Johanniskirche in Lößnitzrahmenlos|220px|Fotostyle="vertical-align:top;" Adresse 08294 Lößnitz (Erzgebirge)Rathausplatz 3Konfession evangelisch-lutherischGemeinde Kirchgemeinde Lößnitz/AffalterAktuelle Nutzung Gemeindekirche; KulturortGebäudeBaubeginn um 1817 Erneuerungen und Umbauten ab 1991 restauriertStil Klassizismus

Die evangelisch-lutherische Johanniskirche in Lößnitz im sächsischen Erzgebirge wurde 1826 geweiht und ist eine Emporenhalle. Die Johanniskirche ist die größte klassizistische Kirche des Erzgebirges und verfügt über das zweitälteste Bronzeglockenspiel (Carillon) Deutschlands. Das markante Gebäude gilt als Wahrzeichen der Stadt und steht unter Denkmalschutz. Die Lößnitzer Johanniskirche ersetzte einen erstmals im 14. Jahrhundert urkundlich nachgewiesenen Vorgängerbau im Zentrum des Ortes.

Vorgängergebäude

Die um das Jahr 1380 erwähnte Kirche trägt das Patrozinium Johannes des Täufers, das auch nach der Reformation beibehalten wurde. Sie wurde mehrfach durch Brände zerstört, bis ins 18. Jahrhundert aber immer wieder aufgebaut. Der letzte Stadtbrand am 10. Dezember 1806 hinterließ jedoch nur noch eine baufällige RuineZeitleiste Stadtchronik Lößnitz, die abgetragen wurde.

Neubau 1817 bis 1826 und weitere Kirchengeschichte

Die neue Kirche steht auf dem historischen Anger, den die Straßenzüge Kirchgasse–Johannisplatz (Nord), Johannisstraße–Rathausplatz (Süd) sowie der Obergraben (Nordost) und eine Verbindungsstraße (West) umreißen. Zwischen Johannisplatz und Johannisstraße erstreckt sich der frühere Friedhof.

Das Kirchengebäude wurde innerhalb von zehn Jahren, zwischen 1817 und 1826, im Stil des Klassizismus errichtet. Die Baupläne fertigte der Architekt Raffael Riegel, der auch beim Bau des Wiener Hoftheaters beteiligt gewesen sein soll.Website des Verkehrsvereins Lößnitz; abgerufen am 12. März 2014 Die Einweihung erfolgte am 26. Oktober 1826. Einen 1829 ausgebrochenen Brand bestand das neue Gotteshaus offenbar ohne Schäden. Auch spätere Brände konnten ihm nichts anhaben.

mini| hochkant |links |St.-Johannis-Kirche im Jahr 1906 auf einer historischen Ansichtskarte.

Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, am 27. Juni 1917, wurden die drei bronzenen Kirchenglocken ausgebaut und für Kriegszwecke abgeliefert. 1920 konnte ein neues Geläut in Betrieb genommen werden.

Anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt Lößnitz im Jahr 1938 stiftete die in Lößnitz geborene Chemnitzer Geschäftsfrau Clara Pfauter der Stadt ein Glockenspiel, das in der Glockengießerei Franz Schilling Söhne in Apolda entstand. Es sollte im Turm des Rathauses seinen Platz finden, dessen Statik dafür aber nicht ausreichte. So kamen Stadtverwaltung und Kirchenvorstand überein, das Spielwerk im Turmaufsatz und den Spieltisch im Hauptraum der Johannis-Kirche zu installieren. Zu Pfingsten 1939 wurde es von dem Kirchenmusiker Wilhelm Bender eingerichtet und eingeweiht.Ulrich Bender: Kirchenmusiker im „Dritten Reich“: Wilhelm Bender Snippet auf books.google.de; abgerufen am 12. März 2014 Eine im Zweiten Weltkrieg geplante Einschmelzung des Glockenspiels scheiterte am Widerstand der Lößnitzer. Im Jahr 1994 fand das Glockenspielfest Lößnitz aus Anlass des 55. Geburtstages der Inbetriebnahme des Glockenspiels auf dem Rathausplatz und in der Johannis-Kirche statt.Bericht über das Lößnitzer Glockenspielfest 1994; wiedergegeben auf powertechnik.com; aus der Freien Presse, Ausgabe Aue vom 24. Mai 1994, abgerufen am 12. März 2014

Architektur

Außenbau

Das Kirchengebäude ist als verputzter Bruchsteinbau mit geradem Ostschluss ausgeführt. Das Äußere ist durch übergiebelte Mittelrisalite, Pilaster und mit Holzsprossen versehenen schmalen und hohen Rundbogenfenstern symmetrisch gegliedert. Das Fundament aus Feldsteinen ist in die felsige Hangschräge eingelassen. Die Längsachse wurde entsprechend den örtlichen Gegebenheiten gegenüber der üblichen West-Ost-Ausrichtung leicht nordwärts gedreht. Die Außenmaße des Gebäudes betragen rund 47 Meter in der Länge und zirka 25 Meter in der Breite bei einem rechteckigen Grundriss.Die Länge und Breite sind mittels Google Earth grob ausgemessen worden. Ein Zugang zur Kirche befindet sich mittig an der südlichen Längsseite des Kirchenschiffs. Der Haupteingang liegt auf der Westseite des Kirchturms. Der Kirchenbau ist insgesamt mit einem Walmdach gedeckt, unterbrochen aus der Westwand vorstehenden Turm und aufgelockert durch antikisierende Attiken über den Mittelrisaliten der drei übrigen Wände.

Kirchturm

Der 52,50 m hohe Westturm beherbergt in der oberen Hälfte eine Glockenstube. Über einer quadratischen Kupferhaube befindet sich die Laterne, in der das oben genannte Glockenspiel untergebracht ist. Eine Treppe im Turm führt mit 203 Stufen bis in die Höhe der Glockenspielstube, bis zur Laterne sind es 222 Stufen. Bekrönt wird der Turm von einem kupfernen Kreuz.

Im oberen Bereich ist auch die elektrisch betriebene Kirchturmuhr untergebracht, die sowohl das Glockenspiel als auch die Läuteglocken steuert. mini|hochkant=0.7| Gedenktafel für Gotthelf Friedrich Oesfeld

Außengelände

In einer Nische am Fuße der Süd-Ost-Mauer der Johanniskirche befindet sich eine Erinnerungstafel an den Pfarrer und Chronisten Gotthelf Friedrich Oesfeld.

Kirchenraum mini|Apsis mit Logen und Baldachinaltar Der Kirchenraum ist eine dreischiffige Emporenhalle mit Apsis. Das Mittelschiff ist mit einem gedrückten Tonnengewölbe gedeckt und schließt nach Osten in einer halbrunden Apsiskalotte. Der apsidiale Innengrundriss steht gestalterisch im Kontrast zum rechteckigen Ostabschluss des Außenbaus, wobei der entstehende Zwischenraum für Logen genutzt wird, die sich in fünf große Rundbogenfenster zur Apsis öffnen.

Die flach gedeckten Seitenschiffe sind durch drei Emporen übereinander in vier Geschosse unterteilt. Die Brüstung der mittleren Empore steht weiter vor. Die tragenden Säulen haben unter dieser mittleren Empore und am Unterzug bzw. Architrav unter der Decke ionische Kapitelle. Oberhalb der mittleren Emporenbrüstung beginnen sie mit „neuen“ Säulenbasen. An den Enden der Emporen befinden sich – mit gleichartiger Höhengliederung – kannelierte Pfeiler mit dorischen Kapitellen.

Altar

Der Altar ist ein Baldachinaltar und steht im Zentrum der Apsis. Ein vergoldetes Kruzifix schmückt den vorderen Rand des Baldachins. Ein schmiedeeisernes Gitter umschließt den Bereich.

Orgel mini|hochkant=1.2|Seitenemporen, Orgelempore, Orgel Die Orgelempore am westlichen Ende des Mittelschiffs hat die Höhenlage der unteren Seitenemporen und ragt mit konkaver Kante weit in den Raum. Die Orgel entstand in der Werkstatt der Gebrüder Emil und Bruno Jehmlich und wurde im Jahr 1899 im Gotteshaus installiert. Mit ihren mehr als 3400 Pfeifen und 53 Registern auf drei Manualen und Pedal zählt sie zu den größten Kirchenmusikinstrumenten in Sachsen. Der aufwendig mit Säulen und Ranken geschmückte Orgelprospekt nimmt die gesamte Westseite der Empore ein und wurde von Woldemar Kandler entworfen. An der Balustrade der Empore befindet sich als dezenter Schmuck eine stilisierte bronzene Harfe.

Das Instrument ist wie folgt disponiert:

I Hauptwerk C–a3 1. Principal 16′ 2. Bordun 16′ 3. Principal 8′ 4. Gambe 8′ 5. Gemshorn 8′ 6. Bordun 8′ 7. Dolce 8′ 8. Quinte ′ 9. Octave 4′ 10. Gemshorn 4′ 11. Quinte ′ 12. Octave 2′ 13. Mixtur IV 14. Cornet V 8′ 15. Fagott 16′ 16. Trompete 8′ 17. Clarine 4′ II Oberwerk C–a3 18. Gambe 16′ 19. Principal 8′ 20. Fugara 8′ 21. Concertflöte 8′ 22. Quintatön 8′ 23. Gedackt 8′ 24. Salicional 8′ 25. Principal 4′ 26. Violine 4′ 27. Octave 2′ 28. Mixtur III 29. Sesquialter II 30. Vox humana 8′ 31. Clarinette 8′ III Schwellwerk C–a3 32. Gedackt 16′ 33. Geigenprincipal 8′ 34. Violine 8′ 35. Vox coelestis 8′ 36. Rohrflöte 8′ 37. Aeoline 8′ 38. Rohrflöte 4′ 39. Fugara 4′ 40. Octave 2′ 41. Sifflöte 1′ 42. Harmonia Aetheria III 43. Oboe 8′ Pedal C–f1 44. Untersatz 32′ 45. Principalbass 16′ 46. Violonbass 16′ 47. Subbass 16′ 48. Flötenbass 16′ 49. Quintenbass ′ 50. Octavbass 8′ 51. Cellobass 8′ 52. Octavbass 4′ 53. Fugarabass 4′ 54. Posaune 16′ 55. Trompetenbass 8′

Koppeln: Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P Superoktavkoppeln: III/II, II/I Suboktavkoppeln: II/III, I/II Spielhilfen: Generalkoppel, Koppel-Aus, 1 freie Kombination, Crescendowalze, Mezzoforte, Forte, Fortissimo, Gambenchor, Flötenchor, Rohrwerkchor, Druckregister-Aus, Zugregister-Ein

Kanzel, Bestuhlung und Weiteres mini|Johanniskirche Lößnitz, Bornkinnel Anstelle einer klassischen Kanzel wurde ein metallener Ambo zur Aufnahme der Predigtunterlagen aufgestellt. Die hölzernen Kirchenbänke sind sparsam mit Schnitzereien versehen und weiß angestrichen. Die seitlich neben dem Altarbereich aufgestellte Marmortaufe mit einer Zinnschale und einem geschmückten Kupferdeckel ist mit der Jahreszahl 1867 bezeichnet. In der Mitte der Kirche hängt ein großer Kristalllüster. Zusammen mit mehrarmigen Leuchtern an den Seitenwänden und auf den Balustraden der Emporen sorgen sie für eine gleichmäßige Ausleuchtung des Innenraumes. Der Lößnitzer Bildhauer Robby Schubert schuf im Jahr 2001 für die Johanniskirche ein ausdrucksstarkes Bornkinnel.Bericht der TU Chemnitz über die Lößnitzer Johanniskirche

Geläut

Die drei aufeinander klanglich abgestimmten Bronzeglocken der Originalausstattung wurden 1917 zu Kriegsgerät umgeschmolzen. Durch eine gezielte Spendensammlung gleich nach dem Ende des Krieges war die Kirchengemeinde in der Lage, ein neues Geläut in der Gießerei Schilling & Lattermann in Morgenröthe-Rautenkranz in Auftrag zu geben. Die Weihe der drei Eisenhartgussglocken fand am 2. Mai 1920 statt.

Eine im Jahr 2009 im Kirchturm vorgenommene technische Inspektion hatte gezeigt, dass die Tragkonstruktion des Geläuts, die Fußbödenund auch die Glocken selbst nicht mehr sicher waren.Lößnitz: Johanniskirche braucht neue Glocken. In: Freie Presse vom 8. Juni 2009; abgerufen am 11. März 2014 So beschloss die Lößnitzer Pfarrgemeinde, mithilfe einer Spendensammlung drei neue Bronzeglocken in der Gießerei Perner in Passau anfertigen lassen. Dafür wurden die alten Glocken im Jahr 2011 schrittweise ausgebaut. Ein Autokran hob die Glocken am 21. November 2011 schließlich herunter. Alle drei Eisenglocken wurden auf dem Friedhof neben der Hospitalkirche ausgestellt.

Der Guss der neuen Glocken fand am 20. Mai 2011 statt, zu dem sich eine Delegation aus Lößnitz in Passau eingefunden hatte. Nachdem sie in der Brauthalle der Kirche zwischengelagert wurden, begann ab Januar 2012 der Einbau. Am 12. Februar wurden sie bei einem Festgottesdienst angeläutet, die Glockenweihe hatte bereits zuvor beim Salzmarkt stattgefunden. Das Einläuten geschah unter lebhafter Anteilnahme aller Lößnitzer und ihrer Gäste. Außerdem wurden zu dieser Gelegenheit die Treppe zur Glockenstube, die Tragbalken, die Dielenbretter und die Kirchturmuhr komplett erneuert.; abgerufen am 11. März 2014 Zwecks bestmöglicher Hörbarkeit folgte im März 2012 ein Testläuten, mit dem Ergebnis, die Jalousien der Schallläden künftig während des Läutevorgangs geöffnet zu lassen.

Übersicht Jede Glocke trägt ein gleichgeartetes Schriftband mit diesem Text: „Gloria in excelsio Deo |Johannesgeläut zu Lößnitz“ (dt. „Ehre sei Gott in der Höhe“). Die drei Schlagtöne bilden zusammen die Gloria-Klänge. Die Texte der Glockeninschriften waren zuvor von den Kirchengemeindemitgliedern und Einwohnern ausgewählt beziehungsweise vorgeschlagen und mehrheitlich beschlossen worden. Der Designer Tobias Michael aus Lauter gestaltete die Glockenzier.