mini|Yael Ronen, Oktober 2014 Yael Ronen () [] (geboren 16. September 1976 in Jerusalem) ist eine israelisch-österreichische Theaterregisseurin und Dramatikerin.
Seit der Spielzeit 2013/2014 ist sie Hausregisseurin am Maxim-Gorki-Theater in Berlin,Yael Ronen: Kunst passiert. In: chrismon, 02/2015, S. 40–41. arbeitete aber auch für das Schauspielhaus Graz, seit der Spielzeit 2015/2016 für das Volkstheater Wien und in der Spielzeit 2016/2017 für die Münchner Kammerspiele unter der Intendanz von Matthias Lilienthal.Christine Dössel: Hallo, Hybrid. Der Stadttheater-Schreck Matthias Lilienthal übernimmt die Münchner Kammerspiele. Und wie! In: Süddeutsche Zeitung. 8. Mai 2015, S. 21. 2013 erhielt sie den Nestroy-Theaterpreis, 2017 den Europäischen Theaterpreis. Mehrere ihrer Stücke wurden zum renommierten Berliner Theatertreffen und zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen.
Leben und beruflicher Werdegang Yael Ronen ist familiär vom Theater geprägt: Ihre Mutter Rachel Hafler ist Schauspielerin, ihr Vater Ilan Ronen, abgerufen am 5. August 2014. seit 2004 Intendant des Israelischen Nationaltheaters Habimah in Tel Aviv, ihr jüngerer Bruder Michael Ronen ist ebenfalls Regisseur.
Während ihres zweijährigen Militärdienstes in Israel war sie KulturkorrespondentinDirk Pilz: Der Himmel bröckelt. Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Verweigerung: Yael Ronen inszeniert ihre Fassung der Antigone am Staatsschauspiel Dresden. In: Kilian Engels, C. Bernd Sucher (Hrsg.): Politische und mögliche Welten. Regisseure von morgen. Henschel, Berlin 2008, ISBN 978-3-89487-613-5, S. 59. Danach studierte sie am Studio HB in New York City Szenisches Schreiben und Schauspiel, am Seminar Hakibbutzim College of Education in Tel Aviv drei Jahre lang Regie.Kilian Engels, C. Bernd Sucher (Hrsg.): Politische und mögliche Welten. Regisseure von morgen. Henschel, Berlin 2008, ISBN 978-3-89487-613-5, S. 110 Sie begann ihre Arbeit als Regieassistentin ihres Vaters. Seit 2002 schreibt sie Stücke und inszenierte sie in Israel und zunehmend auch im Ausland. In Deutschland wurde sie mit dem Stück Plonter bekannt.
Sie lebt in Berlin und hat bisher in Israel, im deutschsprachigen Raum,Mitteilung des Gorki-Theaters zu Yael Ronen, abgerufen am 5. August 2014. aber auch in anderen europäischen Ländern inszeniert. Sie war bis 2015 mit dem Schauspieler Yousef Sweid verheiratet und hat mit ihm einen Sohn.
Von 2015 bis 2023 war Ronen Hausregisseurin am Maxim Gorki Theater in Berlin und arbeitet seit 2024 wieder als freie Regisseurin. Sie inszeniert unter anderem an der Schaubühne am Lehniner Platz. 2025 feierte ihr erstes Stück am Schauspiel Köln seine Uraufführung.
Künstlerisches Arbeiten Arbeitsweise In einem Teil von Yael Ronens Arbeiten ist der Text für die Schauspieler nicht vorgegeben, sondern er entsteht in einem Gruppenprozess.Georg Kasch: Yael Roden fühlt sich in Neukölln an die Heimat erinnert. In: Berliner Morgenpost, 14. März 2014; abgerufen am 5. August 2014 So stammt etwa das Material für die Szenen von Dritte Generation aus Beobachtungen, die die Mitglieder des Ensembles auf der Straße, im Bus oder in Geschäften gemacht haben und aus den Gesprächen, die sie miteinander geführt haben.Christina Haberlik: Regie-Frauen: Ein Männerberuf in Frauenhand. Hrsg.: Deutsches Theatermuseum, München. Leipzig, Henschel 2010, ISBN 978-3-89487-663-0, S. 174 In Ronens Bühnentexte fließen die Lebensgeschichten der Schauspieler und Schauspielerinnen ein, die Stücke sind eine Kombination aus Realität und Fiktion.
Meist sind die Texte erst kurz vor der Premiere fertig, die Sprache ist „schnörkellos und alltagstauglich“.
mini|Orit Nahmias, September 2012 Die Schauspielerin Orit Nahmias war bisher in nahezu allen Produktionen von Yael Ronen am Maxim-Gorki-Theater vertreten und wird als Alter Ego der Regisseurin gesehen. Yael Ronen besetzt die Rollen in ihren Stücken teilweise auch „gegen den Herkunftsstrich“: So spielte Orit Nahmias mit blonder Gretchen-Flechtfrisur die polnische Nicht-Jüdin Yadwiga.Barbara Burckhardt: Die Liebe ist ein seltsames Spiel. am Berliner Maxim Gorki Theater unterscheidet Yael Ronen mit Isaac Singers Roman 'Feinde – die Geschichte einer Liebe' sehr klar zwischen Mann und Frau, während Marianna Salzmann in 'Meteoriten' die Verwirrungen der Geschlechteridentitäten in die Normalität überführt. In: Theater heute. Nr. 6, Juni 2016, S. 27.
Ronen schrieb auch Stücke mit Dimitrij Schaad, Orit Nahmias und anderen.
Themen Yael Ronens Stücke haben meist einen aktuellen Hintergrund. Sie widmen sich komplexen, konfliktreichen Themen wie dem Verhältnis von jungen Israelis, Palästinensern und Deutschen oder Menschen, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen. Positionen werden aufgezeigt, aber keine vereinfachenden Lösungen präsentiert.Anne Peter: Euer Krieg ist viel zu chaotisch. Kritik auf nachtkritik.de, 14. März 2014; abgerufen am 5. August 2014. Auch wenn es kein Happy End gibt, liegt Hoffnung auf Verständigung in ihren Theaterprojekten.Christina Haberlik: Regie-Frauen: Ein Männerberuf in Frauenhand. Hrsg.: Deutsches Theatermuseum, München. Henschel, Leipzig 2010, ISBN 978-3-89487-663-0, S. 176 Yael Ronen ist eine der wenigen Regisseurinnen, die mit israelischen und palästinensischen Schauspielern arbeitet, oft auch mit multinationalen Gruppen.
Paarbeziehungen und Geschlechterrollen spielen in den meisten Stücken von Yael Ronen eine große Rolle. Dies lässt sich an den selbst erarbeiteten Stücken zeigen, etwa an Erotic Crisis, aber auch an Stücken nach literarischen Vorlagen wie etwa Feinde – die Geschichte einer Liebe (2016) nach dem Roman von Isaac Bashevis Singer. In der Inszenierung legt Ronen den Schwerpunkt auf das „Beziehungschaos“ und treibt das Singersche Frauenbild „kulturübergreifend und boulevard-spritzig ins Klischee: Was wären Männer ohne Frauen!“Barbara Burckhardt: Die Liebe ist ein seltsames Spiel. am Berliner Maxim Gorki Theater unterscheidet Yael Ronen mit Isaac Singers Roman 'Feinde – die Geschichte einer Liebe' sehr klar zwischen Mann und Frau, während Marianna Salzmann in 'Meteoriten' die Verwirrungen der Geschlechteridentitäten in die Normalität überführt. In: Theater heute. Nr. 6, Juni 2016, S. 26–28.
Umsetzung in eigenen Inszenierungen Humor und Emotionen spielen in ihren Inszenierungen eine große Rolle.
Es komme, so Stefan Hilpold in Theater heute, auf jedes „Quäntchen Moral (…) eine große Portion Witz, auf jede Banalität eine überraschende Volte.“ Seit ihrem Stück Third Generation/Dritte Generation aus dem Jahr 2008 ist das Prinzip dieser Regisseurin: „Yael Ronen geht dahin, wo es wehtut. Und macht darüber Witze. Der Holocaust ist dabei auf die eine oder andere Weise immer präsent.“Mounia Meiborg: Überleben im Dauerprovisorium. Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Yael Ronen macht am Berliner Gorki Theater aus Isaac B. Singers Roman „Feinde – die Geschichte einer Liebe“ eine brave Boulevardkomödie vor Holocaust-Hintergrund. In: Süddeutsche Zeitung, 15. März 2016, S. 12. Die Schauspieler setzt sie auch „gegen den Herkunftsstrich“ ein. So spielte die Israelin Orit Nahmias 2016 in Feinde – die Geschichte einer Liebe mit blonder Gretchen-Flechtfrisur die polnische Nicht-Jüdin Yadwiga.
Für Yael Ronens Theaterstil, der feinsinnige, aktuelle Themenlagen aufgreift, wurde bereits ein eigener Gattungsname vorgeschlagen.Stefan Hilpold: Gute Unterhaltung. In Wien beschäftigt sich Herbert Fritsch mit Molière, Yael Ronen mit der Flüchtlingskrise und Antú Nunes mit Joseph Roth. In: Theater heute, Nr. 2, Februar 2016, S. 22–25. Die Dramaturgin Irina Szodruch charakterisierte Ronens Technik so: „Die Schauspieler werden zu Figuren, das Erlebte wird zu einer Szene – es ist überspitzt, kombiniert mit anderen Teilen ihres Lebens oder der Biografie von jemand anderem, erweitert, verändert, gepaart mit Yael Ronens Fantasie.“ Die Regisseurin gilt als „schneller Brüter des Theaters“. Ihre Stücke wurden 2017 in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung als „das Originellste“ bezeichnet, „das man derzeit an deutschen Stadttheatern sehen kann.“Verena Mayer: Hip, aber herzlich. In Berlin blüht die israelische Restaurant-Szene. Die neuen Lokale sind vor allem so beliebt, weil sie Essen und Feiern auf entspannte Art zu verbinden wissen. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 47, 25./26. Februar 2017, S. 64.
Exil Ensemble am Gorki Theater Yael Ronen inszenierte ein Stück an dem vom Ayham Majid Agha geleiteten auf zwei Jahre angelegten, von der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin je zur Hälfte geförderten Modellprojekt Exil Ensemble am Maxim Gorki Theater in Berlin. Es soll Wege erarbeiten, um geflüchtete Künstler dauerhaft in die deutschen Ensembles zu integrieren. Eine Gruppe aus sieben Schauspielern und Performern, die aus Afghanistan, Syrien und Palästina geflüchtet sind, hat zwei Jahre lang, bis Herbst 2018, Festanstellungen in Vollzeit am Maxim Gorki Theater. Dieses Ensemble soll in jeder Spielzeit zwei eigene Produktionen entwickeln und sich ganz generell auf die Arbeit an deutschen Bühnen vorbereiten. Im April 2017 präsentierte das Exil Ensemble am Maxim Gorki Theater seine erste Uraufführung, das Deutschlandprojekt Winterreise.
Werke (Auswahl) Plonter (2005) In diesem Stück weigert sich ein Wehrpflichtiger der israelischen Armee, seinen Dienst anzutreten. Plonter bedeutet Verworren, Wirrwarr, Verstrickung. Klischees werden aufgebrochen: Im ersten Bild besucht ein palästinensisches Ehepaar eine jüdische Familie. Geplant war diese Einladung als Geste der Völkerverständigung. Doch weil die Gäste sich dem Opfer-Klischee der Gastgeberin so gar nicht anpassen wollen, kann es kein Happy End geben. Wie viele andere Stücke beruht auch dieses auf Erfahrungen, die Yael Ronen in ihrem eigenen Umfeld gemacht hat.Gerd Brendel: Der Nahost-Konflikt als Bühnenstoff. Die Theaterautorin Yael Ronen aus Israel. Deutschlandradio Kultur, 5. April 2007; abgerufen am 5. August 2014. Erstmals hat sie hier ein Stück mit einer Gruppe von Schauspielerinnen und Schauspielern aus verschiedenen Nationen gemeinsam erarbeitet.
Antigone (2007) In Yael Ronens BearbeitungYael Ronen: Antigone nach Sophokles. In: Kilian Engels, C. Bernd Sucher (Hrsg.): Politische und mögliche Welten. Regisseure von morgen. Henschel, Berlin 2008, ISBN 978-3-89487-613-5, S. 122–145 des Sophokles-Stoffes ist, anders als im Original, die Katastrophe bereits geschehen, als das Stück beginnt. Sie liegt also außerhalb des Ästhetischen.Dirk Pilz: Der Himmel bröckelt. Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Verweigerung: Yael Ronen inszeniert ihre Fassung der Antigone am Staatsschauspiel Dresden. In: Kilian Engels, C. Bernd Sucher (Hrsg.): Politische und mögliche Welten. Regisseure von morgen. Henschel, Berlin 2008, ISBN 978-3-89487-613-5, S. 54 Schon die Eingangsthese des Stücks (die von Sophokles stammt)
zeigt, dass dieser Text die Grundsubstanz des Menschen zum Thema hat. Zwar glaubt Antigones Bruder Haimon, in seiner Schwester eine Komplizin gegen das von Vater Kreon verkörperte Reich des Staats gefunden zu haben. Er wird als Selbstmordattentäter enden. Sie aber will „nicht den Staat ändern, sie entzieht ihm den Glauben.“Dirk Pilz: Der Himmel bröckelt. Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Verweigerung: Yael Ronen inszeniert ihre Fassung der Antigone am Staatsschauspiel Dresden. In: Kilian Engels, C. Bernd Sucher (Hrsg.): Politische und mögliche Welten. Regisseure von morgen. Henschel, Berlin 2008, ISBN 978-3-89487-613-5, S. 57 Sophokles’ Götter gibt es in diesem Stück nicht mehr.
Third Generation/Dritte Generation (2008) Basis ist die Geschichte einer deutschen, einer israelischen und einer palästinensischen Familie zwischen Berlin und Jaffa in den Jahren 1939 bis 1949. Zwei Generationen später treffen sie erneut aufeinander und setzen sich mit Erinnerung, Schuld und den Rollen von Tätern und Opfern auseinander, mit einem hohen Maß an Selbstironie.