Die Carl Maier & Cie (Abkürzung CMC) war ein 1909 gegründetes Unternehmen der Schweizer Elektroindustrie.
Das Unternehmen entwickelte u. a. ein Stecksockelsystem, das Geräte unter laufender Spannung steckbar macht, sowie Schutzschalter-Technologien.Simon Jörger: Wachstum wird über Export generiert. Schaffhauser Nachrichten, 13. November 2009, abgerufen am 30. März 2026
Nach der Übernahme durch den Technologiekonzern ABB im Jahr 1992 und der vollständigen Integration 2001 wird der Standort heute als ABB Critical Power Schaffhausen innerhalb der Division Smart Buildings betrieben.ABB Schweiz AG: ABB Critical Power Schaffhausen. new.abb.com, abgerufen im Februar 2026.
Der Standort ist einer von acht ABB-Produktionsstandorten in der Schweiz und produziert das Smissline TP Touch-Proof-System, die Hochleistungsautomaten der S800-Serie sowie Magnetauslöser-Komponenten für Fehlerstromschutzschalter.
Gründer Carl Maier miniatur|Carl Maier, Gründer der CMC Der damals 32-jährige Carl Maier gründete 1909 in Schaffhausen die Fabrik elektrischer Apparate. 1937 übergab er die Geschäftsleitung an seinen Sohn, blieb aber bis zu seinem Tod 1952 dem Unternehmen verbunden.
Carl Maier gehörte mehrere Jahre lang dem Schaffhauser Stadtrat und dem Vorstand der Industrie-Vereinigung Schaffhausen an, deren Mitbegründer er war.Markus Schärrer: Carl Maier. In: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Biographien Band V, 68. Jg. 1991, S. 114–128. PDF Stadtarchiv Schaffhausen.H. Wüger: Carl Maier. Gedenkartikel. In: Bulletin SEV/VSE, Bd. 68, 1977, S. 1065. e-periodica.ch.
Geschichte miniatur|Katalog Nr. 1 für Ölschalter und Zubehörden, August 1910 Das Fabrikationsprogramm umfasste elektrische Schalt- und Schutzapparate im Hoch- und Niederspannungsbereich. In den ersten Prospekten von 1910 wurden Ölschalter für Spannungen bis 15 000 Volt und Ströme bis 500 Ampere sowie Motorschaltkästen angeboten. Die erste überlieferte Produktliste von 1910 führte "Ölschalter und Zubehörden".Carl Maier, Schaffhausen: Liste No. 1: Oelschalter und Zubehörden. August 1910. Die Fabrik lieferte auch Schaltanlagen für den Kommandoraum und den Maschinensaal beim Neubau des Elektrizitätswerk Schaffhausen. Im November 1910 wurde ein neues Fabrikgebäude im Schaffhauser Industriegebiet Ebnat bezogen und die Produktion erweitert.
Die CMC war an zahlreichen Projekten zur Elektrifizierung der Schweizerischen Bundesbahnen beteiligt: um 1915: Kommandosaal im Kraftwerk Eglisau um 1916: Schaltanlagen im Kraftwerk Massaboden um 1920: Schaltanlagen im Kraftwerk RitomBeschaffung Schaltanlage 15 kV durch Carl Maier, abgerufen am 15. September 2012 um 1922: Schaltanlagen im Kraftwerk Amsteg
Anlässlich einer Kapitalbeteiligung des Ingenieurs Ernst Hauser erfolgte 1923 die Umfirmierung in Carl Maier & Cie (kurz CMC).
Seit 1962 entwickelt und produziert CMC elektromagnetische Relais, sogenannte Magnetauslöser, die bei Unregelmässigkeiten im Stromfluss den Stromkreis unterbrechen. 1980 führte CMC einen Hochleistungs-Leitungsschutzschalter zum Schutz vor Überstrom in den Markt ein. 1988 stellte CMC ein Stecksockelsystem vor, bei dem Geräte und Komponenten ohne zusätzliche Schutzausrüstung unter Spannung aufgesteckt und entnommen werden konnten.
1992 erfolgte die Integration der damaligen CMC in die ABB Schweiz AG. 1997 wurde die Produktion der durch ABB von Busch-Jaeger übernommenen DIN-Schienen-Bauteile in die CMC integriert. 2004 wurde der Basler Schalter- und Steckdosenhersteller Levy Fils AG übernommen.
LOGA-Rechenscheibe mini|LOGA Rechenscheibe von Carl Maier & Cie (CMC) Schaffhausen (um 1960) Neben der Herstellung und dem Vertrieb elektrotechnischer Produkte fertigte das Unternehmen um 1960 die LOGA-Rechenscheibe (auch Schieber für Motoren) für Dreiphasen-Asynchron-Motoren. Über verschiebbare Fenster konnte die Leistung bei gegebener Drehzahl eingestellt und an einer Doppelskala der Nennstrom bei gegebener Spannung sowie die Scheinleistung abgelesen werden.
Innovation und Nachwirkung Carl Maier & Cie entwickelte Technologien zum Schutz der Energieversorgung von kritischer Infrastruktur an, die bis heute in ABB-Produkten zum Einsatz kommen: 1980: S500-Leistungsschutzschalter − Grundlage für die heutige S800-Serie von ABB (0,5–125 A; bis 50 kA Kurzschlussfestigkeit) 1988: Smissline-Stecksystem − Stecksockelsystem mit Spannungsaufnahme während des Einsteckens, weiterentwickelt als Smissline TP 1998: MA7-Magnetauslöser − Bauteil für Fehlerstromschutzschalter von ABB.
Auszeichnungen (Auswahl) Die CMC Carl Maier + Cie. AG wurde 1988 für das Schutz-und-Schaltgeräte-System Smissline und 1992 für den Sicherheits-Zwischenstecker SIDOS mit dem iF product design award ausgezeichnet.
2010 wurde die ABB Schweiz AG (CMC) für ihre innovative ferngesteuerte Schalteinheit S800-RSU mit dem Intersolar AWARD im Bereich Photovoltaik ausgezeichnet.
Literatur Markus Schärrer: Carl Maier. In: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Biographien Band V. 68. Jg. 1991, S. 114–128 (PDF) Paul Maier: Lebenschronik Carl Maier, 1989/90 (PDF) H. W. Schuler: Über die Streckenschaltsysteme in den Fahrleitungen der SBB in: Elektrische Bahnen, Dezember 1925, S. 430 ff. Jakob Schwyn, Edwin Biedermann: 50 Jahre Bau elektrischer Apparate. Schaffhausen 1959, 161 S. Max Strauss: Zum Abschluss der Elektrifikation der SBB. Bern 1960 Erwin Waldvogel: 50 Jahre Industrie-Vereinigung Schaffhausen. Schaffhausen 1970
Weblinks
Matthias Wipf: "Maier, Carl", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Stadtarchiv Schaffhausen: ABB, Carl Maier & Cie, CMC
Einzelnachweise
Kategorie:Familienunternehmen Kategorie:Unternehmensgründung 1909 Kategorie:Schaffhausen Kategorie:Kanton Schaffhausen Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Schaffhausen) Kategorie:Elektrotechnikhersteller