Bei der Kirche in Karkeln () handelte es sich um ein Bauwerk, das 1722 zunächst als Feldsteinbau errichtet, dann 1898/1899 in neugotischem Stil mit Turm versehen und erweitert wurde. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für die Bewohner im ostpreußischen Kirchspiel des heute Myssowka genannten Ortes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Die Kirche ist nicht mehr vorhanden.
Geographische Lage Das heutige Myssowka liegt am Ostufer des Kurischen Haffs (russisch: Kurschskaja saliw) an der Mündung des gleichnamigen Flüsschens Karkeln (heute russisch: Schirokaja) in die Rohrbucht (Kamyschewy saliw). Der Ort ist Endpunkt der von Sowetsk (Tilsit) kommenden russischen Regionalstraße R 513. Eine Bahnanbindung besteht nicht.
Der einstige Standort der Kirche liegt im südöstlichen Ortsbereich im Gelände des ehemaligen Friedhofs. An der Stelle der KircheКирха Каркельна - Die Kirche Karkeln bei prussia39.ru steht heute ein Clubhaus.
Kirchengebäude Als erste Kirche wurde in Karkeln 1680 ein Gebäude aus Holz und Lehm errichtet und mit einem Rohrdach versehen.Karkeln bei wiki.genealogy Doch dieses brannte nieder. Im Jahre 1722 errichtete man ein neues Gotteshaus,Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 93, Abb. 375 zunächst als Feldsteinbau ohne Turm, dann 1898/1899 mit Chor, Sakristei, Emporen und einem Turm in neugotischem Stil erweitert.Die Kirche Karkeln um 1900
Im Kircheninnern war die Decke leicht gewölbt. Reste der Ausstattung der ersten Kirche wurden eingebracht, darunter ein wertvoller Holzkronleuchter. Altar und Kanzel waren vereinigt. Im Zuge der Erweiterungsarbeiten wurde 1898 die Orgel restauriert.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Karkelner Kirche wegen einer Minenexplosion nur leidlich und mit Beschädigungen.Myssowka - Karkeln bei ostpreussen.net Dann aber wurde das Dach undicht und 1949 brannte der Turm aus. Als 1959 nach einem Deichbruch das ganze Land überschwemmt war, riss man die Kirche nieder und verwendete die Steine zur Auffüllung der Ausspülungen. Auf dem Platz der Kirche steht heute ein Clubhaus.
Kirchengemeinde Ursprünglich war die Karkelner Kirche eine Filialkirche der Kirche Ruß (der Ort heißt heute litauisch: Rusnė) im Kirchenkreis Heydekrug (litauisch: Šilutė).Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 62 Im Jahre 1644 wurde Karkeln eine selbständige PfarreiWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 483 mit eigenem Kirchspiel. Zwischen 1711 und 1834 dann gehörte Karkeln zur Kirche Schakuhnen (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Schakendorf, heute russisch: Lewobereschnoje), danach bis 1847 zur Kirche Kallningken (1938 bis 1946: Herdenau, russisch: Prochladnoje). Nach 1847 wieder eigenständig wurde die Pfarrei Karkeln in den Kirchenkreis Niederung (ab 1939: Elchniederung) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union überstellt. Diese Zugehörigkeit bestand bis 1945.
Im Jahre 1925 gehörten zum Kirchspiel Karkeln 1.189 Gemeindeglieder, die in vier Kirchspielorten und -ortschaften wohnten.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung im Zusammenhang des Zweiten Weltkrieges sowie die restriktive Religionspolitik der Sowjetunion brachten das kirchliche Leben in dem nun Myssowka genannten Ort zum Erliegen. Heute liegt das Dorf im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Slawsk (Heinrichswalde) innerhalb der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Karkeln:
Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Akminge (anteilig) Ibenwerder Selenez *Karkeln Myssowka Parungaln Tramischen(ohne Eisenberg) Trammen Rasdolnoje
Pfarrer An der Kirche Karkeln amtierten als evangelische Geistliche:
1644 bis 1711: David Pantelius, 1644–1646 Gotthard Ising, 1652–1665 Michael Olderogge, 1665–1671 Bernhard Grunau, 1671–1696 Christoph Oehlert, 1695 Johann Böhncke, 1696–17111842 bis 1945: August Heinrici (Pfarrgehilfe), 1842–1847 Johann Ed. Riedelsberger, 1847–1857 Louis Hermann Hirsch, 1858–1866 Adolf Wilhelm Brinkmann, 1866–1873 Emil Alexander Noetzel, 1874–1879 Friedrich August Klein, 1892–1894 Karl Otto Kurschat, 1894–1899 Wilhelm Waldemar G. Eichhorst, 1899–1912 Johann E. E. Christoleit, 1912–1913 Otto Tautorus, 1913–1918 Johann Luther, 1918–1926 K. G. Hermann Grüner, ab 1926 Hans Kollmann, bis 1944
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchdokumenten haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt:
Taufen: 1754 bis 1765, 1767 bis 1874 Trauungen: 1754 bis 1765, 1834 bis 1874 Begräbnisse: 1754 bis 1765, 1767 bis 1875.
Literatur Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 164–165. Kühnast: Nachrichten über Grundbesitz, Viehstand, Bevölkerung und öffentliche Abgaben der Ortschaften in Littauen nach amtlichen Quellen. Band 2, Gumbinnen 1863, S. 14–15.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1720er Jahren Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kirche Karkeln Karkeln Kategorie:Rajon Slawsk Karkeln