Herbert Haag (* 6. Januar 1937 in München; † 9. März 2025 in Wangen im Allgäu) war ein deutscher Sportpädagoge und Hochschullehrer.

Leben Haag studierte nach dem Abitur ab 1954 zunächst am Institut für Leibeserziehung der Universität Freiburg und von 1956 bis 1959 an der Deutschen Sporthochschule Köln. Das Studium schloss er als Diplom-Sportlehrer ab. 1958 und 1959 absolvierte er eine Ausbildung zum staatlich geprüften Skilehrer. Ab 1959 war er an der Universität Tübingen als wissenschaftlicher Assistent tätig, während er bis 1963 ein Zweitstudium in Geschichte, Politikwissenschaft und Erziehungswissenschaften / Leibeserziehung an der Universität Tübingen (1. Staatsexamen für das Lehramt am Gymnasium) bestritt. Er setzte 1964 sein Studium der Sportwissenschaft an der University of Washington in Seattle in den Vereinigten Staaten (1966 Master of Science in Physical Education, M.S.) fort, ehe er nach dem Referendariat 1967 das 2. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ablegte. Von 1967 bis 1971 war er erst wissenschaftlicher Assistent, dann Akademischer Rat an der Universität Tübingen; 1970 folgte die Promotion zum Dr. phil. über Sport in den USA (Die amerikanische Gesundheitserziehung. Theoretische Grundlegung und Realisierung in der Schule. Ein Beitrag zum Verständnis des Zusammenhangs von Freizeit-, Gesundheits- und Leibeserziehung). Betreut wurde die Arbeit von Ommo Grupe. Zuvor hatte Haag 1970 als Stipendiat einen Forschungsaufenthalt an der Stanford University im US-Bundesstaat Kalifornien absolviert. Er weilte des Weiteren im selben Land an der Pennsylvania State University. Von 1971 bis 1974 war er Professor für Sportpädagogik an der Universität Gießen, ehe er 1974 als Professor für Sportpädagogik und Direktor am Institut für Sport und Sportwissenschaften an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) berufen wurde, wo er bis zu seiner Emeritierung 2002 tätig war. 1981 wurde Haag in die US-amerikanische National Academy of Kinesiology aufgenommen.

Von 1986 bis 1988 war Haag Vorsitzender des Weltverbands für Sportwissenschaft und Sporterziehung (ICSSPE). Das Amt des Präsidenten des deutschen Sportlehrerverbandes (DSLV) hatte er von 1970 bis 1978 inne. Dem Ausschuss Deutscher Leibeserzieher (ADL) saß Haag von 1979 bis 1982 vor. Von 1991 bis 1994 wurde Haag von der Universität Kiel beurlaubt, um als Gründungsdirektor des Deutschen Olympischen Instituts in Berlin zu wirken.

Nach der deutschen Wiedervereinigung und der Entscheidung, die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) zu schließen, setzte sich Haag für den Erhalt der Sportwissenschaft in Leipzig ein und war Mitglied der Gründungskommission der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. 2002 wurde ihm als Dank die Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig verliehen. Nach Einschätzung von Jürgen Krug war Haag „Förderer und Mentor“ der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig. Ursprünglich hatte Haag die (letztlich nicht umgesetzte) Vision entwickelt, im Zuge der Vereinigung der beiden deutschen Staaten jeweils in Leipzig, Berlin, Köln und München „universitäre Zentren der Sportwissenschaft“ aufzubauen. Auf seine Kieler Amtszeit blickte Haag später wie folgt zurück: „Es war insgesamt eine herausfordernde und interessante Tätigkeit von 1974-2002, da es galt, den Sport, die Sporterziehung und die Sportwissenschaft in ‚neuem Gesicht‘ in Kiel zu etablieren.“

Zu seinen Schülern gehören Bernd Strauß, Martin Lames und Michael Kolb, die unter Haag am Kieler Institut für Sportwissenschaft Assistentenstellen erhielten. Strauß, Lames und Kolb schrieben Haag sowie dessen Kollegen Jan-Peters Janssen und Hans Rieckert 2025 zu, in Kiel in den 1980er und 1990er Jahren „eines der erfolgreichsten Institute für Sportwissenschaft in Deutschland“ aufgebaut zu haben.

Ab 2004 war Haag an der Universität Konstanz Lehrbeauftragter für Sportgeschichte, Sportphilosophie und Forschungsmethodologie. Bis November 2015 war er Vorsitzender der Kieler Zweigstelle der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG). Anlässlich seines Ausscheidens aus dem Amt wurde ihm die DOG-Ehrenplakette in Gold verliehen. 2017 wurde er von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft mit der Goldenen Ehrennadel sowie vom Weltverband für Sportwissenschaft und Sporterziehung (ICSSPE) für seine „Verdienste für die Förderung der Kooperation von Sportmedizin, Sportwissenschaft und Sporterziehung“ ausgezeichnet.

Haag beschäftigte sich ausgiebig mit den Themenbereichen Evaluation von Lehr- und Lernprozessen im Sport, vergleichende Sportpädagogik sowie Forschungsmethodologie. Er ist vor allem als Autor/Herausgeber von Lehr- und Studienbüchern der Sportwissenschaft hervorgetreten, darunter grundlegende Werke wie Einführung in das Studium der Sportwissenschaft (1991), „Sportphilosophie“ (1995), „Dokumente zu Sport, Sporterziehung und Sportwissenschaft“ (1991; gemeinsam mit August Kirsch und Wilfried Kindermann), Sport Science in Germany (1992; gemeinsam mit August Kirsch und Ommo Grupe) und das Handbuch Sportpädagogik (2001; gemeinsam mit Richard Hummel). Er veröffentlichte ebenfalls Lehrbücher zu den Sportarten alpiner Skilauf und Handball, befasste sich mit olympischer Erziehung und war Mitherausgeber mehrerer Werke im Rahmen von „Praxisideen – Schriftenreihe für Bewegung, Spiel und Sport“. Neben seinen Forschungstätigkeiten in Deutschland war Haag auch in Kanada, USA, Australien, afrikanischen und südamerikanischen Ländern wissenschaftlich tätig. Er trieb die internationale Ausrichtung der Sportwissenschaft voran. Als Ruheständler zog er nach Wangen im Allgäu. Ab 1956 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Hercynia Freiburg im Breisgau.

Herbert Haag starb am 9. März 2025 im Alter von 88 Jahren in Wangen im Allgäu.

Ehrungen 1981: Aufnahme in die National Academy of Kinesiology 2002: Ehrendoktor der Sportwissenschaft der Universität Leipzig 2008: The Herbert Haag Sport Information Centre, Tshwane University of Technology, Pretoria, Südafrika 2017: Auszeichnungen mit der Goldenen Ehrennadel der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft 2017: Auszeichnung durch den Weltverband für Sportwissenschaft und Sporterziehung (ICSSPE) für seine „Verdienste für die Förderung der Kooperation von Sportmedizin, Sportwissenschaft und Sporterziehung“

Veröffentlichungen (Auswahl)

Die Leibeserziehung in den Vereinigten Staaten. Beiträge zum Verständnis ihrer Theorie und Praxis (= Theorie der Leibeserziehung, Bd. 7). Hofmann, Schorndorf 1970. Die amerikanische Gesundheitserziehung. Theoretische Grundlagen und Realisierung in der Schule; ein Beitrag zum Verständnis des Zusammenhanges von Freizeit-, Gesundheits- und Leibeserziehung (= Beiträge zur Lehre und Forschung der Leibeserziehung, Bd. 41). Hofmann, Schorndorf 1971 (= Dissertation Universität Tübingen). Bewegungskultur und Freizeit. Vom Grundbedürfnis nach Sport und Spiel (= Texte + Thesen, Bd. 188). Edition Interfromm, Zürich 1986, ISBN 3-7201-5188-3. (mit Hans Dassel): Circuit-Training in der Schule. 6. Aufl. (= Schriftenreihe zur Praxis der Leibeserziehung und des Sports, Bd. 30). Hofmann, Schorndorf 1987, ISBN 3-7780-5306-X. (mit Karen Hein): Informationswege zur Theorie und Praxis des Sports. Bücher, Schriftenreihen, Zeitschriften, Dokumente, Institutionen und Organisationen (= Grundlagen zum Studium der Sportwissenschaft, Bd. 5). Hofmann, Schorndorf 1990, ISBN 3-7780-7885-2. Einführung in das Studium der Sportwissenschaft. Berufsfeld-, Studienfach- und Wissenschaftsorientierung (= Grundlagen zum Studium der Sportwissenschaft, Bd. 1). Hofmann, Schorndorf 1991, ISBN 3-7780-7881-X (3. Aufl. 2010). Theoretical foundation of sport science as a scientific discipline. Contribution to a philosophy (meta-theory) of sport science (= Sport science studies, Bd. 6). Hofmann, Schorndorf 1994, ISBN 3-7780-6461-4. Bildung und Erziehung in Deutschland. Niedergang und Aufstiegschancen. Logos-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-89722-860-2. Olympische Idee, olympische Bewegung, Olympische Spiele. Handreichungen zur olympischen Erziehung bei Jugendlichen in Schule und Sportverein (= Bewegung, Spiel, Sport, Bd. 1). Logos-Berlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8325-1841-7. Doppelstunde alpiner Skilauf. Unterrichtseinheiten und Stundenbeispiele für Schule und Verein (= Reihe Doppelstunde Sport, Bd. 7). Hofmann, Schorndorf 2009, ISBN 978-3-7780-0571-2. (mit Filip Mess): Informationswege zu Sport, Sporterziehung und Sportwissenschaft (= Grundlagen zum Studium der Sportwissenschaft, Bd. 5). Hofmann, Schorndorf 2011, ISBN 978-3-7780-7896-9.

als Herausgeber

Leistungskurs Sport. Ein Beitrag zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe. Hofmann, Schorndorf 1974.

(mit Klaus Heinemann): Berufsfeld Sport. Texte zu Tätigkeitsfeldern und Berufschancen (= Texte - Quellen - Dokumente zur Sportwissenschaft, Bd. 20). Hofmann, Schorndorf 1987, ISBN 3-7780-6201-8.

Sport. Planen, Durchführen, Auswerten. Hofmann, Schorndorf 1987, ISBN 3-7780-3301-8.

Theorie- und Themenfelder der Sportwissenschaft. Orientierungshilfen zur Konzipierung sportwissenschaftlicher Untersuchungen (= Grundlagen zum Studium der Sportwissenschaft, Bd. 4). Hofmann, Schorndorf 1989, ISBN 3-7780-7884-4.

(Mithrsg.): Dokumente zu Sport, Sporterziehung und Sportwissenschaft (= Texte - Quellen - Dokumente zur Sportwissenschaft, Bd. 26). Hofmann, Schorndorf 1991, ISBN 3-7780-6861-X. Sport science in Germany. An interdisziplinary anthology. Springer, Berlin 1992, ISBN 3-540-55657-5).

Sportphilosophie. Ein Handbuch (= Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport, Bd. 115). Hofmann, Schorndorf 1996, ISBN 3-7780-1651-2.

Theoriefelder der Sportwissenschaft. 2. Aufl. (= Grundlagen zum Studium der Sportwissenschaft, Bd. 4). Hofmann, Schorndorf 2003, ISBN 978-3-7780-7887-7.

(mit Bernd Strauß): Themenfelder der Sportwissenschaft (= Grundlagen zum Studium der Sportwissenschaft, Bd. 6). Hofmann, Schorndorf 2006, ISBN 978-3-7780-7888-4.

Handbuch Sportpädagogik. 2. Aufl. (= Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport, Bd. 133). Hofmann, Schorndorf 2009, ISBN 978-3-7780-1832-3.

Research methodology for sport and exercise science. A comprehensive introduction for study and research (= Bewegung, Spiel, Sport, Bd. 6). Logos-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8325-2499-9.

(Mithrsg.): Handbuch Evaluation im Sport (= Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport, Bd. 177). Hofmann, Schorndorf 2010, ISBN 978-3-7780-4770-5.

(Mithrsg.): Dictionary sport - physical education - sport science. 2. Aufl. Logos Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-8325-3162-1.

Literatur Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2014. 26. Ausgabe, Walter de Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-030256-1 (Print), ISBN 978-3-11-030257-8 (Print & Online), Band 2, S. 1195.

Einzelnachweise

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