Irmin ist eine literarische Figur des Widukind von Corvey aus seiner frühmittelalterlichen historiographischen Schrift Die Sachsengeschichte.Die Sachsengeschichte des Widukind von Corvey. In:

Mediävistische Forscher schlossen, in Verbindung mit der Irminsul, aus Widukinds Darstellung auf Irmin als eine Variante oder einen Beinamen des Gottes Tiwaz/Saxnot bzw. als eine eigenständige Gottheit der Sachsen.Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 222; (Norbert Wagner: Irmin in der Sachsen-Origo. zur Arbeitsweise des Widukind von Corvey.) In: Germanisch-Romanische Monatsschrift (GRM) 59 NF 28. 1978, S. 386, Fußnoten 16, 17 Mit Norbert Wagner wird heute Irmin als das Produkt von Widukinds kombinationsfreudiger und etymologisierender Gelehrsamkeit gewertet.Vgl. Norbert Wagner: Irmin in der Sachsen-Origo. zur Arbeitsweise des Widukind von Corvey. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift (GRM) 59 NF 28. 1978, S. 385–386.

Überlieferung Der Abschnitt mit der Nennung von Irmin (handschriftlich Hirmin) findet sich im Anfangsteil von Widukinds Bericht zur mythischen beziehungsweise historisch schriftlosen Urzeit der Herausbildung des Sachsenstammes im fünften und sechsten Jahrhundert zum auch besonders literaturgeschichtlich so bezeichneten Heldenalter. In der Schlacht bei Burgscheidungen im Jahr 531 besiegen die merowingischen Franken die Thüringer unter Irminfried durch die Beihilfe sächsischer Kontingente. Nach der siegreichen Schlacht feiern die Sachsen ein dreitägiges Fest, errichten eine IrminsulHier abweichend zur Beschreibung der Irminsul bei Rudolf von Fulda als effigie columnarum imitantes Herculem. Karl Helm: Altgermanische Religionsgeschichte. Band 2.2. Heidelberg 1953, S. 183. und einen Opferaltar.

Etymologisch lässt sich für Irmin das germanische *irmanaz für erhaben, groß, gewaltig ansetzen.Gerhard Köbler: *irmanaz. In: Germanisches Wörterbuch. Dieses Lexem findet sich in anderen frühmittelalterlichen Textzeugen wieder, beispielsweise im Hildebrandslied in den Komposita IrmindeotEbenso Heliand: Fitte 5. Zeile 340; alla thesa irminthiod ("über alle diese (großen/ganzen) Völker"). und Irmingot und in Personennamen wie dem oben genannten Irminfried.Rosemarie Lühr: Studien zur Sprache des Hildebrandsliedes. Teil 2, Kommentar. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 1982, S. 456 ff., S. 551–552.

Siehe auch Irmin (Vorname) Quellen Widukind von Corvey: Res gestae Saxonicae. H. E. Lohmann u. P. Hirsch (Hrsg.), A. Bauer, R. Rau (Übersetzung). In: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Bd. 8, 1971, S. 1–183. Ekkehardt Rotter, Bernd Schneidmüller (Übers., Hrsg.): Widukind von Corvey. Res gestae Saxonicae / Die Sachsengeschichte. Lateinisch-Deutsch, Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-15-007699-4.

Literatur Heinz Löwe: Die Irminsul und die Religion der Sachsen. In: Edmund E. Stengel (Hrsg.): Deutsches Archiv zur Geschichte des Mittelalters. Band 5, Böhlau, Weimar 1942. (online) Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X. Matthias Springer: Die Sachsen. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-016588-7. Norbert Wagner: Irmin in der Sachsen-Origo. Zur Arbeitsweise des Widukind von Corvey. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift (GRM) 59 (NF 28). 1978, S. 385–397.

Anmerkungen

Kategorie:Literarische Figur Kategorie:Literatur (10. Jahrhundert)