mini|Hans Lanser-Ludolff um 1920 Hans Lanser-Ludolff bzw. Hans Ludolff (eigentlich August Wilhelm Lanser; * 19. Juni 1860 in Bonn; † 19. Januar 1934 in München) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler sowie Theaterregisseur und Schriftsteller, der in einer Reihe bedeutender deutscher Produktionen der Stummfilmzeit mitwirkte.
Leben und Wirken Der Sohn des Kaufmanns Peter Lanser und dessen Frau Catharina, geb. Ruland,Transkriptionen von Geburten und Taufen aus Deutschland, 1558–1898 (online auf FamilySearch, anmeldepflichtig). besuchte in seiner Heimatstadt das Königliche Gymnasium und übernahm nach dem Tod seines Vaters dessen Wachswarenfabrik J. H. Lanser. 1903 verkaufte er die Firma und ging als Schauspieler ans Weimarer Hoftheater.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend. Nr. 4820, 31. Juli 1903, S. 7 (online beim Deutschen Zeitungsportal). In der Folgesaison wechselte er ans Königliche Hoftheater Wiesbaden und nahm den Künstlernamen Hans Ludolff an.General-Anzeiger für Bonn und Umgegend. Nr. 5068, 11. April 1904, S. 7 (online beim Deutschen Zeitungsportal). Ab 1905 wirkte er am Deutschen Theater Berlin, ehe er sich krankheitshalber für einige Zeit in die rheinische Kurstadt Honnef zurückzog. In der Sommerspielzeit 1908 trat der Künstler am Kölner Residenztheater unter Ernst Wehlau auf. Im September desselben Jahres schiffte er sich nach New York ein,National Archives and Records Administration (NARA), New York Passagier- und Besatzungslisten 1820–1957 (Mikrofilm T715), Ankunftsdatum 12. September 1908, Nr. 4 (online). wo er in der Wintersaison in Produktionen des New German Theatre auftrat, so in der Rolle des Jean in Pierre Wolffs Ehekomödie Das große GeheimnisThe New York Dramatic Mirror. 14. November 1908, S. 3 (PDF; 987 KB). und in der Tragödie Die Hochzeit von Valeni von Ludwig Ganghofer und Marco Brociner.The New York Times. 21. November 1908, S. 5 ().
Nach seiner Rückkehr nach Europa gehörte er zum Lotti-Sarrow-Ensemble, das von 1909 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit Mimodramen Stefan Vacanos in den Großstädten Europas gastierte. In diesem Zusammenhang fungierte Lanser-Ludolff sowohl als stellvertretender Direktor der mit eigener Dekoration und Ausstattung auftretenden Wanderbühne als auch als Oberspielleiter und Darsteller des Vier-Personen-Stücks Die Ehebrecherin, in dem neben ihm noch der Autor Vacano, Kurt Wolfgang und die Namensgeberin des Ensembles Lotti Sarrow spielten.Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger (Hrsg.): Neuer Theater-Almanach. Band 21. F. A. Günther & Sohn, Berlin 1910, S. 515 (). 1914 verzeichnete die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger Lanser-Ludolff als Schauspieler und Regisseur in der Rubrik der gastierenden Künstler.Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger (Hrsg.): Neuer Theater-Almanach. Band 25. F. A. Günther & Sohn, Berlin 1914, S. 226 (). Lanser-Ludolff betätigte sich auch schriftstellerisch und verfasste beispielsweise das Bühnenwerk St. Columbanika 1412.Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger (Hrsg.): Neuer Theater-Almanach. Band 25. F. A. Günther & Sohn, Berlin 1914, S. 107 ().
1914 trat der Schauspieler in zwei Stummfilmen Urban Gads in Erscheinung, in denen Asta Nielsen die Hauptrolle spielte. Seine Filmauftritte zeigten ihn von Beginn an in Altersrollen, so 1916 etwa als blinden Vater in Wenn Menschen reif zur Liebe werden. Mehrfach arbeitete er mit den Regisseuren Erich Eriksen und Emil Justitz zusammen, u. a. für den frühen Hans-Albers-Film Falschspieler (1920). Des Weiteren war Lanser-Ludolff in Filmen von Georg Alexander, Fern Andra, Carl Boese, Joseph Delmont, Franz Hofer, Ottmar Ostermayr, Jaap Speyer und Franz Seitz senior zu sehen. Seine bekannteste Rolle war der Insasse der Irrenanstalt in der Rahmenhandlung von Robert Wienes expressionistischem Horror-Klassiker Das Cabinet des Dr. Caligari (1920), dem Friedrich Fehér in der Rolle des Franzis auf einer Gartenbank sitzend die eigentliche Filmhandlung erzählt. Jahrzehntelang war jedoch unbekannt, dass es sich hierbei um Lanser-Ludolff handelt. Im selben Jahr hatte Lanser-Ludolff auch einen Auftritt im F.-W.-Murnau-Film Der Januskopf, der jedoch als verschollen gilt. An Fritz Langs Frühwerk Die Spinnen (1919) hatte er, wenn auch wie im Fall Caligari ohne Namensnennung, ein Jahr zuvor ebenfalls als Darsteller mitgewirkt. Seine letzte bekannte Mitwirkung im Film war 1923 in Dr. Sacrobosco, der große Unheimliche nach einem Drehbuch von Gustav Meyrink unter der Regie von Josef Firmans.
Gegen Mitte der 1920er-Jahre setzte sich Hans Lanser-Ludolff, nun in München wohnhaft, zur Ruhe. Gelegentlich war er noch als Rezitator im Rundfunk zu hören.Vgl. Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 16, 17. Januar 1925, S. 20 (online beim MDZ). Er starb 1934 an einem Herzleiden.Stadtarchiv München, Sterberegister Standesamt München I, Nr. 184/1934 (vgl. Namensverzeichnis zum Sterberegister 1934; PDF; 99 MB).
Filmografie 1914: Das Kind ruft 1914: Zapatas Bande 1916: Wenn Menschen reif zur Liebe werden 1916: Wer wirft den ersten Stein auf sie? 1916: Homunculus, 3. Teil: Die Liebeskomödie des Homunculus 1916: Hoffmanns Erzählungen 1917: Der Theaterprinz 1917: Der Seele Saiten schwingen nicht 1918: Wenn Frauen lieben und hassen 1919: Die Spinnen, 1. Teil 1919: Der Skandal im Viktoria-Club 1919: Der Bastard 1919: Johannistraum 1920: Der Mann auf der Flasche 1920: Hexengold 1920: Das Cabinet des Dr. Caligari 1920: Der Januskopf 1920: Das große Geheimnis 1920: Falschspieler 1920: Das rote Plakat 1921: Der Schatten der Gaby Leed 1922: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens 1922: Der schwarze Harlekin 1923: Dr. Sacrobosco, der große Unheimliche
Literatur Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger (Hrsg.): Neuer Theater-Almanach. F. A. Günther & Sohn, Berlin 1904 ff. Victor Neuenberg (Hrsg.): Film-Magazin. Reinhold Kühn, Berlin 1920, , S. 121.
Weblinks
; dort fälschlich als „Hans Lanser-Rudolf“ geführt ; dort fälschlich als „Hans Lanser-Rudolff“ geführt
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Autor Kategorie:Pseudonym Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1860 Kategorie:Gestorben 1934 Kategorie:Mann