Unter der Bezeichnung Reverse Logistik () oder auf Deutsch Rückführungslogistik, Umkehrlogistik, Rücknahmelogistik werden alle logistischen Prozesse betrachtet, bei denen Güter vom (End-)Kunden ausgehen und wieder in der Lieferkette zurück laufen. Dabei wird die Übersetzung des englischen Begriffs unterschiedlich verstanden und verschiedene Denkschulen konkurrieren miteinander.
Definition Das Council of Logistics Management definiert Reverse Logistik als
Englisches Original:
Diese Definition wird häufig zitiert und soll daher hier verwendet werden.
Gebiete der Reversen Logistik Die klassischen drei Gebiete der Logistik Beschaffungslogistik, Produktionslogistik und Distributionslogistik sind auf die Versorgung des Kunden ausgerichtet (engl. downstream). Die Reverse Logistik ergänzt die Prozesse um die Rückführung der Produkte bzw. Materialien Richtung Quelle (engl. upstream). Der Quasistandard SCOR-Modell zur Beschreibung übergreifender Geschäftsprozesse trägt dem Rechnung (source-make-deliver-return). Ist der Kreislauf geschlossen, so spricht man von Closed-Loop Supply Chains.
Zur Abgrenzung der Begriffe insbesondere zur Entsorgungslogistik sei auf Die Dissertation von Mühltaler Kapitel 2.2.4 hingewiesen.Sven Mühlthaler: Strategische Standortplanung in Reverse-Logistik-Netzwerken - Eine empirische und modellgestützte Analyse – Dargestellt für die Amaturenaufarbeitung. (PDF; 2,3 MB) Dissertation, Universität Kassel, 2008. Auf die Abgrenzung verschiedener Gebiete der Reversen Logistik ist meist nicht disjunkt.
Entsorgungslogistik
Die Entsorgungslogistik beschäftigt sich mit Konsumrückständen, die am Ende ihrer Nutzungsdauer wiederverwertet oder ordentlich beseitigt werden, Produktionsrückständen, Ausschuss oder Kuppelprodukten, sowie Produktverpackungen, die nicht wiederverwendet werden.
Retourenlogistik Die Retourenlogistik befasst sich mit Rückgaben, um einen vorangegangenen Kaufvertrag zu annullieren Reklamationen z. B. aufgrund mangelnder Qualität oder Rückrufaktionen In beiden Fällen müssen spezielle Prozesse zur Retourenabwicklung implementiert werden.Gianfranco Walsh, Michael Möhring: Retourenmanagement Gabler Wirtschaftslexikon, Springer
Reparaturlogistik Reparaturen verursachen logistische Prozesse. Es ist zu unterscheiden, ob die Reparatur „vor Ort“ oder als „Bring in“ realisiert wird. In beiden Fällen müssen für das zu reparierende Gerät Prozesse gestartet werden, um das Objekt zu identifizieren, einem Kunden zuzuordnen und den Defekt mit Folgeaktionen zu bestimmen: Reparatur mit ggf. Ersatzteilbeschaffung (Ersatzteillogistik) und Reparatur, Ersatzlieferung, Verwertung, Verschrottung usw.
Der oftmals verwendete Begriff Garantielogistik befasst sich mit durch Garantieanspruch verursachte Rücksendungen, sofern die Ware wieder zurückgesendet wird. Dies ist für Endkunden die Regel. Auch Gewährleistungsfälle verursachen logistische Prozesse. Beides ist aber aus logistischer Sicht nur eine Frage des Kostenträgers.
Behälter- und Mehrweggebindelogistik Dieser Teil befasst sich mit Mehrwegtransportverpackungen etwa Paletten, Gitterboxen, Kleinladungsträger und Mehrwegbehälter, wie Flaschen, Kegs, Gasflaschen. Es existieren unterschiedliche Verfahren um vereinbarte Regeln mit dem Umgang von Behältern bzw. sonstigen Mehrwegsystemen festzusetzen.
Tauschverfahren Beim Tauschverfahren werden Vollgut und Leergut zwischen den Vertragspartnern ohne weitere Abrechnung für die Behältnisse verschoben. Mögliche Ausführungen sind: Direkttausch: Der Empfänger von Vollgut steht in der Pflicht die gleiche Anzahl an Behältnissen dem Versender sofort zurückzuschicken. Zug-um-Zug-Tausch: Bei diesem Konzept erfolgt der Versand des Vollgutes direkt an den Empfänger. Für den Rücktransport des Leergutes ist ein Dienstleister tätig. Dieser Dienstleister hat ein Lager, mit dem er den Versender mit Leergut versorgt und holt Leergut vom Empfänger ab. Die Abholung des Leergutes erfolgt direkt bei Ankunft des neuen Vollgutes. Nachträglicher Tausch: Dieses Konzept ist wie der Zug-um-Zug-Tausch, nur dass das Leergut nicht direkt bei Ankunft des neuen Vollgutes abgeholt wird. Saldoausgleich: Hierbei führt jeder Teilnehmer des Mehrwegsystems ein Konto. Auf diesem werden alle Zu- und Abgänge verzeichnet. Hierbei tauschen die Teilnehmer nicht nur mit direkten Partnern, sondern auch mit anderen Teilnehmern.
Abrechnungsverfahren
Es existieren Kauf- / Rückkaufsysteme, Mietsysteme, Pfandsysteme und Umlaufentgeltsysteme.
Einzelnachweise
Kategorie:Logistik