Theresienhof ist ein Wohnplatz des Thermalsole- und Moorheilbads Bad Saarow im Brandenburger Landkreis Oder-Spree. Hervorgegangen aus einer Wassermühle am Ostufer des Scharmützelsees, wurde das landwirtschaftliche Anwesen unter dem Namen Theresienhof erstmals 1851 erwähnt. Zu den bekannten Privatbesitzern zählten die Schauspielerin Ernestine Wegner und die Zirkusfamilie Renz. Seit 1918 im Eigentum wechselnder Gesellschaften und Institutionen, wurde der Theresienhof seither als Erholungs- und Ferienheim oder Ausbildungsstätte genutzt. Im Jahr 2008 wurde das oft als Schloss bezeichnete Hauptgebäude abgerissen. Eine markante, 1911 errichtete Villa („Schwedenhaus“) blieb bestehen. Unter dem Namen Schlosspark Bad Saarow wurde auf dem Gelände des ehemaligen Hofs seit 2008 ein Feriendorf mit Ferienhäusern und -Wohnungen im skandinavischen Stil angelegt. mini|hochkant=1.3|Feriendorf „Schlosspark Bad Saarow“ am Scharmützelsee
Lage und Verkehrsanbindung Theresienhof liegt am Ostufer des Scharmützelsees, dem zweitgrößten natürlichen See Brandenburgs, zwischen dem Bad Saarower Wohnplatz Pieskow und der Gemeinde Diensdorf-Radlow. Oberhalb des Ortes führt die Landesstraße L 35 vorbei, die den Ort nach Süden in Glienicke an die Bundesstraße 246 und nach Norden über Bad Saarow-Mitte und den Ortsteil Petersdorf an die Anschlussstelle Fürstenwalde-West der Bundesautobahn 12 anbindet. Im Öffentlichen Nahverkehr vernetzt die Linie 430 der Busverkehr Oder-Spree (BOS) Theresienhof über Bad Saarow-Mitte mit Fürstenwalde sowie über Diensdorf-Radlow und Lindenberg mit Beeskow.Busverkehr Oder-Spree GmbH: Linie 430.
mini|Die Pieskower Mühle im Preußischen Urmesstischblatt von 1844
Der Ausbau des Radwegs am Seeufer wurde aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ERLER) gefördert. Rund 3 Kilometer weiter südlich in Radlow trifft der Weg auf den Oder-Spree-Dahme-Radweg (OSD). Der Weg gehört als Wanderweg zum Scharmützelsee-Rundweg, der in Bad Saarow-Mitte und bei Wendisch Rietz an die 66-Seen-Regionalparkroute rund um Berlin (Etappe 11) anschließt.Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.)
Geschichte Wassermühle Pieskow Der Theresienhof war ursprünglich ein landwirtschaftlich geprägtes Anwesen mit einer Wassermühle. In den heute noch vorhandenen Teichanlagen wurde das zum Betrieb erforderliche Wasser aufgestaut. Die Teiche wurden von einem kurzen Seezufluss gespeist. Das rund 3,5 Kilometer lange, namenlose Fließ ist auf dem nebenstehenden Ausschnitt der Preußischen Uraufnahme von 1844 im „Mühlen Thal“ oberhalb der Mühle („Pieskowsche M“) eingezeichnet.
Die Mühle bestand spätestens seit 1554. Für dieses Jahr ist Pieskow als Dorf und Mühle am Scharmützelsee angegeben. 1745 ist für Pieskow eine Wassermühle mit einem Gang dokumentiert. 1818 ist die Mühle mit einer Feuerstelle und mit fünf Personen verzeichnet. In der Topographisch-statistischen Uebersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a.O. von 1820 wurde die Anlage erstmals als „Pieskower Mühle“ erwähnt.Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IX: … .
Namengebung Theresienhof In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts muss das Mühlenanwesen zu einem landwirtschaftlichen Hof um- oder ausgebaut worden sein. Denn 1858 ist der Komplex in der Landgemeinde Pieskow als Ackergehöft mit einem Wohn- und drei Wirtschaftsgebäuden, in denen sieben Personen ansässig waren, verzeichnet. Erstmals als Theresienhof wurde das „Etablissement“ kurz zuvor im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin (Regierungsbezirk Potsdam) von 1851 benannt:Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Jahrgang 1851. Potsdam, 1851, S. 37. (siehe unter: Vermischte Nachrichten).
mini|zentriert|hochkant=3.5|Benennung als Theresienhof im Amtsblatt 1851
Das Brandenburgische Namenbuch führt den Namen ohne Angabe einer QuelleDie im zitierten Abschnitt genannte Quelle Brockhaus 15,624 bezieht sich auf: Der Große Brockhaus, 1–21, Leipzig 1928–1935, also auf Band 15, S. 624. Dort findet sich lediglich ein Beitrag zu Renz, Ernst Jakob, ohne jede Erwähnung von Therese Renz oder des Theresienhofs. Damit belegt die Quelle nur die biographische Angabe zu Ernst Jakob Renz. Die Kernaussage des Abschnitts, der Theresienhof sei nach Therese Renz benannt worden, bleibt unbelegt, was für das Brandenburgische Namenbuch eher ungewöhnlich ist. auf die in den 1930er Jahren sehr bekannte Zirkus- und Kunstreiterinfriedparks.de: Gedächtnisstätte Therese Renz auf dem Alten Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde in Berlin. Therese Renz zurück:
Nach jüngeren, 2009 veröffentlichten Recherchen des Kommunalpolitikers Martin Kramberg ist diese Zuordnung nicht haltbar. Zwar habe ein Sohn von Ernst Jakob Renz, Adolf Renz, den Theresienhof tatsächlich kurzzeitig besessen, aber erst 1899. Zudem sei Therese Renz am 10. April 1859 geboren worden, sodass der Hof unmöglich bereits 1851 nach ihr benannt worden sein konnte. Ferner habe Therese Renz auch nie auf dem Theresienhof gewohnt und es sei zweifelhaft, ob sie jemals dort gewesen ist. Vollends in den Bereich der Legende gehöre die Kolportage,Diese Legende wurde auch in den 2000er Jahren noch kolportiert, beispielsweise in der Werbeschroschüre: Hrsg.: Schlosspark Theresienhof GmbH, Bad Saarow. Ohne Jahresangabe. Siehe Seite 5, Abschnitt Urlaub im Schlosspark Bad Saarow (PDF). der spätere Kaiser Friedrich III. habe das Gelände der damals sehr bekannten und beliebten Zirkusreiterin geschenkt und anstelle der dort ursprünglich befindlich gewesenen alten Mühle ein Schlösschen für sie errichtet. Die vermeintliche Namensgeberin Therese Renz, geb. Starck oder Stark (* 10. April. 1859; † 29. September 1938), war die Ehefrau von Robert Renz (* 7. November 1843), der ein Neffe des Zirkusgründers Ernst Jacob Renz war.
Nach gegenwärtigem Wissensstand ist die tatsächliche Namensgeberin des Theresienhofs – soweit es überhaupt eine direkte Namensgeberin gab – nicht bekannt. Nach den Recherchen Krambergs – denen auch der Förderverein „Kurort Bad Saarow“ e. V. in seinen Darstellungen folgtMartin Kramberg: Der Theresienhof. Eintrag für August in: Förderverein „Kurort Bad Saarow“ e. V.: . Fast gleichlautend auch ein Informationsschild des Fördervereins zum Theresienhof vor Ort (ohne Datum). – stellt sich die Entwicklung des Theresienhofs wie folgt dar:
Tusculum der Soubrette Ernestine Wegner Um 1875 verkaufte der letzte Eigentümer der Mühle, der Mühlenmeister Ferdinand August Gerlach, das Anwesen an den Fabrikbesitzer Johann Friedrich Modrach, der wahrscheinlich den ersten Ausbau des Hauptgebäudes zur herrschaftlichen Villa veranlasste. Modrach behielt das Anwesen nur für wenige Jahre. Anfang der 1880er Jahre diente der Theresienhof der Soubrette und Sängerin Ernestine Wegner als Rückzugsort. Die Künstlerin war unter ihrem Geburtsnamen Christine Kramer im Katasterbuchwerk des damaligen Kreises Beeskow-Storkow als Eigentümerin eingetragen (die Grundbücher dieser Zeit sind nicht mehr vorhanden). Als gesichert gilt, dass ein vermögender, bis heute unbekannter Verehrer Ernestine Wegner das Landgut geschenkt hatte. Nach Ernestines frühem Tod im November 1983 war Emilia Wegner geb. Kramer, wahrscheinlich eine jüngere Schwester, im Kataster als Besitzerin vermerkt. Wie aus einem Brief hervorgeht, wohnte auf dem Anwesen zumindest 1890 auch der Stiefvater, der Sänger Adolf Wegner, von dem Ernestine ihren ersten künstlerischen Unterricht bekommen hatte.
Um 1892 erwarb der Kaufmann Oskar Klammroth den Theresienhof und verkaufte ihn bereits 1893 weiter an den Kaufmann Eugen Friedländer. Von Friedländer ging der Hof 1895 an den Restaurateur Adolf Zeitz.
Besitz der Zirkusfamilie Renz mini|Theresienhof, um 1900; Das in der Bildzeile genannte Pfaffendorf ist ein Teil von Rietz-Neuendorf.
Von Zeitz kam der Theresienhof 1899 an Adolf Renz (1851–1927), der ihn bis 1902 behielt. Adolf Renz hatte den Circus Renz, den sein Bruder Franz noch bis zur Betriebsaufgabe 1897 führte, verlassen, nachdem der Vater Ernst Jacob Renz sein Erbe im Wert von 16 Millionen Mark bis auf kleine Legate zu gleichen Teilen unter allen fünf Kindern beziehungsweise deren Nachkommen gerecht aufgeteilt hatte. Als Ruheständler ging er zunächst mit seiner Familie auf Reisen, bis er mit einem Teil seines Erbes den Theresienhof erwarb. Aus den bislang unveröffentlichten Lebenserinnerungen seiner Tochter Alice Renz, später verheiratete Alice Weiß (* 3. Oktober 1876; † 20. September 1956), geht hervor, dass das Anwesen 1899 eine Fläche von 36 Morgen umfasste, davon 18 Morgen Ackerfläche am See. Auf den Äckern seien Roggen und Kartoffeln angebaut worden. Am Strand habe ein fahrbares Badehaus und ein Schuppen für die Pferde gelegen. Die einfache aber nette Villa sei mit sieben Zimmern und zwei Mädchenkammern ausgestattet gewesen. Neben dem Haus hätten sich Teiche mit zahlreichen Goldfischen befunden. Eine kleine Brücke mit Glocke habe es gegeben und wenn man läutete, sei alles Getier in Scharen zur Fütterung angeschwommen. Zudem seien ein großer Gemüse- und ein Obstgarten mit Treibhaus vorhanden gewesen.
Nach ihrer Verlobung mit dem Rittergutsbesitzer Erich Weiß aus Schönwalde bei Schönau, Kreis Schlochau, im April 1901 versuchte Alice Renz vergeblich, ihren zukünftigen Mann zu überreden, das benachbarte Gut Radlow zu kaufen, und zog stattdessen mit ihm nach Westpreußen. Sehr wahrscheinlich aufgrund des Wegzugs der Tochter verkaufte Adolf Renz den Theresienhof 1902 an August Schultze.
Der Porzellanfabrikant Schomburg auf dem Theresienhof mini|Das von Schomburg erbaute Schwedenhaus im Mai 1949
Bereits 1903 wechselte der Hof von August Schultze zu Max Schulemann, der ihn 1905 an Paul Rudolph Schomburg (* 3. August 1858; † 3. Mai 1912) weiterverkaufte. Zu der Legendenbildung um den Theresienhof gehört die Darstellung, der Hof sei auch einmal im Besitz des Bruders des Afrikaforschers Hans Schomburgk gewesen, dabei handelt es sich jedoch um eine Verwechslung: Paul Rudolph Schomburg und seine Familie hatten mit der Familie Schomburgk keinerlei Berührungspunkte. Vielmehr handelte es sich bei dem neuen Besitzer Paul Rudolph Schomburg um einen Sohn von Herrmann Schomburg (1833–1907) und einen Enkel von Carl Schomburg (1809–1867) gehandelt.