Stoner Rock ist eine Stilrichtung der Rockmusik, die um 1990 innerhalb der Desert-Rock-Szene von Palm Desert entstand. Sie verbindet Elemente von Bluesrock und Doom Metal mit Psychedelic Rock.
Begriffsgeschichte Stoner Rock mini|hochkant|Josh Homme, hier 2014 mit Queens of the Stone Age, lehnte die Bezeichnung Stoner Rock ab Das Wort Stoner Rock geht zurück auf den englischen Slang-Ausdruck „stoned“ für bekifft.Random House College Dictionary. Random House, New York 1988, S. 1294. Es erlangte spätestens 1997 mit dem Sampler Burn One Up! Music for Stoners den medialen Durchbruch, obgleich das Wort nach Aussagen von Josh Homme vermutlich europäischer Herkunft ist und sich erst zwei Jahre nach dem Abklang der ersten großen Szene-Bands etablierte. Josh Firestone, ein interner Mitarbeiter von MeteorCity, verwendete erst den Begriff Desert Rock, um die Bands zu beschreiben, obwohl das hauseigene Label Roadrunner Records sich spätestens bei einem ihrer Meetings auf Stoner Rock einigte. Auf diesem Sampler befindet sich auch eines der ersten Lieder der Stoner-Rock-Band Queens of the Stone Age. Josh Homme, der ebenfalls anwesend war, äußerte sich zu diesem Meeting später im Gespräch mit stonerrock.com abschätzig über den Begriff.
Den Begriff Stoner Rock sehen neben Homme noch viele weitere Szene-Künstler kritisch, obwohl er der einzige Begriff für diese Musik ist, welcher sich langfristig durchgesetzt hat und im Musik-Journalismus, Marketing und Literatur langfristig etablierte. So sprach Scott Reeder, Bassist der Stoner-Rock-Band Kyuss, davon, sich den Begriff früher gewünscht zu haben, da er stets ein Problem damit hatte, in die Metal-Ecke gedrückt zu werden. Einige Journalisten und Musiker sind jedoch der Meinung, dass der Terminus Stoner Rock die Musiker diskreditiere und die Musik ausschließlich auf den Konsum von Drogen reduziere.
Desert Rock Ein weiteres Problem stellt der Begriff Desert Rock als Synonym für den Stoner Rock dar. Während einige Journalisten der Meinung sind, den gleichen Stil zu beschreiben, verstehen andere Desert Rock als regionale Abgrenzung zum Stoner Rock, um damit jene Bands zu benennen, die im Rahmen der Szene rund um Palm Desert entstanden. Dabei kursierten im Umfeld der Palm-Desert-Szene nicht nur Stoner-Rock-Bands, sondern auch Bands wie Unsound oder The Breed, deren soziale und musikalische Bezugspunkte eher dem Punk zuzuordnen sind, was mitunter auf den Einfluss der Band Black Flag zurückzuführen ist. Aber auch die Desert-Rock-Band Yawning Man, welche sich musikalisch am Psychedelic Rock bedient und diesen Klang um Nuancen des Surf Rock verfeinert, gilt als einer der Pioniere und Impulsgeber des Desert Rock. Neben Yawning Man gibt es weitere Bands aus dem Punk-, Hardrock- und Metal-Umfeld wie Throw Rag, House Of Broken Promises, Unida, Mondo Generator, Nuclear Youth, Hornss und Dali’s Llama, die alle Teil der Desert-Rock-Szene waren und somit trotz ihrer musikalischen Unterschiede auch als Desert-Rock-Bands verstanden werden. Der Begriff Desert Rock versteht sich also als Dachbegriff für alle Bands, die im Rahmen der Szene rund um Palm Desert entstanden sind. Hierbei definiert der Terminus keinen einheitlichen Musikstil, sondern umfasst die Masse an Bands, die sich stilistisch am Punk, Metal, Hard-, Stoner Rock und Psychedelic Rock orientierten.Joerg Steineck (Regie): Lo Sound Desert CARGO Records GmbH 2016.
Die Szene hatte nie aus der Intention heraus musiziert, kommerziell erfolgreich zu sein, sondern das Miteinander jammen als höchstes Gut verstanden, was als wesentlicher Faktor für eine breite Spannweite an musikalischer Diversität gilt.
Jörg Steineck, Regisseur des Dokumentarfilms Lo Sound Desert spricht neben Desert Rock hier vom Desert Punk, um den Klang der Bands zu beschreiben, die dieser Desert-Rock-Szene angehören, sich aber nicht ausschließlich am Stoner-Rock orientieren und eine musikalisch härtere, von Punk und Metal durchtränkte Form von Musik spielten. Generell verstanden sich die Bands aus der Szene als eine Gemeinschaft, ohne die musikalischen Unterschiede zu beachten. Soziokulturell verstand die Szene Punk und Metal stets als gemeinsamen und einzigen Nenner.
Daher erklärt sich, dass Stoner Rock ein Genre ist, welches sich dem Überbegriff Desert Rock unterordnet. Desert Rock versteht sich hierbei als Dachbegriff für alle Bands mit unterschiedlichen Musikrichtungen, die im Rahmen der Szene um das Palm-Desert-Kollektiv entstanden sind.
Stil Stilmerkmale mini|Musikvideo der französischen Stoner-Rock-Band Mars Red Sky zum Stück Frindly Fire (Demons Unleashed) mit hellem Gesang, bluesigen Gitarren- und dröhnenden Bassanschlägen in den Strophen und der typischen Nutzung von Gitarren-Effektgeräten in der Bridge und dem Refrain Laut Allmusic basiert der Stoner Rock auf Einflüssen des Punk und des Bluesrock, aber ebenso greifen die Interpreten auf Elemente des Doom Metal und des Psychedelic Rock zurück. Dabei werden Bands wie Black Sabbath, The Melvins, Saint Vitus, Blue Cheer, Blue Öyster Cult und Hawkwind als Vorbilder ausgemacht. Die Stoner-Rock-Gruppen ergänzen diesen Stil aus Doom, Punk, Psychedelic und Acid Rock um den brummenden Klang der frühen Grunge-Interpreten des Labels Sub Pop.
Als stilprägende Basis gilt der Bluesrock, dieser wird mit tief gestimmten Gitarren, die teilweise durch Bassverstärker gespielt werden, scheppernden Drums, entrücktem bis rockigen Gesang, stark ausgeprägtem Groove und einem allgemein sehr basslastigen Sound ergänzt. Vereinzelt sind aufwändig aufgebaute „20-Minuten-Stücke“ mit ausführlicher Aufbaustruktur und langen meditativen und jamartigen Abschnitten Teil der Musik. Als typisch gilt ein dynamischer Kontrast von sehr sanften und harten Passagen. Musikalisch besteht eine Verwandtschaft mit dem Doom Metal, was sich vornehmlich auf das Gitarrenspiel, insbesondere das Riffing und die Verzerrung, beschränkt, während der Sound ansonsten eher an die härteren der Psychedelic-Rock-Bands der späten 1960er und frühen 1970er Jahre erinnert, die für viele Stonerbands als Quelle der Inspiration dienen. Stoner-Bands greifen oft auf eine Vielzahl an Effektgeräten wie z. B. Fuzz, Wah-Wah-Pedalen, Flanger und Distortion zurück.
Hybride und Weiterentwicklungen Einige der international verbreiteten Gruppen bedienen sich nicht rein am Stoner Rock der ersten Bands, sondern nutzen Elemente und Nuancen vieler artverwandter Genres und lassen diese in ihre Musik einfließen. So wird der schwedischen Stoner-Formation Truckfighters eine Nähe zu Tool zugeschrieben, obgleich Tool im Segment des Progressive Metal beheimatet ist. Steineck spricht in einem Interview über seine Dokumentation Truckfighters Fuzzomentary über den musikalischen Wandel der Band und ihren Einflüssen.
Bands wie Orange Goblin oder Mammoth Mammoth kombinieren ihren Stoner Rock seit jeher mit Hard-Rock-Elementen. Die aus Deutschland stammende Band Colour Haze nutzt Einflüsse und Spielarten des Psychedelic Rock, um ihr Sounddesign zu vervollständigen. Trotz vieler neuer Bands gibt es noch heute Formationen und Gruppen wie Fu Manchu oder die 2017 durch John Garcia reaktivierten Slo Burn, die bis heute puristisch den Stoner Rock bedienen, ohne dabei auf Einflüsse anderer Genres zurückzugreifen. Mit Vic du Monte’s Persona Non Grata entstanden Mitte der 2000er Formationen, die sich stilistisch am Post-Punk orientierten und bis heute aus Mitgliedern früherer Stoner- & Desert-Rock-Bands entwickelten.
Geschichte Anfangszeit und Entwicklung mini|hochkant|Die Gruppe Masters of Reality um Chris Goss zählt zu den wichtigen Wegbereitern des Stoner Rock Stoner Rock entstand Ende der 1980er, Anfang der 1990er. Als Wegbereiter wirkte neben Chris Goss’ Masters of Reality auch Mario Lalli, dessen Band Yawning Man großen Einfluss auf die als Inbegriff des Stoner Rock geltenden Kyuss hatte. Neben den frühen Veröffentlichungen des Doom Metal und Psychedelic Rock definierten The Melvins zwischen 1986 und 1991 einen rhythmusdominierten, schleppenden Metal, der sich nachhaltig auf Grunge, Sludge und Stoner auswirken sollte.
Zusammen mit dem Debüt der als Grunge-Band populären Gruppe Soundgarden Ultramega OK (1988), dem Album der Stoner-Doom-Gruppe Sleep Holy Mountain (1992) und den Alben Blues for the Red Sun und Welcome to Sky Valley der Stoner-Rock-Band Kyuss formte sich der Sound zu einem eigenen regional übergreifendem Genre, wobei Sleep hierbei den Stoner Doom bediente, welchen sie später mit dem Album Dopesmoker ausbauen sollten. Die Band Monster Magnet, die wie The Atomic Bitchwax aus New Jersey kam, wo sich eine eigene lokale Szene entwickelt hatte, wurden spätestens mit ihrem dritten Album Dopes to Infinity bekannt und erreichten kommerziellen Erfolg, der nachhaltig über die lokale Szene hinausging. Die Szene aus New Jersey entwickelte sich relativ zeitgleich unabhängig von Palm Desert.
Eine der wichtigsten, im Szene-Jargon genannten Desert-Bands war Mario Lalli’s Yawning Man. Gerade die intensiven Auftritte von Yawning Man führten dazu, dass die Veranstaltungen in der Wüste bald zu einem Treffpunkt und Geheimtipp der Szene wurden. Aufgrund ihres Einflusses auf spätere Stoner-Rock-Bands wie z. B. Kyuss gilt die Formation unter Fans und Szene-Bands als Erfinder und Impulsgeber dessen, was nachfolgend Desert Rock benannt wurde. Musikalisch bedient Yawning Man eine von Surf-Elementen durchtränkte Form des Psychedelic Rock.
Nach Aussagen von Szenegrößen wie Brant Bjork waren u. a. Yawning Man einer der Pioniere des Desert Rock:
Als das Mekka des Stoner Rock galt in den 1990er Jahren das Palm Desert in Kalifornien, wo eine Szene Dutzender Musiker, Produzenten und Künstler zahlreiche Projekte hervorgebracht hat. Die sogenannten Generator-Partys waren in den frühen Neunzigern rund um Palm Springs die Anlaufstelle der alternativen Musikszene. Das Kollektiv rund um die Szene von Palm Desert entwickelte sich aufgrund des mangelnden Angebots alternativer musikalischer Veranstaltungen in den Städten der Umgebung. Der Widerstand gegen laute Musik und etwaige Klagen über Ruhestörungen der Einwohner trugen ebenfalls dazu bei, dass die Jugendlichen die Wüste als Rückzugsort nutzen.
Einen großen Einfluss auf die Popularität des Stoner Rock hatte auch Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl, der 1992 im Zusammenhang mit der Szene und dem Kyuss-Album Blues for the Red Sun von einer musikalischen Revolution sprach. In Fernsehinterviews und Musikzeitschriften lobte Grohl gerade Kyuss als Speerspitze der Szene so sehr, dass die Band durch mediale Aufmerksamkeit bald die Möglichkeit hatte, als Vorband mit der Heavy-Metal-Formation Metallica auf Tour zu gehen.
Neben Grohl nahm Masters of Realitys Chris Goss eine zentrale und wichtige Rolle in der Stoner-Rock-Szene ein. Das erste Album seiner Band hatte großen Einfluss auf die Musiker und gab der Szene wichtige musikalische Impulse. In seinen Monkey Studios in Palm Springs/Kalifornien wirkte er ab 1992 an den Alben von Kyuss mit und fungierte als Schlüsselfigur im Sounddesign. Durch diese außerordentlichen Leistungen und seinen Einfluss spricht laut.de hier vom „Vater des Stoner Rock“. Zusätzlich wird ihm dank seines Satzes „You guys sound like the queens of the stone age“ indirekt die Namensfindung des späteren Josh Homme-Projekts zugeschrieben. Hierzu sind Bezugspunkte zum Konzept des ständigen Mitgliederwechsels zu erkennen.
Regionaler Niedergang und Nachwirkungen Durch den großen Hype wuchs das Umfeld der Szene bei Veranstaltungen schnell auf eine unüberschaubare Menge an. Statt 200 Leuten kamen inzwischen mehr als 1500, wodurch die Organisation immer schwieriger wurde, während nie ein festes Eventmanagement vorhanden war. Durch das Aufkommen von Gang-Mitgliedern, Drogendealern und dadurch provozierte Polizei-Einsätze fand die letzte Generator-Party 1994 in der Wüste von Palm Desert statt. Die Besetzung von Yawning Man kümmerte sich um diverse Nebenprojekte und legte die Band für einige Zeit still.