In der Islamischen Republik Iran sind weite Teile der iranischen Wirtschaft verstaatlicht. Dazu zählen z. B. bis auf wenige Ausnahmen die Banken. Weitere wirtschaftliche Bereiche sind privat oder genossenschaftlich organisiert. Allgemein wird die kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaft als Kommandowirtschaft bezeichnet, in der die politischen Machtzentren versuchen die Wirtschaft zu steuern. Der staatlichen Planung liegen jeweils Fünfjahrespläne zugrunde.Iran, der Staat des politischen Islam, Wolfgang Bator abgerufen am 12. Februar 2012. Iran gehört nach kaufkraftbereinigtem Bruttoinlandsprodukt zu den 20 größten Wirtschaftsmächten weltweit.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Iran Platz 69 von 137 Ländern (Stand 2017–18). Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2017 Platz 155 von 180 Ländern.

Wirtschaft

Wichtigste Wirtschaftssparte sind die reichen Erdöl- und Erdgas-Vorkommen in Iran. Weitere wichtige Wirtschaftssparten sind die Textilindustrie, die Landwirtschaft und die Zement- und Baustoff-Produktion.

Iran hatte im Jahr 2016 eine arbeitsfähige Bevölkerung von 29,75 Millionen Menschen. Die Arbeitslosigkeit beträgt etwa 12,5 % (Stand 2016). Der Dienstleistungssektor bietet 45 % der Arbeitsplätze, wobei der Staat einen sehr großen Verwaltungsapparat betreibt. Die Landwirtschaft bietet 30 % und die Industrie 25 %.

Trotz vieler Probleme und internationaler Sanktionen wird Irans Wirtschaft aufgebaut. Die iranische Stahlproduktion wuchs von 0,55 Mio. Tonnen im Jahr 1980 über 1,6 Mio. Tonnen im Jahr 1990 und 6,6 Mio. Tonnen im Jahr 2000Stahl/Tabellen und Grafiken auf 14,5 Mio. Tonnen im Jahr 2012http://german.irib.ir/nachrichten/wirtschaft/item/216267-stahlproduktion-in-iran-um-9-prozent-im-jahr-2012-gewachsen. Die Zementproduktion stieg von 7,5 Mio. Tonnen im Jahr 1980 über 23,9 Mio. Tonnen im Jahr 2000 und 35,0 Mio. Tonnen im Jahr 2007 auf 70 Mio. Tonnen im Jahr 2012United States Geological Survey: Cement Statistics and Information. Damit ist Iran der viertgrößte Zementhersteller weltweit.

Wirtschaftszahlen + Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und anderer KennzahlenJahr 2010 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023BIP in Mrd. USD(Kaufkraftparität) 1.020,1 1.115,2 1.225,0 1.281,4 1.278,0 1.162,0 1.237,8 1.322,6 1.470,4 1.600,1BIP pro Kopf in USD(Kaufkraftparität) 13.756 14.127 15.327 15.806 15.569 13.987 14.729 15.735 17.318 18.658BIP-Wachstum(real) 5,8 % −1,4 % 8,8 % 2,8 % −1,8 % −3,1 % 3,3 % 4,7 % 3,8 % 5,0 %Inflation(in Prozent) 12,3 % 11,1 % 6,8 % 8,2 % 26,9 % 34,8 % 36,5 % 40,2 % 45,8 % 40,7 %Staatsverschuldung(in Prozent des BIP) 15 % 37 % 48 % 45 % 43 % 47 % 48 % 42 % 37 % 34 %

Entwicklung des Außenhandels(in Mrd. US$ und in % gegenüber dem Vorjahr) 2019 2020 2021 Mrd.US$ % gg. Vj. Mrd.US$ % gg. Vj. Mrd.US$ % gg. Vj. Einfuhr 52,2 − 14,1 46,6 − 10,7 55,0 + 18,0 Ausfuhr 59,4 − 36,4 49,8 − 16,1 76,4 + 53,3 Saldo + 7,2 + 3,2 + 21,4Quelle:GTAI

Außenhandel 2008/2009 exportierte Iran Güter im Wert von 101,3 Milliarden US-Dollar. Die größten Export-Partner waren 2009 China (16,6 %), Japan (12,3 %), Indien (10,2 %), Südkorea (7,3 %) und Türkei (4,5 %). Das wichtigste Exportgut ist Erdöl. Der hohe Erdölpreis erlaubt Iran Quersubventionen seiner Industrie und Staatskasse.

Der Import betrug 2008/2009 70,2 Milliarden US-Dollar. Die größten Importpartner waren 2009 die Vereinigten Arabischen Emirate (14,7 %), China (13,8 %), Deutschland (9,5 %), Südkorea (7,5 %) und Italien (5,2 %).

Gegen die Islamische Republik Iran wurden verschiedene Embargos verhängt. Für die Länder der Europäischen Union sind die Beschränkungen der Verordnung (EG) Nr. 423/2007 einschlägig.AW-Prax, April 2008, S. 147

Staatshaushalt Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 84,78 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 97,71 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsüberschuss in Höhe von 3,9 % des BIP.

Die Staatsverschuldung betrug 2010 16,2 % eines BIP von 467,8 Milliarden $

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Gesundheit:Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4 6,8 % Bildung: 5,1 % Militär: 2,5 %

Religiöse Stiftungen Einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor stellen die religiösen Stiftungen (Bonyād) dar. Sie kontrollieren ca. 80 % der Wertschöpfung. Die Regierung plant, den privaten Sektor deutlich zu erhöhen.Auswärtiges Amt, Länderinfos, Iran abgerufen am 12. Februar 2012. Das System der Bonyāds bestand bereits unter dem Schah und erfüllte schon damals karitative Aufgaben, wie sie auch schwarze Kassen für die herrschende Elite darstellten. Auch heute werden den Bonyāds Vorwürfe wegen mangelnder Transparenz, Korruption und Vetternwirtschaft gemacht. Steuervorteile würden die Entwicklung eines privaten Wirtschaftssektors behindern. Die Bonyāds agieren in Form von Holdings und sind in großen Teilen der Wirtschaft marktbeherrschend, so z. B. im Bereich des Exports, beim Baumaterial (Beton), Reedereien und Petrochemie, außerdem betreiben sie Hotels, Universitäten und Banken. Verantwortlich sind die Bonyāds alleine dem Revolutionsführer und Staatsoberhaupt Āyatollāh Ali Chamene’i.NZZ online: Überragende Machtstellung des Revolutionsführers im Iran 16. Januar 2007, abgerufen am 12. Februar 2012.RAND corporation, Studie Mullahs, Guards and Bonyads (PDF; 968 kB) 2010, abgerufen am 12. Februar 2012. Die beiden größten Stiftungen, deren Besitz je auf bis zu 15 Milliarden US$ angesetzt wird, sind die Bonyād-e-Mostafezān (Stiftung für Entrechtete)Website der Iran Revolution Mostazafan Foundation, Economic Activities , abgerufen am 12. Februar 2012. sowie der Āstān-e Qods-e Razavi von Maschhad, ursprünglich die Verwaltung eines Heiligengrabs, inzwischen aber ein Großkonzern. Im iranischen Sozialsystem sind die Bonyāds neben dem Staat der größte Faktor und unterstützen ungefähr die Hälfte der bedürftigen Bevölkerung.

Privatisierung Bereits seit 2001 betreiben die iranischen Regierungen Programme zur Förderung der Privatwirtschaft. Der Verfassungsartikel 44 musste dafür geändert werden.Website der Iran Privatization Organization, Law on Amendment of Specific Articles of 4th Five-Year Economic, Social and Cultural Development Plan of the Islamic Republic of Iran and Implementation of General Policies of Principle (44) of the Constitution. , abgerufen am 12.2. 2006 gab die Regierung ein Privatisierungsprogramm heraus, das strategisch wichtige Industrien im Ölsektor und im Finanzbereich einschloss. Die Umsetzung des Programms war schwach, weil der private Sektor wenig Interesse an Investitionen zeigte.Iran Privatization Organization, Implementation of Privatization , abgerufen am 12. Februar 2012. 2008 gab die Regierung ein weiteres Programm zur Ermutigung der privaten Investitionen heraus. Von den Privatisierungsbestrebungen profitiert auch die Iranische Revolutionsgarde, deren Rentenkassen große Firmen z. B. in der Telekommunikationsindustrie aufkaufen. Inwiefern die Kommandeure der Revolutionsgarden direkten Einfluss auf die Geschäftsführung der erworbenen Firmen nehmen, ist umstritten. Da Kapitalmonopole in Iran nicht wie in anderen Ländern vorhanden sind, sind viele Firmen mit akkumuliertem Kleinkapital und durch Rentenkassen finanziert. Eine direkte Einflussnahme der Revolutionsgarden auf die Geschäftsführung ist nicht in jedem Fall zu erkennen, so sitzt im Aufsichtsrat der von den Revolutionsgarden erworbenen Telekom kein Mitglied der Pāsdārān. Auch dieser Kauf war zur Hälfte privat finanziert. Kritisiert werden Steuervorteile gegenüber privaten Unternehmen sowie die Zollfreiheit der Revolutionsgarden. Am Ausbau der Teheraner Metro sind die Nationale Baugesellschaft, die den Revolutionsgarden gehören soll, und die religiöse Stiftung Bonyād-e Mostazafin va Dschānbāzān („Stiftung der Unterdrückten und Kriegsversehrten“) je zur Hälfte beteiligt. Die Pāsdārān selber bestreiten jede direkte wirtschaftliche Aktivität und weisen insbesondere den Vorwurf des Schmuggels, der von Präsident Ahmadineschad erhoben wurde, zurück.Mohsen Rafighdoost, ehem. Kommandeur der Revolutionsgarden: Sepah does no commercial activities and has no wharf 26. Juli 2011, abgerufen am 12. Februar 2012.

2025 gab die Iranische Zentralbank bekannt, dass die Ayandeh Bank, eine der größten privaten Banken Irans, mit der Bank Melli, einer Staatsbank, fusioniert wird. Grund ist die Überschuldung der Ayandeh Bank. Sie wurde 2013 von der Familie Ansari gegründet, einer der reichsten Familien im Iran. Die neue Bank finanziert viele Großprojekte, darunter auch die Iran Mall in Teheran, die größte Mall im Iran. Die Projekte waren oft defizitär, so betrugen die Schulden 2025 4,67 Mrd. USD bei Guthaben von 2,34 Mrd. USD, alle Beträge mit dem Wechselkurs am offenen Markt (open market exchange rate) umgerechnet. Offiziell hätte die Bank nur 187 Mio. USD ausreichen dürfen, 1,21 Mrd. USD gingen an Firmen, die zur Ansari Familie gehörten. Politischer Druck zwang die Zentralbank, die Ayandeh Bank mit ihren Schulden zu übernehmen, auch die Eigentümer mussten sich beteiligen. Man nimmt an, dass zur Finanzierung die Geldmenge erhöht wird, und damit auch die Inflation. Trotz der Verluste in Milliardenhöhe wurden vonseiten der Justiz weder Verhaftungen noch Anklagen verkündet.

Wirtschaftssektoren

Primärer Sektor

Landwirtschaft Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt trotz zahlreicher Gebirge und Wüsten 10 % der Landesfläche, wobei ein Drittel künstlich bewässert wird. Die Landwirtschaft ist einer der größten Arbeitgeber des Landes. Wichtige Produkte sind Pistazien, Weizen, Reis, Zucker, Baumwolle, Früchte, Nüsse, Datteln, Wolle und Kaviar. Seit der Revolution von 1979 wurde der Anbau von Weintrauben wegen des islamischen Alkoholverbots auf den 200.000 Hektar Rebfläche fast vollständig auf Tafeltrauben und Rosinen umgestellt. Bei Rosinen ist Iran inzwischen nach der Türkei der zweitgrößte Exporteur der Welt, bei Safran mit ungefähr 90 % Marktanteil des globalen Bedarfs mit Abstand der größte.

Energie Die Islamische Republik Iran besaß im Jahr 2005 eine Kraftwerksleistung von 41.000 Megawatt. Um das geförderte Erdöl für den Export verfügbar zu haben, ist der Bau von ca. 20 Kernkraftwerken geplant. Zudem ist der Bau von Anlagen für die Produktion von Kernbrennstoffen vorgesehen. Einen erheblichen Anteil an der Energie hat auch die Wasserkraft mit 12.000 MegaWatt, einige Anlagen befinden sich noch in Bau.

Erdöl Iran stand 2010 mit rund 203,2 Mio. Tonnen gefördertem ErdölBP Statistical Review of World Energy June 2011 (PDF; 8,2 MB) an vierter Stelle der ölfördernden Länder. Das Land verfügt über bekannte Erdölreserven von etwa 18 Mrd. Tonnen (136 Mrd. Barrel) und damit die drittgrößten Erdölreserven weltweit. Iran gehört mit zu den Ländern, die in der so genannten strategischen Ellipse liegen.

mini|Berge von Alborz über dem Neubaugebiet von Elahiyeh.

Nachdem die islamische Revolution 1979 die Ölförderung fast zum Erliegen gebracht und die zweite Ölkrise nach 1974 ausgelöst hatte, fördert das Land heute im Durchschnitt täglich 4,245 Mio. Barrel Erdöl (ungefähr 645 Mio. Liter). Das bedeutet eine Steigerung von 0,9 % gegenüber 2009. Davon entfallen (2010) 1,799 Mio. Barrel (ungefähr 286 Mio. Liter täglich) auf den Eigenbedarf (eine Steigerung von 1 % gegenüber 2009) die restlichen 2,446 Mio. Barrel (jährlich 892,79 Mio. Barrel bzw. 141,9 Mrd. Liter) werden exportiert. Von den weltweit bekannten, mit modernen Techniken förderbaren Erdöl-Reserven befinden sich 10–11 % (je nach Quelle 125 bis 135 Milliarden Barrel) auf dem iranischen Staatsgebiet. Iran könnte somit seine derzeitige Förderung das ganze 21. Jahrhundert beibehalten, theoretisch sogar noch steigern.