mini|Evangelische Kirche von Wandel, Hoefer und Lorch mit einer der beiden Luthereichen Die Evangelische Kirche ist die einzige protestantische Kirche in Dillingen/Saar und gehört zum Kirchenkreis Saar-West der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Gemeindegeschichte mini|Volkspark Dillingen mit (v. r. n. l.) evangelischer Kirche, Rathaus, Kaiserlicher Post und Bahnhof, 1908 Bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es in Dillingen kaum Menschen evangelischer Konfession. Bis zur Französischen Revolution besaßen die Protestanten im Herzogtum Lothringen keine freie Religionsausübung. Herzog Leopold Joseph von Lothringen, Vater des deutschen Kaisers Franz I. Stephan, hatte im Jahr 1698 seinen Untertanen jede andere Konfession außer der katholischen verboten.Hans-Walter Herrmann: Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Band 1, Saarbrücken 1960, S. 297.

Mit dem wachsenden Bedarf an Arbeitskräften für den Hüttenbetrieb der Dillinger Hütte siedelten sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts auch Arbeiter evangelischer Konfession in Dillingen an. Die Mehrzahl von ihnen stammte aus dem Bergischen Land.Helmut Wirths (Hrsg.): Evangelische Kirche in Dillingen, 1903–1969. Festschrift aus Anlass der Einweihung am 31. August 1969 im Auftrag des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde, Dillingen/Saar 1969, S. 7. Sie wurden vom Pfarrer der evangelischen Pfarrei in Völklingen seelsorgerisch betreut. Mit dem Übergang Dillingens und seiner Umgebung an das Königreich Preußen im Zweiten Pariser Frieden im Jahr 1815 stand seit dem Jahr 1817 im benachbarten Saarlouis ein evangelischer Garnisonspfarrer, Ernst Friedrich Kober, zur Verfügung.

Am 28. Juni 1825 schloss der preußische König Friedrich Wilhelm III. durch Allerhöchste Kabinettsorder alle in den Landkreisen Saarlouis und Merzig lebenden Protestanten zu einer Kirchengemeinde in Saarlouis zusammen. Das Presbyterium, bestehend aus zwei Garnisonssoldaten und einem Zivilisten, bestellte der Festungskommandant. Gottesdienstsaal war der Fechtsaal der Festung Saarlouis.

In Dillingen selbst wurde der evangelische Gottesdienst seit 1878, als die Zahl der Dillinger Protestanten auf etwa 100 Menschen angewachsen war, durch den Saarlouiser Garnisonspfarrer Zehlke zuerst im alten Schulhaus neben der Kirche St. Johann, dann ab 1880 in einem Saal des katholischen Schulhauses in der Stummstraße (Abbruch 1964) abgehalten.Wolfgang Dittgen u. a., Evangelische Kirchengemeinde Dillingen/Saar (Hrsg.): Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen. Dillingen/Saar 2003, S. 11.

Aufgrund steigender Mitgliederzahlen erwarb die Gemeinde unter Pfarrer Christian Roscher im Jahr 1899 einen Bauplatz für einen eigenen Kirchenbau. Nachträglich machte die Zivilgemeinde Dillingen/Saar den Bauplatz in der heutigen Merziger Straße der Kirchengemeinde zum Geschenk.Helmut Wirths (Hrsg.): Evangelische Kirche in Dillingen, 1903–1969. Festschrift aus Anlass der Einweihung am 31. August 1969 im Auftrag des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde, Dillingen/Saar 1969, S. 15.Wolfgang Dittgen u. a., Evangelische Kirchengemeinde Dillingen/Saar (Hrsg.): Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen. Dillingen/Saar 2003, S. 13. Carl Ferdinand von Stumm-Halberg bewilligte als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Dillinger Hütte den Betrag von 15.000 Mark zum Kirchenbau. Weitere einflussreiche Gemeindemitglieder, wie Otto Friedrich Weinlig und Erich Karcher (beide Direktoren der Dillinger Hütte), unterstützten den Bau nach Kräften.Wolfgang Dittgen u. a., Evangelische Kirchengemeinde Dillingen/Saar (Hrsg.): Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen. Dillingen/Saar 2003, S. 17. Auch die Gustav-Adolf-Stiftung, das Diaspora-Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland, benannt nach dem schwedischen König Gustav II. Adolf, ermöglichte finanzielle Zuschüsse.

Im Jahr 1894 war die Garnisonsgemeinde in Saarlouis aufgelöst und eine evangelische Zivilgemeinde gegründet worden, die dann auch die pastorale Betreuung der preußischen Garnison übernahm. Damit bekamen die Protestanten im Kreis Saarlouis erstmals einen Zivilpfarrer, August Rudolf de Haas, der in seiner Amtszeit vier Kirchenbauten in seiner Gemeinde initiierte:

Dillingen (1902–1903) Saarlouis (1906) Lebach (1906–1907) Schaffhausen (Saar) (1906–1907)

Pfarrer de Haas bezeichnete in seinem Schreiben an die Gustav-Adolf-Stiftung den geplanten Kirchenbau als „Bollwerk evangelischen Glaubens in Dillingen an der Saar“ und begründete den Bau im Hinblick auf die Dillinger Rüstungsproduktion auch mit militaristischen Zwecken: Wolfgang Dittgen u. a.: Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03. Evangelische Kirchengemeinde Dillingen/Saar (Hrsg.), Dillingen/Saar 2003, S. 12.

Die ab dem Jahr 1902 errichtete Dillinger evangelische Kirche wurde weiterhin von Saarlouis aus seelsorgerisch betreut und erhielt erst am 1. Juli 1926 durch Verfügung der Regierungskommission des Saargebietes den Status einer eigenen selbständigen Pfarrgemeinde. Die Zahl der Protestanten in Dillingen lag um diese Zeit bei etwa 1000 Menschen.Helmut Wirths (Hrsg.): Evangelische Kirche in Dillingen, 1903–1969. Festschrift aus Anlass der Einweihung am 31. August 1969 im Auftrag des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde, Dillingen/Saar 1969, S. 11. Das Gemeindegebiet umfasste die Bürgermeistereien Dillingen, Nalbach, Rehlingen und Oberesch.

Zunächst blieb Dillingen mit dem Pfarramt in Saarlouis noch verwaltungsmäßig verbunden. Der erste eigene evangelische Pfarrer in Dillingen war seit 1927 Karl Zickwolff (1895–1964) aus Sulzbach/Saar. Zickwolf versah sein Amt in Dillingen bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1964. Im Jahr 1930 errichtete man ein Pfarr- und Gemeindehaus.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Saarland im Jahr 1935 kam es in der Gemeinde zu heftigen Richtungskämpfen zwischen Anhängern der nationalsozialistisch orientierten Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche, auf deren Seite sich Pfarrer Zickwolf mit dem Presbyterium stellte.

Im Jahr 1961 wurde hinter dem Gemeindehaus ein Kindergarten eingerichtet.Aloys Lehnert: Geschichte der Stadt Dillingen/Saar. Dillingen 1968, S. 343–347.

Erster evangelischer Kirchenbau in Dillingen Im Jahr 1902 begann man mit dem Bau einer neoromanischen Hallenkirche mit gangartigen angedeuteten Seitenschiffen und übereck gestelltem Turm mit hohem SpitzhelmEntwürfe und Baupläne im evangelischen Pfarrarchiv Saarlouis. durch den aus Baden-Baden und in St. Johann an der Saar ansässigenWolfgang Dittgen u. a.: Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen, hrsg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Dillingen/Saar, Dillingen/Saar 2003, S. 13. Architekten Karl Heinrich Brugger (1858–1931).Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland. (=Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 40), Saarbrücken 2002, S. 380. In der Urkunde zur Grundsteinlegung am 1. August 1902 heißt es:Festschrift zur kirchlichen Woche vom 27. Juni bis 4. Juli 1976, 50 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Dillingen, 10 Jahre Posaunenchor, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen (Hrsg.), Dillingen/Saar 1976, S. 27–31. mini|hochkant|Evangelische Kirche Dillingen nach der Einweihung, 1903

mini|Evangelische Kirche nach ihrer Fertigstellung, 1903 Die Einweihung des Sakralbaues erfolgte am 21. Juni 1903 im Rahmen einer großen Feierlichkeit und einem Festzug durch die Stadt. Dabei wurde der Gemeinde durch den Generalsuperintendenten der Rheinprovinz Philipp Valentin Umbeck (1842–1911)Philipp Valentin Umbeck auf rheinische-geschichte.lvr.de, abgerufen am 10. Juni 2017 eine kostbare Bibel mit Silberbeschlägen als Geschenk der preußischen Königin und deutschen Kaiserin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg überreicht. Die Widmungsinschrift der Kaiserin lautete: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele.“Helmut Wirths (Hrsg.): Evangelische Kirche in Dillingen 1903–1969. Festschrift aus Anlass der Einweihung am 31. August 1969 im Auftrag des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde, Dillingen/Saar 1969, S. 28.Wolfgang Dittgen u. a., Evangelische Kirchengemeinde Dillingen/Saar (Hrsg.): Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen. Dillingen/Saar 2003, S. 16.

Die polygonale geostete Apsis war als Altarraum mit Buntglasfenstern ausgeschmückt. Die Fenster schuf die bekannte Werkstatt Rudolf und Otto Linnemann aus Frankfurt. Das zentrale Fenster stellte „Jesus auf der Osterwiese“ dar. Die umgebenden Fenster zeigten die Apostel Petrus und Paulus, das Altarbild die Kreuzabnahme Jesu. Links der Apsis befand sich eine niedrigere Taufkapelle, rechts der Apsis am Chorbogen die Kanzel.

Die Orgel auf der der Apsis gegenüberliegenden Empore stammte aus der Werkstatt des Saarlouiser Orgelbauers Mamert Hock. Der Raum wurde mit einem hölzernen Trapezgewölbe abgeschlossen.Wolfgang Dittgen u. a., Evangelische Kirchengemeinde Dillingen/Saar (Hrsg.): Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen. Dillingen/Saar 2003, S. 14 f.

Das neoromanische Kirchengebäude entsprach weitgehend den Forderungen des Eisenacher Regulativs, das auf der Eisenacher Kirchenkonferenz vom 30. Mai bis zum 5. Juni 1861 unter der Beteiligung und Mitsprache von namhaften Bauräten wie Friedrich August Stüler aus Berlin, Oberbaurat Christian Friedrich von Leins aus Stuttgart und Baurat Conrad Wilhelm Hase aus Hannover beschlossen worden war.Kathrin Ellwardt: Evangelischer Kirchenbau in Deutschland, Petersberg 2008, S. 150–156.

Das Kirchengebäude wurde im Zweiten Weltkrieg bei der Explosion eines Munitionszuges im Bahnhof Dillingen am 27. August 1944 und bei späterer Beschießung im Kriegswinter 1944/45 erheblich beschädigt.

Die Instandsetzungsarbeiten dauerten bis 1948 an (Einweihung am 20. Juli 1948).Wolfgang Dittgen u. a., Evangelische Kirchengemeinde Dillingen/Saar (Hrsg.): Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen. Dillingen/Saar 2003, S. 26 f. Eine zweite Renovierung fand in den Jahren von 1952 bis 1953 statt.Aloys Lehnert: Geschichte der Stadt Dillingen/Saar. Dillingen 1968, S. 343–347.Wolfgang Dittgen u. a., Evangelische Kirchengemeinde Dillingen/Saar (Hrsg.): Hundertjähriges Kirchenbau-Jubiläum ’03, Evangelische Kirchengemeinde Dillingen. Dillingen/Saar 2003, S. 18–19.

Luthereichen vor der Kirche Der Initiator des Dillinger Kirchenbaues August Rudolf de Haas brachte seine reichs- und kaisertreue Einstellung auch visuell deutlich zum Ausdruck. Nicht nur mit der Stilwahl seiner Kirchenneubauten in Formen der von Kaiser Wilhelm II. geförderten Neoromanik,Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland. (=Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 40), Saarbrücken 2002, S. 122 ff. sondern auch durch die Pflanzung von zwei Luthereichen: So wurden zwei Eichen, die aus Eicheln der Wittenberger Luthereiche gezogen worden waren, von de Haas im Jahr 1910 vor der Dillinger Kirche gepflanzt.