RKO (Radio-Keith-Orpheum) Pictures Inc. (auch: RKO Radio Pictures) war ein US-amerikanisches Filmproduktions-, Filmverleih- und Kinounternehmen. In der Studiozeit Hollywoods war RKO – neben MGM, 20th Century Fox, Paramount und Warner – das kleinste der damals „Big Five“ genannten Major-Studios. Das von 1929 bis 1955 bestehende Unternehmen brachte rund 1.500 Filme hervor. In seinem Verleih betreute RKO nicht nur die eigenen Produktionen, sondern auch mehr als 900 weitere, die von anderen Herstellern stammten, darunter viele von Walt Disney und Samuel Goldwyn.

Geschichte Gründung mini|Joseph P. Kennedy, gründete 1929 die RKO RKO entstand 1929 aus dem Filmproduktions- und Verleihunternehmen FBO, dessen bisheriger Chef, Joseph P. Kennedy, ein Unternehmen schaffen wollte, das im gerade entstehenden Tonfilmmarkt eine führende Rolle würde spielen können. FBO hatte ein großes Studiogelände in Hollywood, verfügte aber über keine eigene Tonfilmtechnik. Kennedy verkaufte die Mehrheitsanteile, die er an FBO besaß, darum an die Radio Corporation of America (RCA), die ein Tonfilmverfahren namens RCA Photophone entwickelt hatte; im Auftrag von RCA handelte Kennedy dann einen Zusammenschluss von FBO mit der mächtigen Theaterkette Keith-Albee-Orpheum (KAO) aus. Nachdem der Merger schließlich zustande gekommen war, stattete RCA sowohl die neuen Kinos als auch die Produktionsstätten mit Tontechnik aus.Roy Pickard: The Hollywood Studios. Frederick Muller, London 1978, ISBN 0-584-10445-6, S. 409

Erster Produktionschef des neuen Unternehmens, das nun Produktionseinrichtungen, einen Verleih und eigene Kinos besaß, wurde William LeBaron, der seine Laufbahn als Broadway-Komponist begonnen, seit 1926 aber als Produzent für Adolph Zukor gearbeitet hatte. Einige der ersten RKO-Vertragsdarsteller (z. B. Richard Dix) und Regisseure (Merian Cooper) kamen mit LeBaron ebenfalls von Paramount Pictures.

mini|hochkant|Betty Compson spielte im ersten RKO-Film die Hauptrolle RKO produzierte von Anfang an reine Tonfilme und setzte, dem Trend entsprechend, zunächst auf das populäre Genre des Musikfilms. Der erste Film, den das neue Studio hervorbrachte – Syncopation –, wurde noch nicht als RKO-, sondern als LeBaron-Film angekündigt. Sein offizielles Debüt hatte RKO erst mit Street Girl mit Betty Compson in der Hauptrolle. Der größte finanzielle Erfolg des Studios war die Verfilmung der Ziegfeld-Show Rio Rita. Der Film wurde mit großem finanziellen Aufwand produziert und konnte sogar mit einer Farbszene im Technicolor Process No. 2 aufwarten. Das Studio war in der Lage, am Ende des Jahres bereits einen Profit von über 1,6 Millionen Dollar zu erwirtschaften, der sich im Folgejahr nahezu verdoppelte. Ende 1930 arrangierte Kennedy für RKO den Erwerb des amerikanischen Zweiges des französischen Filmherstellers Pathé. Der Kauf trat am 29. Januar 1931 in Kraft und brachte RKO nicht nur ein Filmstudio und -gelände in Culver City sowie die gut eingeführte Pathé-Wochenschau, sondern auch eine Reihe neuer Vertragsschauspieler und Regisseure, wie beispielsweise Gregory La Cava, Constance Bennett, Ann Harding, Bill Boyd und Helen Twelvetrees. LeBaron nahm daneben Talente wie Irene Dunne, Mary Astor und Joel McCrea unter exklusive Verträge. Im Laufe des Jahres akquirierte RKO für über 33 Millionen Dollar eine eigene Kinokette mit 175 Niederlassungen, um auch im Vertriebsgeschäft zu wachsen.

Mit dem von Wesley Ruggles inszenierten Pioniere des wilden Westens errang RKO erstmals einen Oscar für den besten Film.

Finanzielle Probleme und neue Erfolge unter Produktionschef David Selznick mini|hochkant|David O. Selznick 1934. Im Oktober 1931 wurde LeBaron von David O. Selznick abgelöst, der erst 29 Jahre alt war, bei Paramount aber schon einige erfolgreiche Filme wie Street of Chance und Sarah and Son produziert hatte. LeBaron war es nicht gelungen, RKO vor den Auswirkungen der um sich greifenden Wirtschaftskrise zu schützen, die zu einem Schwund der Zuschauerzahlen von 130 Mio. im Jahr 1929 auf knapp 55 Mio. im Jahr 1933 führte. Gleichzeitig war das Studio durch die hohen Investitionen in die eigene Kinokette zu hohen Ausgaben gezwungen, die nicht durch entsprechende Einnahmen gedeckt waren. Nachdem die Verluste 1932 auf über zehn Millionen Dollar gestiegen waren, beantragte RKO Mitte 1933 eine geordnete Insolvenz (sog. Equity Receivership). Erst 1940 wurde diese Zwangsverwaltung beendet.

Selznicks erklärtes Ziel war es, die Qualität der RKO-Produktionen zu erhöhen. Von Paramount hatte er den Regisseur George Cukor mitgebracht, in dessen Filmdrama Eine Scheidung neben John Barrymore und Billie Burke erstmals Katharine Hepburn auftrat. Hepburn blieb bei RKO bis 1938 und wirkte in Filmen wie Vier Schwestern, Bühneneingang und Leoparden küßt man nicht mit.Pickard, S. 411 Cukor inszenierte für RKO u. a. einige Filme mit Constance Bennett, darunter Rockabye, What Price Hollywood? und Our Betters. Die erfolgreichsten Filme, die RKO unter Selznick produzierte, waren Merian Coopers und Ernest Schoedsacks Horrorfilm King Kong und die weiße Frau mit Fay Wray und Bruce Cabot und die Literaturverfilmung Vier Schwestern. King Kong, am 7. März 1933 in der New Yorker Radio City Music Hall uraufgeführt, spielte auf dem Gipfel der Depression $ 1.761.000 ein.

Selznick verließ RKO im Februar 1933 und ging zu MGM. Sein Nachfolger wurde Merian Cooper, der für RKO nicht nur King Kong inszeniert, sondern auch schon einige Filme produziert hatte. Noch im selben Jahr inszenierte Mark Sandrich für RKO das Musiklustspiel So This is Harris!, der als bester Kurzfilm mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Produktionschef Merian Cooper Cooper nahm 1933 den noch filmunerfahrenen Revuestar Fred Astaire unter Vertrag und brachte ihn mit Ginger Rogers zusammen, die bereits etliche Jahre im Filmgeschäft war. Ihren ersten gemeinsamen Auftritt hatten Astaire und Rogers als Nebendarsteller in dem Film Flying Down to Rio, der Dolores del Río als Star groß herausstellt. Das Publikum mochte das Duo Astaire/Rogers und RKO baute die beiden Schauspieler gezielt als Leinwandpaar auf. Die Filme Tanz mit mir! und Swing Time errangen je einen Oscar für den besten Song; Ich tanz’ mich in dein Herz hinein und Swing Time wurden später ins National Film Registry aufgenommen. Top Hat avancierte 1935 mit einem Einspielergebnis von $ 3.202.000 sogar zur erfolgreichsten RKO-Produktion des gesamten Jahrzehnts. Gelegentlich traten Rogers und Astaire auch getrennt auf, etwa in den Filmen Fräulein Kitty, der Rogers einen Oscar als beste Hauptdarstellerin einbrachte, und Ein Fräulein in Nöten, in dem Astaire solo mitwirkte. Für den letztgenannte Film erhielt der Choreograf, Hermes Pan, einen Oscar.

Eine weitere Darstellerin, die bei RKO zum Star wurde, war Lucille Ball. Ball erschien hier zunächst nur in Statisten- und Nebenrollen – häufig in Filmen mit Astaire/Rogers –, bis das Studio sie 1938 in dem Lustspiel The Affairs of Annabel zum ersten Mal in einer Titelrolle einsetzte. Bis 1942 folgten zwölf weitere Hauptrollen, dann wechselte Ball zu MGM.

Cooper konnte für RKO auch einige weitere populäre Schauspieler gewinnen, die meist auf der Basis von nicht-exklusiven Verträgen für das Studio arbeiteten. Barbara Stanwyck konnte 1935 in Annie Oakley ein Comeback feiern und hatte später unter anderem mit The Bride Walks Out und The Plough and the Stars weitere Erfolge. Cary Grant wirkte von 1935 bis 1948 in 15 RKO-Filmen mit. Die bedeutendsten Regisseure, die Cooper unter Vertrag nehmen konnte, waren George Stevens und John Ford. George Stevens arbeitete für RKO von 1933 bis 1939 exklusiv und sammelte Erfahrung in einer ganzen Bandbreite von Genres. John Ford inszenierte für RKO 1935 den Film Der Verräter, ein Drama über Irischen Unabhängigkeitskrieg, der ihm seinen ersten Oscar als bester Regisseur eintrug. Zwei weitere Filme, die Ford für das Studio drehte, waren Maria von Schottland und The Plough and the Stars.

1935 schloss Cooper einen wichtigen Vertrag mit den Disney-Studios, die ihre Filme von da an durch den RKO-Verleih vermarkten ließen. Filme wie Schneewittchen und die sieben Zwerge, Pinocchio, Fantasia, Dumbo und Bambi wurden Prestigeprodukte sowohl für Disney als auch für RKO. Kommerziell profitierten konnte RKO aufgrund der für das Studio ungünstigen Vertragskonditionen von diesem Geschäft nur in eingeschränktem Umfang.The Formation and Early Development of RKO

Erfolge unter wechselnden Produktionschefs Ende 1935 wurde Samuel Briskin Produktionschef von RKO. Briskin führte die bisherige Studiopolitik ohne größere Neuerungen fort. 1937 löste Pandro S. Berman, der für RKO bereits seit 1931 arbeitete, Briskin als Studiochef ab. Der bedeutendste Film, den das Unternehmen unter seiner Leitung produzierte, war der von George Stevens nach einer Vorlage von Rudyard Kipling inszenierte Abenteuerfilm Aufstand in Sidi Hakim in dem Cary Grant, Douglas Fairbanks Jr. und Victor McLaglen drei britische Offiziere spielen, die sich im Indien der Kolonialzeit gegen mörderische Einheimische zur Wehr setzen müssen. Weitere Filme, deren Produktion Berman noch über seine Arbeitsperiode als RKO-Studiochef hinaus betreute, waren Ruhelose Liebe, ein Melodrama mit Irene Dunne und Charles Boyer, das eine Reihe von Oscarnominierungen erhielt, und Der Glöckner von Notre Dame mit Charles Laughton.Reworking the UA Model

Auf Berman folgte Ende 1938 George Schaefer, der bis dahin bei United Artists gearbeitet hatte und ein zentrales Element des Geschäftsmodells dieses Unternehmens – die Finanzierung und Vermarktung unabhängig produzierter A-Movies – auf RKO übertrug. Anders als etwa MGM hatte RKO Ende der 1930er Jahre kaum noch erstklassige Regisseure oder Stars unter Festvertrag; die letzte große Vertragsdarstellerin – Ginger Rogers – verließ das Unternehmen 1941, obwohl Schaefer ihr am Ende für einen weiteren dreijährigen Exklusivvertrag eine jährliche Gage von $ 390.000 anbot. Schaefer setzte daher notgedrungen fort, was bei RKO schon vorher Praxis gewesen war: das „Ausleihen“ von Künstlern oder der Abschluss von nicht-exklusiven Verträgen über eine bestimmte Anzahl von Filmen. So trat Carole Lombard seit 1939 in mehreren RKO-Filmen auf, darunter Nur dem Namen nach. Auch Maureen O’Hara war von 1939 viermal in RKO-Produktionen zu sehen, unter anderem in Dorothy Arzners Revuefilm Dance, Girl, Dance. mini|hochkant|Orson Welles (1937), dessen Citizen Kane von RKO produziert wurde

1941 gelang es Schaefer, einen Vertrag mit dem unabhängigen Produzenten Samuel Goldwyn abzuschließen, der, unzufrieden mit der bisherigen Zusammenarbeit bei United Artists, seine Filme über RKO vertreiben ließ. Zu den prestigereichen Filmen, die RKO in den folgenden Jahren für Goldwyn herausbrachte, gehören Die kleinen Füchse, Die merkwürdige Zähmung der Gangsterbraut Sugarpuss, Der große Wurf und Die besten Jahre unseres Lebens. Einen weiteren schloss Schaefer mit David Selznick, der inzwischen sein eigenes Unternehmen hatte und für RKO zwei Filme produzierte, in denen Alfred Hitchcock Regie führte: die Screwball-Komödie Mr.und Mrs. Smith und den Thriller Verdacht. Anders als in großen Studios wie z. B. MGM, die von autoritären Managern wie Louis B. Mayer effizient geführt waren, war die Organisation bei RKO veränderlich und flexibel und bot den Mitarbeitern vergleichsweise große Chancen zur Verwirklichung ihrer künstlerischen Ideen.Pickard, S. 394 Das filmhistorisch bedeutendste Beispiel für die Freiheit, die Regisseure bei RKO gelegentlich fanden, sind die frühen Regiearbeiten von Orson Welles: Citizen Kane, Der Glanz des Hauses Amberson. Allerdings geriet Schaefer während der Postproduktion für den letztgenannten Film in eine Auseinandersetzung mit seinen Vorgesetzten, die ihn schließlich seine Position als Studiochef kostete.The Magnificent Ambersons