Champion 280px|Skat Champion280px Hersteller Novag Industries Ltd. Scientific Systems Ltd. Hauptentwickler Erich Winkler (Hardware) David Levy (Software) Verkaufsstart und Neupreis Oktober 1980 für 398 DM Einstellung der Produktion ca. 1983 Hauptprozessor MOS Technology 6502A @ 2 MHz Arbeitsspeicher ab Werk 256 Byte SRAM Grafikausgabe Digitalanzeige und Leuchtdioden Tonausgabe eingebauter Summer Lieferumfang (Westdeutschland, 1980) Skatcomputer, Netzteil, Anleitung, zwei Styroporschalen, Verpackung Beim Skat Champion handelt es sich um einen frühen, 1980 zur Marktreife gebrachten Skatcomputer, der von den auf die Herstellung von Schachcomputern spezialisierten Firmen Novag Industries Ltd. (kurz: Novag) sowie Scientific Systems Ltd. (kurz: SciSys) aus Hongkong entwickelt und produziert wurde.Anonymus: „Pb sticht Cz und H9“, In: Der Spiegel, 34. Jg., Nr. 42 (1980), S. 251.Betriebsanleitung Skat Champion. Hrsg. v. Novag Industries Ltd., Hongkong (1980), S. 10. Die Funktion des Skat Champion besteht darin, zwei fehlende menschliche Skatpartner zu ersetzen. Der Einführungspreis der gezielt auf die westdeutschen Verbraucher zugeschnittenen Skatkonsole lag bei . Mit Hilfe eines separat zu erwerbenden Zusatzgerätes namens Skat Champion Partner kann bei zwei menschlichen Spielern der fehlende dritte Spieler ersetzt werden. Das oft im Verbund mit der Basiskonsole angebotene Partnermodul kostete weitere Anonymus: „Pb sticht Cz und H9“, In: Der Spiegel, 34. Jg., Nr. 42 (1980), S. 254.
Der Skat Champion verfügt über einen 8-Bit-Mikroprozessor, einen Arbeitsspeicher von SRAM sowie einen Festspeicher von ROM für das fest eingebaute Skatprogramm. Bedient wird das Gerät mittels eines für die Zugeingabe zuständigen Tastaturfeldes. Die Zugausgabe erfolgt über eine Digitalanzeige sowie zahlreiche Leuchtdioden. Die technikgeschichtliche Relevanz des heutzutage weitgehend vergessenen Skat Champion besteht darin, dass es sich um das erste in Massen produzierte Gerät dieser Art handelt. Im Gegensatz zu den noch heute verwendeten Schachcomputern konnten sich die Skatcomputer auf dem Feld der Unterhaltungselektronik jedoch nicht dauerhaft durchsetzen und führten in eine evolutionäre Sackgasse.Christa-Maria Sopart: Wörterbuch zum Home-Computer. München: Knaur (1984), S. 160. Computerskat ist bis heute eine Randerscheinung geblieben und wird heutzutage als Anwendung auf Personal Computern und Smartphones gespielt.
Der genaue Zeitpunkt der Produktionseinstellung des Skat Champion sowie des Partnermoduls ist ebenso wenig bekannt wie die Anzahl der tatsächlich verkauften Einheiten des ersten Skatcomputers. 1983 brachte der Hersteller Novag ein verbessertes Nachfolgemodell auf den Markt.
Geschichte Die Geschichte des Skat Champion und damit des ersten kommerziell vertriebenen Skatcomputers ist eng mit den Fortschritten auf dem Gebiet der Mikroelektronik sowie dem Aufkommen der für den Heimbedarf entwickelten Schachcomputer in den späten 1970er Jahren verbunden. Durch die fortschreitende Miniaturisierung und Verfügbarkeit kostengünstiger Halbleiter ergab sich erstmals die Möglichkeit, Computerschach ohne tiefergehende Computerkenntnisse auf handlichen und erschwinglichen Tischgeräten zu spielen.
Anfang 1978 gründete der aus Nürnberg stammende deutschkanadische Spielzeugfabrikant Peter Auge das auf Schachcomputer spezialisierte Elektronikunternehmen Novag Industries Ltd. (Novag) und übernahm die Geschäftsführung. In dieser Eigenschaft wandte sich Auge an den aus der Schweiz stammenden Techniker und Elektronikexperten Erich Winkler mit dem Auftrag, die Hardware für einen Schachcomputer zu bauen, der den bereits erschienen Marktführern wie dem Fidelity Chess Challenger I Konkurrenz machen sollte. Auge selbst versprach, sich auf die Suche nach einem fähigen Schachprogrammierer zu machen. Aus der Kooperation zwischen Auge und Winkler gingen binnen kurzer Zeit mehrere erfolgreiche Schachcomputermodelle hervor, etwa der 180.000 mal verkaufte Novag Chess Champion Mk. I (1978) oder das Chess Champion Super System III (1979).
Gründung der Firma Scientific Systems Ltd. Ende 1979 verließ der studierte Physiker Winkler die Firma Novag im Streit. Der Schweizer gründete daraufhin sein eigenes Elektronikunternehmen im damals boomenden Hongkong und taufte die neue Firma auf den Namen Scientific Systems Ltd. (kurz SciSys; 1987 in Saitek umgetauft und seit 2016 im Besitz des schweizerischen Unternehmens Logitech).
Aus dieser Situation ergaben sich hinsichtlich der bereits kurz vor der Serienreife stehenden Schachcomputer rechtliche Probleme, die erst geklärt werden mussten. Im Verlauf des Jahres 1980 einigten sich Auge und Winkler darauf, dass die noch vor Winklers Ausscheiden gemeinsam entwickelten Schachcomputermodelle von beiden Unternehmen unter dem jeweils eigenen Firmennamen verkauft werden durften. Vom Ende 1980 zur Marktreife gebrachten Chess Partner 2000 erschienen daher zwei technisch identische Versionen, und zwar der Novag Chess Partner 2000 sowie der SciSys Chess Partner 2000. Beide Modellvarianten wurden zwar in jeweils unterschiedlichen Verpackungen angeboten, trugen aber keine Firmenlogos. Offensichtlich waren die Geräte schon hergestellt worden, bevor Auge und Winkler ihre Differenzen beigelegt hatten.
Entwicklung des Skat Champion 225px|mini|Novag Chess Champion Mk. I (1978) Auch die Entwicklung des Skat Champion, der etwas früher als der Chess Partner 2000 im Oktober 1980 auf den Markt gebracht wurde, geht augenscheinlich noch auf die Zusammenarbeit Auges und Winklers unter dem Dach der Firma Novag zurück. So steuerte die Firma Scientific Systems, aus der später das Elektronikunternehmen Saitek hervorgehen sollte, den Mikroprozessor sowie die ROM-Chips für die Hauptplatine des Skat Champion bei, was die Vermutung nahelegt, dass Winkler auch die Hardware des Skatcomputers konzipiert hat.
Genau wie beim Chess Partner 2000 finden sich auf dem Skat Champion im Übrigen keine Firmenlogos. Stattdessen prangt auf dem Skatcomputer lediglich ein stilisiertes Gerätelogo nebst Schriftzug ohne eindeutigen Bezug zu Auges Unternehmen. Auch die Verpackung macht keine Angaben zum Hersteller. Nur aus der Bedienungsanleitung geht hervor, dass die Firma Novag für den Vertrieb des Skatcomputers verantwortlich war. Offensichtlich war auch der Skat Champion bereits in Produktion gegangen, bevor es zwischen Auge und Winkler zu der erwähnten Einigung gekommen war, und man hatte seitens Novag aus Vorsicht darauf verzichtet, den Geräten vor Klärung der Rechtslage ein Firmenzeichen aufzuprägen.
Markteinführung und Markterfolg 225px|mini|Hotel Atlantic in Hamburg 225px|mini|Logo der Horten AG Der Skat Champion wurde im Herbst 1980 auf einer von der Kaufhauskette Horten veranstalteten Pressekonferenz im Hamburger Hotel Atlantic der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Novag-Geschäftsführer Peter Auge plante zum Zeitpunkt der Markteinführung deutschlandweit 18.000 Einheiten des Skatrechners in 57 Horten-Filialen sowie anderen Verkaufsstellen abzusetzen. Wie viele Exemplare des nicht eben billigen Skat Champion tatsächlich verkauft wurden, ist jedoch nicht bekannt. Da sich die Skatcomputer generell nicht auf dem Markt zu etablieren vermochten, dürften die Verkaufszahlen deutlich unter dieser Prognose liegen.
Produktionseinstellung und Nachfolgemodell Im November 1982 wurde von Fidelity Electronics Ltd., einem US-amerikanischen Konkurrenten der Firma Novag, der Skat Challenger zur Marktreife gebracht. Dieser neue Skatcomputer bot ein breiteres Leistungsspektrum als der Skat Champion. So benötigt das neuentwickelte Gerät von Fidelity kein Partnermodul zur Simulation des zweiten oder sogar des dritten fehlenden Skatpartners. Außerdem liefert der Skat Challenger Spieloptionen, über die der Skat Champion nicht verfügt, etwa die Möglichkeit, einen Ramsch zu spielen. Obendrein kostete der Skat Challenger und war damit rund billiger als das aus dem Skat Champion sowie dem Skat Champion Partner bestehende Komplettpaket von Novag.
Um seine Marktanteile auf dem Gebiet der Skatcomputer behaupten zu können, entwickelte Novag daraufhin einen neuen Skatrechner namens Microskat, der den Skat Champion ablösen sollte. Das 1983 herausgebrachte Nachfolgemodell ist deutlich kompakter gebaut und in einem wesentlich kleineren Gehäuse untergebracht. Es verfügt außerdem über eine verbesserte Digitalanzeige, besitzt ein übersichtlicheres Bedienfeld mit deutlich weniger Tasten und benötigt zur Simulierung des dritten Spielers ebenfalls kein Zusatzgerät mehr.Kb [unbek. Autor]: „Skat - mal auf elektronisch“, In: Deutsches Ärzteblatt, 80. Jg., Nr. 45 (1983), S. 152. Mit der Einführung der Nachfolgemodells wurde die Produktion des Skat Champion ebenso eingestellt wie die des Partnermoduls.
Hardware Gehäuse Der Skat Champion besitzt ebenso wie das Partnermodul ein rechteckiges Gehäuse aus beigem und dunkelbraunem Kunststoff. Das Gehäuse des Skatrechners misst × × (Länge × Breite × Höhe). Das mit einer Sichtblende aus braunem Kunststoff ausgestattete Bedienfeld ist leicht angewinkelt und an der Vorderseite deutlich niedriger als an der Rückseite, um die Bedienung der Tasten zu erleichtern. Auf der rechten Seite der Sichtblende ist die Modellbezeichnung aufgedruckt. Zwecks Kühlung der Elektronik sind auf der Vorderseite, der Rückseite sowie der Unterseite Lüftungsschlitze ins Gehäuse eingelassen. Das Bedienfeld des Skat Champion erfüllt die Funktion einer Benutzerschnittstelle und verfügt über ein vollständiges Spielkartentableau, ein Multifunktionsdisplay, eine Anzeige für die Sitzordnung, eine Null-Ouvert-Anzeige sowie eine Bedienungstastatur.Betriebsanleitung Skat Champion. Hrsg. v. Novag Industries Ltd., Hongkong (1980), S. 3f.
Bedienfeld und Schnittstelle Das Multifunktionsdisplay befindet sich in der oberen rechten Ecke des Bedienfeldes und besitzt eine Digitalanzeige mit sechs Siebensegmentziffern. Es vermittelt Informationen über die gewählte Spielstärke, die Reizwerte sowie den aktuellen Punktestand. Überdies dient es als Kartenanzeige.Betriebsanleitung Skat Champion. Hrsg. v. Novag Industries Ltd., Hongkong (1980), S. 2. Die Null-Ouvert-Anzeige hat in der oberen linken Ecke des Bedienfeldes ihren Platz. Sie besteht aus einer weiteren vollständigen Blattanzeige und besitzt deshalb ebenfalls 32 rote Leuchtdioden, also eine für jede Karte des Tableaus. Bei Null- oder Grand-Ouvert-Spielen kann man an den brennenden Leuchtdioden das Blatt des entsprechenden Spielers ablesen. Die Anzeige für die Sitzordnung befindet sich am oberen Rand des Bedienfeldes, eingerahmt von Multifunktionsdisplay und Null-Ouvert-Anzeige. Sie besteht aus neun Leuchtdioden in den Farben Rot, Gelb und Grün, anhand derer man ablesen kann, welche Spieler gerade in den Rollen des Gebers, des Spielers oder der Vorhand agieren.
Das Spielkartentableau nimmt den Hauptteil in der Mitte des Bedienfeldes ein. Es dient als Blattanzeige und weist Miniaturen aller 32 Karten auf. Jede Kartenminiatur verfügt über eine eigene rote Leuchtdiode.Betriebsanleitung Skat Champion. Hrsg. v. Novag Industries Ltd., Hongkong (1980), S. 1. Die Bedienungstastatur nimmt das untere Drittel des Bedienfeldes ein und besitzt insgesamt 14 Funktionstasten. Unten rechts befinden sich die Enter-Taste und eine Löschtaste. Weitere zwölf Tasten sind u. a. für die Anwahl der Farben, die gewünschte Spielstärke, das Reizen, Passen, Mischen der Karten, Ansagen des Spiels sowie das Abrufen der aktuellen Punktzahlen vorgesehen. Darüber hinaus besitzt die Bedienungstastatur einen Netzschalter, einen Schiebeschalter für die Tonausgabe sowie elf rote Lichtdioden.Betriebsanleitung Skat Champion. Hrsg. v. Novag Industries Ltd., Hongkong (1980), S. 5.