Bei der Kirche in Inse oder Inser Kirche handelte es sich um einen achteckigen hölzernen Zentralbau mit Laterne aus dem beginnenden 18. Jahrhundert. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für die Bewohner aus dem ostpreußischen Kirchspiel des heute Pritschaly genannten Ortes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Das Bauwerk wurde 1964 eingerissen und abgeräumt.
Geographische Lage Das heutige Pritschaly liegt an der Ostküste Kurischen Haffs (russisch: Kurschski Saliw), in das hier das nur wenige hundert Meter lange Flüsschen Inse (russisch: Chlebnaja) mündet. Das Dorf ist von der russischen Regionalstraße R 513 aus über eine Nebenstraße zu erreichen, die südlich von Prochladnoje (Kallningken, 1938 bis 1946 Herdenau) von der Straße Malyje Bereschki–Myssowka (Neu Lappienen–Karkeln) abzweigt. Der einstige Standort der Kirche liegt im Osten des früheren Ortsteils Alt Inse am nördlichen Ufer der Inse.
Kirchengebäude Eine erste Kirche wurde in Inse um 1576 errichtet.Pritschaly - Inse bei ostpreussen.net Bereits um die Wende des 17./18. Jahrhunderts wurde ein Neubau fällig.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 92, Abb. 376–378 Es entstand ein oktogonaler Zentralbau aus Holz mit Türmchen in ähnlicher Form wie die etwa gleichzeitig erbaute Kirche Lappienen. Die Kirche Skören wurde 1932 nach diesem Vorbild gebaut.
Der Kircheninnenraum hatte eine flache Decke, die auf toskanischen Säulen ruhte. Über das ganze Kirchenrund ging eine Empore. In nördlicher Richtung stand der Kanzelaltar.
In der Mitte des Raumes war ein achteckiger granitener Taufstein aus dem 17. Jahrhundert aufgestellt. Er wurde 2009 auf einem Grundstück an der Inse wiederentdeckt, wo er als Blumenkübel diente. Der Grundstücksinhaber erklärte sich zur Herausgabe bereit, und die Kreisgemeinschaft Elchniederung organisierte daraufhin die Überführung in die Kirche Heinrichswalde (der Ortsname ist heute russisch: Slawsk).
Im Jahre 1857 erhielt die Kirche eine Orgel. Das Geläut der Kirche bestand aus einer einzigen Glocke.
Das Gotteshaus kam gut durch den Zweiten Weltkrieg. Allerdings wurde das Bauwerk 1964 unter Einsatz von Traktoren eingerissen und restlos abgeräumt.
Kirchspiel Das Kirchspiel der Kirche Inse gilt als das älteste des Kreises Niederung (Elchniederung)Rudolf Bogdahn, Der Kreis Elchniederung, 1903; F. Eismann, Bilder aus der Geschichte der Niederung 1273–1812, 1912. Bis zum Jahre 1579 gehörten seine Dörfer zur Pfarrei in Kunzen (russisch: Krasnoretschje, nicht mehr existent) auf der Kurischen Nehrung (russisch: Kurschskaja kossa). Die sonntägliche beschwerliche Fahrt über das Haff zum Gottesdienst nach Kunzen veranlasste die Bewohner, eine eigene Kirche zu beantragen. So entstand 1570 die Kirchengemeinde InseWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 482, der auch ein eigener Pfarrer zugeteilt wurde. Bis 1684 war die Gemeinde selbständig, als sie dann Filialkirche der Pfarrkirche in Kallningken (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Herdenau, heute russisch: Prochladnoje) wurde. Ab 1810 war die Kirchengemeinde dann wieder eigenständig und gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Niederung (Elchniederung) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 zählte die Pfarrei etwa 1.000 Gemeindeglieder, die in einem überschaubaren Kirchspiel wohnten.
Aufgrund der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 sowie restriktiver Kirchenpolitik der Sowjetunion brach das kirchliche Leben in Pritschaly nach 1945 ein. Heute liegt der Ort im Einzugsgebiet de 30 Kilometer entfernten Kreisstadt Slawsk (Heinrichswalde), wo sich in den 1990er Jahren die neue evangelisch-lutherische Gemeinde Slawsk bildete. Sie ist Teil der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Das Kirchspiel der Kirche Inse umfasste sechs Orte bzw. Ortschaften Die Kennung * bezeichnet einen Schulort: Name Russischer Name *Alt Inse Pritschaly Groß Inse Pritschaly Klein Inse *Loye Rybatschje Pait *Tawe
Pfarrer An der Kirche Inse amtierten als evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 56:
1576–1684 Georg Hink, 1578/1579 Oswald Eiteckonollis, n. a. Johann Oswald, bis 1597 Heydin, etwa 1597 Elias Neumann, 1597–1600 (?) Simon Weißnaris, 1605–1608 Andreas Krause, 1608–1621 Andreas Dreier, 1609–1615 Gregorius Prätorius, 1615–1629 Christoph Prätorius, 1627 Elias Sperber, 1630–1665 Christian Sperber, 1665–1684
1810–1945 August Fredirch Wilhelm Monich, 1810–1819 Johann Christian Sylla, 1819–1849 Karl Leopold Neiß, 1845–1855 Robert Heinemann, 1855–1857 Waldemar Hoffheinz, 1857–1862 Janis Pipirs, 1863–1869 Richard Otto Rudolf Werner, 1869–1873 Karl August Schwindt, 1873–1878 Otto Friedrich M. Lehmann, 1878–1883 Schimkus, 1885–1887 Immanuel Friedrich Girkon, 1888–1893 Hans Robert Boettcher, 1893–1900 Ernst Albert Paul Harner, 1900–1906 Hermann Rudolf Rumpel, 1906–1914 Ludszuweit (Missionar), 1914–1924 Arthur Bruno Heinrich Pipirs, 1924–1927 Eduard Gustav Grüner, 1928–1932 Kurt Szogs, 1932–1935 Harry Otto Ennulat, 1935–1936 Helmut Galda, 1938–1945 Hans G. Schieferdecker, 1940–1942 Alfred Nickel, 1943–1944
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Inse sind erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1690, 1768 bis 1874 Trauungen: 1690, 1767 bis 1874 Begräbnisse: 1690, 1767 bis 1841 und 1848 bis 1874.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1700er Jahren Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Oktogon (Sakralbau) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kirche Inse Kategorie:Zentralbau in Russland Inse Kategorie:Rajon Slawsk