mini|Christian Bonk Christian Bonk (* 1. Juni 1807 in Leer (Ostfriesland); † 30. Januar 1869 in Pekin (Illinois) / USA) war ein ostfriesischer Kaufmann und Tuchfabrikant. Er gilt als der erste Baptist Ostfrieslands und war Mitbegründer der Baptistengemeinden in Ihren und in Silver Creek (Illinois / USA).
Leben miniatur|Leer um 1850 miniatur|Johann Gerhard Oncken Christian Bonk war der Sohn des Leeraner Webers Peter Hinrichs Bonk (auch Bunk geschrieben; * um 1760) und dessen Ehefrau Hilke Bruen Alting (* um 1769; † vor 1826). Peter H. Bonk war zeitweilig Deputierter der Weber-Profession und hatte 1819 in dieser Eigenschaft bei der Regierung in Hannover den Antrag gestellt, „die Einfuhr fremder Leinwand zu verbieten oder sie doch wenigstens zu beschränken“.Nordfriesischer Verein für Heimatkunde und Heimatliebe: Friesisches Jahrbuch, 1936, S. 130 Über die Jugend sowie die schulische und berufliche Ausbildung Christian Bonks ist bislang nichts bekannt.Ostfriesische Landschaft Aurich / Hero Jelten: Christian BONK, Biographisches Lexikon für Ostfriesland, eingesehen am 3. April 2014 Sein Beruf wird meist mit „Kaufmann“ angegebenSo zum Beispiel bei Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte, Band VI in der Reihe Ostfriesland im Schutze des Deiches (Hrsg. Deichacht Krummhörn), Pewsum 1974, S. 539; bisweilen wird er auch als „Tuchfabrikant“Margarete Jelten / Volkmar Janke: Von Ostfriesland nach Amerika. Baptisten ziehen übers Meer. Ein Beitrag zur Auswanderer-Geschichte 1848 bis 1872 / From East-Friesland to America. Baptists moving across the Sea. An Article about the History of Emigration 1848 to 1872 (bilingual), Bremerhaven 2011, S. 92 oder – so im amtlichen Schriftverkehr – als „Wollfabrikant“ bezeichnet. Bonks Geschäftshaus, die ehemalige Dr. Börnersche Apotheke,Manfred Schäfer: Zur Geschichte des Gesundheitswesens in der Stadt Leer/Ostfriesland unter besonderer Berücksichtigung der Apotheken von den Anfängen bis zum Jahre 1900 (Dissertation), Marburg 1980, S. 47; Schäfer zitiert hier die Zeitungsanzeige eines Schwagers von Christian Bonk. lag in der Leeraner Pfefferstraße (heute: Rathausstraße). Die ursprüngliche Konfession Christian Bonks wird gelegentlich mit „evangelisch-reformiert“ angegeben. In einer Immediateingabe vom 28. Januar 1847 erklärte Bonk aber gegenüber dem hannoverschen König Ernst August I. seinen Austritt aus der lutherischen Kirche. Bonk war also Lutheraner, bevor er sich den Baptisten anschloss.Siehe dazu auch die im Amtsblatt für die Provinz Ostfriesland abgedruckte Erklärung Christian Bonks! (Amtsblatt für die Provinz Ostfriesland vom 26. Juli 1851, S. 1552, Sp. II)
Begegnung mit Johann Gerhard Oncken Zu einer ersten Begegnung zwischen Bonk und dem in Hamburg wohnhaften „Agenten“ der britischen Bibelgesellschaft Continental Society for promoting the GospelHenry Clay Vedder: Eine kurze Geschichte der Baptisten. Hamburg 1896, S. 137; Oncken war auch Secretair der Niedersächsischen Traktat-Gesellschaft, deren 1814 erfolgte Gründung auf Impulse der britischen Continental Society zurückging; siehe dazu ; eingesehen am 13. Februar 2016. Johann Gerhard Oncken, der später zum Gründervater der deutschen und kontinentaleuropäischen Baptistengemeinden wurde, kam es im Jahr 1827. Auf einer Reise von Hamburg nach Rotterdam verteilte er auf der Emsfähre bei Leerort evangelistische Kleinschriften, die bei den Mitreisenden dankbare Annahme fanden. Unter ihnen war auch Christian Bonk, der mit einigen anderen Fahrgästen den Wunsch äußerte, Onckens nähere Bekanntschaft zu machen. Auf seiner Rückreise verbrachte Oncken daher mehrere Tage im Haus der Leeraner Kaufmannsfamilie und nutzte die Gelegenheit, „den Samen des Wortes Gottes auszustreuen“.Rudolf Donat: Wie das Werk begann. Entstehung der deutschen Baptistengemeinden, Kassel 1958, S. 108 In einer Rückschau auf diese Begegnungen schrieb Oncken 1855 im Missionsblatt der deutschen Baptisten: „Bei meiner Rückreise durch Leer fand ich zu meiner Freude, dass der dort ausgestreute Same bei meiner Überfahrt über die Ems schon soweit Frucht getragen, dass einige Gläubige der Staatskirche in Leer den Wunsch geäußert hatten, mich persönlich kennen zu lernen. Dies als einen Wink vom Herrn betrachtend, blieb ich daselbst einige Tage und lernte einige sehr liebe, gläubige Seelen kennen, […] die ein Herz für die geistliche Not des Volkes hatten […]. Ich konnte nach und nach einige tausend Exemplare der Heiligen Schrift […] verbreiten und nahe an 100.000 Traktate. Der teure Bruder Bonk in Leer, einer meiner ersten Bekannten, nahm an dieser Wirksamkeit den lebendigsten Anteil.“Zitiert nach Hero Jelten: Und der Herr tat hinzu. 125 Jahre Baptistengemeinde im Raum Hesel / Uplengen (Hrsg. Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Firrel/Remels), Leer 1990, S. 10f
Auch der herrnhuterisch geprägte Gottfried Wilhelm Lehmann, der später neben Oncken und Julius Köbner zu den einflussreichen Gründerpersönlichkeiten des deutschen Baptismus avancieren sollte, gehörte zum Bekanntenkreis Christian Bonks. Lehmann stammte aus Berlin, hatte bei seinem Onkel in Leer das Sattlerhandwerk erlernt und sich unter dem Einfluss eines „erweckten“ Kreises junger Leute bekehrt. Danach war er in seine Berliner Heimat zurückgekehrt. Zwischen Oncken und Lehmann entwickelte sich ab 1830 – wohl durch die Vermittlung Bonks – eine Verbindung, die zunächst in einem Briefwechsel bestand und bald darauf zu einer persönlichen Begegnung führte.Rudolf Donat: Wie das Werk begann. Entstehung der deutschen Baptistengemeinden, Kassel 1958, S. 108
Gründung der ersten ostfriesischen Baptistengemeinde miniatur|Baptistenkapelle Ihren: Bei dem älteren Gebäude links handelt es sich um die unter Bonks Leitung 1854 errichtete Kapelle. Im April 1834 ließen sich Johann Gerhard Oncken und sechs weitere Personen von dem amerikanischen Baptistenpastor und Theologieprofessor Barnas Sears in der Elbe bei Hamburg taufen. Die im Anschluss an die Taufe gegründete Gemeinde wurde zur Keimzelle des deutschen und kontinentaleuropäischen Baptismus. Bonk hörte von diesem Ereignis, es sollte aber mehr als elf Jahre dauern, bis er sich der baptistischen Bewegung anschloss. Inzwischen hatte sich auch der bereits erwähnte Gottfried Wilhelm Lehmann von Oncken taufen und zum Ältesten der 1837 gegründeten Berliner Baptistengemeinde einsetzen lassen. 1840 reiste Lehmann nach London und besuchte auf der Rückreise für mehrere Tage seine Leeraner Freunde, darunter auch Christian Bonk. Bei dieser Gelegenheit hielt er „eine sehr gut besuchte Versammlung“ ab. Zum Jahreswechsel 1841/42 hielt Lehmann sich ein weiteres Mal in Leer auf. Christian Bonk sowie der Weber Hinrich Coords waren inzwischen „durch eifriges Studium der Heiligen Schrift […] zur Erkenntnis der Taufwahrheit und des Wesens der biblischen Gemeinde gekommen.“ Nicht unbeteiligt daran waren wohl auch Johann Ludwig Hinrichs und Anton Friedrich Remmers, führende Mitglieder der 1840 in Jever gegründeten Baptistengemeinde, die im Auftrage Onckens seine ostfriesischen Freunde in Leer durch häufige Besuche geistlich betreuten Auch der bereits erwähnte Julius Köbner hatte auf seinen Reisen häufiger Christian Bonk und den Leeraner Kreis besucht.Rudolf Donat: Wie das Werk begann. Entstehung der deutschen Baptistengemeinden, Kassel 1958, S. 108f
Am Abend des 18. Oktober 1845 vollzog Johann Gerhard Oncken an Bonk und Hinrich Coords die Taufe.In einem an Gottfried Wilhelm Lehmann adressierten Brief vom 17. November 1845 beschreibt Oncken die näheren Umstände der Taufhandlung. Dieser Brief wurde im Primitive Church Magazine, Band III, London 1846, S. 26, Sp I und II veröffentlicht (Mr. Oncken's Visit to Holland); Google Books online Die Handlung, die „in einem Kolke bei Leer“ stattfand, erregte großes öffentliches Aufsehen, die Reaktion der städtischen Behörden war aber zunächst zurückhaltend.Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte, Band VI in der Reihe Ostfriesland im Schutze des Deiches (Hrsg. Deichacht Krummhörn), Pewsum 1974, S. 539 Als aber ein knappes dreiviertel Jahr später Julius Köbner in dem südlich von Leer gelegenen Dorf Ihren (heute: Westoverledingen-Ihren) neun weitere Personen taufte, mit ihnen, Bonk und Coords am 23. Mai 1846 sogar eine Gemeine getaufter Christen konstituierte und dabei Christian Bonk als Ältesten einsetzte, schritten die staatlichen und kirchlichen Behörden ein. In einem auf den 4. November 1847 datierten Bericht des Auricher Konsistoriums an das Ministerium der Geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten wird ausführlich auf die seitens der Obrigkeit und der Geistlichen ergriffenen Gegenmaßnahmen eingegangen. Diese seien aber letztendlich erfolglos geblieben: „Nur kurze Zeit schien die Sache zu ruhen. Unterm 1. September des Jahres 1846 schon berichtete die Kirchenkommission in Leer über schwärmerische Bewegungen in den reformierten Gemeinden in Ihrhove und Großwolde […].“ Auch der „Kaufmann Bonk“ wird in dem Schreiben erwähnt. Er sei „nach allgemeinem Zeugnis [ein] achtbarer Bürger und sorgsamer Familienvater“, lehne allerdings die Taufe seines kürzlich geborenen Kindes strikt ab und habe dem Kirchenrat gegenüber seinen Austritt aus der lutherischen Kirche erklärt. Man sehe sich am Ende der „möglicherweise von uns zu treffenden Maßregeln, da eine Unterdrückung der Verirrungen fanatischer Menschen unmöglich ist.“Der Bericht befindet sich im Niedersächsischen Staatsarchiv in Hannover. Er ist abgelegt in der Aktensammlung Der Austritt verschiedener baptistisch gesinnter Einwohner der Stadt Leer und Umgebung 1847–1856, Reg. 113 K III, Nr. 348; ein auszugsweiser Abdruck findet sich bei Hero Jelten: Und der Herr tat hinzu. 125 Jahre Baptistengemeinde im Raum Hesel / Uplengen (Hrsg. Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Firrel/Remels), Leer 1990, S. 11 Das Königliche Kabinett in Hannover verfügte in seiner Antwort auf diesen Bericht, dass von Zwangstaufen von Kindern aus baptistischen Familien (anders als im Großherzogtum Oldenburg, wo Baptistenkinder unter Anwendung von Polizeigewalt der Taufe unterzogen worden sindMargarete Jelten: Unter Gottes Dachziegel. Anfänge des Baptismus in Nordwestdeutschland, Bremerhaven 1984, S. 42f) abgesehen werden sollte.Hero Jelten: Und der Herr tat hinzu. 125 Jahre Baptistengemeinde im Raum Hesel / Uplengen (Hrsg. Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Firrel/Remels), Leer 1990, S. 12
Trotz der äußeren Widerstände erfuhr die Ihrener Gemeinde ein starkes Wachstum. In den Folgejahren entstanden Zweige („Stationen“) in Leer, Weener und weiteren sechs Orten Ostfrieslands. 1849 stellte Christian Bonk den bereits erwähnten Johann Ludwig Hinrichs als offiziell Hauslehrer an, inoffiziell erhielt er jedoch den Auftrag, der jungen Gemeinde als Prediger und Missionar zu dienen.Hinrichs, ursprünglich Hilfslehrer an der Volksschule in Sillenstede, hatte 1840 nach seiner Taufe durch Johann Gerhard Oncken seine Anstellung verloren. 1853 wechselte er von Ihren an die Baptistengemeinde Oldenburg; siehe Margarete Jelten / Volkmar Janke: Von Ostfriesland nach Amerika. Baptisten ziehen übers Meer. Ein Beitrag zur Auswanderer-Geschichte 1848 bis 1872 / From East-Friesland to America. Baptists moving across the Sea. An Article about the History of Emigration 1848 to 1872 (bilingual), Bremerhaven 2011, S. 91f Neben dem inneren Gemeindeaufbau in Ihren widmete sich Hinrichs vor allem der Mission. Er unternahm – zum Teil in Begleitung von Bonk – Reisen in die Niederlande, ins Münsterland, ins Südoldenburgische sowie nach Borkum und ins nördliche Ostfriesland. Christian Bonk sorgte im Zusammenhang dieser Missionsreisen für die Verteilung von Bibeln und christlicher Literatur.Johann Gerhard Oncken: Successful labors in East Friesland, in: The Missionary Magazine (Hrsg. American Baptist Missionary Union), Band XXXI, Nr. 9, Boston, September 1851, S. 345f (Google Books online)