Das Kagebōshishū (, dt. „Sammlung von Schattenbildern“) ist eine bebilderte Haikai-Anthologie, die von Issōsha Banrei (; 1702–1782) kompiliert und 1754 in Osaka gedruckt wurde.Claudia Waltermann: Die bebilderte haikai-Anthologie Kagebôshi, S. 43–44 Das Werk wird zu dem in der Edo-Zeit beliebten, aber kleineren Genre der ebaisho () gezählt. Es sind insgesamt nur drei Ausgaben dieses Werks erhalten, wobei sich eine, die vermutlich älteste Ausgabe, in Frankfurt am Main befindet. Sie wurde vom Japanologen Ekkehard May in der Bibliothek des Japanologischen Instituts der Universität Frankfurt entdeckt. Die beiden anderen Ausgaben befinden sich in der Kakimori Bunko () in Itami und in der Koten Bunko in Tokio.Eine weitere Teilausgabe, die nur den zweiten Band umfasst, befindet sich an der Kansai-Universität in der Präfektur Osaka. Das Werk konnte selbst in Japan bis in die 1990er Jahre bibliographisch nicht nachgewiesen werden.Claudia Waltermann: Die bebilderte haikai-Anthologie Kagebôshi, S. 10
Überblick Die Frankfurter Ausgabe besteht aus drei zusammengebundenen Heften mit insgesamt 188 Blättern, wobei der erste Band 63 Blatt (Doppelseiten), der zweite Band 61 Blatt und der dritte Band 64 Blatt umfassen. Die Seiten sind im Holzdruck hergestellt mit einem Druckspiegel von 17,6 × 13,7 cm. Die mehr oder minder formatfüllenden Abbildungen sind als Haiga () ausgeführt. Sie zeigen Motive mit Pflanze, Tieren, Alltagsgegenständen, Landschaften, Menschen und Genreszenen.Zur vielfältigen Beziehung zwischen Gedicht und Bild siehe Waltermann, 2006, S. 59–90. Zu den Malern der Abbildungen zählen neben den Dichtern selbst auch der in der Kanō-Schule ausgebildete Maler Tsukioka Settei (; 1710–1786) und Kitao Tokinobu (), der an vielen Ehon beteiligt war und über dessen Leben wenig bekannt ist.
Insgesamt umfasst die Anthologie 345 Haiku von 216 Dichtern aus unterschiedlichen Dichtergruppen und ein in Kanbun geschriebenes Vorwort.Claudia Waltermann: Die bebilderte haikai-Anthologie Kagebôshi, S. 50 Als Verfasser des Vorworts wird Joseki, ein Freund des Kompilators Banrei, genannt. Das erste Gedicht der Anthologie stammt von Banreis Lehrer Issuian (, wirklicher Name: , Ono Shōren; 1676–1761), einem der bedeutenden Meister der Kamigata-Dichterkreise. Issōsha Banreis wirklicher Name lautete Harada Banrei (). Er führte zudem auch den Künstlernamen Yōko (), mit dem er in der Entstehungszeit des Kagebōshi signierte.
Folgendes Beispiel stammt vom Dichter Rōcho, die Illustration ist mit Unga () signiert. Japanisch Transkription ÜbersetzungDie Übersetzung stammt von Claudia Waltermann und Ekkehardt May: Die bebilderte haikai-Anthologie Kagebôshi (1754), 2006, S. 172 らに画きて 書得ぬ蘭の にほい哉 ra ni kakite kaki-enu ran no nioi kana Auf Seide gemalt die Orchidee – nicht malen kann man ihren Duft!
Ein weiteres Beispiel stammt vom Dichter Soryūsai Rajō, die Illustration ist ebenfalls mit Unga signiert. Japanisch Transkription ÜbersetzungDie Übersetzung stammt von Claudia Waltermann und Ekkehardt May: Die bebilderte haikai-Anthologie Kagebôshi (1754), 2006, S. 200 恋すてふ 夢かかけろふ 時鳥 koi-su chō yume ka kagerō hototogisu Das, was man Liebe nennt – ist’s ein Traum? Eine Eintagsfliege? Ein Kuckucksruf?
Literatur
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Lyrik-Anthologie Kategorie:Literatur (Japanisch) Kategorie:Literatur (18. Jahrhundert) Kategorie:Literarisches Werk