Stadtgrenze = ––––; Grüne Linie = 30px 250px mini|Eingangsbereich von Yad Vashem Yad Vashem (englische Transkription von ; sinngemäß: „Denkmal und Name“; gelegentlich auch als Yad waShem transkribiert) ist die Bezeichnung der staatlichen israelischen „Gedenkstätte des Holocausts und des Heldenmuts“ (), der bedeutendsten Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und sie wissenschaftlich dokumentiert.
Die Gedenkstätte befindet sich in Jerusalem. Sie wurde durch das Yad-Vashem-Gesetz, das die Knesset am 19. August 1953 beschloss, als eine staatliche Behörde gegründet.Israel Gutman (Hrsg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern, Bd. 1: Daniel Fraenkel, Jakob Borut (Hrsg.): Deutsche und Österreicher. Wallstein Verlag, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-900-7, S. 16. Yad Vashem wird jährlich von über zwei Millionen Menschen besucht.
Entstehung und Aufbau Yad Vashem ( für „Denkmal und Name“) erhielt seinen Namen nach : „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“
Die ersten Überlegungen für eine Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem reichen in das Jahr 1942 zurück und wurden auf einer Vorstandssitzung des Jüdischen Nationalfonds diskutiert. 1945 wurde ein provisorischer Vorstand von Yad Vashem installiert, dem David Remez (Vorsitzender), Shlomo Zalman Shragai, Baruch Zuckerman und Mordechai Shenhavi angehörten. Nach der Gründung des Staates Israel befürwortete dessen erster Staatspräsident Chaim Weizmann 1948 ausdrücklich das Vorhaben einer Holocaust-Gedenkstätte. Durch den Palästinakrieg 1948–1949 verzögerte sich die Umsetzung jedoch erheblich.
Am 19. August 1953 verabschiedete das israelische Parlament, die Knesset, einstimmig das Yad-Vashem-Gesetz. Die Leitung der geplanten Gedenkstätte hatte bereits verschiedene Projekte gestartet: Sammlung der Namen der Opfer des Holocaust, Dokumentation persönlicher Zeugnisse von Überlebenden, vorbereitende Untersuchungen für die zukünftige Forschung und für geplante Publikationen. Am 29. Juli 1954 wurde auf dem Mount of Remembrance (Mount Herzl | Har ha-Zikaron) westlich von Jerusalem der Grundstein für das zentrale Museumsgebäude von Yad Vashem gelegt. Das Museum und weitere bis dahin bereits fertiggestellte Teile der Gedenkstätte wurden 1957 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.Mordecai Naor: The Twentieth Century in Eretz Israel, Könemann Verlag, Köln 1998, ISBN 978-3-89508-595-6, S. 317 f.
Seither wurde Yad Vashem kontinuierlich erweitert und ausgebaut und umfasst gegenwärtig folgende Abteilungen und Institutionen:
Museum zur Geschichte des Holocaust Das „Museum zur Geschichte des Holocaust“ dokumentiert in neun unterirdisch angelegten Galerien die Geschichte der Judenverfolgung. Anhand von Videoinstallationen, Fotografien, Exponaten, Dokumenten und Kunstwerken wird der Völkermord an den europäischen Juden dargestellt. Die Ausstellung ist chronologisch geordnet und beginnt beim jüdischen Leben in Europa vor dem Holocaust. Sie leitet dann über zu dem aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland, dem Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung jüdischen Lebens in Polen, den Ghettos (mit dem Nachbau der „Ulica Leszno“, der Hauptstraße des Warschauer Ghettos) bis zur Internierung in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern wie Auschwitz. Hieran schließen sich der Widerstand und die Todesmärsche an. Die Ausstellung endet mit der Situation der Überlebenden, ihrer Suche nach Angehörigen, dem Leben in DP-Lagern und der Auswanderung nach Israel oder in andere Länder. Hierbei werden auf mehr als 100 Bildschirmen Videos mit Aussagen Überlebender des Holocaust vorgestellt.Das Museum zur Geschichte des Holocaust, auf der Website von Yad Vashem
Der Neubau des Museums (Architekt: Mosche Safdie) wurde im März 2005 eröffnet.
Denkmäler in Yad Vashem Das weitläufige Gelände umfasst eine Vielzahl von Skulpturen und einzelnen Gedenkstätten. Besonders seien erwähnt:
Halle der Erinnerung mini|Halle der Erinnerung (September 2010)
Die „Halle der Erinnerung“ ( Ohel Jizkor) mit der Gedenkflamme für die Opfer des Holocaust. Diese Flamme, in Form eines zerbrochenen Bronzekelchs, steht in der Mitte der Halle. Davor befindet sich eine Steinplatte, unter welcher Asche aus den Konzentrationslagern begraben ist. In der Halle sind die Namen der 22 größten Konzentrationslager in den Boden eingraviert, die exemplarisch für alle Orte der Vernichtung stehen. Der Architekt Arieh Elhanani entwarf die Halle. Die Bronze Die ewige Flamme (1960) schuf der Bildhauer Kosso Eloul.The Hall of Remembrance, YadVashem.org; Kosso Eloul, The Israel Museum, Jerusalem; 1960 Ner Tamid (The Eternal Flame), Yad VaShem (Archivlink), KossoEloul.net Das eindrucksvolle südliche Eingangstor schuf der Bildhauer David Palombo (1920–1966).Gedenkhalle, abgerufen am 6. April 2024.
Allee der Gerechten unter den Völkern mini|links|Gedenktafel
Die „Allee der Gerechten unter den Völkern“ ist gesäumt von Bäumen, die für die „Gerechten“ gepflanzt wurden. Mit den Gerechten unter den Völkern sind nichtjüdische Personen und Organisationen gemeint, die sich dem NS-Regime widersetzten, um Juden zu retten. Ihre Namen und ihre Herkunftsländer sind neben den Bäumen auf Tafeln vermerkt. Beispiele hierfür sind Oskar Schindler, Chiune Sugihara, Berthold Beitz, Giorgio Perlasca oder Aristides de Sousa Mendes. Das Projekt wurde 1962 begonnen. Im August 2018 wurden insgesamt 26.973 Menschen als „Gerechte unter den Völkern“ geführt, 616 von ihnen sind Deutsche. Im Jahr 2017 sind 460 neue Anerkennungen hinzugekommen.
Garten der Gerechten unter den Völkern mini|Der „Garten der Gerechten unter den Völkern“ Im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ werden seit 1996 für nichtjüdische Retter Platten mit ihren Namen angebracht. Hier finden auch die Verleihungszeremonien des Ehrentitels für diese Personen statt. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden der Gedenkstätte über Projektförderung knapp fünf Millionen Euro von der Bundesregierung bis Ende 2009 zur Verfügung gestellt. Der Vertrag vom 1. Februar 2012 soll die Unterstützung weiter sichern. Deutschland hat weitere finanzielle Hilfe von 10 Millionen Euro zugesagt.
Denkmal für die Kinder mini|links|Die fünf Kerzen im verspiegelten Saal in Yad Vashem Das im Jahre 1987 errichtete „Denkmal für die Kinder“ ist dem Gedenken an die 1,5 Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Kinder gewidmet. Das Denkmal ist als unterirdischer Raum angelegt, in dem fünf Kerzen in der Dunkelheit so reflektiert werden, dass ein ganzer Sternenhimmel entsteht. Im Hintergrund werden die Namen, das Alter und der Geburtsort der Kinder von einem Tonband abgespielt. Dieses Endlosband braucht ungefähr drei Monate, um alle Namen wiederzugeben. Der Architekt war Moshe Safdie.
Halle der Namen mini|Die Halle der Namen In der „Halle der Namen“, dem letzten Raum im Rundgang des Museums zur Geschichte des Holocaust, werden die Namen und persönlichen Daten der jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes gesammelt. Als Grundlage hierfür dienen die Angaben auf „Gedenkblättern“, die von Verwandten und Bekannten der Ermordeten gemacht werden. Oft sind die Gedenkblätter die einzigen Erinnerungen an die Opfer.Halle der Namen auf der Website von Yad Vashem Der Architekt war Moshe Safdie.
Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten mini|Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten
Das „Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten“ erinnert mit einem alten Reichsbahnwagen an die Transporte in die Konzentrationslager; der Waggon steht über dem Abhang auf einer ins Nichts führenden Brückenkonstruktion und ist ein originaler Transportwagen, der von der polnischen Regierung an Yad Vashem übergeben wurde. Architekt: Mosche Safdie.
Tal der Gemeinden mini|links|Tal der Gemeinden - Baden Auf einer Fläche von etwa einem Hektar wird im „Tal der Gemeinden“ (hebr.: בקעת הקהילות, Bik'at haKehilot) auf 107 Steinwänden der über 5000 jüdischen Gemeinden, die während der Shoa ganz oder teilweise vernichtet wurden, gedacht. Architekten: Dan Zur und Lifa Yahalom.
Holocaust-Kunstmuseum Das 2005 eröffnete Kunstmuseum (Holocaust Art Museum) beherbergt eine Kunstsammlung von 10.000 Zeichnungen und Gemälden von Insassen der Konzentrationslager. Ein kleiner Teil, 100 Werke, wurde im Deutschen Historischen Museum vom 26. Januar 2016 bis 3. April 2016 auch in Berlin der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.Kunstmuseum mit Werken der Künstler im Holocaust In Yad Vashem selbst wird in wechselnden Ausstellung jeweils eine Auswahl aus diesem Bestand gezeigt.
Weitere Einrichtungen in Yad Vashem mini|hochkant|Pillar of Heroism, „Säule des Heldenmutes“ mini|Boris Saktsier: Janusz Korczak und die Ghettokinder
Die Neue Synagoge zeigt Judaica aus zerstörten Synagogen Europas.Die Synagoge von Yad Vashem auf der Website von Yad Vashem Die Bibliothek, die größte Sammlung von Büchern über den Holocaust, umfasst über 87.000 Bände in verschiedenen Sprachen. Architekt: Moshe Safdie Das Archiv umfasst eine Sammlung von über 58 Millionen Seiten Dokumentation und über 500.000 Fotografien;Unsere Sammlungen, auf der Website von Yad Vashem die Fotosammlung ist seit Januar 2011 vollständig online einsehbar.Yad Vashem Photo Archive Am 8. Juli 2024 eröffnete Staatspräsident Izchak Herzog den Moshal Shoah Legacy Campus, ein fünfstöckiges Gebäude, in dem alle Archivalien und Artefakte zentral archivarisch erfasst, restauriert und gelagert werden. Es befindet sich direkt gegenüber der „Halle der Erinnerung“ und da diese nicht überragt werden soll, ist es weitgehend unterirdisch angelegt.„Tief in der Erde“, Artikel in der FAZ vom 10. Juli 2024, abgerufen am 10. Juli 2024. Das Archiv ist nicht öffentlich zugänglich, aber eine Videoinstallation des Künstlers Ran Slavin im Eingangsbereich gibt den Besuchern der Gedenkstätte Einblick in mehr als 120.000 Objekte, die auf einem großen Bildschirm abwechselnd gezeigt werden. Gemeinsam mit seinen Partnern hat Yad Vashem Namen und biographische Angaben von Millionen Opfern der systematischen anti-jüdischen Verfolgung zur Zeit des Holocaust gesammelt und aufgezeichnet und stellt diese in einer zentralen Datenbank unter Angabe der Quellen online bereit. Im „Wald der Nationen“ sind Staats- und Regierungschefs aller Länder dazu eingeladen, einen Baum zu pflanzen. Er wurde 2005 von Horst Köhler eingeweiht.
Ausbildung, Publikation, Forschung mini|Anerkennung für Jan Wikkerink, Gerechter unter den Völkern, im Nationaal Onderduikmuseum in Aalten, NiederlandeForschungsstipendien, Auszeichnungen und Förderung Diana Zborowski-Zentrum für das Studium der Auswirkungen des Holocaust Dr. Ingrid Tauber-Stiftung zur Erforschung des Holocaust in Ungarn und der ungarisch-jüdischen Geschichte John Najmann-Lehrstuhl für Holocaust-Studien Reihe „Search and Research“ – Vorträge und wissenschaftliche Publikationen Zentrum zur Erforschung der Juden in Deutschland während des Holocaust Yad Vashem Studies Yad Vashem Verlag
In vielen europäischen Ländern gibt es Partnerschaftsvereine, welche die Ziele von Yad Vashem vertreten, so zum Beispiel die Österreichischen Freunde von Yad Vashem: Sie unterstützen seit 2003 die Ziele von Yad Vashem. Die Aufgaben bestehen im Wesentlichen in der Erinnerung an den Holocaust in Österreich durch spezielle Gedenk- und Erziehungsprojekte. Durch kulturelle Veranstaltungen soll auch die vielerorts verloren gegangene jüdische Kultur wiederbelebt und in Erinnerung gehalten werden. In Deutschland gibt es seit 1997 den Freundeskreis Yad Vashem.