mini|hochkant|Westfassade der Unterstadtkirche zur Kavarinerstraße mini|hochkant|Inneres

St. Mariä EmpfängnisNetzpräsenz der Pfarrei in der Altstadt von Kleve, auch als Unterstadtkirche, Minoritenkirche und früher auch Annexkirche bezeichnet, ist eine Filialkirche der katholischen Kirchengemeinde und Propstei St. Mariä Himmelfahrt. Bis 1802 war sie Klosterkirche der Klever Minoriten (Franziskaner).

Geschichte mini|hochkant|links|Grundrisszeichnung des Minoritenklosters Kloster Das Minoritenkloster Kleve gilt als Stiftung Graf Dietrichs († 1305) aus dem Jahr 1285. Er stellte den Minderbrüdern Grundstück und Wohnhaus und eine wohl schon vorhandene bescheidene Kirche zur Verfügung. Urkundlich nachgewiesen ist das Kloster seit 1300.kavariner.de

In den Jahren 1425 bis 1445 wurde der gesamte Klosterkomplex mit der heutigen schlichten gotischen Klosterkirche neu gebaut. Die Kirche bildete die Südflanke der rechteckigen Klosteranlage mit Konventsgebäuden und Kreuzgang.rp-online.de, 29. September 2008 Das Chorgestühl schnitzte Arnt von Kalkar 1474.Arnt Beeldsnider (rheinische-geschichte.lvr.de) Die Reformationszeit im Herzogtum Kleve überstand das Kloster. 1698 erhielt die Kirche eine Barockkanzel von Nikolaus Albers.kleve.de Unter französischer Verwaltung wurde das Kloster 1802 aufgehoben.dnb Kirche, Konvents- und Wirtschaftsgebäude wurden in Privathand verkauft.Wolfgang Schieder: Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803–1813, Teil V/2, S. 912

Säkularisation In den Konventsgebäuden entstand ab 1843 das St.-Antonius-Hospital.kkikk.de Das machte verschiedene Um- und Neubauten erforderlich, die, zusammen mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs, von den ursprünglichen Gebäuden nur geringe Reste übrig ließen.

1952 zog das Hospital in einen Neubau an anderer Stelle um. Über dem einstigen Ostflügel der Klosteranlage – nach Norden verlängert – entstand das neue Klever Rathaus.

Katholische Gemeindekirche Die Kirche wurde nach profaner Nutzung in napoleonischer Zeit als Pfarrkirche der Unterstadt wieder in gottesdienstlichen Gebrauch genommen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Unterstadtkirche mit großen Teilen Kleves bei Bombenangriffen fast vollständig vernichtet.vgl. Friedrich Leinung: Ray Hamley und die Anrufe von oben. Kleve 2004 In den Nachkriegsjahren erfolgte ein an der Originalgestalt orientierter Wiederaufbau. Die bedeutendsten Ausstattungsstücke waren ausgelagert und blieben erhalten.

Von 1974 bis 2003 war Friedrich Leinung Pfarrer an der Unterstadtkirche. In dieser Zeit wurde sie zu einem überregional beachteten Zentrum der Nachkriegs-Versöhnungsarbeit.Belege im Artikel Friedrich Leinung Außerdem entstand bei der Kirche das karitative Zentrum Klosterpforte.klosterpforte-kleve.de

Reliquien des heiligen Adalbert Seit 1992 befindet sich ein Stück der Reliquie von Adalbert von Prag aus Gnesen im neuen Altar der Kirche. Die Reliquie in Gnesen wurde im Zweiten Weltkrieg von Urban Thelen gerettet.

Architektur und Ausstattung Die Unterstadtkirche ist eine typische schlichte, turmlose Bettelordenskirche. Sie ist eine Hallenkirche mit nur einem (rechten) Seitenschiff. Das Langhaus umfasst fünf Joche. Das Hauptschiff setzt der dreieinhalbjochige, polygonal schließende Chor fort. Auch das Seitenschiff schließt mit einer polygonalen Apsis. Die Schiffe sind mit zwei getrennten Satteldächern gedeckt. Langhaus und Chor überspannen Kreuzgratgewölbe.Innenaufnahme

Als bedeutendstes Ausstattungsstück gilt das Chorgestühl von 1474, das Arnt von Kalkar (Arnt Beeldsnider – „Arnt der Bildschnitzer“) zugeschrieben wird. Das reiche Figurenwerk kontrastiert Heiligendarstellungen mit drastischen Grotesken.

Bemerkenswert sind auch die barocke Kanzel von Nikolaus Albers (1698) und die Kreuzigungsgruppe im Chorbogen.

Orgel

Die Orgel der Unterstadtkirche wurde 1961 von der Orgelbauwerkstatt Klais erbaut. Das Schleifladeninstrument hat 28 klingende Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal; Spieltraktur und Koppeln sind mechanisch, die Registertraktur ist elektrisch; Spieltisch angebaut

I Rückpositiv C–g31. Holzgedackt 8′2. Quintade 8′3. Praestant 4′4. Blockflöte 4′5. Principal 2′6. Terz ′7. Sifflöte ′8. Scharff III–IV 9. Musette 8′ II Hauptwerk C–g310. Pommer 16′11. Principal 8′12. Rohrflöte 8′13. Spitzgedackt 8′14. Octav 4′15. Salicional 4′16. Quinte ′17. Hohlflöte 2′18. Mixtur IV–V 2′19. Spanische Trompete 8′20. Kopftrompete 4′ Tremulant Pedal C–f121. Principalbass 16′22. Subbass 16′23. Octav 8′24. Gemshorn 8′25. Choralbass 4′26. Nachthorn 2′27. Posaune 16‘28. Posaune 8′

Koppeln: I/II, I/P, II/P Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, 2 Pedalkombinationen, Tuttiknopf, Zungenabsteller, Koppel-Pistons Cymbelstern (6 Glöckchen) mit einem sich im Prospekt drehenden Stern.

Literatur Peter van de Locht: Die Geschichte der Unterstadtkirche und des Minoritenklosters in Kleve. Kleve 1923 Mönche, Nonnen und Beamte. Das ehemalige Minoritenkloster und heutige Rathaus

Weblinks

himmelfahrt-kleve.de; Kirchengemeinde und Propstei St. Mariä Himmelfahrt Kleve kleve.de; Minoritenkirche

Einzelnachweise

Unterstadtkirche Kategorie:Gotisches Bauwerk in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Bettelordenskirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Münster Unterstadtkirche Kategorie:Ehemaliges Franziskanerkloster in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Maria-Immaculata-Kirche Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Rekonstruiertes Bauwerk in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Organisation (Kleve) Kleve Kategorie:Disposition einer Orgel