Bivalirudin (Handelsname Angiox) ist ein verschreibungspflichtiger Arzneistoff aus der Gruppe der Antikoagulanzien. Er wird eingesetzt, um Blutgerinnsel bei Erwachsenen zu verhindern, die sich einer perkutanen Koronarintervention (PCI), wie Ballondilatation, Atherektomie und Stentimplantation unterziehen.European public assessment report (EPAR) for Angiox - Bivalirudin (engl.), Website der europäischen Gesundheitsbehörde (EMA), abgerufen am 24. März 2014.Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit (deutsch), Website der europäischen Gesundheitsbehörde (EMA), abgerufen am 24. März 2014 (PDF; 80 kB) Chemisch gesehen handelt es sich bei Bivalirudin um ein Peptid aus 20 Aminosäuren. Es ist ein synthetisches Analogon zu dem aus Blutegeln gewonnenen Hirudin.

Klinische Angaben Anwendungsgebiete Bivalirudin wird angewendet, um Blutgerinnsel bei Erwachsenen zu verhindern. Und zwar bei solchen Patienten, die sich einer perkutanen Koronarintervention (PCI) unterziehen. Bei diesem nichtchirurgischen Verfahren werden die Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen, von einem Verschluss befreit. Die Anwendung schließt Patienten mit Myokardinfarkt (Herzinfarkt) mit „ST-Hebung“ (STEMI, einem anomalen Messwert beim Elektrokardiogramm bzw. EKG) ein. Bivalirudin wird darüber hinaus bei Erwachsenen mit instabiler Angina (Schmerzen unterschiedlicher Stärke im Brustkorb) oder Myokardinfarkt ohne ST-Hebung (NSTEMI) angewendet, die sich einer Behandlung wie einer PCI oder einer Bypassoperation unterziehen müssen oder andere Arzneimittel einnehmen. Bivalirudin wird zusammen mit ASS und Clopidogrel (andere Arzneimittel zur Verhinderung von Blutgerinnseln) angewendet.

Im Hinblick auf PCI wurde Bivalirudin bei insgesamt fast 10.000 Erwachsenen mit einem anderen Typ von Antikoagulans, einem Heparin, verglichen. Heparin wurde in Kombination mit einem Glykoprotein-IIb/IIIa-Inhibitor (GPI, ein anderes Arzneimittel zur Verhinderung von Blutgerinnseln) verglichen, und einige Patienten, die Bivalirudin erhielten, bekamen gegebenenfalls auch ein GPI. Knapp 4.000 dieser Patienten mussten sich einer PCI zur Behandlung eines Myokardinfarkts mit ST-Hebung unterziehen. Bei Patienten mit instabiler Angina oder Myokardinfarkt ohne ST-Hebung, die auf eine Weiterbehandlung warteten, nahmen an der Hauptstudie knapp 14.000 Erwachsene teil, bei denen Angiox – allein oder zusammen mit einem GPI – mit der Kombination aus Heparin und einem GPI verglichen wurde. In allen drei Studien erhielten die Patienten zusätzliche Arzneimittel zur Verhinderung von Blutgerinnseln wie Aspirin und Clopidogrel. Hauptindikator für die Wirksamkeit war die Verringerung der Anzahl der Patienten, bei denen bis Tag 30 ein „ischämisches Ereignis“ (ein Problem durch verminderten Blutfluss), einschließlich Tod, auftrat, die einen Herzanfall hatten, die dringende Revaskularisation (Wiederherstellung des Blutflusses zum Herzen) benötigten oder die einen Schlaganfall erlitten. Darüber hinaus wurde bei den Studien die Zahl der Patienten untersucht, bei denen schwere Blutungen auftraten.Analysis of EUROMAX and HORIZONS-AMI Trials of The Medicines Company's Angiomax® (Bivalirudin) Presented at ACC.14 PM von MDCO vom 30. März 2014, abgerufen am 1. April 2014.

Bivalirudin sollte von einem Arzt mit Erfahrungen in der koronaren Akutbehandlung oder auf dem Gebiet der perkutanen Koronarintervention angewendet werden.Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (= Angiox Fachinformation), Stand 2014. Abgerufen am 28. November 2025.

Gegenanzeigen Angiox ist kontraindiziert bei Patienten mit: bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil oder gegen Hirudine aktiven Blutungen oder erhöhtem Blutungsrisiko aufgrund einer Störung des Hämostasesystems und/oder irreversiblen Gerinnungsstörungen. schwerer unkontrollierter Hypertonie und subakuter bakterieller Endokarditis. schwerer Nierenschädigung (GFR < 30 ml/min) und bei dialysepflichtigen Patienten

Angiox ist nicht für die intramuskuläre Anwendung vorgesehen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten Untersuchungen zu Wechselwirkungen wurden mit Thrombozytenaggregationshemmern einschließlich Acetylsalicylsäure, Ticlopidin, Clopidogrel, Abciximab, Eptifibatid und Tirofiban durchgeführt. Die Ergebnisse weisen auf keine pharmakodynamischen Wechselwirkungen mit diesen Arzneimitteln hin. Zu beachten ist ein erhöhtes Blutungsrisiko bei der Kombination gerinnungshemmender Medikamente.

Unerwünschte Wirkungen Sehr häufig (≥ 10 %): Leichte Blutungen an einer beliebigen Stelle; Häufig (1/100 bis 1/10): Verringerter Hämoglobinwert, Blutung an der Zugangsstelle, Hämatom an der Gefäßpunktionsstelle, Ekchymose, schwere Blutungen an einer beliebigen Stelle, einschließlich Berichte mit tödlichem Ausgang.

Wirkungsmechanismus Die Bildung von Blutgerinnseln kann problematisch sein, wenn sie in den Blutgefäßen auftritt und dadurch die Blutzufuhr zu lebenswichtigen Organen wie dem Herzen und dem Gehirn behindert wird. Angiox ist ein Antikoagulans, d. h., es verhindert die Gerinnung des Blutes. Bivalirudin ist eine synthetische Substanz, die ursprünglich aus Hirudin gewonnen wird, der gerinnungshemmenden Substanz, die von Blutegeln gebildet wird. Es blockiert speziell das Thrombin, eine der Substanzen, die am Gerinnungsprozess beteiligt sind. Thrombin spielt im Blutgerinnungsprozess eine zentrale Rolle. Durch die Anwendung von Bivalirudin wird das Risiko einer Blutgerinnselbildung erheblich verringert. Dies kann wiederum die Wirksamkeit der PCI erhöhen und bei Patienten mit Angina oder Myokardinfarkt zur Aufrechterhaltung des Blutflusses zum Herzen beitragen.

Sonstiges Das aus 20 Aminosäuren aufgebaute Bivalirudin enthält diejenigen Aminosäurensequenzen des Hirudins, welche sowohl mit dem katalytischen Zentrum als auch der Anionenbindungsregion von Thrombin interagieren.Theodore E. Warkentin: Bivalent direct thrombin inhibitors: hirudin and bivalirudin. In: Best Practice & Research Clinical Haematology. 2004, Band 17, Nummer 1, S. 105–125. . Vergleich der Aminosäuresequenzen (Einbuchstaben-Code, Übereinstimmung in blau): ........10 ........20 ........30 ........40 ........50 ........60 ...65 Hirudin: VVYTDCTESG QNLCLCEGSN VCGQGNKCIL GSDGEKNQCV TGEGTPKPQS HNDGDFEEIP EEYLQ Bivalirudin: FPRPGG GGNGDFEEIP EEYL

Pharmazeutisch verwendet wird das Peptid in Form seines Trifluoressigsäuresalzes, dem Bivalirudintriflutat.

Studien ACUITY: HORIZONS-AMI-1: HORIZONS-AMI-3: ISAR-REACT-4: Euromax:

Handelsnamen Angiox, The Medicines Company (in der EU, Russland und Schweiz), Generika Angiomax (in Argentinien, Australien, Canada, Chile, Indien, Israel, Neuseeland, Peru, USA und Venezuela)

Literatur Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie: Perkutane Koronarinterventionen (PCI)

Weblinks Bivalirudin – Erster ‚Ersatz‘ für Heparin an der Herz-Lungen-Maschine!?, Website des Deutschen Herzzentrums Berlin

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Antikoagulans Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Peptid Kategorie:Phenylethylamin Kategorie:Pyrrolidin Kategorie:Guanidin Kategorie:Carbonsäure Kategorie:Hydroxyphenylethylamin