Die Gewerkschaftlichen Monatshefte (GMH) waren eine vom Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) herausgegebene Zeitschrift, die von 1950 bis 2004 erschien. Die GMH waren das theoretische Diskussionsorgan des DGB zu gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Themen mit den Schwerpunkten „Arbeit“, „Gesellschaft“, „Soziales“ und Gewerkschaftspolitik.
Die Zeitschrift Selbstverständnis, Ausrichtung und Themen Im Zuge der Gründung des DGB formulierte die Einheitsgewerkschaft den Willen, für ihre Anliegen auch publizistisch und auf Basis wissenschaftlicher Argumente zu werben. Der DGB wollte seine „neuen und fortschrittlichen Auffassungen“ einer breiten Öffentlichkeit verständlich machen.Hans Böckler: Geleitwort, in: GMH, Jg. 1 (1950), H. 1. Hans Böckler, der erste DGB-Vorsitzende, gab 1950 in einem Geleitwort zur ersten Ausgabe das Motto vor, das die Funktion der Zeitschrift bestimmte: „Die ‚Gewerkschaftlichen Monatshefte‘ […] sollen ein Diskussionsorgan sein, in dem Gewerkschafter und Vertreter der Wissenschaft, Vertreter unseres Sozialpartners wie des öffentlichen Lebens überhaupt Gelegenheit haben, in eingehender Diskussion zur Lösung der vor uns liegenden Wirtschafts- und Sozialprobleme beizutragen.“
Wichtige Themen, die zum Teil in Schwerpunktheften aufgegriffen wurden, waren die Geschichte der Arbeiter- und der Gewerkschaftsbewegung insbesondere in Deutschland, Überlegungen zur Humanisierung der Arbeit, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen der Deutschen Einheit, die Krise der Arbeitsgesellschaft sowie Überlegungen zur Gegenwart und Zukunft des Sozialstaats.Hans-Otto Hemmer: Abschied von einer Institution, in: GMH, Jg. 55 (2004), H. 11–12, S. 644–647, hier S. 644 f.
Die Zeitschrift präsentierte vielfach Themen der Wissenschaften, unter anderem der Geschichtswissenschaft, der Soziologie, Rechtsfragen, Fragen der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, der Politikwissenschaft und der Sozialwissenschaften.Ulrich Borsdorf: Ende ungut, alles ungut, in: GMH, Jg. 55 (2004), H. 11–12, S. 656. In dieser Hinsicht wirkte sie als „publizistisches Scharnier“ zwischen Gewerkschaften und Wissenschaft.Christoph Butterwegge: Abschied von den GMH, in: GMH, Jg. 55 (2004), H. 11–12, S. 657 f, hier S. 658.
Zudem brachte die Zeitschrift regelmäßig Buchbesprechungen von Neuerscheinungen im Bereich ihres Themenspektrums.Vgl. Alfred Grosser: Die Bonner Demokratie. Deutschland von draußen gesehen. Karl Rauch Verlag, Düsseldorf 1960, , S. 500: „… die Zeitschrift Gewerkschaftliche Monatshefte, Köln, die oft ausgezeichnete Beiträge über Gewerkschaftspolitik oder Soziologie und immer wieder wesentliche Besprechungen enthält …“.
Chefredakteure und Verlage Als Chefredakteure fungierten Walter Pahl (1950–1954), Richard Becker (1954–1957), Walter Fabian (1957–1970), Gerhard LeminskyStichworte zu seiner Biografie auf den Webseiten der Friedrich-Ebert-Stiftung. (1971–1981) und der bereits seit 1972 als Redakteur dort tätige Hans-Otto HemmerHemmer, Hans-Otto. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 491. (1981–2004).[Hans-]Otto Hemmer: Einführende Informationen zu den Gewerkschaftlichen Monatsheften.
Die Zeitschrift erschien seit 1950 jahrzehntelang im Bund-Verlag des DGB. 1998 übernahm die Einblick-Verlagsgesellschaft das Objekt. Von 1999 bis 2003 gehörten die Gewerkschaftlichen Monatshefte zum Westdeutschen Verlag, 2004 schließlich zum VS Verlag für Sozialwissenschaften.Beschreibung der Zeitschrift in Portal EconBiz.
Autoren In fünfeinhalb Jahrzehnten publizierten mehrere hundert Autoren – sowohl Gewerkschafter, Politiker und Wissenschaftler als auch andere Personen des öffentlichen Lebens – in der Zeitschrift. Sie gehörten überwiegend zum linksliberalen und linken politischen Spektrum der Bundesrepublik Deutschland. Auch Vertreter anderer politischer Richtungen schrieben Artikel für die Monatshefte. Die Bandbreite der GMH reicht vom konservativen CDU-Politiker Alfred Dregger über den ehemaligen Präsidenten des BDI Hans-Olaf Henkel bis hin zu Oskar Lafontaine. Unter den Wissenschaftlern finden sich so prominente Namen wie die von Wolfgang Abendroth, René König oder Hans-Ulrich Wehler.
Siehe: Anhang: Liste von Autoren der Gewerkschaftlichen Monatshefte
Vertrieb Die Zeitschrift wurde vor allem per Abonnement vertrieben. Um 1965 lag die monatliche Auflage bei 8.000 Exemplaren.Hans Stadler: Die Gewerkschaften. Ein Staat im Staate. J. F. Lehmanns Verlag, München 1965, , S. 107 (Auszug bei Google Books).
Vorläufer, Einstellung und Nachfolger Die Arbeit, das von 1924 bis 1933 monatlich erschienene Theorieorgan des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), gilt als Vorläufer der Gewerkschaftlichen Monatshefte.Hans-Otto Hemmer: Abschied von einer Institution, in: GMH, Jg. 55 (2004), H. 11–12, S. 644–647, hier S. 646. Herausgeber und Verlag begründeten Ende 2004 die Einstellung der Gewerkschaftlichen Monatshefte mit einem „seit Jahren anhaltenden Rückgang der Abonnements“.Information der "einblick" Verlags GmbH über die Einstellung der GMH, GMH, Jg. 55 (2004), H. 11–12, S. 641. Nachfolger der GMH ist das Online-Magazin Gegenblende.
Sammelpublikationen Wolfgang J. Mommsen u. a.: Auf dem Weg zur Einheit. Wirtschaft, Politik, Gewerkschaften im deutsch-deutschen Einigungsprozess. Aktualisierte Beiträge aus „Gewerkschaftliche Monatshefte“. Bund-Verlag, Köln 1990, ISBN 3-7663-2227-3 (Aufsatzsammlung).
Literatur Anne-Marie Fabian: Eine engagierte Zeitschrift – Die Gewerkschaftlichen Monatshefte von 1958 bis 1970. In: dieselbe (Hrsg.): Arbeiterbewegung, Erwachsenenbildung, Presse. Festschrift für Walter Fabian zum 75. Geburtstag. Europäische Verlagsanstalt, Köln 1977, ISBN 3-434-00341-X, S. 164–173 (Festschrift).
Weblinks Online-Archiv der GMH auf den Webseiten der Friedrich-Ebert-Stiftung
Einzelnachweise
Anhang: Liste von Autoren der Gewerkschaftlichen Monatshefte Gewerkschafter Viktor Agartz Siegfried Aufhäuser Alfred Braunthal Ernst Breit Otto Brenner Max Diamant August Enderle Irmgard Enderle Ursula Engelen-Kefer Detlef Hensche Arthur Killat Alfons Lappas Eugen Loderer Herbert Mai George Meany Heinz-Werner Meyer Bernd Otto Hermann Rappe Ludwig Rosenberg Hubertus Schmoldt Lorenz Schwegler Franz Steinkühler Bernhard Tacke Fritz Tarnow Frank Teichmüller Heinz Oskar Vetter Maria Weber Wladimir Woytinsky Monika Wulf-Mathies Dieter Wunder Klaus Zwickel Politiker Hans Apel Adolf Arndt Fritz Baade Angelika Barbe Karl Bechert Christine Bergmann Kurt Biedenkopf Marianne Birthler Willi Birkelbach Lothar Bisky Norbert Blüm Willy Brandt Max Brauer Hermann Brill Ilse Brusis Max Cohen Gustav Dahrendorf Willy Dehnkamp Alfred Dregger Herbert Ehrenberg Willi Eichler Björn Engholm Rainer Eppelmann Erhard Eppler Fritz Erler Henry Everling Friedhelm Farthmann Ulf Fink Andrea Fischer Joschka Fischer Anke Fuchs Liselotte Funcke Bronisław Geremek Wolfgang Gerhardt Peter Glotz Gregor Gysi Kurt Heinig Bodo Hombach Hubert H. Humphrey Jakob Kaiser Hellmut Kalbitzer Erich Klabunde Udo Knapp Waldemar von Knoeringen Helmut Kohl Wim Kok Willy Kressmann Heinz Kühn Oskar Lafontaine Manfred Lahnstein Otto Graf Lambsdorff Dieter Lattmann Karl W. Lauterbach Georg Leber Ulrich Lohmar Hans Maier Hans Matthöfer Friedrich Merz Wolfgang Mischnick Andrea Nahles Ernst Niekisch Peter von Oertzen Heide Pfarr Heinz Potthoff Ludwig Preller Walter Riester Fritz Sänger Rudolf Scharping Hermann Scheer Rezzo Schlauch Carlo Schmid Helmut Schmidt Gerhard Schröder Klaus-Peter Schulz Horst Seehofer Friedrich Stampfer Jochen Steffen Fritz Sternberg Peter Struck Wolfgang Thierse Wolfgang Ullmann Günter Verheugen Hans-Jochen Vogel Hedwig Wachenheim Theo Waigel Herbert Wehner Ernst Ulrich von Weizsäcker Richard von Weizsäcker Wissenschaftler Wolfgang Abendroth Ulrich von Alemann Elmar Altvater Günter Amendt Klaus Armingeon ( bei der Uni Bern) Peter Badura Frank Barnaby Ulrich Beck Elisabeth Beck-Gernsheim Daniel Bell Wolfgang Benz Arnold Bergstraesser Klaus von Beyme Norman Birnbaum Ulrich Borsdorf Günter Brakelmann Peter Brandt Christoph Butterwegge Ernst-Otto Czempiel Frank Deppe Warnfried Dettling Dan Diner Hans-Peter Dürr Thomas Ellwein Josef Esser Amitai Etzioni Bernd Faulenbach Christian von Ferber Iring Fetscher Heiner Flassbeck Ossip K. Flechtheim Ernst Fraenkel Norbert Frei Michael Freund Walter Friedländer Otto Heinrich von der Gablentz Johan Galtung Imanuel Geiss Anthony Giddens Hermann Glaser Walter Grab Helga Grebing Martin Greiffenhagen Hans-Hermann Hartwich Eduard Heimann Wilhelm Heitmeyer Eike Hennig Ulrich Herbert Rudolf Hickel Karl Otto Hondrich Konrad Jarausch Horst Kern Otto Kirchheimer Christoph Kleßmann Arno Klönne Jürgen Kocka René König Karl-Rudolf Korte Jiří Kosta Ekkehart Krippendorff Christian Graf von Krockow Herbert Kubicek Jürgen Kuczynski Arnold Künzli Siegfried Landshut Dieter Langewiesche Claus Leggewie Wolfgang Leonhard Wolf Lepenies Peter Lösche Wilfried Loth Hermann Lübbe Dieter S. Lutz Ernest Mandel Andrei S. Markovits Boris Meissner Hans Mommsen Wolfgang J. Mommsen Urs Müller-Plantenberg Herfried Münkler Gunnar Myrdal Wolf-Dieter Narr Oskar Negt Lutz Niethammer Franz Nuscheler Claus Offe Horst W. Opaschowski Heinz-Dietrich Ortlieb Wolf Oschlies Sven Papcke Dietmar Petzina Detlev Peukert Armin Pfahl-Traughber Theo Pirker Alexander von Plato Friedrich Pollock Harry Pross Joachim Raschke Joseph Rovan Jörn Rüsen Alexander Rüstow Richard Saage Adam Schaff Fritz W. Scharpf Helmut Schelsky Erwin K. Scheuch Karl Schlögel Michael Schneider Klaus Schönhoven Julius H. Schoeps Hagen Schulze Michael Schumann Jürgen Seifert Dieter Senghaas Udo Ernst Simonis Hartmut Soell Otto Stammer Dietrich Staritz Peter Steinbach Hans-Josef Steinberg Dolf Sternberger Richard Stöss Wolfgang Streeck Klaus Tenfelde Bassam Tibi Fritz Vilmar Georg Vobruba Franz Walter Rudolf Wassermann Alfred Weber Hermann Weber Hans-Ulrich Wehler Peter Weingart Gerhard Weisser Carl Christian von Weizsäcker Wolfram Wette Leopold von Wiese Manfred Wilke Gilbert Ziebura Karl Georg Zinn
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