14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs ist der deutsche Titel einer internationalen dokumentarischen Dramaserie, die sich mit fiktionalen, dokumentarischen und animierten Elementen dem Thema des Ersten Weltkriegs widmet. Entwickelt wurde das Konzept, eine historische Dokumentation formal, stilistisch und dramaturgisch wie eine moderne Dramaserie zu erzählen, von Jan Peter, der auch bei allen acht Episoden Regie führte. Serienautoren waren Jan Peter und Yury Winterberg. Als Dramaturgen arbeiteten der niederländische Produzent und Drehbuchautor Maarten van der Duin und der BBC-Autor Andrew Bampfield an der Entwicklung mit. Die Entwicklung der Serie beruht auf einer Idee von Gunnar Dedio, dem Produzenten von LOOKSfilm, und Ulrike Dotzer, der Abteilungsleiterin ARTE beim Norddeutschen Rundfunk.
Handlung Die einzelnen Episoden der Serie erzählen die Geschichte des Ersten Weltkriegs nicht aus Sicht der Politiker und Militärs, sondern aus der Perspektive von Soldaten, Hausfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Krankenschwestern oder Kindern. Insgesamt gibt es 14 Hauptpersonen. Aussagekräftige Szenen aus ihrem Leben werden in Spielszenen inszeniert und miteinander verwoben. So entsteht nicht nur eine politische Verlaufs- oder Militärgeschichte des Ersten Weltkriegs, sondern eine Geschichte, die unmittelbar die Gefühle und Stimmungen der Menschen einfängt.
Produktion mini|hochkant|Bau der Schützengräben des Niemandslandes in Saint-Jérôme, Québec mini|hochkant|Regisseur Jan Peter und Kameramann Jürgen Rehberg während der Dreharbeiten in Kanada An der Produktion beteiligt sind LOOKSfilm, Les Films d’ici Paris und Filmoption International Montreal.
Entstehungsgeschichte Die Drehbücher stützen sich hauptsächlich auf Originalzitate aus Tagebüchern und Briefen von Menschen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Russland und den USA, die während der Zeit von 1914 bis 1918 lebten und schrieben. Mehr als 1.000 Tagebücher und Briefsammlungen wurden gesichtet, aus denen 14 unterschiedliche Lebenswege aus der Zeit des Ersten Weltkriegs ausgewählt wurden. Insgesamt dauerte diese Entwicklungsarbeit vier Jahre.
Ungewöhnlich für eine Produktion über den Krieg ist dabei, dass je sieben der Protagonisten Frauen und Männer sind und nur ein kleiner Teil der Geschichten direkt an der Front spielt. Insgesamt kommen die Protagonisten aus acht Nationen. Charakteristisch ist das multiperspektivische Erzählen, in dem alle Geschichten gleichwertig nebeneinander stehen und miteinander verwoben werden. Alle Darsteller sprechen die jeweilige Originalsprache, ohne synchronisiert zu werden. Erzähler der deutschsprachigen Fassung ist der Schauspieler Udo Samel.
Originalfilmmaterial Insgesamt wurde Film- und Fotomaterial aus 71 Archiven und 21 Ländern genutzt. Zu den ergiebigsten Quellen zählten British Pathé (Großbritannien), Gaumont Pathé (Frankreich), Krasnogorsk (Russland), das Bundesfilmarchiv (Deutschland), das Österreichische Filmmuseum, die National Archives and Records Administration (USA) und das britische Imperial War Museum. Oftmals fand sich aber das beste Material in den wenigen erhaltenen Amateurfilmen.
Dreharbeiten Die fiktionalen Teile der Serie wurden in Deutschland, Frankreich und Kanada gedreht. Dafür standen insgesamt 50 Drehtage zur Verfügung.
In Frankreich fanden die Dreharbeiten in und um Straßburg statt, unter anderem im Jugendstil-Bad der Stadt, in einer stillgelegten Brauerei und im Schloss von Frœschwiller.
In Kanada drehte das Team in der Provinz Québec, in einem alten Steinbruch rund 150 km nördlich von Montreal. Dort wurde auf einer 5.000 m² großen Fläche ein Schützengrabensystem samt Niemandsland errichtet.
Team Neben dem Regisseur Jan Peter und den bereits genannten Autoren waren die folgenden Personen wesentlich am Entstehen der Serie beteiligt. Dramaturgie Maarten van der Duin, Andrew Bampfield Szenenbild Patric Valverde, Michel Marsolais Kostüm Valerie Adda Montage und Graphik Susanne Schiebler Montage Martin Schröder
Hauptpersonen
Sarah Broom Macnaughtan Sarah Broom Macnaughtan wurde am 26. Oktober 1864 in Partick, Schottland geboren. Bereits im Burenkrieg hatte sie Erfahrungen als Krankenschwester gesammelt. Als 1914 Helferinnen für die britische Armee in Belgien gesucht wurden, meldete sie sich freiwillig. Dort erlebte sie 1915 den ersten Gasangriff bei Ypern. Macnaughtan starb am 24. Juli 1916 im Alter von 51 Jahren.
Charles Edward Montague Charles Edward Montague wurde am 1. Januar 1867 als Sohn eines römisch-katholischen Priesters geboren und wuchs in London auf. Nach dem Studium wurde er Journalist. Montague war Kriegsgegner und Pazifist – bis zum Sommer 1914. Trotz seiner 47 Jahre meldete er sich freiwillig zum Kriegseinsatz. Nach dem Krieg nahm er zunächst seine journalistische Tätigkeit wieder auf. Bald darauf aber setzte er sich zur Ruhe, um seinen Lebensabend als Schriftsteller zu verbringen. Charles Edward Montague starb am 28. Mai 1928 im Alter von 61 Jahren.
Käthe Kollwitz mini|hochkant|Käthe Kollwitz (1867–1945) Käthe Kollwitz wird am 8. Juli 1867 in Königsberg geboren. Die bekannte deutsche Künstlerin ist bekennende Sozialistin und Pazifistin. Aber als der Krieg beginnt, kann sich die 47-Jährige der patriotischen Aufbruchsstimmung in Deutschland nicht entziehen. Ihre beiden Söhne Hans und Peter melden sich als Kriegsfreiwillige. Käthe Kollwitz stirbt am 22. April 1945, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in Moritzburg im Alter von 77 Jahren.
Caroline Ethel Cooper Caroline Ethel Cooper wurde am 24. Dezember 1871 in North Adelaide, Australien, geboren. Zwischen 1897 und 1906 studierte sie in Leipzig Musik, kehrte anschließend aber vorübergehend nach Australien zurück. Seit 1911 war Leipzig ihre Wahlheimat. Als der Krieg ausbrach, galt sie als „feindliche Ausländerin“. Sie wurde bespitzelt, litt unter Hunger und Krankheit, doch wurde ihr die Ausreise verweigert. Caroline Ethel Cooper starb am 25. Mai 1961 im australischen Malvern im Alter von 90 Jahren.
Louis Barthas mini|hochkant|Louis Barthas (1879–1952) Louis Barthas wurde am 14. Juli 1879 als Sohn eines Fassmachers und einer Schneiderin in der französischen Weinbauregion des Languedoc-Roussillon geboren. Er erlernte den Beruf seines Vaters. Mit 35 Jahren wurde er als Reservist eingezogen. Ende 1914 kam Barthas an einen der gefährlichsten Abschnitte der deutsch-französischen Front und erlebte dort die Schrecken des Grabenkrieges: „Oft denke ich an die große Zahl meiner Kameraden, die an meiner Seite gefallen sind. Ich habe gehört, wie sie den Krieg und jene, die ihn angezettelt haben verfluchten. Ihre ganze Auflehnung gegen ihr unheilvolles Schicksal, gegen ihre Ermordung, habe ich gesehen. Ich, als Überlebender, glaube, dass mich ihr Wille inspiriert hat, rast- und gnadenlos bis zu meinem letzten Atemzug für die Idee des Friedens und der Brüderlichkeit unter den Menschen zu kämpfen. Februar 1919.“ Nach dem Krieg nahm er seine Arbeit als Fassmacher wieder auf. Barthas starb am 4. Mai 1952 im Alter von 72 Jahren.
Karl Kasser Karl Kasser wird 1889 im niederösterreichischen Kilb geboren. Trotz einer Handverletzung wird der 25-jährige Bauer tauglich geschrieben. Widerwillig muss er Anfang 1915 einrücken. Bei Kämpfen an der Ostfront gerät er in russische Gefangenschaft. Es beginnt eine mehrjährige Odyssee durch das Zarenreich, die erst am 4. Oktober 1920 endet. Karl Kasser stirbt 1976 im Alter von 87 Jahren.
Gabrielle West Gabrielle West wird um 1890 geboren. Für die junge Frau aus einer wohlhabenden britischen Familie ist es selbstverständlich, ihrem Vaterland durch freiwillige Arbeit zu dienen. Sie wird Aufseherin in einer Munitionsfabrik, wo sie mit den schrecklichen Arbeitsbedingungen der Frauen dort konfrontiert wird. Ihr Sterbedatum ist gemäß der Homepage der Sendereihe unbekannthttp://www.14-tagebuecher.de/page/de/timeline/gabrielle-west/1915-06-10/, laut anderen Quellen lebte sie bis 1990http://www.womenandwar.wales/search.php?func=search&searchfor=gabrielle+west&in_all=on und hat ihre Tagebücher 1977 selber dem Imperial War Museum vermacht.
Paul Pireaud Paul Pireaud wird 1890 im Südwesten Frankreichs geboren. Zu Beginn des Krieges sind Marie und Paul Pireaud ein junges Paar. Doch dann wird der junge Bauer durch den Krieg lange Zeit von seiner Ehefrau Marie getrennt. Seine einzige Verbindung zu ihr ist die Feldpost. In seinen Briefen berichtet er vom Leid der Soldaten an der Front. Nach vielen gemeinsamen Jahren mit seiner Ehefrau stirbt Paul Pireaud 1970 kurz vor seinem 80. Geburtstag.
Marie Pireaud Marie Pireaud wird 1892 in der Nähe von Paris geboren. Zu Beginn des Krieges sind Marie und Paul Pireaud ein junges Paar. Als ihr Mann in den Krieg zieht, muss Marie die schwere Arbeit auf dem Bauernhof übernehmen. In ihren sehr persönlichen Briefen an Paul schreibt sie über ihre Eifersucht und ihren großen Wunsch nach Nähe, Zärtlichkeit und einem Kind. Später wird dem Paar ein Sohn geschenkt. Aber Enkelkinder, die sich an die Liebe der beiden erinnern könnten, gibt es nicht. Marie Pireaud stirbt acht Jahre nach ihrem Mann im September 1978 im Alter von 86 Jahren.
Vincenzo D’Aquila Vincenzo D’Aquila wird am 2. November 1893 auf Sizilien geboren. Nach der Auswanderung seiner Eltern wächst er in den USA auf. Im Frühjahr 1915 macht sich der 22-Jährige mit einem Schiff voller Freiwilliger auf nach Europa. Es sind junge Männer, die für ihre alte Heimat Italien kämpfen wollen. D’Aquila stirbt am 26. Juli 1971 im Alter von 78 Jahren.
Ernst Jünger mini|hochkant|Ernst Jünger (1895–1998) Ernst Jünger wird am 29. März 1895 in Heidelberg geboren. Als Abiturient meldet sich der spätere Schriftsteller im August 1914 freiwillig zum Kriegsdienst. Er wird Ende 1914 an die Front in Frankreich verlegt. Bis 1918 überlebt er verschiedene Schlachten, darunter die blutigen Kämpfe an der Somme. Er stirbt 1998 im hohen Alter von 102 Jahren im Krankenhaus von Riedlingen.
Marina Yurlova
Marina Yurlova wurde um 1900 in einem kleinen Dorf nördlich des Kaukasus geboren. Die Tochter eines Obersts der Kuban-Kosaken war gerade 14 Jahre alt, als ihr Vater im August 1914 in den Krieg zog. Auf der Suche nach ihm wurde sie zur Kindersoldatin in der Russischen Armee. 1917 geriet sie in die Wirren der Oktoberrevolution, flüchtete aber schließlich in die Vereinigten Staaten. Dort starb Marina Yurlova 1984 im Alter von 84 Jahren.
Elfriede Alice Kuhr mini|hochkant|Elfriede Kuhr (sitzend) 1915 mit (v. l. n. r.) ihrer Mutter, ihrem Bruder und ihrer Großmutter Elfriede Alice Kuhr (genannt Piete) wurde am 25. April 1902 in Schneidemühl geboren, etwa 100 Kilometer von der Grenze zum damaligen Russland entfernt. Zu Beginn des Krieges feierte das 12-jährige Mädchen, das bei seiner Großmutter lebte, noch die deutschen Siege, doch dann erlebte Elfriede, wie der Krieg immer mehr Leid und Elend brachte. 1981 sagte sie: „Das mag überhaupt einen großen Teil meiner eigenen Zeit als Tippelschickse ausmachen, nämlich wirklich ein grenzenloses, ja ein brüderlich-schwesterliches Verhältnis zu denen, die so entsetzlich ohne einen Halt waren. Ich fühlte mich zu ihnen hingezogen und das, ich schwöre dir, das ist heute noch genau dasselbe!“ Später nahm sie den Künstlernamen Jo Mihaly an und wurde Tänzerin und Schriftstellerin. 1982 veröffentlichte sie ihre Kriegserinnerungen. Sie starb am 29. März 1989 im Alter von 86 Jahren.
Yves Congar Yves Congar wird am 8. April 1904 in Sedan, im Norden Frankreichs geboren, wo er bis zu seinem zehnten Lebensjahr wohlbehütet aufwächst. 1914 muss er erleben, wie die Deutschen in seine Heimatstadt einmarschieren und eine vierjährige Besatzung beginnt. Später wird aus ihm ein katholischer Theologe und Kardinal. Yves Congar stirbt am 22. Juni 1995 im Alter von 91 Jahren in Paris.
Besetzung Die 14 Hauptpersonen der Serie werden von den folgenden Schauspielern verkörpert.