mini|Schloss Urbach Schloss Urbach, auch Eislinger’sches Schloss, ist ein Schloss in der Gemeinde Urbach im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde im 17. Jahrhundert von dem herzoglichen Geheimrat Balthasar Eislinger auf Überresten einer mittelalterlichen Burg errichtet.
Geschichte In Urbach wird ein Schloss erstmals 1434 in einer Kaufurkunde zwischen Georg von Urbach und Ludwig I. von Württemberg-Urach erwähnt. Darin belehnte Ludwig I. Georg von Urbach mit ⅓ seines Besitzes in Ober- und Unterurbach sowie dem Schloss. Durch vorhergegangene Kaufurkunden in Urbach ist das Schloss wahrscheinlich zwischen 1419 und 1434 erbaut worden.Bürgermeisteramt Urbach [Hrsg.]: Schloss Urbach. Eigenverlag, Urbach, 1990, S. 23. Im Jahre 1440 wurde das Schloss von Georg von Urbach an Johann von Blosenstaufen verkauft.Beschreibung des Oberamts Schorndorf. Herausgegeben von dem Königlich statistisch-topographischen Bureau; unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1851, Bissinger, Magstadt, 1963, S. 168. Dieser wiederum verkaufte es 1464 für 2.400 Gulden an Ulrich V. von Württemberg.Beschreibung des Oberamts Schorndorf. Königl. statistisch-topographisches Bureau; Nachdruck der Ausgabe von 1851, Bissinger, Magstadt, 1963, S. 169.Bürgermeisteramt Urbach [Hrsg.]: Schloss Urbach. S. 24. 1481 wurde das Schloss von Graf Eberhard VI. von Württemberg das Schloss an Georg von Winkenthal als Mannlehen vergeben, welcher das Schloss 1501 an Veit von Horkheim verkaufte. Spätestens im Jahre 1530 wurde das Schloss von Veit von Horkheim als Lehen aufgegeben und das Schloss verfiel.
Im Jahre 1565 bat der herzogliche Rat Balthasar Eislinger aus Schwäbisch Gmünd den Herzog Christoph von Württemberg um den Burgstall. Der studierte Jurist Eislinger gehörte der evangelischen Minderheit Gmünds an und wollte aus Gewissensgründen nicht mehr in der streng katholischen Stadt leben. 1555 war er von Kaiser Karl V. in den Adelsstand erhoben worden und hatte die Patriziertochter Veronika Langenmantel vom Sparren aus Augsburg geheiratet. Nun suchte er eine standesgemäße Bleibe für sich und seine Familie. Aufgrund seiner Verdienste verkaufte ihm der Herzog das verfallene Schloss sowie 2 Morgen Obstgärten für 300 Gulden.
1567 begann Eislinger mit dem Neubau des Schlosses.Bürgermeisteramt Urbach [Hrsg.]: Schloss Urbach. S. 26. Im selben Jahr wurde der Forstmeister von Schorndorf angewiesen, 200 Stämme Bauholz bereitzustellen. Der Neubau wurde 1569 fertiggestellt. Die Kosten für den Abbruch des alten Schlosses lagen bei knapp 200 und der Neubau kostete 3500 Gulden. In einem Brief an Herzog Christoph vom 21. Juni 1569 schätzt Eislinger die gesamten Baukosten auf 5000 Gulden.
Nach dem Tode Christophs bestätigte Herzog Ludwig von Württemberg am 7. April 1571 das Erblehen für Eislinger und gewährte dem Schloss Steuerfreiheit. Balthasar Eislinger selbst kam jedoch nicht mehr in den Genuss seiner Privilegien; er starb nur wenige Monate später, am 20. August 1572 in Schwäbisch Gmünd. Sein neues Schloss hat er nie bewohnt.
Das Anwesen blieb bis ins 18. Jahrhundert im Besitz der Nachkommen Balthasar Eislingers.Bürgermeisteramt Urbach [Hrsg.]: Schloss Urbach. S. 34. Nach seinem Tode erbte Tochter Veronika das Schloss. Sie war mit dem Gmünder Patrizier Johann Adam Bletzger verheiratet. Somit fiel das Anwesen an die Familie Bletzger. Anschließend kam es auf dem Erbweg an die Familie Hirschmann und dann an den Pfarrer Sixt von Kapff († 1693). Letzter Besitzer aus der Familie von Kapff war Pfarrer Johann Thomas von Kapff († 1738).
1883 wurde das Schloss schließlich nach mehreren Besitzerwechseln vom „Komitee der Anstalt für entlassene weibliche Strafgefangene evangelischer Konfession“ erworben, welches es durch die Architekten Wittmann & Stahl aus Stuttgart umbauen ließBürgermeisteramt Urbach [Hrsg.]: Schloss Urbach. S. 36f. und fortan als „Anstalt zur Fürsorgeerziehung verwahrloster und straffälliger Mädchen“ betrieb. 1888 wurde zudem an der Südwestecke des Innenhofs ein Waschhaus angebaut.Bürgermeisteramt Urbach [Hrsg.]: Schloss Urbach. S. 39. Im Jahr 1928 wurde vom Architekten Stahl ein Erweiterungsbau des Hauptgebäudes fertiggestellt, welcher allerdings 1988 wieder abgerissen wurde.Wolfgang Mayer: Kulturdenkmale und Museen im Rems-Murr-Kreis. Theiss, Stuttgart, 1989, ISBN 3-8062-0571-X, S. 167Bürgermeisteramt Urbach [Hrsg.]: Schloss Urbach. S. 45. Die Anstalt existierte bis 1973 und diente in wechselnden gesellschaftlichen Kontexten sowohl als Schutzraum als auch als Ort der Kontrolle und Zwangsmaßnahmen. Während der Leitung von Gotthilf Fritz (1920–1945) erlebte die Anstalt eine ambivalente Entwicklung. Fritz propagierte zunächst reformpädagogische Ansätze. Im Nationalsozialismus kooperierte er dann eng mit dem Landesjugendarzt Max Eyrich, der die Einrichtung zu einer „Beobachtungs- und Ausleseanstalt“ machte, in der er Mädchen zur Zwangssterilisation oder im Rahmen der Euthanasie-Programme zur Tötung bestimmte. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Gotthilf Fritz von der Leitung zurück und die Anstalt wurde unter neuer Führung als Fürsorgeheim weitergeführt und 1973 nach Reutlingen-Rappertshofen verlegt.
Die Gemeinde kaufte nach dem Auszug des Heims 1980 das Schloss und ließ es darauffolgend renovieren.Bürgermeisteramt Urbach [Hrsg.]: Schloss Urbach. S. 52. Heute wird das Schloss als Begegnungsstätte genutzt und auch für private Feierlichkeiten vermietet.
Literatur Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 2. Deutscher Kunstverlag München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 1113–1115. Gerhard Fritz, Roland Schurig (Hrsg.): Die Burgen im Rems-Murr-Kreis. Verlag Manfred Hennecke, Remshalden 1994, ISBN 3-927981-42-7, S. 112–113.
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Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Urbach (Remstal) Urbach Kategorie:Bauwerk des Hauses Württemberg Kategorie:Kulturdenkmal in Urbach (Remstal) Urbach