Eimi Yamada (, Yamada Eimi, auch: Yamada Amy, wirklicher Name: , Yamada Futaba; * 8. Februar 1959) ist eine japanische Schriftstellerin und Mangaka. Sie ist in Japan eine sehr kontrovers diskutierte Gegenwartsschriftstellerin. Interkultureller Sex und interkulturelle Ehen sind die provokanten Themen ihrer Werke.

Leben Yamada wuchs in Tokio auf, musste jedoch ab der Mittelschulzeit aufgrund der Arbeitsplatzwechsel ihres Vaters häufig über Japan hinweg umziehen. Die damit einhergehenden Erlebnisse von Trennung, Mobbing und die Sehnsucht nach Sicherheit sind ebenfalls Themata ihrer Werke. 1977 begann sie ein Studium der Literatur an der Meiji-Universität, das sie vorzeitig abbricht. Für eine kurze Zeit arbeitete sie als Mangaka und publizierte 1981 den Manga „Sugar Bar“.Yomitai! Neue Literatur aus Japan, S. 330–334 In der Folgezeit wendete sie sich dem Schreiben zu. 1985 legte sie mit Beddotaimu Aizu (dt. „Nächte mit Spoon“) ihr Debütwerk vor, dass mit dem Bungei-Preis ausgezeichnet wurde. Geschildert werden Liebe und Sex zwischen der Nachtclubsängerin Kim und dem schwarzen amerikanischen GI Spoon. Die Folge war ein Skandal, der Yamadas Privatleben als Domina und Aktmodell im bei Ausländern angesagten Tokioter Stadtbezirk Roppongi in den Mittelpunkt des Medieninteresses zerrte.

Ein Jahr später, 1986, erschienen ihre Manga Miss Doll (, Misu Dōru), Yokosuka Freaky (, Yokosuka Furīkī) und ihr Roman Jesse no Sebone, der wiederum Sex mit einem Afroamerikaner in New York, die gescheiterte Beziehung der Protagonistin mit einem Alkoholiker und das fehlende Verantwortungsbewusstsein gegenüber einem elfjährigen Kind aus dieser Beziehung schildert. Dem Themenkreis Sexualität sind ebenfalls zuzuordnen die Kurzgeschichte Hizamazuite ashi o o-name (, Kneel down and lick my feet, 1988) und der ebenfalls ausgezeichnete Roman Animal Logic. Der Roman weitet den Blick auf das Thema insofern, als es hier eine Afroamerikanerin ist, die sich in unverbindlichem Sex durch den „menschlichen Zoo“ New York schläft. Wenngleich Japaner in diesem Roman keine Rolle spielen, so wendet Yamada sich mit der moralfreien und expliziten Darstellung der Sexualität doch gegen die konventionelle Rolle der japanischen Frau und Mutter. Yamadas Werke dieses Themenkreises werden häufig mit Ryū Murakami in Verbindung gebracht. In Kagirinaku Tōmei ni Chikai Blue (dt. „Blaue Linien auf transparenter Haut“) etwa schilderte Murakami das ausschweifende Leben einer gemischtrassigen Gruppe junger Leute mit wilden Partys und Drogen in der Nähe einer amerikanischen Militärbasis.

1990 heiratete Yamada den Afroamerikaner Graig Douglas, den sie 1987 kennengelernt hatte und der auf der Yokota Air Base nahe Tokio arbeitete.

Ein anderes Thema, die Probleme Heranwachsender, die sich durch Mobbing in die Rolle des Außenseiters gedrängt fühlen, ist Gegenstand ihre Werke Hōkago no Keynote („Noten nach der Schule“), Boku wa Benkyō ga Dekinai („Ich bin fürs Lernen nicht begabt“) und Fūsō no Kyōshitsu („Klassenzimmer der Luftbestattung“). Pay Day! wiederum erzählt vom Alltagsleben im Schatten der Terroranschläge am 11. September 2001.

Auszeichnungen 1985: Bungei-Preis für Bedtime Eyes (, Beddotaimu Aizu, dt. Nächte mit Spoon) 1987: Naoki-Preis für Soul Music Lovers Only (, Sōru Myūjikku Rabāzu Onrī) 1989: Hirabayashi-Taiko-Literaturpreis für Fūsō no Kyōshitsu () 1991: Frauenliteraturpreis für Trash (, Torasshu) 1996: Izumi-Kyōka-Literaturpreis für Animal Logic (, Animaru Rojikku) 2000: Yomiuri-Literaturpreis für A2Z 2005: Tanizaki-Jun’ichirō-Preis für Fūmizekka (), Kurzgeschichtensammlung, 2006 unter dem Titel „Sugar and Spice“ verfilmt. 2012: Noma-Literaturpreis für Gentleman (, Jentoruman)

Werke (Auswahl) 1985: Bedtime Eyes (, Beddotaimu aizu) „Nächte mit Spoon“, aus dem Japanischen von Ina Hein, Ammann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-250-60116-6 1986: Jesse no sebone (, Jeshī no sebone, „Jesses Rückgrat“) 1987: Soul Music Lovers Only (, Sōru myūjikku rabāzu onrī), 1988 verfilmt 1988: Watashi wa hen'on dōbutsu (, „Ich bin ein Wechselwarmblüter“) 1988: Fūsō no kyōshitsu () 1989: Hōkago no Keynote (, Hōkago no kiinōto) 1991: Bannen no kodomo ()  „Lebensabend eines Kindes“, aus dem Japanischen von Heike Schöche, in: Hannelore Eisenhofer-Halim, Peter Pörtner (Hrsg.), Verführerischer Adlerfarn. Anthologie japanischer Erzählungen, Konkursbuchverlag, Tübingen 1999, ISBN 3-88769-077-X, S. 47–56 1991: Trash (, Torasshu) 1993: Boku wa benkyō ga dekinai (), 1996 verfilmt 1994: 120% COOOL 1996: Animal Logic (, Animaru rojikku) 1997: 4U 1999: MAGNET 2001: Himegimi (, „Prinzessin“) 2003: A2Z 2003: PAY DAY! 2007: Musen yūga (, „Eleganz der Armut“) 2009: Gakumon () 2010: Tiny Stories (, Tainī Sutōrīzu) 2011: Gentleman (, Jentoruman) 2013: Ashita shinu kamo shirenai jibun, soshite anatatachi () 2016: Shugyoku no tampen ()

Einzelnachweise

Literatur

Jürgen Berndt und Fukuzawa Hiroomi (Hrsg.): Yamada Eimi. In: Momentaufnahmen moderner japanischer Literatur. Silver & Goldstein, Berlin, 1990. ISBN 3-927463-10-8. S. 150 bis 153.

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