mini|Motoleggera 65 (1949–1954) Die Moto Guzzi Motoleggera 65, besser bekannt als Guzzino (auf Deutsch „kleiner Guzzi“) ist ein Leichtkraftrad des italienischen Herstellers Moto Guzzi. Gebaut wurde es von 1946 bis 1954. „Motoleggera“ bedeutet im Deutschen „Leichtmotorrad“.
Geschichte Die Motoleggera 65 war die erste Neukonstruktion von Moto Guzzi nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Gegensatz zu den weiterhin gebauten Vorkriegskonstruktion mit 250 cm³ oder gar 500 cm³ Hubraum bot die „Guzzino“ Mobilität zu geringem Preis. Anfangs kostete das Leichtkraftrad ITL 159.000.
Bis 1951 war die Motoleggera 65 noch ohne amtliches Kennzeichen in Italien zu fahren, dann wurden diese auch für Leichtkrafträder eingeführt. 1954 ersetzte die weiterentwickelte Cardellino die „Guzzino“.
Technik Antrieb Die Motoleggera 65 hat einen fahrtwindgekühlten Einzylinder-Zweitaktmotor mit schräg nach vorn stehendem Zylinder. Auf dem linken Stumpf der zweifach gelagerten Kurbelwelle sitzt das Schwungrad, das auch den Magnetzünder antreibt. Über eine Mehrscheiben-Ölbadkupplung wird die Motorkraft an ein Dreiganggetriebe weitergeleitet, das mit einem Hebel an der rechten Seite des Tanks über ein Gestänge geschaltet wird. Das Hinterrad wird über eine Kette angetrieben.
Das Gemisch wird von einem Flachstromvergaser mit Rundschieber, 15 mm Durchlass, und Tellerluftfilter aufbereitet. Das Auspuffrohr ist verchromt. Es verläuft unter dem Motor nach hinten zum vor dem Hinterrad quer liegenden, brünierten Schalldämpfer in Zylinderform; vom Schalldämpfer führt an der linken Fahrzeugseite ein Diffusor nach außen. Ab 1948 wurde dieser Diffusor durch ein kurzes, schräg abgeschnittenes Auspuffrohr ersetzt.
Rahmen und Fahrwerk Die Motoleggera 65 hat einen Zentralrohr-Brückenrahmen ohne Heckausleger. Die Hinterradschwinge stützt sich über zwei Tonnenfedern ohne Dämpfung am Rahmen ab. Das Vorderrad wird in einer Parallelogrammgabel mit Tonnenfeder geführt.
Tank Der Tank für Benzin-Öl-Gemisch hat ein Volumen von 6,5 Litern.
Räder und Bremsen Die Drahtspeichenräder sind vorn und hinten mit 26 Zoll gleich groß, in beide sind Halbnaben-Trommelbremsen eingebaut. Die vordere Bremse wird mit einem Handhebel am Lenker und einem Seilzug betätigt, die hintere über einen Fußhebel an der linken Motorseite und ein Gestänge.
Werkstoffe Das Motor-/Getriebegehäuse, der Zylinder und der Zylinderkopf sind aus Leichtmetallguss. Zeitweise gab es auch einen Graugusszylinder. Der Rahmen, die Hinterradschwinge, die Vorderradgabel, der Tank und die Schutzbleche sind aus Stahlblech.
Lackierung, Oberflächenbehandlung und Embleme Die Stahlblechteile der meisten Motoleggera 65 sind feuerrot (ähnlich RAL 3000) mit schwarzen und goldfarbenen Zierstreifen lackiert. Im Jahr 1953 gab es einige Exemplare ohne Zierstreifen und einige grau lackierte. An den Tankseiten der Maschinen finden sich goldfarbene Moto-Guzzi-Embleme als Abziehbilder. Graugussteile des Motors sind brüniert.
Technische Daten Motoleggera 65 Baujahre 1946–1954 Motor fahrtwindgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor, Kickstarter Bohrung × Hub 42 × 46 mm Hubraum 63,7 cm³ Verdichtungsverhältnis 5,5 : 1 Nennleistung bei 5000/min Gemischaufbereitung Flachstromvergaser mit Rundschieber,Ansaugdurchmesser 15 mm Schmierung Zweitaktgemisch 1 : 20 Zündung Magnetzündung Kupplung Mehrscheibenkupplung im Ölbad Getriebe 3-Gang mit Handschaltung Endantrieb Kette Rahmen Zentralrohr-Brückenrahmen ohne Heckausleger Maße (L × B × H) 1930 × 700 × 930 mm Radstand 1185 mm Radaufhängung vorn Parallelogrammgabel mit Tonnenfeder Radaufhängung hinten Langschwinge, über Tonnenfedern am Zentralrohr abgestützt Felgengröße vorn 1,75 × 26″ Felgengröße hinten Bereifung vorn 2,00 × 26″ Bereifung hinten Bremse vorn Halbnaben-Trommelbremse, handbetätigt Bremse hinten Halbnaben-Trommelbremse, fußbetätigt Leergewicht 45 kg Tankinhalt ca. 6,5 l Höchstgeschwindigkeit 50 km/h Kraftstoffverbrauch ca. 2 l/100 km
Quelle:
Rennversion der Motoleggera mini|Das Rekordmotorrad im Museo nazionale della scienza e della tecnologia Leonardo da Vinci in Mailand Bereits ab dem Jahr 1946 begann Moto Guzzi auf Basis der Motoleggera ein Rennmotorrad für Rekordversuche aufzubauen, um die Zuverlässigkeit und technische Überlegenheit des kleinen Zweitaktmotors gegenüber der Konkurrenz zu demonstrieren. Dazu wurde der ursprüngliche Einzylinder-Zweitakt-Motor von 65 cm³ Hubraum auf 73 cm³ erweitert. Eine aerodynamische Optimierung wurde durch die Verkleidung und die Radabdeckungen erzielt. Der Fahrer nahm die sogenannte „Froschposition“ ein, wobei er die Knie auf Stützen an der Verkleidung, die auch die Antriebskette abdeckte, und die Füße auf den am hinteren Rahmen befestigten Trittbrettern abstützte. In dieser Version wog die Maschine nur noch 40 Kilogramm, der Motor leistete 3,6 PS (2,64 kW).
Mit der Moto Guzzi Motoleggera 73 (auch bekannt als Cardellino 73) wurde zwischen 1948 und 1950 eine Serie von 43 Weltrekorden aufgestellt:
Rekordserie 1948: Am 5. November 1948 stellten die Fahrer Raffele Alberti, Gianni Leoni und Bruno Ruffo auf der Rennstrecke in Monza 19 Weltrekorde in ihrer Hubraumklasse auf. Darunter den WR über die fliegende Meile (96,07 km/h) Rekordserie 1950: Am 14. September 1950 reiste das Team mit einer torpedoförmig verkleideten Maschine zum Autodrome de Linas-Montlhéry in Frankreich und verbesserte oder setzte weitere 24 Rekorde, unter anderem über die Distanz von 1000 Kilometern mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 75,6 km/h.
Einzelnachweise Mario Colombo: Moto Guzzi. 2. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1990. ISBN 3-613-01274-X
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Kategorie:Motorradmodell Motoleggera 65