mini|Turmportal der katholischen Pfarrkirche St. Mauritius und Gefährten in Haustadt
Die Kirche St. Mauritius und Gefährten ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Haustadt, einem Ortsteil der Gemeinde Beckingen im Landkreis Merzig-Wadern im Saarland. Sie trägt das Patrozinium des heiligen Mauritius und seiner christlichen Märtyrer-Gefährten der Thebäische Legion, das am 22. September gefeiert wird. Der Sakralbau ist in der Denkmalliste des Saarlandes als Einzeldenkmal aufgeführt. (PDF), abgerufen am 25. März 2014 Aufgrund seiner dominierenden Lage im Haustädter Tal und seiner Größe trägt das Gotteshaus im Volksmund auch den Namen „Taldom“.Willkommen im Gemeindebezirk Haustadt Auf: www.beckingen.de, abgerufen am 27. März 2014 Auf: www.sr-online.de, abgerufen am 25. März 2014 Es handelt sich um einen aufgeweiteten basilikalen Raumtyp in den Formen des Neobarock, des Jugendstils und teilweise des beginnenden Art déco.
Geschichte mini|St. Mauritius und Gefährten in Haustadt, Zeichnung der alten Dorfkirche mit Schulgebäude, G. Fett mini|St. Mauritius und Gefährten, Grundstein von 1919 im Altarbereich Der Ort „Hustat“ wird im Jahr 1147 in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Albero von Montreuil als Dorfgemeinschaft erwähnt, die verpflichtet war, alljährlich zum Grab des heiligen Lutwinus in die Abtei Sankt Peter und Maria in Mettlach zu wallfahren. Ob Haustadt damals bereits Pfarrort oder erst Filialort einer Pfarrei war, ist dabei nicht zu sagen. Für die Zeit ab dem 13. Jahrhundert ist aber der Rang einer Pfarrei für Haustadt belegt, das damals zum Dekanat Merzig gehört. Ab dem 16. Jahrhundert (1570) wird Honzrath als Filialgemeinde von Haustadt genannt. Die Ritter der Deutschordenskommende St. Mauritius in Trier waren Kollatoren, also Pfründe-Inhaber eines Altars. Das Trierer Mauritiuspatrozinium der Deutschordenskommende wurde dabei auf Haustadt übertragen. Den Zehnt teilten sich der Haustatter Pfarrer mit den Deutschordensrittern der Kommende Beckingen. Ab der Zeit des Dreißigjährigen Krieges versah die Pfarrei Haustadt die Seelsorge in den Nachbarorten Beckingen, Reimsbach und Düppenweiler. Im Jahr 1630 gelangte das Patronat Haustadts durch Tausch von der Abtei Mettlach an die Deutschordenskommende Beckingen. Für das Jahr 1692 wird die Haustadter Pfarrkirche als ein strohgedeckter Raum mit feuchtem Mauerwerk beschrieben. Unter Pfarrer Damian Hartard Brandt wurde in den Jahren 1710/11 ein Pfarrhaus errichtet und ein zugehöriger Pfarrgarten angelegt. Aufgrund bestehender baulichen Mängel – das Mauerwerk war feucht und der Bau hatte sich stark gesenkt – riss man den Gottesdienstraum in den Jahren 1761 bis 1764 ab und errichtete einen barocken Kirchenraum, der im Jahr 1772 konsekriert wurde. Ein beim Teilabbruch dieser Kirche im Jahr 1921 geborgener Chorbogenschlussstein trug die Jahreszahl 1761. Der bisherige Kirchturm blieb bei den barocken Um- und Neubaumaßnahmen allerdings stehen. Das zugehörige alte Pfarrhaus in der Nähe der alten Dorfkirche wurde im Jahr 1949 aufgrund von Kriegsbeschädigungen abgerissen. Dabei machte man zahlreiche Spolienfunde aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Um das Jahr 1800 zählte die Pfarrei Haustadt mit ihrer Filiale in Honzrath etwas über 400 Seelen. In der Folgezeit wurde Haustadt eine Filiale von Reimsbach, da in den kriegerischen Wirren der Folgezeit der Französischen Revolution eine Pfarrfinanzierung von Haustadt nicht mehr gegeben war. Mit dem Ende der napoleonischen Zeit und dem Wiener Kongress kam das Haustadter Tal politisch zum Staat Preußen und Haustadt wurde als eigenständige Pfarrei kirchlich in der Bulle „De salute animarum“ am 14. Juli 1821 der Diözese Trier zugewiesen. Seitdem war die Pfarrei St. Mauritius Haustadt wieder von einem eigenen Pfarrer versorgt. Einen neuen Kirchhof legte man im Jahr 1833 am Düppenweilerweg an. Im sogenannten Kulturkampf, der im Bistum Trier und im Land an der Saar mit besonderer Heftigkeit ausgetragen wurde, war die Pfarrei ohne Pfarrer.
Das barocke Kirchengebäude wurde im Jahr 1888 unter Pfarrer Clotten mit Drainagegräben umgeben, um das bleibende Problem der Mauerfeuchtigkeit in den Griff zu bekommen. Dabei fand man eine gotische Eingangstür zur Kirche die durch Absinken des Gebäudes und häufige Bodenaufschüttungen verschüttet worden war.Hermann Niederkorn: Die Geschichte der Kirche des Dorfes, in: Helmut Weiand (Hrsg.): Festschrift zur 800-Jahrfeier Haustadt 1147–1949, Saarbrücken 1949, S. 15–21.
Die heutige Pfarrkirche, die in den Jahren 1914 bis 1920 nach Plänen der Architekten Ludwig Becker und Anton Falkowski (Mainz) errichtet wurde, ersetzte den barocken Vorgängerbau, der von 1761 bis 1764 entstanden war. Der barocke Kirchenbau war für die durch die Industrialisierung gewachsene Einwohnerschaft des Haustadter Tales zu klein geworden. Bereits im Jahr 1887 hatte man einen Kirchenbaufonds zur Errichtung eines neuen Gotteshauses angelegt. In den Jahren 1901/02 wurden Baupläne zur Genehmigung eingereicht. Sie wurden allerdings nicht ausgeführt. Auch die Pläne des Saarbrücker Architekten Karl Fischer aus dem Jahr 1912 kamen nicht zur Anwendung.
Im Folgejahr 1913 bewarben sich die Architekten Peter Marx aus Trier und Ludwig Becker & Anton Falkowski aus Mainz um einen Neubau. Letztere gewannen den Wettbewerb. Unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde am 19. Juli 1914 der erste Spatenstich zum Neubau der Kirche getan. Den Standort der alten Kirche gab man nach langen Auseinandersetzungen mit den Honzrather Pfarrangehörigen auf, da diese einen neuen Kirchstandort wünschten, der näher an ihrem eigenen Ortszentrum gelegen war. Darüber hinaus hatte die bischöfliche Behörde in Trier den alten Standort aufgrund des nicht als tragfähig erachteten feuchten Baugrundes abgelehnt. Schließlich suchte man den jetzigen Standort als Bauplatz aus und musste dafür zwei Bauernhäuser abreißen.
Das neuerrichtete Pfarrhaus konnte am Fest Mariä Himmelfahrt (15. August) 1915 bezogen werden. Die Kirchenfundamente blieben durch den ungünstigen Kriegsverlauf unbearbeitet bis Pfingsten 1919 liegen. Erst jetzt, im ersten Friedensjahr nach dem Krieg, konnte die feierliche Grundsteinlegung gefeiert werden. An sie erinnert noch der Grundstein auf der rechten Seite des Altarbereiches. Im Jahr 1919 wurde der Kirchbau vollendet. Pfarrhaus und Pfarrsaal errichtete man in einem gemeinsamen Baukomplex zusammen mit der Kirche. Gemeindemitglieder halfen durch Hand- und Spanndienste. Die hohen Bauschulden konnten nur mit Hilfe von bistumsweiten Kollekten und Finanzzuschüssen der Regierungskommission des Saargebietes beglichen werden. Am 24. Oktober 1920 fand die erste Weihe der neuen Kirche durch Prälat Alexander Subtil aus Saarlouis statt. Das Patrozinium „St. Mauritius und Gefährten“ übernahm man von der alten Kirche. Die Glockenweihe wurde am 28. August 1921 gefeiert. Die Konsekration erfolgte am 2. Oktober 1921 durch den Trierer Weihbischof Antonius Mönch. In der Folgezeit besorgte man die neobarocke Innenausstattung der Kirche.
Im Jahr 1921 erfolgte ein Teilabbruch der alten Barockkirche, die man zusammen mit dem alten Pfarrhaus zum Zweck der Schuldentilgung für den Kirchenneubau verkaufte und zu Wohnhäusern umbaute.Informationen zur Pfarrkirche St. Mauritius und Gefährten Haustadt Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 25. März 2014.Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland, (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 40), Saarbrücken 2002, S. 245–246 und S. 480.Hermann Niederkorn: Die Geschichte der Kirche des Dorfes, in: Helmut Weiand (Hrsg.): Festschrift zur 800-Jahrfeier Haustadt 1147–1949, Saarbrücken 1949, S. 15–21, hier S. 17.
Durch Artilleriebeschuss im Zweiten Weltkrieg wurde besonders das Mittelschiffdach der Kirche beschädigt. Ende 1940er Jahre wurde die Kirche zwecks Beseitigung dieser Kriegsschäden einer Restaurierung unterzogen. Dabei verputzte und strich man das ursprünglich steinsichtige Bauwerk. In den 2000er Jahren erfolgte eine erneute Restaurierung, die sowohl das Innere der Kirche als auch den Außenbau betraf. Dabei kam es auch zu Umbauten, die Fenstergewandungen betreffend, und es entstand ein neuer Zugang zur Glockenstube.
Architektur mini|Inneres der Kirche mit Blick zur Apsis mini|links|Kircheninneres mit Blick zur Orgelempore mini|Seitenansicht der Kirche mit angebautem Pfarrhaus mini|links|Gewölbe der Vierung mini|Oratoriumserker, der den Altarraum mit dem Pfarrsaal verbindet Das auf einer Anhöhe stehende Kirchengebäude entstand im Stil des ausgehenden Historismus, wobei vor allem auf neobarocke Stilsprache zurückgegriffen wurde, die mit Jugendstil und beginnenden Art-Deco-Elementen überformt wurden. Bei dem Bautyp der Kirche handelt es sich um eine nach Osten ausgerichtete dreischiffige Basilika mit Langhaus, abgerundetem und ausladendem Querhaus und eingezogenem Chor. An den Chor schließt sich eine querovale Apsis an, die mit den Querhausarmen quasi eine Drei-Konchen-Anlage bildet. Südlich an den Chor ist das Pfarrhaus angebaut.
Der im Westen stehende Kirchturm mit Welscher Haube wird von zwei kleineren Türmen flankiert, die jeweils eine Zwiebelhaube besitzen. Eine mächtige Treppenanlage führt von der Haustadter Hauptstraße zum Kirchenportal. Zwischen den beiden Treppentürmchen des Haustadter Kirchturmes spannt sich eine offene segmentbogige Vorhalle, die von vier Pfeilern getragen wird. Der Boden der Halle führt in Stufen dem mehrtürigen Hauptportal zu. Über dem verschieferten Dach der Vorhalle ist in einer mittig angeordneten Nische eine Statue des Kirchenpatrons positioniert. Sie wird von jeweils einem Paar hochrechteckiger kleiner Fenster zwischen Pilastern flankiert. Ein kleines Dach darüber leitet in den Turmschaft über, der sich an der Vorder- und Rückseite mit je einem Zwillingsfenster und an den Seitenflächen jeweils in einem einzigen Rundfenster offnet. Der Turmschaft schließt mit einem verkröpften Gesims. Der verschieferte Turmhelm darüber zieht sich zunächst ein, bildet dann eine kissenartige Zwiebelform, geht dann in eine quadratische Laterne über und endet in einer Zwiebelform. Links und rechts des Turmes befinden sich zwei halbrunde Anbauten, die in die Seitenschiffe des Langhauses übergehen.
Der Haustadter Hauptturm ist eine Reprise der architektonischen Formen des Turmes der Offenbacher Marienkirche, die Architekt Ludwig Becker in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg errichtet hatte. Ebenso hatte Becker das Motiv der Welschen Turmhaube mit Flankentürmen bereits in der Vorkriegszeit beim Bau der Hülzweiler Laurentiuskirche zur Anwendung gebracht. Eine ähnliche Konstellation wie in Haustadt mit zentralem Fassadenturm, flankierenden Treppentürmchen sowie drei geschweiften Hauben wies auch die von Jan Bouman gestaltete Fassade der Marienkirche in Fürstenwalde aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf, die allerdings aktuell durch Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg verändert ist.Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmäler, Eine Dokumentation der Schäden und Totalverluste auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik, Band 1: Berlin, Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Potsdam, Frankfurt/Oder, Cottbus, Magdeburg, Berlin 1980, S. 185.