mini|Der Weiße Nil mit Nebenflüssen und Anrainerstaaten Der Weiße Nil ist einer der beiden Hauptquellflüsse des Nils. Er hat seine Quellen in den Bergen von Ruanda, Burundi und teils in Tansania. Er durchfließt nach dem Verlassen des Victoriasees Uganda und den Südsudan und vereinigt sich bei Khartum im Sudan mit dem Blauen Nil zum Nil.
Der Weiße Nil erhält sein Wasser aus den immerfeuchten Tropen Mittelafrikas und zu einem geringen Teil über den Sobat auch aus den wechselfeuchten Tropen Ostafrikas.
Der Weiße Nil hat gegenüber dem Blauen Nil ein mehr als fünfmal so großes Einzugsgebiet und mit rund 3800 Kilometern eine mehr als 2,5-fache Länge und wird deshalb trotz der im Sudan geringeren Wasserführung meistens als eigentlicher Nil angesehen. Sein Quellfluss oberhalb des Victoriasees ist fast 900 km lang, zwischen dem Victoriasee und Khartum hat er eine Länge von 2870 km.
„Caput Nili quaerere“ Caput Nili quaerere war in der Römerzeit ein Sprichwort für „etwas Sinnloses unternehmen“. Die Suche nach den Quellen des Nils ist eine geographische Unternehmung, die sich seit der ersten Diskussion um seine Quellen durch Herodot (Zitat: „Von den Quellen des Nils wollte keiner von den Ägyptern, Libyern oder Griechen, mit welchen ich davon gesprochen habe, etwas wissen …“) fast 2400 Jahre hinzog. Der altgriechische Dichter Aischylos spricht über „das vom Schnee genährte Ägypten“ und Aristoteles verortet die Quellen des Nils als ein „Geheimnis des Silberberges“ (eventuell Bezug auf einen vergletscherten Ruwenzori).
Namensgebung Streng genommen ist Weißer Nil nur der Name des Bahr al-Abiad ( Weißer Fluss) zwischen dem No-See im Sudd und der Vereinigung mit dem Blauen Nil bei Khartum. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Name jedoch den Fluss zwischen dem Victoriasee und Khartum und schließt häufig auch den bzw. die Quellflüsse oberhalb des Victoriasees ein.
Quellflüsse Der Weiße Nil entsteht aus den Quellflüssen des größten Victoriasee-Zuflusses, des Kagera (im Oberlauf auch Akagera), der seinerseits in den hoch gelegenen Hügelländern von Ruanda und Burundi aus zwei Quellflüssen gespeist wird. Man bezeichnet diese im Verlaufe verschiedene Namen führenden Quelläste nach der Lage ihrer Quellgebiete auch als: Burundischer Quellfluss (länger) Ruandischer Quellfluss (größer)
Burundischer Quellfluss: Luvironza-Ruvuvu Der Ruvuvu (auch Ruwubu, Ruwuwu oder Ruvusu) bildet mit dem Nebenfluss Luvironza den südlichsten und mit mindestens 400 km längsten Quellfluss des Kagera und damit des Nil; dessen Gesamtlänge wird über diesen Fließweg gemessen. Die Quelle des Ruvuvu liegt auf etwa 2240 m Höhe in einer Hochtalmulde der östlichen Randgebirge des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Der Luvironza entspringt etwa 45 km östlich des Tanganjikasees zwischen Bururi und Rutana. Ein erster bedeutender rechter Nebenbach übertrifft ihn etwas an Länge, so dass dessen Quelle als mündungsfernste Nilquelle gefasst und mit einem pyramidenförmigen Monument markiert ist.Die Erinnerungstafel an der Pyramide trägt folgende Inschrift:PYRAMI[DIS]ADCAPUT [IN] NILIUT SIGNUM INCIPIENTIS FLUMINIS PYRAMIDUM---ERECTA A.D. MDCCCCXXXVIIISUB PROTECTIONE PROCONSULIS JUNGERSET CUM AUXILIO PATRIS COLLE GERARDINQUEET MONTEYNE A DR. BURKHART WALDECKERIN MEMORIAM OMNIUM QUAERENTIUM CAPUT NILIERATOSTHENES PTOLEMAEUSSPEKE STANLEY KANDT ET ALII---SUNT NOMINA NILIKASUMO-MUKASENYI-KIGIRALUVIRONZA-RUVUBU-KAGERALAC VICTORIA-VICTORIA NILELAC KYOCA-MWITA NZIGE (LAC ALBERT)BAHR EWL GEBEL-KIR-BAHR EL ABIADNIL---CFL-GEOMINES-UMHK Nach Einmündung des Luvironza fließt der Ruvuvu im Wesentlichen nordostwärts und ist auf den letzten Kilometern schiffbar. Er mündet nach einem windungsreichen Verlauf, der von lang gestreckten Schichtkämmen und sumpfigen Schwemmlandebenen gesäumt wird, in den Kagera.
Ruandischer Quellfluss: Rukarara-Mwogo-Nyabarongo-Akagera Der Rukarara-Nyabarongo, im untersten Laufabschnitt bereits Akagera genannt, bildet den nördlicheren und kürzeren, jedoch etwas wasserreicheren Quellfluss des Kagera. Die Quelle des Oberlaufes, des Rukarara, wurde von Richard Kandt im Jahr 1898 im südlichen Ruanda gefunden (rund 185 km nördlicher als die des Burundischen Quellflusses). Diese ebenfalls als Source du Nil bekannte Quelle liegt auf der östlichen Grabenschulter des Ostafrikanischen Grabens in etwa 2700 Metern Höhe im Nyungwe-Wald, einem bedeutenden tropischen Bergwaldgebiet etwa 40 km südöstlich des Kiwusees. Der ostwärts fließende Rukarara mündet nach 50 km in den etwas kleineren, nach Norden fließenden Mwogo. Nach einer Talenge heißt der Fluss dann Nyabarongo (auch Njawarongo). Mit der Einmündung des großen, von Norden aus dem regenreichsten Teil des Kagera-Einzugsgebietes kommenden Mukungma wendet sich der Nyabarongo abrupt nach Osten. Der einstige Lauf weiter nordwärts war mit der Entstehung der Virunga-Vulkane versperrt, und das Flusssystem insgesamt wurde mit den sich hebenden Rändern des Ostafrikanischen Grabens sukzessive nach Osten ausgekippt. Der Nyabarongo umfließt später in geringer Entfernung Ruandas Hauptstadt Kigali. Ab dort ist er bedingt schiffbar, so wie auch der von Süden zufließende, 165 km lange Akanyaru (auch Akanjaru). Dem Nyabarongo folgt später die ruandische Grenze nach Burundi und Tansania hin. Der aufsedimentierende Fluss lässt in vielen Nebentälern Nischenseen entstehen. Der größte ist der ufernahe Rugwerosee (Lac Rweru); ab da führt der Fluss bereits den Namen Kagera (oder Akagera).
Kagera-Nil
Nur einen Kilometer unterhalb der Vereinigung der beiden Quellflüsse stürzt der Kagera in den Rusumo-Fällen (Chutes Rusumu) durch eine Felsenge und knickt markant nach Norden ab. Der nun über 230 km wieder schiffbare Grenzfluss durchfließt meist sumpfige Tal- und Beckenlandschaften und passiert den Akagera-Nationalpark. Am „Nordknie“ knickt der Flusslauf abermals spitzwinklig nach Osten ab. Im nördlichen Tansania nordostwärts fließend, erreicht er über zahlreiche Stromschnellen nach weiteren 290 km das Westufer des Victoriasees. Das Einzugsgebiet des Kagera (circa 60.000 km²) entwässert den größten Teil von Ruanda, die Hälfte des Staates Burundi, aber auch kleine Teile Nordwest-Tansanias. Früher wurde der Kagera oft nicht als Teil des Nil angesehen, trotz seiner Länge von insgesamt weit über 900 km und einer Wasserführung von über 230 m³/s.
Abschnitte des Weißen Nils Victoria-Nil, Kyoga-Nil und Albert-Nil Der Victoriasee hat sich erst vor etwa einer Million Jahren in der flachen Senke zwischen den zwei Hauptarmen des Ostafrikanischen Grabens gebildet. Während der trockenen kältesten Phasen der Eis-/Kaltzeiten konnte der See trockenfallen. Nach dem Ende der letzten Kaltzeit ist der See vor etwa 12.000 Jahren nach Norden hin übergelaufen und fand Kontakt mit dem Flusssystem des Weißen Nils.
Der den Victoriasee in Uganda nach Norden verlassende Victoria-Nil wird wenig unterhalb der einstigen Owen Falls und Ripon Falls durch den Owen-Falls-Damm so hoch aufgestaut, dass auch der Seespiegel des Viktoriasees etwas angehoben ist. Unterhalb der Bujagali-Stromschnellen passiert der Fluss den flachen Kyogasee, der einen durch tektonische Senkung überfluteten Talabschnitt darstellt. Als Kyoga-Nil überwindet er auf einer 85 km langen Gefällestrecke einschließlich der Karuma Falls und der Murchison Falls (auch Kabalega Falls, im Murchison Falls National Park gelegen) 350 Höhenmeter und erreicht dann in trägem Lauf den Albertsee. Von diesem nach dem Prinzgemahl der Königin Victoria von Großbritannien benannten See erhält der Nil im folgenden Abschnitt seinen Namenszusatz.
Bahr al-Dschabal Ab der Grenze zu Südsudan heißt der Flusslauf Bahr al-Dschabal (arabisch: Bergfluss; auch Bahr al-Jabal, Bahr el-Dschebel). Nach einer weiteren, an kleineren Stromschnellen reichen Gefällestrecke von rund 150 km Länge verlässt er bei der Stadt Juba das Hochland. Bei der Stadt Bur tritt er in das Sumpfgebiet des Sudd ein, das sich mehr als 300 km nach Norden erstreckt. Hier verdunsten 51 % des Nilwassers, wobei die Wasserführung von 1048 m³/s auf 510 m³/s abnimmt.
Bahr al-Abiad Kurz vor Verlassen des Sudd trifft der Bahr al-Dschabal mit dem von links kommenden, langen, aber wasserarmen Fluss Bahr al-Ghazāl (2 m³/s) im No-See zusammen und wird von dort an als Bahr al-Abiad (Weißer Nil) bezeichnet, der nun zunächst ostwärts weiterfließt. Bei der Stadt Malakal münden rechts der unvollendete Jonglei-Kanal und der kräftige, lehmfarbene Sobat (412 m³/s).Mamdouh Shahin: Hydrology and Water Resources of Africa (= Water science and technology library. Band 41). Kluwer Academic, Dordrecht / Boston 2002, online auf Google Books Dann fließt er nordwärts weiter in Richtung Khartum. Dabei bildet er auf einer Länge von etwa 30 km die Grenze zwischen Südsudan und dem Sudan.
mini|600px|zentriert|Der Weiße Nil mit seinen Zuflüssen im Bereich des Sudd.
Städte am Ufer des Weißen Nils Ruanda Kigali Uganda Kampala (am Victoriasee) Jinja Südsudan Juba Malakal Sudan Kusti Rabak Khartum (al-Chartūm) Omdurman (Umm Durmān)
Vereinigung mit dem Blauen Nil Zwischen Khartum und Omdurman vereinigt er sich mit dem Blauen Nil, der von rechts (Südosten) aus Äthiopien kommt. Danach wird der Strom als Nil bzw. als Nahr an-Nīl (arabisch: Nilfluss) bezeichnet.
Hydrometrie Die Durchflussmenge des Flusses wurde 70 Jahre lang (1912–1982) am Pegel Malakal, kurz nach dem Sudd bei etwa 2/3 des Einzugsgebietes, in m³/s gemessen. Die Wasserführung nimmt im weiteren Verlauf auf Grund von Bewässerung und Verdunstung ab. Zudem bekommt der Weiße Nil bis zum Zusammenfluss mit dem Blauen Nil im ariden Sudan kaum weiteres Wasser.
Nebenflüsse Linke (hier westliche) Nebenflüsse: Bahr al-Ghazal Wadi al-Malik (oft trocken)
Rechte (hier östliche) Nebenflüsse: Sobat
Wasserfälle Der Oberlauf des Weißen Nil verläuft in tektonisch unruhigem Gebiet und war in der jüngeren geologischen Vergangenheit vielen Änderungen unterworfen. Das spiegelt sich im unausgeglichenen Längsprofil des Flusses mit zahlreichen kleineren und größeren Wasserfällen und Stromschnellen. Dazu gehören: Rusumo Falls (Chutes Rusumu) auf der Grenze von Ruanda und Tansania Kuruma-Schnellen in Tansania – östlich vom Nordknie des Kagera Ripon Falls in Uganda – (durch den Owen-Falls-Damm vom Victoriasee überflutet) Owen Falls in Uganda – (durch den Owen-Falls-Damm vom Victoriasee überflutet) Bujagali-Falls in Uganda – unterhalb des Owen-Falls-Dammes (überflutender Staudamm in Bau) Murchison Falls (auch Kabelega Falls genannt) in Uganda
Wasserbauliche Eingriffe und Nutzungskonflikte Das im Südsudan gelegene Sumpfgebiet des Sudd stellt ein großes Hindernis für die Schifffahrt dar. Der seit Jahrzehnten mit Unterbrechungen im Bau gewesene Jonglei-Kanal sollte hier Abhilfe schaffen und durch beschleunigten Abfluss die hohen natürlichen Verdunstungsverluste mindern. Dies würde zugleich eine weitgehende Trockenlegung der Sumpflandschaft bedeuten mit schwerwiegenden Folgen für Fauna und Flora und mit kaum einschätzbaren regionalklimatischen Auswirkungen.