Die Liste der Stolpersteine in Staßfurt enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Staßfurt verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Staßfurt lebten und wirkten. Zwischen 2011 und 2015 wurden insgesamt 27 Steine an 17 Adressen verlegt.
Verlegungen 14. Oktober 2011: Sechs Steine an drei Adressen 11. November 2011: Ein Stein an einer Adresse 25. April 2012: Fünf Steine an drei Adressen 26. März 2013: Sieben Steine an fünf Adressen 14. Juni 2013: Ein Stein an einer Adresse 26. März 2014: Drei Steine an drei Adressen 20. März 2015: Vier Steine an vier Adressen
Liste der Stolpersteine Adresse Datum der Verlegung Person Inschrift Bild Bild des Hauses Ackerstraße 41 (1902–1940) Gustav Langstädtler wurde in Staßfurt geboren. Er war gelernter Sattler und wurde 1923 Mitglied der KPD. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste er sich als Kommunist regelmäßig bei der Polizei melden. Am 27. September 1939 wurde er bei solcher Gelegenheit in „Schutzhaft“ genommen. Er wurde zunächst im Gefängnis von Magdeburg inhaftiert und am 5. März 1940 ins KZ Sachsenhausen verlegt. Wenig später wurde er weiter ins KZ Dachau verbracht, wo er am 22. März 1940 ermordet wurde. Hier wohnte GUSTAV LANGSTÄDTLER Jg. 1902 im Widerstand / KPD ‘Schutzhaft’ 1939 Gefängnis Magdeburg 1940 Sachsenhausen ermordet 22.3.1940 Dachau 130px|Staßfurt Ackerstraße 41 Stolperstein Gustav Langstädler 130px|Staßfurt Ackerstraße 41 An der Bode 1 (1881–1937) Der aus Staßfurt stammende Richard Lohdau war seit 1928 Mitglied der KPD. Er wurde am 28. September 1933 verhaftet und war am 9. und 10. April einer von 19 Angeklagten im Staßfurter Hochverratsprozess. Wegen der Weitergabe von Beitragsmarken und Zeitschriften an Parteigenossen wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Er wurde am 5. Juni 1934 ins Gefängnis von Luckau eingewiesen und am 30. Juni 1935 wieder entlassen. Am 23. Februar 1937 starb er im Krankenhaus von Staßfurt an den Folgen seiner Haft. Hier wohnte RICHARD LOHDAU Jg. 1881 im Widerstand / KPD verhaftet 28.9.1933 ‘Vorbereitung zum Hochverrat’ Zuchthaus Luckau tot an Haftfolgen 23.2.1937 Stassfurt 130px|Staßfurt An der Bode 1 Stolperstein Richard Lohdau 130px|Staßfurt An der Bode 1 Stolpersteinlage Athenslebener Weg 3 (1896–1939) Walter Rémi kam in Wien als einziges Kind des Hofmusikers Heinrich Rémi und dessen Ehefrau Berta zur Welt. 1902 konvertierte die Familie vom jüdischen zum evangelischen Glauben über. 1914 begann er ein Medizinstudium, wurde aber 1915 zum Kriegsdienst eingezogen. 1918 setzte er sein Studium fort, wechselte aber zur Chemie. 1922 erfolgte die Promotion. Im gleichen Jahr übersiedelte er nach Staßfurt, wo er 1930 Ilse geb. Solms heiratete. Da er nach den Nürnberger Rassegesetzen als Jude galt, musste er 1938 einen erheblichen Teil seines Vermögens abtreten. Im September 1939 erkrankte er an Brucellose und starb am 31. Dezember 1939.Stolpersteine in Staßfurt: Walter Rémi (PDF) Hier wohnte DR. WALTER RÉMI Jg. 1896 gedemütigt/entrechtet tot 31.12.1939 130px|Staßfurt Athenslebener Weg 3 Stolperstein Walter Remi 130px|Staßfurt Athenslebener Weg 3 Athenslebener Weg 5 (1871–1946) Hans Rieger wurde in Dresden geboren und arbeitete in Staßfurt als Arzt. Da er Jude war, musste er 1938 seine Praxis schließen. Im gleichen Jahr verlor er seine Wohnung. Es wurde bis Kriegsende von seiner nichtjüdischen Frau und dem gemeinsamen Sohn versorgt. 1945 nahm er notgedrungen seinen Beruf wieder auf, wurde aber bereits im Mai 1946 bettlägerig und verstarb im folgenden Monat.Stolpersteine in Staßfurt: Hans Rieger (PDF) Hier wohnte HANS RIEGER Jg. 1871 Berufsverbot 1938 Wohnung gekündigt 1939 überlebt 130px|Staßfurt Athenslebener Weg 5 Stolperstein Hans Rieger 130px|Staßfurt Athenslebener Weg 5 Bischofstraße 15 (1938–1941) Edith Schulz kam am 10. September 1938 in Staßfurt als Tochter von Albert und Marie Schulz geboren. Sie litt unter Hydrocephalie und war deswegen ab Mai 1940 mehrfach in Behandlung. Ende März 1941 kam sie zunächst wieder nach Hause, wurde aber bereits am 16. Juli schließlich in die Landesanstalt Görden eingewiesen. Bei ihrer Aufnahme wird lediglich eine Rückständigkeit ihrer motorischen Fähigkeiten diagnostiziert. Während ihres Aufenthalts in der Anstalt verschlechtert sich ihr Zustand allerdings rasch. Ende Juli erkrankte sie an Gastroenteritis, Anfang August zudem an Bronchitis. Am 18. August 1941 starb Edith Inge Schulz, offiziell an ihrer Erkrankung, vermutlich aber durch die Verabreichung einer Überdosis Phenobarbital.Stolpersteine in Staßfurt: Edith Inge Schulz (PDF) Hier wohnte EDITH INGE SCHULZ Jg. 1938 eingewiesen 16.7.1941 Landesanstalt Görden ‘Kinderfachabteilung’ ermordet 18.8.1941130x130px Concordiastraße 13 (1938–1942) Manfred Albert Meyer wurde in Leopoldshall geboren und hatte eine geistige Behinderung. Am 26. Mai 1942 wurde er in die Heilanstalt Dösen in Leipzig mit der Diagnose „Idiotie“ eingeliefert. Dort starb er am 30. Juli 1942 im Alter von drei Jahren. Offizielle Todesursache war Bronchopneumonie, wahrscheinlich wurde er aber wie 550 weitere Kinder durch eine Überdosis Phenobarbital ermordet. Hier wohnte MANFRED ALBERT MEYER Jg. 1938 ‘eingewiesen’ 26.5.1942 Kinderfachabteilung Leipzig-Dösen ermordet 30.7.1942 130px|Manfred Albert Meyer 130px|Concordiastraße 13 (Staßfurt) Freytagstraße 3 (1888–1935) Otto Hampel stammte aus Staßfurt und war gelernter Schlosser. Er war Mitglied der SPD und Stadtverordneter. 1921 wurde er Geschäftsführer der Gewerkschaft Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV). 1933 zog er zu seiner Tochter nach Hamburg. Er war beteiligt am Aufbau eines illegalen Informationsnetzes des DMV. Anfang 1935 wurde er verhaftet und im KZ Fuhlsbüttel interniert, wo er brutalen Verhören unterzogen wurde. Am 3. Mai 1935 nahm er sich in seiner Zelle das Leben. Hier wohnte OTTO HAMPEL Jg. 1888 im Widerstand 1933 Hamburg verhaftet 21.2.1935 KZ Fuhlsbüttel in der Haft Flucht in den Tod 3.5.1935 130px|Staßfurt Freytagstraße 3 Stolperstein Otto Hampel 130px|Staßfurt Freytagstraße 3 Eingang Stolpersteinlage Hamsterstraße 12a (1904–1944) Wilhelm „Willy“ Heine stammte aus Staßfurt und arbeitete als Elektriker. 1927 wurde er Mitglied der KPD und engagierte sich als Redakteur verschiedener Zeitungen. Nach dem Verbot der KPD 1933 arbeitete er im Untergrund. Am 24. November 1933 wurde er verhaftet und nach Berlin-Moabit gebracht. Am 17. Mai 1934 wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Diese saß er in der Strafanstalt Luckau ab. Über die Jahre nach seiner Entlassung ist nichts näheres bekannt. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde er in die Strafdivision 999 eingezogen. Am 3. November 1944 fiel er in Agino Selo bei Banja Luka.Stolpersteine in Staßfurt: Wilhelm Heine (PDF) Hier wohnte WILHELM HEINE Jg. 1904 im Widerstand/KPD ‘Schutzhaft’ 1933 ‘Vorbereitung zum Hochverrat’ verurteilt 17.5.1934 Strafdivision 999 tot 3.11.1944 Agino Selo 130px|Staßfurt Hamsterstraße 12a Stolperstein Wilhelm Heine 130px|Staßfurt Hamsterstraße 12a Hamsterstraße 26 (1882–1941) Sally Lewy wurde in Küstrin geboren und betrieb in Bernburg ein Geschäft für Wäsche, Stoffe und Damenmoden, später auch eine Fabrik. Lewy war Abgeordneter im Anhaltischen Landtag und diente im Ersten Weltkrieg als Offizier, wofür er mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet wurde. Er war verheiratet und hatte fünf Kinder. In Staßfurt eröffnete er eine Zweigstelle seines Geschäfts. Bereits kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er Repressalien ausgesetzt. Im April 1933 erschien eine Boykottliste, die auch sein Unternehmen aufführte. Die Adresse der Staßfurter Filiale diente Lewys Tochter Irmgard 1935/36 zeitweilig als Wohnung. 1937 wurde sie Teilhaberin des Unternehmens. Am 9. November 1938 wurde Sally Lewy zusammen mit allen anderen jüdischen Männern Bernburgs verhaftet und nach Dessau gebracht. Während die meisten anderen ins KZ Buchenwald deportiert wurden, wurde Lewy zurückgeschickt und am folgenden Tag ins Bernburger Gefängnis eingesperrt. Zeitgleich wurden seine Geschäfte in Bernburg und Staßfurt verwüstet und im Dezember 1938 „arisiert“. Sally Lewy blieb bis 1941 in Haft. Bereits kurz nach seiner Entlassung starb er am 21. März 1941 an einem Herzinfarkt. Von seiner Familie überlebte einzig sein Sohn Gerhard durch rechtzeitige Flucht über die Tschechoslowakei nach Palästina den Krieg.Stolpersteine in Staßfurt: Sally Lewy (PDF)
Für Sally Lewy wurde auch in Bernburg ein Stolperstein verlegt, siehe Liste der Stolpersteine in Bernburg (Saale). Hier arbeitete SALLY LEWY Jg. 1882 ‘Schutzhaft’ 1938 Gefängnis Bernburg ermordet 21.3.1941 130px|Staßfurt Hamsterstraße 26 Stolperstein Sally Lewy 130px|Staßfurt Hamsterstraße 26 Stolpersteinlage Hohenerxlebener Straße 98 (1895–1938) Ernst Israel stammte aus Leopoldshall und arbeitete als Optiker und Uhrmacher. Nach den Nürnberger Gesetzen galt er als Halbjude, musste aber bis 1938 nur vergleichsweise geringe Repressalien in Kauf nehmen. Anfang November 1938 musste er allerdings sein Geschäft aufgeben. Unmittelbar nach der Reichspogromnacht sollte er am 10. November 1938 verhaftet werden. Dem entzog er sich, indem er sich aus dem Fenster seiner Wohnung in den Tod stürzte. Hier wohnte ERNST ISRAEL Jg. 1895 vor Verhaftung Flucht in den Tod 10.11.1938 130px|Ernst Israel Holzmarkt 9 (1923–1940) Wilfried Münzel wurde 1923 in Leopoldshall als ältestes von vier Geschwistern geboren. Nach dem Umzug nach Staßfurt besuchte er dort die Pestalozzischule, die er mit 14 Jahren verließ. Da seine Mutter sich ab Juli 1938 in einer Heilanstalt aufhielt, lebte Wilfried Münzel zunächst in einem Waisenhaus. Ein ärztliches Gutachten bescheinigte ihm starke körperliche und geistige Defizite. Zur „Erziehung und Berufsausbildung“ wurde er am 25. November 1938 in die Heilanstalt Uchtspringe eingewiesen. Dort arbeitete er in einer Sattlerei und auf dem Friedhof. Am 9. August 1940 wurde er im Rahmen der „Aktion T4“ in die Tötungsanstalt Brandenburg verlegt und direkt nach seiner Ankunft vergast.Stolpersteine in Staßfurt: Wilfried Münzel (PDF) Hier wohnte WILFRIED MÜNZEL Jg. 1923 eingewiesen 25.11.1938 Heilanstalt Uchtspringe ‘verlegt’ 9.8.1940 Landes-Pflegeanstalt Brandenburg ermordet 9.8.1940 Aktion T4 130px|Wilfried Münzel abgerissen Parkstraße 8 (1885–1933) Hermann Kasten stammte aus Unseburg und war gelernter Maler. 1903 wurde er Mitglied der SPD. Von 1923 bis 1933 war er Mitglied des preußischen Landtags. 1929 wurde er zusätzlich erster Bürgermeister von Staßfurt. Am Abend des 4. Februar 1933 wurde er vor seinem Haus von einem unbekannten Täter durch zwei Schüsse niedergestreckt. Trotz einer Notoperation erlag er Tags darauf seinen Verletzungen. Das Verfahren gegen einen Tatverdächtigen wurde bereits im Folgemonat eingestellt und der Fall 1939 endgültig zu den Akten gelegt. Der Mordfall wurde nie aufgeklärt. Hier wohnte und wurde niedergeschossen am 4.2.1933 HERMANN KASTEN Jg. 1885 im Widerstand Bürgermeister Abgeordneter SPD im Preussischen Landtag tot 5.2.1933 130px|Hermann Kasten 130px|Parkstraße 8 (Staßfurt) Prinzenberg 14 (1896–?) Juda Hersch Korn stammte aus Lubaczów. 1930 heiratete er Taube Wolf. Spätestens seit 1934 lebte er mit ihr in Staßfurt. Im gleichen Jahr kam Tochter Sali zur Welt. Im Rahmen der „Polenaktion“ wurde die Familie Ende Oktober 1938 nach Polen abgeschoben. Da sie dort nicht bei Verwandten unterkommen konnten, verblieben sie zunächst in einem Lager in der Grenzstadt Bentschen. Im Sommer 1939 konnten sie nach Krakau übersiedeln. Das weitere Schicksal der Familie ist unbekannt. Hier wohnte JUDA HERSCH KORN Jg. 1896 Polenaktion 1938 Bentschen 1940 Krakau ? ? ? 130px|Staßfurt Prinzenberg 14 Stolperstein Juda Hersch Korn 130px|Staßfurt Prinzenberg 14 (1934–?)